DANTE sind eine aufstrebende Prog Metal Band aus dem süddeutschen Raum und wurden 2006 gegründet, um die Lücke zwischen modernen Prog Metal und dem oldschooligen Prog Rock zu füllen.

Was ihnen sehr gut gelingt, wie das bereits 3.Album eindrucksvoll zeigt.

Problemlos kann sich die Band mit solch illustren und bekannten Namen wie z.B. AYREON und Co. musikalisch messen und muß sich mit ihrem Werken keinen Plagiatsvorwürfen stellen oder sogar hinter anderen Bands des Genres verstecken. Leider verstarb vor kurzem Band- und Gründungsmitglied Markus Berger an seiner Krankheit, die es ihm schon in den letzten Monaten nicht ermöglichte, mit auf die Bühne zu gehen. Aber er bat seine Freunde und Kollegen, die Band weiterhin aufrecht zu erhalten um auch seinen Spirit weiterzutragen.

Anlässlich des aktuellen Albums „November Red“ (welches sich in meiner privaten Playlist ordentlich hoch gearbeitet hat, denn das Album wächst von Mal zu Mal), bat ich die Band etwas mehr von sich zu erzählen…

Hallo Leute stellt Euch doch mal bitte ausgiebig vor:

Markus Maichel, Keyboarder, „Director“ & Hauptsongwriter, Tontechnik, 36, freiberuflicher Musiker & Texter

Alexander Göhs, Sänger, Grafiker / Webdesigner der Band, 36 – beruflich ebenfalls als Grafiker und Webentwickler tätig

Christian Eichlinger, Drums & Orchestrationen, Webmaster, 31 – Support Verlagswesen

Markus A. Bader, 27, Gitarre, freiberuflicher Gitarrist & Musiklehrer in München

Seit wann genau existieren DANTE, wie/wo und warum habt Ihr Euch zusammengefunden um Musik dieser doch spezielleren Art zu machen?

MM: DANTE wurde 2006 von Markus Berger und mir gegründet. Erst als Studioprojekt geplant, wandelte sich DANTE wenig später zur „richtigen“ Band. Wir wollten die Musik machen, die uns gefällt, und die wir in anderen Bands/Projekten nicht machen konnten.

Was waren die Einflüsse, die Intentionen, bzw. was sind heutzutage immer noch Eure musikalischen Einflüsse und Vorlieben?

MM: Intention war, die Musik zu machen, die wir selbst gerne hören. Beeinflusst sind wir, wie die Genre-Bezeichnung Progressive Metal ja schon andeutet, vom klassischem ProgRock der 70er und sehr vielen Spielarten des Metal bis heute. Bei mir ist die Ausprägung Richtung klassischem ProgRock sicher am Stärksten (als Keyboarder muss das wohl auch so sein!) , Markus (Berger) war sehr im klassischen Metal a la Iron Maiden zu Hause, Alex ist, was den Musikgeschmack angeht, definitiv der krasseste Metaller in der Band, Markus (A. Bader) kommt eher aus der Powermetal und modernen ProgMetal-Ecke. Chris hat u.a. eine starke Vorliebe für Fusion aller Art. Unsere musikalische Schnittmenge ist so in etwa Yes, (alte) Genesis, Dream Theater, Porcupine Tree, Symphony X, Tool…

Spielt man das, was man auch gern hört?

MM: Ja, absolut! Wir spielen genau das, was wir gerne hören. Aber natürlich gibt es bei jedem Sachen, die er gerne hört, die aber im Rahmen von DANTE nicht unbedingt so zu realisieren sind.

MAB: Als Musik- bzw. Gitarrenlehrer ist man natürlich stetig einem nie endenden Fluss
an musikalischem Input und Inspiration ausgesetzt, die, ob man will oder nicht, einen selbst, wenn auch unbewusst, immer beeinflussen. Vermutlich bräuchte ich mehrere Leben, um alles zu spielen, was ich gerne höre :).
Und obwohl ich mich doch sehr in meiner musikalischen Ausrichtung verwurzelt fühle, bin ich immer wieder überrascht und begeistert darüber, wie sehr es sich doch lohnt, mal über den Tellerrand zu sehen und etwas völlig Neues entstehen zu lassen.

Chris: Dem stimme ich voll und ganz zu. Es ist stets wichtig, über den Tellerrand hinauszublicken. Meine Solowerke gehen eher in das Orchestrale. Eine E-Gitarre wird man dort vergeblich suchen. Meiner Ansicht nach macht es halt keinen Sinn, in einem Soloprojekt dasselbe zu machen, was ich ohnehin schon im Bandkontext mache. Ich habe hier einfach zwei Seiten. In den Solowerken spiele ich unter anderem noch Klavier.

