Photocredit by Manuel Vargas Lepiz

Eluveitie sind einer der heißesten Exporte der schweizer Musikszene. Mit Origins werfen die Folk Metaller nun ihr neues Album auf den Markt. Ein guter Grund um mit Fronter Chrigel Glanzmann über das Album, Besetzungswechsel und Fernsehauftritte zu sprechen.

CE: Ihr habt mit Origins ein neues Album am Start – wie sind denn so die Erwartungen?

CG: Ehrlich gesagt hat eigentlich keiner von uns irgendwelche Erwartungen, ich weiß es nicht. Natürlich denkt man vielleicht so, vielleicht so, aber unterm Strich musst du sagen du weißt es einfach nicht. Es kann sein dass du Musik schreibst, ich meine dir gefällt es sowieso sonst hättest du es ja nicht geschrieben, aber es kann immer sein dass es super wird und ein Hit wird, aber auch jeder sagt, was ist das denn für ein Schrott. Du weißt es einfach nicht und deshalb machen wir uns da gar keine Gedanken darüber und lassen uns überraschen.

CE: Wie seid ihr denn mit den ersten Reaktionen zufrieden, ihr habt ja einige Songs vorab veröffentlicht und auch schon Live gespielt.

CG: Die ersten Reaktionen fanden wir sehr sehr cool. Sei es von der Presse und auch den Fans, das hat uns schon sehr gefreut. Beim ersten Song den wir veröffentlicht haben war die Reaktion wirklich hammermäßig. Es gab natürlich auch solche denen es gar nicht gefallen hat, das gibt’s ja immer, aber die große Menge hat das wirklich extrem gut aufgenommen.

CE: Wie würdest du denn den Unterschied zu Helvetios sehen?

CG: Unterm Strich ist es natürlich eine Weiterentwicklung, das ist ganz normal, wie eben auch Helvetios gegenüber dem Album vorher war. Es ist jetzt natürlich keine Wahnsinnsänderung, aber es gibt schon 2 Dinge die wir verändert haben. Das eine ist musikalisch, also bevor wir mit dem Songwriting begonnen haben beendeten wir unseren bisher längsten Welttour-Zyklus, der dauerte so gut 2,5 Jahre. In diesen 2,5 Jahren haben wir im Grunde nichts anderes gemacht als unsere Instrumente in den Händen zu halten und zu spielen. In dieser Zeit ist dann auch jeder von uns musikalisch stark gewachsen und ich denke das ist etwas was man auf dem Album merkt. Ich meine beim Songwriting habe ich jetzt nicht alles eingesetzt was möglich wäre, ich finde ja Musik ist gut wenn sie im Kopf des Hörers ein gewisses Bild erzeugt, nicht wenn sie einfach super komplex ist. Spielerisch ist das Album schon auf einem sehr viel höherem Niveau im Vergleich zu was wir früher gemacht haben. Das ist so die eine Entwicklung, das andere ist halt rein Produktionstechnisch aber das ist jetzt nicht ganz neu, das ist eine Tendenz die wir schon mit Helvetios eingeschlagen haben und jetzt auf Origins jetzt noch viel konsequenter durchsetzten. Wie soll ich jetzt sagen, es geht um Authentizität. Heutzutage ein Metal-Album aufzunehmen und eine Produktion zu machen bedeutet eigentlich klinische Arbeit, das ist fast wie Chirurgie. Ich meine da wird Part für Part aufgenommen und dann jede Note zurechtgeschnipselt, dass einfach alles klinisch perfekt klingt. Das hat sich jetzt über die Jahre eingebürgert, ich meine es klingt schon super fett alles, aber darum geht es ja eigentlich gar nicht. Bei den Gitarren zum Beispiel. Wir wollen nicht die super fette Metal-Gitarre. Wir haben das jetzt wirklich konsequent durchgesetzt und Origins ist nun wirklich sehr roh, da ist nicht sehr groß daran rumgeschnipselt, und auch Mixing-Technisch, wenn du das Album vorher gehört hättest, da klingen die Gitarren und das Schlagzeug nicht viel anders als nun auf der fertigen CD. Zum einen macht es das natürlich schwieriger im Studio, da ja jede einzelne Note schon perfekt sitzen muss, es macht es anspruchsvoller, aber irgendwie auch schöner. Zum anderen heißt es aber auch, dass es in Anführungszeichen Unperfektheiten auf dem Album gibt. Wenn ein Schlagzeug oder die Gitarre roh gelassen wird, unterliegt die natürlich menschlichen Schwankungen, das ist ja ein Mensch der da spielt und kein Roboter. Insofern hat es wirklich ein paar Unperfektheiten. Ich meine Teile meines Gesangs sind nicht immer lupenrein, es hat gerade mal beim Gesang eine leicht schiefe Note drauf oder so, das wollten wir aber so, natürlich nur im Rahmen, also wenn du scheiße spielst dann geht das natürlich nicht, aber dennoch wollten wir das so. Ich denke so das sind jetzt die wichtigsten Weiterentwicklungen würde ich sagen.

