Band: Unherz
Titel: Unherzlich Willkommen
Label: Massacre Records
VÖ: 2010
Genre: Rock
Bewertung: 3/5
Written by: Robert

So richtig einladend klingt der Titel des Albums von Unherz nicht. Da wird man leider mit den Worten Unherzlich Willkommen begrüßt. Persönlich sind die Jungs was mich betrifft ein eher unbeschriebenes Blatt. Man mag es zwar nicht gerne hören, aber gewisse Roots stammen eindeutig aus der Ära frühe Onkelz. Ein sonderlicher Fan dieser Richtung war ich zwar nie und genau so skeptisch war ich was das Album betraf. Dennoch die Mucke von Felix Orschel (voc & guit), Locke Heylmann (bass), Andy Arnold (guit) und Christian „Bogi“ Bogert (drums) macht richtig Laune. Wäre es anders gekommen in der musikalischen Zeitgeschichte so hätten diese Herrschaften Locker ihre nicht mehr existierenden Landsmänner im Handstreich überholt. Anklagend und mit vielen Sachen aus dem aktuellen gegriffen klagen und prangern auch diese Jungs alles an was sie in der jüngsten Vergangenheit gestört hat. Niemand ist vor ihnen sicher und so lässt der aufgestauten Wut, trotz kerniger, mit viel Power klingenden Songs freien Lauf.

„Sünder vor dem Herrn“ klingt wie ein lange verschollenes, besseres Stück eben der Onkelz. Dennoch als Nacheifer im großen Sinn darf man die Jungs nicht vergleichen. Gespickt mit rauen, rotzigen Roots bolzt sich die Mannschaft sehr erfrischend zu Beginn des Albums durchs Geschehen. Gute Abgehmucke erschließt sich einem hier und dazu lässt es sich eine kräftige Party feiern. Reine Partymucke? Nein auch irgendwie nicht, dazu sind die Texte des Stücks zu tiefgründig.

Etwas rollender geht es nun mit „Die Bestie“ weiter. Wer seine Probleme mit der Kirche bzw. deren jüngste Vergangenheit hat der bekommt hier eine musikalische Abrechnung. Gute Song und man nimmt den Burschen locker aus was sie mit den Lyrics bei diesem Track anprangern. Rhythmisch geht es ebenfalls eher flotter zur Sache, auch wenn an und ab alles in eine etwas rockigere Ausrichtung mündet.

Vom Sound her irgendwie fröhlicher schallt gleich „Zwanzigzehn“. Mit einem herzerweichenden Rabauken Rhythmus rumpelt man sich an dritter Stelle durchs Geschehen. Wer ein Fußballfan ist für den wird dies wohl eine neue Hymne werden, natürlich nur Gesetz dem Fall man steht auf härtere Klangkunst. Vergesst diese sinnlosen Fußballhymnen, dieser Song bietet weit mehr. Somit wohl das Unherz eigeneMexiko J

Deutlich deprimierender klingt der Sound anschließend bei „Therapie“. Ein Track der ordentlich unter die Haut geht. Nicht nur aufgrund der Lyrics, nein auch vom Rhythmus her spiegelt man dies sehr gut wieder. Ein Song für richtig beschissene Momente im Alltagsleben wo einen richtig alles ankotzt.

Noch um Nuancen trauriger knüpft man mit „Die Zeit heilt alle Wunden“ an den Vorgänger an. Um Ecken tendiert man in eine melancholischere Richtung. Eine Nummer wird uns geboten die es binnen Sekunden vermag die Gemütslage runter zu ziehen. Einmal mehr erinnert dieser Track etwas an ruhigere Songs an die Onkelz (Heilige Lieder)

„Amok“ ist dermaßen brandaktuell, detailgetreuer geht es nicht. Bei diesem Stück verwerkt man gleich zu Beginn eine Art Newsankündigung, mit rollendem, mitreißendem Gitarrenspiel. Weiterhin baut man auf diesen Eingang auf, verändert bzw. erweitert diesen aber nur leicht. Mit diesem Stück ist den Jungs ein Stück zum Nachdenken gelungen. Mit einer schier unbeschreiblichen Traurigkeit wird ein Angriff bis tief unter die Haut abgehalten.