Zu welchen Musikern schaut man ggf. hinauf, wer ist da großes Vorbild oder sagt man sich eher, das kann ich auch wenn ich nur will?

MM: Natürlich hat jeder von uns Lieblingsmusiker, keine Frage. Und natürlich bringt es die Musikart mit sich, dass diese Leute schlicht so ziemlich das Beste sind, was im jeweiligen Bereich an Musikern zu finden ist. Das ist teils schon auch einschüchternd, jedoch begreife ich das definitiv eher als Inspiration und Antrieb, und ich weiß, dass es den anderen Jungs auch so geht. Und zu verstecken brauchen wir uns sicher nicht! Persönliche Vorbilder sind für mich die großen Keyboarder wie Keith Emerson, Jordan Rudess, Rick Wakeman, vom Songwriting bin ich ein großer Neal Morse-Fan.

AG: Ich denke, ab einem bestimmten Zeitpunkt ist es wichtig zu akzeptieren, dass es immer Musiker geben wird, deren Genie für einen selbst unerreichbar ist. Der persönliche Ehrgeiz eines Musikers sollte sich am besten stets und ausschließlich auf die die eigene künstlerische Arbeit beziehen. Wenn im Songwritingprozess Gedanken eine Rolle spielen, wie Vorbild XY jetzt spielen würde, ist man auf dem besten Weg die eigene Musik zu verfälschen. Von daher geht es mir so, dass es eine ganze Reihe Musiker gibt, die Vorbildcharakter für mich haben. Aber sie haben wenig bis gar keinen Einfluss auf meine Arbeit. Damit mache ich mir das Leben bedeutend leichter. Wäre ja schrecklich, wenn ich mir die ganze Zeit denken würde, dass alles viel besser wäre, wenn ich wie DIO, Geoff Tate ein Mike Patton klingen würde. Um nur einige Namen zu nennen.

MAB: Ich denke, dass wir gelernt und begriffen haben, uns treu zu bleiben. Wahrscheinlich würde keiner von uns so viel Zeit und Energie in etwas Kreatives und Publizistisches stecken wollen, bei dem er nicht zu einem großen Teil er selbst sein kann. Glücklicherweise sind wir in dieser mehr als angenehmen Position und fühlen uns keineswegs bedrängt, jemanden zu imitieren. Dennoch versuche ich persönlich nach wie vor, so viel wie möglich von meinen „Helden“ zu lernen, und verstehe DANTE zu einem kleinen Teil auch als Tribut an große Musiker, ohne die wir heute wohl nicht das machen würden was uns verbindet: DANTE.

Chris: Jeder hat seine Einflüsse und Ikonen, zu denen man aufblickt und von welchen man sich auch inspirieren lässt. Die Frage ist hier immer die eigene Einstellung dazu. Als Musiker hat man zwei Möglichkeiten. Entweder motiviert man sich durch diese Leute oder man lässt es gleich bleiben, da man sich denkt, das werde ich ohnehin nie können. Motivieren muss in diesem Sinne keineswegs heißen, das man diesen nacheifert. Ich denke es ist völlig normal, dass man natürlich zu Anfang versucht, seinen Idole zu kopieren. Seinen eigenen Stil zu entwickeln braucht einfach Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Ich persönlich habe einige Helden wenn man so will. Allen voran Simon Phillips. Er begleitet mich schon sehr lange und ich schätze ihn nicht nur aus Schlagzeuger, sondern gleichermaßen als Produzenten und Songwriter. Außerdem gehören hier auch Namen wie Virgil Donati, Benny Grebb, Marco Minnemann, Gavin Harrison und noch viele, viele andere dazu. Aus dem Songwritersektor ist es bis lang wohl Craig Armstrong und David Foster. Craig Armstrong begeistert mich nun schon seit Jahren und hat mir gezeigt, dass es oft das Wenige ist, was große Emotionen hervorruft. Über David Foster muss man wohl keine Worte verlieren. Für mich persönlich ist er immer noch „The Master of Melody“.

Was wurde bereits alles veröffentlicht und bitte ein paar Worte dazu, was man vllt. heuer dran ändern würde, oder ob man alles immer noch genauso releasen würde?!