Photocredit by Manuel Vargas Lepiz

CE: Das letzte Album habt ihr ja auch im Tourbus aufgenommen, gab es dieses Mal wieder etwas Ähnliches oder war alles regulär?

CG: Ne, Gott sei Dank nicht. Wir haben dieses Mal wirklich eine Tourpause gemacht um das Album aufzunehmen. Hatten wir theoretisch bei Helvetios ja auch, aber da hat sich alles verzögert und da die Tour schon gebucht war hat sich das eben überlappt und wir waren gezwungen das im Tourbus zu machen. Aber das war zum Glück dieses Mal nicht der Fall.

CE: Was kannst du mir denn zu den Texten sagen? Was verbirgt sich denn hinter dem Titel Origins?

CG: Grundsätzlich beschäftigt sich das Album wieder um Sagen aus Gallien, alten antiken Ursprungs, Grimms Sagen und so was. Jeder Song beschäftigt sich mit so einer Ursprungslegende. Teils sind es Gründungssagen von in der keltischen Kultur wichtigen Städten, bis hin zu Mythen und Legenden über den Ursprung der Kelten selbst. Daher kommt auch der Albumtitel, das Album erzählt die Geschichte der Ursprünge.

CE: Zu King habt ihr ja auch ein Video gedreht, wieso fiel die Wahl genau auf diesen Song, ich meine es wären ja Vianna oder The Call Of The Mountains wären auch durchaus Optionen gewesen?

CG: Ja grundsätzlich wäre aus unserer Meinung jeder Song auf dem Album eine Option gewesen. Am liebsten hätten wir ja für jeden Song ein Video gedreht, aber das ist halt immer eine Zeit- und Finanzfrage. Aber warum gerade King? Wir mögen den Song, spielen ihn auch gerne Live, haben ihn auch schon ein paar Mal live aufgeführt, aber wir wollten halt als erstes einen Song rausbringen, der das Album als Ganzes repräsentiert. Da ist die Wahl auf King gefallen.

CE: Produziert hat auch wieder Tommy Vetterli, wie viel Einfluss hat er auf das Album?

CG: Naja, produziert haben wir selbst. Wir produzieren die Alben immer selber, aber Tommy ist Co-Produzent. Insofern ist sein Einfluss nicht wahnsinnig. Also jein, es ist nicht so dass er in das kompositorische irgendwie Einfluss hätte wie das ein Produzent haben kann, das ist überhaupt nicht der Fall, er engineert halt alles, nimmt auf, mischt es, in diesem Fall hat er es gemeinsam mit mir gemischt. Ein wenig Einfluss hat er schon, da er ja aufnimmt. Er treibt dich da halt an alles besser und besser zu machen da er dann nur ein gutes Ergebnis akzeptiert. Er holt einfach das Beste aus dir raus.

CE: Mit Nicole habt ihr ja auch wieder ein neues Mitglied in der Band. Was kannst du mir über sie sagen und warum hat gerade sie den Job bekommen?

CG: Weil sie mit Riesenabstand die Beste war. Nicole ist einfach großartig. Sie passt einfach super zu uns und musikalisch war das für uns schon wie ein 6er im Lotto. Meri machte sich schon länger Gedanken wegen einer Veränderung im Leben und als sie sich dann entschieden hat, hat sie es uns auch natürlich früh genug gesagt damit wir jemanden neuen finden können. Die Suche hat sich dann nicht so einfach gestaltet. Ich hab mir da wirklich den Arsch abgesucht, wir hatten dann auch ein paar Kandidaten am Start und es war echt nicht einfach. Am Ende wurde es dann auch zeitlich knapp da wir ja auch schon das Studio gebucht haben und immer noch keinen Nachfolger hatten, da hab ich schon kalte Füße gekriegt. Dann kam ganz spontan eines Nachts mal eine E-Mail von einem Kumpel von uns der meinte nur er hätte eine kennen gelernt die spielt Geige und würde zu uns passen. Sie hat mir dann eine richtige Bewerbung, also mit Lebenslauf wie für einen Job, geschickt, die hat mich schon überzeugt, ja und sie spielte halt schon ihr ganzes Leben, hat schon hunderte Konzerte gespielt, lass uns doch mal hören wie sie spielt. Ja dann bin ich auf YouTube gegangen und hab mir ein paar Videos angeschaut und da hatte ich den Kiefer unten, ich meine die spielt saugeil. Wir haben sie dann eingeladen zum Vorspielen zu uns in den Proberaum. Wir haben das dann immer so gemacht, dass wir 5 Songs, möglichst verschieden und möglichst schwierig, der Geigerin gegeben haben, lern die und spiele die. Normalerweise war es immer so, dass die so ein Monat Zeit hatten um die Songs einzustudieren, und halt auch einen Monat brauchten. Bei Nicole war das dann so, also wir proben immer dienstags, ich hab mit an einem Freitag telefoniert, hab ihr die Songs geschickt, hab gefragt ob sie noch was braucht und so, und hab auch gefragt wie lang sie jetzt brauchen würde und da war sie ganz verwundert, wie ich das denn meinte, ihr probt ja am Dienstag, sie würde am Dienstag kommen. Ich musste sie dann natürlich fragen ob das ihr ernst ist, du bekommst die Stücke am Freitagabend, Stücke die echt kompliziert sind und du kannst die am Dienstag schon perfekt spielen. Ja klar kein Problem. Sie ist dann am Dienstag gekommen und hat uns komplett weggeblasen und das war es dann.