„Dem Tod so nah“ geht wieder flotter voran. Treibendes Riffing, welches einerseits Rockig, aber andererseits etwas Metal lastiger schallt. Ein weiteres Mal hat man einen Song geschaffen der etwas schwermütiger kommt. Dennoch wagt man einige klarere, als auch fröhlich – hymnischere Ausflüge. Im Gegensatz zu den voran gegangenen Stücken lenkt man in wie schon erwähnt eine fröhlichere Richtung. Vollends wird dies nicht getan, aber mit einem guten Maß verabschiedet man sich von der tiefsinnigen Melancholie.

Auf klangtechnisch ähnlichen Pfaden wird uns nun „Verschenkte Jahre“ wieder vermehrt im mitleidenden Soundgefühl schmackhaft gemacht. Irgendwie klingt das Stück wie eine Abrechnung mit einer verflossenen bzw. verschmähten Liebe. Wer also in solch einer Situation ist, für den ist dieser Track genau das Richtige um eben den vergangenen Zeitpunkt Revue passieren zu lassen.

Sehr melodisch legt man bei „Inferno“ den Start hin. Weiter wird ein etwas stampfender Rhythmus verfolgt, der aufgrund der deutschen Lyrics, aber auch vom Grundrhythmus etwas an Kollegen aus dem Mittelalter Genres erinnert. Sicher kein Gedudel, aber vom Konzept her gibt es von vielen Landsmännern aus diesem Genrebereich sehr ähnliche Stücke. Gute Bereicherung auf diesem Album, auch wirkt der Song sehr stark mit vielen rotz frechen, kräftigen Komplettierungen. Lenkt Rhythmisch zwar in eine andere Richtung, dennoch offeriert man uns mit den Texten, das man auch an dieser Stelle wieder viel anzuklagen hat.

An letzter Stelle schiebt man nun noch „Unherz“ nach. Noch einmal tendiert man in eine sinnierende Richtung. Mit viel Hass gespickt legt man uns diesen Rausschmeißer vor. Gut aber im Gegensatz zu den Vorgänger, meiner Meinung nach etwas belangloser klingend.

Fazit: Unherz hätten schon viel früher den Herrschaften der Onkelz das Zepter locker entreißen sollen. Mit viel Einfallsreichtum und Charme frisst man den Herrschaften nach einigen Durchläufen aus der Hand. Herzerweichend auf der einen Seite, anklagend und wütend auf der anderen wird uns ein sehr mitreißendes Klangbild auf dem Rundling geboten. Allen anderen Nacheiferern und Cover Bands kann man nur sagen einpacken, denn Unherz treten euch in den Allerwertesten. Nicht nur alte Onkelz finden bei dieser Cd ein neues Seelenheil, nein durchaus könnten Fans aus vielen Sparten des Metal durchaus Gefallen an dem Album finden. Eine sehr gute Alltagsabwechslung wird uns von den Deutschen Rabauken sehr schmackhaft gemacht.

Tracklist:

01. Sünder vor dem Herrn 3:52
02. Die Bestie 3:16
03. Zwanzigzehn 3:33
04. Therapie 4:17
05. Die Zeit heilt alle Wunden 3:59
06. Amok 5:14
07. Dem Tod so nah 4:21
08. Verschenkte Jahre 5:03
09. Inferno 3:59
10. Unherz 3:59

Besetzung:

Felix Orschel (voc & guit)
Locke Heylmann (bass)
Andy Arnold (guit)
Christian „Bogi“ Bogert (drums)

Internet:

Unherz Website

Unherz @ MySpace

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Funkender sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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