MM: Wir haben 3 DANTE Alben veröffentlicht. 2008 „The Inner Circle“, komplett in Eigenregie, 2008 „Saturnine“ bei ProgRock Records, und jetzt „November Red“ bei Massacre. Wir sind nach wie vor sehr zufrieden mit den Alben, keine Frage. Aber natürlich gibt es Sachen, die man hätte anders machen können. Bei „The Inner Circle“ hätte die Produktion sicher wuchtiger sein können, aber damals hatten wir nur sehr begrenzte Möglichkeiten, und da wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, ob außer einer Hand voll Freunde überhaupt jemand das kaufen würde, wollten wir nicht tausende Euro in die Hand nehmen, um unser Aufnahmeequipment auf ein professionelleres Niveau zu heben. Da haben wir dann im Rahmen vom „Saturnine“ nachgelegt, was man auch hören kann, und das setzte sich weiter fort mit „November Red“. An „Saturnine“ habe ich wenig auszusetzen, eventuell würde ich mir eine etwas größere textliche Einheit wünschen wie sie „Inner Circle“ hat und auch bei „November Red“ da ist.

Ein paar eigene Worte zum aktuellen Album, und was sind Eurer Meinung nach die gravierendsten Unterschiede zu den Vorgängeralben?

AG: Als Künstler neigt man immer dazu, das gerade erscheinende Album voller Stolz zu betrachten und als das Beste zu bezeichnen. Es ist komisch – früher ging ich immer davon aus, dass es bei solchen Aussagen insbesondere um Marketingvorgaben der Plattenfirma geht. Ist ja auch verständlich – ich würde mal ganz sicher auch nicht begeistert reagieren, wenn ein Künstler, der bei mir unter Vertrag steht, sein eigenes Album kritisiert. Aber da gibt es noch einen anderen Faktor. Alben sind wie Kinder. Um das jüngste dreht sich naturgemäß immer primär die Welt und die älteren Kinder rücken in den Hintergrund. Da ist wenig Platz für eine objektive Einschätzung. Ich denke, musikalisch setzt „November Red“ dort an, wo der Vorgänger „saturnine“ aufgehört hat. Schon auf „saturnine“ schlug der Metaleinfluss deutlich mehr durch als zuvor. Mit Songs wie „The Lone And Level Sands“ oder „Shores of Time“ vom neuen Album haben wir das weiter verstärkt und ausgebaut. Das war einfach eine natürliche Entwicklung, die nicht geplant war. Ich denke, alle unsere bisherigen Alben bauen relativ bruchlos auf dem Vorangegangenen auf. Und da gibt es klar eine Entwicklung, die ich sehe – unsere Musik wurde immer etwas härter, immer etwas mehr im Metal verankert. „November Red“ ist der vorläufige Höhepunkt dieser eher sanften Entwicklung. Der wichtigste Unterschied für mich persönlich zu den Vorgängeralben ist, dass „November Red“ für mich das homogenste Album ist, das wir bisher gemacht haben. Und im Gegensatz zu „The Inner Circle“ und „Saturnine“, die für mich im Nachhinein künstlerisch eine Einheit darstellen, vielleicht sogar Zwillinge sind, steht „November Red“ für sich. Aber ich glaube, da gehen die Meinungen auch innerhalb der Band naturgemäß auseinander. Es ist ein forderndes und meiner Ansicht nach großartiges Album geworden, das von Mal zu Mal wächst. Hier gibt es nicht den einen überragenden Song – und sollte es auch gar nicht geben. „November Red“ ist eine Einheit. Vielleicht kommt das daher, dass es ursprünglich ein Konzeptalbum werden sollte. Daraus wurde zwar nichts – textlich hatten wir diesen Ansatz schon früh aufgegeben. Aber musikalisch gibt es vielleicht ein Echo. Bei den früheren Alben würde ich sagen – ob der eine Song nun an dritter oder vierter Stelle steht war eine Entscheidung, die wir eben gefällt haben, weil sie gefällt werden musste, um die bestmögliche Albumabfolge zu kreieren. Bei „November Red“ war das anders. Hier hatten wir nicht eine Reihe von Songs, die geordnet werden musste. Diese Ordnung hat sich von selbst ergeben und wir haben von Anfang an unbewusst darauf hin komponiert.

Und natürlich lieben wir dieses Album nun kompromisslos. Wie Eltern ebenso sind. Und das ist gut. Mit der Veröffentlichung geht eine Reise für uns zu Ende. Für unsere Fans beginnt sie nun erst. Ich hoffe, und bin mir auch ziemlich sicher, dass sie unser neues Baby genauso lieben werden wie wir selbst.

Wie, wo und vom wem wurde das Album gemischt, gemixt, produziert, usw?

MM: „November Red“ wurde von November 2011 bis August 2012 in unseren RedTube Studios aufgenommen und produziert. Bei den allerersten Aufnahmen war Markus (Berger) noch dabei, der bis dahin unser „Chef-Tontechniker“ war. Als ihn seine Erkrankung Anfang 2012 dazu zwang, sich aus dem Tagesgeschäft der Band zurückzuziehen und sich seiner Behandlung zu widmen, habe ich das komplett übernommen und die Platte aufgenommen, gemischt und gemastert.