Photocredit by Manuel Vargas Lepiz

CE: Im Herbst folgt auch wieder eine längere Tour oder besser gesagt mehrere Touren. Was sind da die Erwartungen für euch? Ihr seid ja doch eine sehr routinierte Live-Band, ist das schon Business as usual oder doch etwas Spezielles?

CG: Es ist immer beides. Natürlich kriegt man auch Routine aber es ist schon immer etwas Besonderes, etwas auf das wir uns total freuen. Wir lieben es live zu spielen und wir freuen uns auch auf die Tour. Es ist auch immer eine Herausforderung und wir versuchen auch immer weiter an unserer Live-Performance zu arbeiten. Momentan sind wir eben gerade am Gedanken machen über neue Sachen die wir eventuell ausprobieren könnten und so weiter.

CE: Ende Dezember folgt dann auch wieder euer Eluveitie & Friends. Was kannst du mir da darüber erzählen, es ist ja doch schon das vierte Mal heuer.

CG: Ursprünglich war es einfach mal die Idee, dass wir ein eigenes kleines Mini-Festival machen. Mit der Idee dahinter jetzt nicht unbedingt eine bestimmte Musikrichtung zu verfolgen, also ein Folk-Metal-Festival zu machen sondern eben Name sein Programm, Bands einzuladen mit denen wir befreundet sind, mit denen wir eine Tour gemacht haben, irgendwie sowas. Wir haben das dann eben ausprobiert und es war sehr cool, wir haben das sehr genossen, ich glaube die Besucher auch und da hat sich das eben so eingebürgert, dass es jedes Jahr passiert und jetzt schon zum vierten Mal. Wir sind jetzt noch dabei die Bands einzuladen, die erste Band die wir bestätigen konnten waren In Extremo, da freuen wir uns sehr drauf, das sind sehr coole Leute da freuen wir uns echt wieder darauf mit denen zu spielen.

CE: Ihr seid heuer auch ausgezeichnet worden mit dem Swiss Music Award als beste Live-Band. Was bedeutet denn so ein Award für dich?

CG: Eine weitere Buchstütze zu haben, also das Ding ist jetzt wirklich eine Buchstütze geworden. Ich denke wir empfinden da zweierlei. So wie ich es jetzt angetönt habe, es bedeutet uns nicht so viel. Es ist halt eine Auszeichnung, das ist zwar schon toll, aber Trophäen sind jetzt nicht der Grund warum wir Musik machen, interessiert uns jetzt nicht so wahnsinnig. Auf der anderen Seite hat es uns schon gefreut, es ist ja doch die größte Musikauszeichnung in der Schweiz, so ungefähr der Grammy der Schweiz und das war jetzt das erste Mal in der Schweizer Musikgeschichte, dass der Award an eine Metalband geht. Das hat uns dann sehr gefreut, hat auch sehr für Furore gesorgt in der Presse, das hätte niemand erwartet, wir auch nicht. Es hat uns auch gefreut, da Metal in der Schweiz doch eher ein Nischenprodukt ist. Wir haben das auch so gesagt, wir haben den Award nicht für uns gewonnen sondern für die Schweizer Metalcommunity.

CE: Ihr habt ja auch eine Fernsehproduktion hinter euch, was kannst du mir denn da drüber erzählen?

CG: Ja das ist so eine Kooperation zwischen ich glaube ZDF, 3Sat und dem Schweizer Fernsehen. Die Idee war, dass ein klassisches Werk ausgesucht, eine Band aus dem Bereich Rock/Metal ausgesucht wird und dann noch ein klassischer Musiker, Dirigent oder so, ausgesucht wird und die sollen dann eine Interpretation des klassischen Werks im Stil der Metalband machen. Das ist das Projekt und das wird filmerisch begleitet vom Anfang bis zum Endprodukt. Wir wurden da angefragt ob wir Bock hätten das zu machen und das passt zeitlich gut, das Album ist fertig die Tour beginnt noch nicht, also hätten wir Zeit das zu machen, fanden wir spannend, an 4 Drehtagen passierte das alles, war alles spontan und wir wussten vorab nicht, welches klassische Werk das sein wird.

CE: Dann wäre ich auch schon wieder am Ende, die letzten Worte überlasse ich dir

CG: Ja mir bleibt nur zu sagen, danke für das Interview und natürlich auch ein großer Dank an alle Leser für euer Interesse an Eluveitie.

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