Band: Presto Ballet
Titel: Invisible Places
Label: SAOL / H´Art / Zebralution
VÖ: 2011
Genre: Progressive Metal
Bewertung: 4/5
Written by: Robert

Ein Projekt nach Metal Church? Diese Frage hat sich meine Wenigkeit auch gestellt beim durchlesen des Beipackzettels der Truppe Presto Ballet. Nein auf keinen Fall auch wenn im Kurdt Vanderhoof (guit) und Ronny Munroe (voc) gemeinsam mit Kerry Shacklett (keys), Bobby Ferkovich (bass) und Bill Raymond (drums) mit „Invisible Places“ ein sehr tolles Album eingespielt haben, sollte der enttäuschte Die Hard Metal Church Fan eher die Finger von dieser Langrille lassen. Obwohl man schon zwei Alben mit „Peace Among The Ruins“ (2005) und „The Lost Art Of Time Travel“ (2008) eingespielt haben, ist die Truppe auch für mich völliges Neuland. Zu Unrecht, denn die Art Progressive Rock mit der man hier zu Werke geht hat es ordentlich in sich und die muss ich mir noch zulegen, denn wenn die Vorgänger nur ansatzweise so gut sind wie das aktuelle Werk hätte ich einen Proghattrick und was will man da noch mehr. Teils verspielt und mit viel Old School Hard Rock gepaart vollführt die Mannschaft einen tollen Langstreich auf unsere Gehörgänge. Auch hätte ich mir nie gedacht, mit welchen gesanglichen Leistungen Meister Munroe hier aufwartet. War er für mich bis dato eher ein mittelmäßiger Sänger, so präsentiert er sich auf diesem Meisterwerk von einer gekonnten, sehr versierten Seite. Teilweise erinnert er mich dabei sogar an eine amerikanische Version von Bruce Dickinson. Das geht nicht? Tja last auch mal die Langrille auf der Zunge zergehen und ihr werdet mir durchaus recht geben.

Zwischen klassischem 70er, aber auch 80er Hard Rock und sehr facettenreichen, progressiven Elementen wird bei „Between The Lines“ Phasenweise durch gewechselt. Sehr farbenprächtige Mischform will ich da mal sagen. Gekonnte, verspielte Züge führt man immer wieder zusammen und das dadurch entstandene Glanzstück wird nur noch durch den meisterhaften Gesang von Ronny abgerundet. Wahnsinn was man hierbei einfließen hat lassen und man kann sich kaum satt hören an diesem reichhaltigen Gehörgangmenü.

Etwas sleaziger kommt nun „The Puzzle“ daher. Die feinen Tastenkombinationen des Keyboarders sind einfach gekonnt und spiegeln viel 70er Feeling wieder. Altbacken? Nein auf keinen Fall, denn durch erfrischende Ansätze, als auch Abrundungen hat man eine sehr gelungene Spielweise drauf die das Stück deutlich moderner wirken lässt. Besonders hervorheben möchte ich hierbei den mit eingebauten Synthysound der oftmals sehr stark in den Vordergrund kommt und durch klassisches Klavierspiel immer wieder abgelöst wird. Dabei offeriert man uns eine weitreichende Progreise die man nur empfehlen kann.

Deutlich lieblicher gibt man sich zu Beginn von „Sundancer“. Ein vorerst lustiges Soundfeeling wird dabei aus dem Hut gezaubert, doch schon droht man mit dem Zeigefinger und begibt sich auf eine sehr tiefgründige, teils sehr dunkle Progsoundfahrt. Sehr komplexe Strukturen durchpflügen, den oftmals durchblitzenden warmherzigen Sound, der immer wieder durch dunklere Sounderweiterungen abgelöst wird. Bis zur Mitte hin überwiegt man aber erneut mit deutlich klarerem, als auch sonnigeren Sounderscheinungen. Gute Überleitungen, als auch Querverstrebungen lassen erneut laut aufhorchen und bescheinigen Meister Vanderhoof das er hierbei mit seiner Mannschaft ein Soundglanzstück nach dem anderen abarbeitet.

Sehr monumental wird es nun im Anschluss bei „Of Grand Design“. Bei dieser länger eingespielten Nummer hat man viel reingepackt. Doch auch hier arbeitet die Truppe nach dem Gebot„ausgewogen und eingängig“ muss es sein. Während viele Szenekollegen uns bei solchen längeren Stücken komplett überfordern und mit zu vielen Spielereien erschlagen, offeriert man hierbei eine Runde die man sich auch ohne langes rein hören gönnen kann. Binnen Zehntelsekunden steckt man wie ein Virus an und man wird richtiggehende süchtig von der Klangkunst dieser Mannschaft. Weiterhin baut man auf eine weite Klangfantasiereise und von dieser möchte man kaum mehr zurück kehren.

Deutlich flotter und wieder kompakter zusammengezimmert bestreitet man mit „One Perfect Moment“ den weiteren Weg. Erdig rockende Fragmente prallen durch ruckartige Soundergänzungen aufeinander und das schleift man noch mit vielen hymnischen Ansätzen ab. Weiterhin baut man auf Reichhaltigkeit und das präsentiert man uns dieses Mal sehr straighter und simpler.

„All In All“ serviert man uns sogleich wieder deutlich komplexer und durchdachter. Soundgefühlmäßig lässt man sich dabei ordentlich treiben und persönlich kommen dabei viele Rock Sounds zum Vorschein die mich etwas an Dire Straits, aber auch Police erinnern. Etwas abseits vom bisherigen Geschehen wird dabei musiziert, doch überzeugt man auch im eher breitentauglichen Gewässer, der progressiven Art vollends.

Den Abschluss vollführt man wieder mit einer längeren Nummer namens „No End To Begin“, welche zuerst sehr lieblich, mit akustischem Gitarrensound angestimmt wird. Dieser etwas länger anhaltende Part lässt viel genüssliche Stimmung in entspannter Lage zu. Die idyllische Soundausrichtung hält man fast durchgehend ab und dabei verstärkt bzw. erweitert das Ganze dermaßen stark das es einem als Prog Fan die Sicherungen raus knallt. Noch einmal zieht man alle Register und überzeugt an allen Fronten mit technischer Soundperfektion.

Fazit: Es gibt auch ein Leben nach Metal Church. Dass dies anders ausfallen würde hätten sich wohl viele nicht gedacht, doch dieses Meisterwerk überzeugt durch seinen reichhaltigen Prog Rock der besonderen Art. Auch gibt es Überraschungen die ich nicht erwartet hätte und dabei meine ich nicht nur den glanzvollen Vocalbeitrag von Ronny, nein auch klangtechnisch wird eine Wand aufgefahren die man nicht so leicht zum Einstürzen bringt. Meisterwerk das sich der geneigte Proggie Verehrer kaufen sollte. Freunde von Aeon Zen und so weiter sind hier mehr als nur gut aufgehoben.

Tracklist:

01. Between The Lines
02. The Puzzle
03. Sundancer
04. Of Grand Design
05. One Perfect Moment
06. All In All
07. No End To Begin

Besetzung:

Kurdt Vanderhoof (guit)
Ronny Munroe (voc)
Kerry Shacklett (keys)
Bobby Ferkovich (bass)
Bill Raymond (drums)

Internet:

Presto Ballet Website

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Presto Ballet @ MySpace

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Funkender sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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