Wofür stehen die Lyrics-> Autobiographie, Fiktion

Birds Of Passage:

AG: Manchmal gibt Wendepunkte im Leben, in dem die Sehnsucht nach einer Veränderung Überhand gewinnt. Die eigene Alltagswelt wird grau, wirkt wie ein Gefängnis und der Wunsch nach einem Ausbruch aus dem ganzen Trott des eigenen Lebens wird übermächtig. Birds of Passage handelt von so einem Moment. Einem Moment der Klarheit, in dem man seine eigene Situation sieht und auch den Ausweg blitzartig erkennt. Solche Momente sind zumeist erschreckend und gehen schnell vorüber. Entweder man nutzt sie, um tatsächlich Veränderungen im eigenen Leben anzugehen, oder man verfällt wieder in seinen Alltag. Die Wahl liegt bei jedem selbst.

The Lone And Level Sands:

AG: Der Text des Songs basiert auf dem Gedicht „Ozymandias“ von Percy Bysshe Shelly, was sich schon im Titel zeigt.

Er handelt von Demut – Demut vor der Vergänglichkeit der Dinge. Von der ganz persönlichen – aber auch von der Vergänglichkeit großer Werke. Ob nun das eigene Leben endet und in Vergessenheit gerät oder ein ganzes Weltreich , das unbezwingbar schien – alles hat seine Zeit. Nichts ist für die Ewigkeit. Am Ende findet sich jede Idee, jede Existenz, jedes Leben an einem Ort wieder, den Percy Bysshe Shelley “the lone and level sands” nannte. Nicht darüber zu verzweifeln, ist ein Schlüssel zum eigenen persönlichen Glück denke ich. Denn wenn es soweit ist, wird jeder von uns genau vor dieser Erkenntnis stehen. Kein Fehler, darauf vorbereitet zu sein.

Beautifully Broken:

MM: Das erste Auftauchen des „gothic girls“. Von der Stimmung wollte ich etwas wie bei Edgar Allan Poe: traurig, geheimnisvoll, morbide schön. Der „angel of the Odd“ ist tatsächlich eine Hommage an Poe.

The Day That Bled:

MM: Das war der erste Song, den wir für das Album geschrieben haben. Beim Texten hatte ich noch das Konzeptalbum vor Augen. Eine kafkaeske Szene der völligen Orientierungslosigkeit, wie dieses Gefühl, wenn man sich nach dem Aufwachen nicht zurechtfindet und alles irgendwie – seltsam ist. Oder man träumt immer noch, obwohl man meint, wach zu sein. Ein Tag(alb-)traum.

Shores Of Time:

MM: Eine Sterbeszene, ein alter Mann am Ende seines Lebens, er blickt zurück, erinnert sich – erinnert sich an sie, die eine, die große Liebe – und er sich mit sich im Reinen in diesem Moment, hat sein Leben gelebt und es war gut so. Er hadert nicht, es ist gut wie es ist. Das Schöne vergeht, und doch ist er voll Hoffnung, hat keine Angst, weil ihr Lächeln da ist – für ihn. Auch hier: keine Fiktion, nichts Reales – sondern ein poetisches Bild, melancholisch und doch voll Hoffnung.

Allan:

MM: Auch hier wieder ist es vor allem ein Bild, eine Szene, die mir hier vorschwebte. Der einsame Verkäufer an einem Bahnhof, irgendwo, kaum bis nicht wahrgenommen in und von der Menge, verliebt sich – in eine Frau, die er jeden Tag sieht, die ihn aber nicht bemerkt, vielleicht auch nur in das Bild, das er sich von ihr gemacht hat, und womöglich ist das alles auch nur Imagination, der Versuch, der Einsamkeit zu entgehen. Ich mag diesen Text, er ist sicher auch derjenige, der am meisten aus meinen bisherigen Texten für DANTE herausfällt, fast schon ein klassischer Songwriter-Text.

November Red:

MM: Das Wiederauftauchen des „gothic girls“. Diesmal in Gedanken an ihren Geliebten, der – ja was? – tot ist? weg ist? Den es vielleicht auch nie gab? Auch hier ging es mir wieder nicht um Eindeutigkeit, sondern um das Bildhafte, das Gefühl, das der Text hervorruft.

Wer schreibt sie? Wer schreibt/komponiert die Musik?

MM: Das Songwriting bei „November Red“ lief im Prinzip ganz ähnlich wie bei den Vorgängeralben. Der kreative Kern bei DANTE waren immer Markus (Berger) und ich. Ich war innerhalb dieses Duos so etwas wie der „Director“, habe die Leitlinie vorgegeben und immer viele Ideen und Demos vorproduziert. Mit diesen bin ich dann regelmäßig zu Markus gegangen, und wir haben das in langen Sessions im Zweierteam ausgefeilt und arrangiert, und dann mehr oder weniger fertige Demos für die Band erstellt. Markus und ich haben uns da nahezu blind verstanden. Dann kam das Feedback der restlichen Musiker dazu, wir haben ggf. hier und da nachgebessert, Ideen aufgegriffen.. Bei „November Red“ war es sicher so, dass die restlichen Musiker schon deutlich früher mit im Boot saßen. Während die Lyrics auf „The Inner Circle“ nahezu komplett von mir kamen, war „Saturnine“ eine Mischung von meinen und Markus´ Lyrics. Auf „November Red“ kam Alex bei drei Songs dazu, der Rest kam wieder von mir.

Wie füllt Ihr die Lücke, die Markus Berger hinterlassen hat?

MM: Was die Lücke angeht, die Markus hinterlassen hat: er wird als Mensch, als Freund, und als Musiker nicht zu ersetzen sein. Er fehlt mir. Jeden Tag. Ich weiß nicht, wie viele Tage, Wochen, Jahre ich mit ihm verbracht habe, gerade mit Musik…das wird nicht wieder kommen. Das ist schwer zu begreifen. Aber natürlich ist es eben auch so, dass er schon ein knappes Jahr nicht mehr aktiv Teil von DANTE war, und so krass das klingt, irgendwie haben wir uns da natürlich auch daran gewöhnt, dass er nicht bei der Probe da ist, dass er bei der Produktion nicht da ist, dass er nicht mit auf der Bühne steht… Und es war ja auch sein ausdrücklicher Wunsch, dass wir weitermachen. Insofern sind wir als Live-Band jetzt genauso einsatzfähig wie auch schon das ganze letzte Jahr, wo wir seine Bassspuren bei Konzerten eingespielt haben. Was das Songwriting angeht, klar, das ist schon eine deutliche Veränderung. Jedoch bin ich als Hauptsongwriter ja noch da, und ich arbeite jetzt die Demos eben noch etwas mehr aus als früher, wo ich das mit Markus zusammen gemacht habe, und dann werden Alex, Chris und Markus (A. Bader) deutlich früher dabei sein und das mit mir zusammen ausarbeiten. Wir kommen da gut voran mit neuem Material!

MAB: Ein schwerwiegendes Thema, das mich immer wieder in sehr nachdenkliche Stunden sinken lässt, ist der Verlust von Markus. Es ist nicht der Verlust als Freund – denn das wird er immer sein – sondern als kreativer Kopf, Musiker, Spaßvogel und Gitarrist. Diesen Platz in der Art auszufüllen, so wie er es tat, würde mir nie gelingen, und das möchte ich auch nicht.

Chris: Ich werde Markus nie vergessen. Es gibt so viele kleine feinen Anekdoten und Geschichten, an die man zurückdenkt, und ich tu das stets mit einem Lächeln. Es gibt hierzu sogar einige Behind the Scenes auf unserem Blog zu finden. Zum Beispiel zu unserem Fotoshooting für November Red. Jeder, der möchte kann hier einen Markus Berger erleben, wie er war. Ich bin froh, dass ich ihn kennen lernen, mit ihm musizieren und zusammen lachen durfte. Und möchte mit einem Zitat schließen „His laugh still lingers on“ – Brother up in heaven (Alan Parsons)

Wie laufen bei Euch die Bandproben? Trifft man sich noch gemeinsam wöchentlich im Proberaum, wird gejammt und Spaß gehabt oder macht jeder sein Ding und es werden schlussendlich nur noch Files via Net hin-und hergeschoben, bis alles passt

MM: Wir proben fix einmal die Woche, ggf. auch öfters. Da wir komplizierte Musik spielen, ist es aber absolut nötig, dass jeder fit ist, seine Sachen kann, wenn er in die Probe kommt. Da wird nicht pausiert, weil mal einer seinen Part nicht kann. Aber das klappt sehr gut, wir sind da alle sehr diszipliniert. Und Spaß haben wir eine Menge! Die Art der Musik bringt es jedoch mit sich, dass wir eigentlich nicht groß jammen oder als Gruppe Songs schreiben. Wir haben das probiert, aber da kommt am Ende in zu viel Zeit zu wenig heraus, das sind dann definitiv zu viele Köche! Wir sind eben auch nicht in der Situation, dass wir uns als Band wochenlang im Proberaum einschliessen können. Es hat sich für DANTE schlicht als sehr erfolgreich und produktiv erwiesen, dass es einen kreativen Kern gibt, und die anderen da mal mehr, mal weniger mitmischen.

MAB: Proben 1 mal in der Woche ist ein Muss. Da wir Vier allerdings zu 50/50 in München und Augsburg leben, ist es wirtschaftlich sinnvoll, die Vorteile des Internets zu nutzen. Sprich, Files per Internet austauschen, ja! Dennoch wird ein Hauptteil der Arbeit in unseren bandeigenen RedTubeStudios, in dem von uns allen sehr geschätzten, persönlichen Umfeld getan.

Was gab es bereits für die Band bewegende Highlights und welche Tiefpunkte ließen das Bandgerüst erzittern…(Gern dürft Ihr hier etwas auf den aktuellen Trauerfall näher eingehen!)

MM: Die ganze Geschichte mit Markus´ Krankheit ist natürlich das dunkelste Kapitel, das wir durchzustehen hatten, keine Frage. Man trifft sich zur Session, freut sich, und Markus erzählt uns da, dass man da bei ihm was gefunden hat, was da nicht hingehört. Das wird überprüft, man wartet ab, dann etwas später die Gewissheit: das ist schlimm, man muss jetzt dringend eingreifen. Und zunächst sind wir ja alle natürlich davon ausgegangen, dass die Behandlung erfolgreich sein wird.
Erst Mitte 2012 ist der Gedanke, dass es vielleicht kein Happy End geben wird, ein ständiger Begleiter geworden, gegen Ende dann gab es keinen Zweifel mehr daran, dass es so kommen wird. Als Mensch und Freund bin ich froh, Markus auf diesem letzten Weg noch begleitet zu haben. Markus´ Krankheit und Tod haben uns auch sehr stark zusammengeschweißt.

Highlights: klar, die erste eigene Platte selbst produziert zu haben, die ersten begeisterten Kritiken zu lesen, zu merken, dass man die Leute erreicht und ihnen etwas gibt und bedeutet. Der erste Plattenvertrag mit der Band, das steigende Interesse der Öffentlichkeit, jetzt Labelkollege von etlichen Künstlern zu sein, die wir selbst sehr schätzen…das alles ist schon toll!

Was wurden bereits für Gigs/Touren absolviert? Wie und mit wem verliefen diese?

AG: Leider gab es bei Weitem nicht so viele Konzerte oder Touren, wie wir gern gespielt hätten. Das Geschäft ist hart. Unsere Musik ist fordernd, die Zielgruppe eher klein. Das ist ok für uns. Natürlich haben wir nicht so viele Auftrittsmöglichkeiten wie ein vielversprechender Schlagersänger. Das geht natürlich vielen Bands gerade aus unserer musikalischen Ecke so. Darum setzen wir auf Kooperation. Wir haben schon mit vielen gleichgesinnten Bands gespielt. Das Projekt „Generation Prog“ aus Nürnberg ist so ein Beispiel. Oder zuletzt ein tolles Konzert gemeinsam mit 7for4. Zu gerne würden wir auch einmal im Ausland spielen. Wien wäre für mich persönlich ein kleiner Traum. Ich liebe diese Stadt. Mal sehen: vielleicht klappt das in den nächsten Jahren endlich einmal. Wir arbeiten hart und ausdauernd daran, unseren Namen bekannter zu machen und irgendwann profitiert man auch davon. Schon jetzt ist das Interesse von Veranstaltern an uns spürbar höher als noch vor drei Jahren.

Gibt es dazu ein paar Anekdoten aus der Plauderkiste?

A.G. : Klar passieren immer wieder mal lustige Sachen. Als wir zum ersten Mal auf dem kleinen, aber feinen Lechwood Festival gespielt haben, waren wir vor unserem Auftritt Parkeinweiser. Jede Band musste einen kleinen Beitrag zum organisatorischen Ablauf der Veranstaltung leisten – was wir auch schwer ok fanden. Unsere Gesichter hätte ich aber trotzdem gern gesehen, als uns diese grellen Neon Warnwesten in die Hand gedrückt wurden mit den Worten: „Bitte weist die nächsten zwei Stunden die Leute auf dem Parkplatz ein.“ Das war schon lustig. Zwei Stunden lang gibt man winkenderweise den Parkplatzknecht, schlüpft dann schnell aus den Warnwesten, springt auf die Bühne und soll plötzlich den Rockstar geben, der immerhin gerade sein zweites Album auf einem Label veröffentlicht hat. Und ich musste während des Auftrittes dauernd überlegen, ob dank meiner Einweiskünste nicht doch das ein oder andere Auto jetzt völlig zugeparkt ist. Aber es kamen meines Wissens keine Klagen.

Was Partyanekdoten betrifft: Frag uns in zwei Jahren wieder, wenn wir vielleicht in einem kleinen Tourbus fahren und auch mal am Auftrittsort übernachten können. Zur Zeit haben wir einfach keine Zeit zum Feiern. Wir fahren nach dem Gig in der Regel mit zwei bis drei Fahrzeugen heim und müssen nüchtern bleiben. Ein Konzertabend endet für uns daher auch nicht selten erst um 6 Uhr morgens.

Was ist die grundsätzliche Haltung gegenüber Filesharing? Ob legal oder illegal? Ist es doch das schleichende Ende physischer Tonträger?

AG: Was wir gerade erleben, ist auch in gewissem Maß eine schleichende Entwertung der Musik als Solches. Immer mehr macht sich die Erkenntnis in den Köpfen breit, dass Musik immer und überall in rauen Massen verfügbar zu sein hat – im Idealfall kostenlos. Die Bereitschaft sich wirklich mit einem Album zu beschäftigen, scheint gleichzeitig zu sinken. Zumindest ist das meine Beobachtung in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Ich glaube nicht, dass mir diese Entwicklung gefällt. Ein schwieriges Thema.

MM: In der Tat ein schwieriges Thema, das finde ich auch. Aber unabhängig von der eigenen Meinung muss man einfach feststellen: das ist die Realität, ob man mag oder nicht. Es geht da eigentlich nur noch darum, wie man das Beste daraus macht. Allein für „Saturnine“ hatten wir 3 Wochen nach Release etliche Zehntausend illegale Downloads auf russischen Servern gefunden – wohl gemerkt, nur die wir gefunden haben! Das darf man nicht hochrechnen, was einem da an Einnahmen durch die Lappen geht. Aber natürlich ist es auch nicht so, dass all diese Leute dann sonst die CD gekauft hätten, und letztlich ist das natürlich auch immer Werbung. Das Gute an unserem Nischengenre ist jedenfalls, dass die Affinität zum physischen Tonträger nach wie vor sehr hoch ist. Prozentual gesehen verkaufen wir deutlich mehr CDs als über iTunes. Das ist sehr erfreulich, weil uns die toll präsentierte CD mit dickem, schönem Booklet einfach eine Herzensangelegenheit ist. Ein Album auf dem iPod gibt mir persönlich schlicht nichts – aber das bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ich denke aber, dass ich da nicht alleine stehe mit dieser Haltung, und bin mir sicher, dass es weiterhin einen Markt für physische Tonträger geben wird.

Chris: Ich finde es schade, das in Bezug auf die Musik in der Gesellschaft zunehmend die Haltung besteht, das ist doch umsonst und man muss nichts zahlen. Besonders Angst macht mir hier im Moment der Dienst Spotify. Nach einer Recherchen des Hessischen Rundfunks zufolge bekommt ein Künstler im besten Fall nur 0,00164 Euro pro Stream. verkauft der Künstler das Album physisch, so kann er im besten Fall 3 Euro bekommen. Wird es gestreamt, wären das bei 13 Songs nur 0,02 €. Damit der Künstler auf einen ähnlichen Ertrag kommt, müsste es 145 mal gestreamt werden. Dass das für die ganz Großen sogar ein nettes Zubrot noch ist, ist klar. Aber gerade die Kleinen verhungern daran doch regelrecht. Es wäre schön, wenn hier wieder ein Umdenken stattfinden würde. Jedoch habe ich die Befürchtung, dass das Album immer mehr zum Werbemittel für Konzerte wird.

Was ist die Meinung zur Zukunft der Musik, bzw. den Vertriebswegen und Arten? (Stichwort: Super-mega-Deluxe-limited-Expanded-Jahrhundert-Bonus-Edition mit mehreren versch. Bonus-CDs/DVD)

AG: Der Markt für das herkömmliche CD Format wird weiter schrumpfen, das Downloadgeschäft weiter wachsen und die Bedeutung toll aufgemachter Editionen weiter zunehmen denke ich. Schon jetzt kann man das beobachten, wenn man die Entwicklung im Vinylbereich ansieht. Ich persönlich finde das großartig. Für mich als Musikfan und Freund des Albumformates ist diese Rückbesinnung auf Wertigkeit und Haptik des Vinyls eine tolle Sache. Inzwischen ist es auch kein Problem mehr der LP einen download Link beizulegen, damit der Käufer auch unkompliziert auf die digitalen Daten zugreifen kann um seinen MP3 Player oder den CD Player im Auto versorgen zu können. Wenn man das zu Ende denkt, glaube ich, dass es für das CD Format in den nächsten zehn Jahren eng werden könnte.

Wir jedenfalls haben eine Vinylversion von „November Red“ durchaus im Hinterkopf. Wenn es sich wirtschaftlich trägt, würden wir so etwas sehr gerne produzieren. Also Leute: bitte klaut unsere Musik nicht, sondern kauft sie. Dann können wir das auch realisieren. Da hätten wir doch alle was davon.

Wie läuft es bei Euch mit dem Merch, wird das selbst vertrieben um Preise klein zu halten und um das Geld nicht an dubiose Vertriebsmaschinerien zu verlieren?

MM: Das Thema Merchandising steht sicher im Moment auf der Tagesordnung. Aktuell haben wir da nicht so wahnsinnig viel zu bieten. Klar, unsere CDs sind alle üppig ausgestattet, und wir haben immer schon viel in Richtung Bilder angeboten – Poster, Pins, Wallpapers. Aber das klassische Band-Shirt, das hatten wir bis jetzt nicht realisiert, unsere Zielgruppe ist eben auch weit gestreut – der Alt-Rocker, der Led Zeppelin noch live gesehen hat, Musiker, Metaler, Gothic-Mädels, komplette Normalos – dass man da allein bei einem Shirt die ganze Palette anbieten muss. Aber wir sind da dran, da wird es in Kürze einiges geben!

Meine Lieblingsfrage: Wie erklärt Ihr einem nichtrockenden und unwissenden Menschen Eure Musik in Worten?

MM: Wir machen harte Rockmusik, die sich nicht zwingend an formale Ablauf- und Zeitschablonen hält. Jeder Song kann viele verschiedene Teile, viele Ideen und viele Stimmungen haben, und jedem dieser Teile, jeder Idee versuchen wir, die Zeit zu geben, die sie brauchen. Wir schreiben nicht mit dem Radioformat im Kopf. Wenn der Song 7 Minuten lang sein will, wird er 7 Minuten lang, wenn er 20 Minuten sein soll, dann ist er eben 20 Minuten lang. Die Musik ist mal hart, mal leise und zerbrechlich. Mal sehr rhythmisch und oft natürlich auch virtuos, mal episch und groß, mal simpel. Und wir wollen immer, gerade in den Texten, poetisch sein.

Wie und wo seht Ihr Euch selbst in ca. 10 Jahren? Was sind Eure Ziele?

MM: Schwer zu sagen. Das Wichtigste ist für uns zweifelsohne, dass wir auch in 10 Jahren noch zusammen Musik schreiben und zusammen Alben veröffentlichen können! Wir sind jetzt nicht so vermessen, zu glauben, dass wir mit der Art Musik in 10 Jahren Plattenmillionäre sind…Aber realistisch und schaffbar ist, dass wir in 10 Jahren so etabliert sind, dass wir viel touren und regelmäßig veröffentlichen können. Das ist ganz sicher ein Ziel. Es gibt eigentlich nichts Cooleres, als Konzerte zu spielen!

Zu guter Letzt noch ein paar Worte Eurerseits zu den Lesern

MM: Wir sind unheimlich froh und stolz, dass wir den Leuten da draußen „November Red“ präsentieren können. Es ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Album für uns. Wir haben härter und auch länger gearbeitet als je zuvor. Und es hat sich definitiv gelohnt! Ich glaube, das Besondere an DANTE-Alben ist, dass sie immer mehr sind als nur eine Sammlung von Songs, die man nebenbei auf dem iPod hört, sie leben von der Einheit der Musik mit den Texten und dem Artwork, sie sind eine Einladung, sich intensiv mit ihnen zu beschäftigen und sich in sie zu vertiefen, und meiner Ansicht nach ist uns das nie besser gelungen als bei „November Red“. Aber natürlich machen auch gerade die traurigen Umstände von Markus´ langer Krankheit und seinem Tod „November Red“ für uns so besonders. Es wird für uns immer untrennbar damit verbunden sein, mit dieser Trauer, dieser Fassungslosigkeit, der Enttäuschung, dass er den Release so knapp nicht mehr erleben konnte. Aber es wird eben auch immer mit den vielen großartigen Erinnerungen an Markus verbunden sein, an die lange und schöne Zeit, die wir miteinander hatten, als Freunde, Weggefährten, und Musiker. Markus wollte so sehr, dass dieses Album veröffentlicht wird, und wir haben alles daran gesetzt, dass wir dieses Album, das dann letztlich sein Vermächtnis werden sollte, fertigstellen können. Wir wünschen uns einfach, dass die Leute beim Hören von „November Red“ die Freude empfinden, die wir, mit Markus, dabei hatten, es zu schreiben!

Share.

About Author

Comments are closed.

Diese Website nutzt Cookies. Bitte beachten Sie unsere Datenschutz-Erklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close