Kürzlich hatte ich als Rezensent die Freude, das Debüt der serbischen Black Metaller All My Sins im virtuellen Player rotieren zu lassen. Es konnte mich durchwegs begeistern; und da hierzulande wenig über serbische Extreme Metal-Truppen zu lesen ist, war das doch eine wunderbare Gelegenheit, ein Interview mit Gitarrist/Keyboarder V und Basser/Schreihals Nav Cosmos anzuleiern. Lest selbst, was sie zu berichten hatten…

Peter: Hallo, All My Sins! Als östereichischer Rezensent war für mich Euer kommendes Debüt Pra Sila – Vukov Totem der erste Kontakt mit Euch. Das Album ist eine faszinierende Mischung aus eher traditionellem Black Metal und einigen Folk-Aspekten, das Ganze scheint von Themen südslawischer Mythologie zusammengehalten zu werden. Lasst uns doch einmal wissen, wer All My Sins sind und wofür Ihr steht!

all-my-sins-pra-sila-vukov-totem-album-coverNav Cosmos: Grüße auch an Dich! Das stimmt schon, der Sound der „Zweiten Welle“ des Black Metal ist auf unserem Debüt präsent, ebenso Foklore-Elemente vom Balkan. All My Sins wird von mir und V repräsentiert, wir arbeiten zur Zeit vor allem als Duo. Die Band wurde 2000 gegründet, wir haben zwei Demos in den Jahren 2002 und 2004 veröffentlicht, dann hatten wir eine lange Pause in der Diskographie bis zur „Lunar/Solar“ EP von 2016. Wir brennen darauf, zu zeigen was wir fühlen und suchen diesen Ausdruck durch Musik und Texte, aber auch durch visuelle Darstellungen.

P: Danke! Wie bereits erwähnt, mag ich die Platte wirklich! Ich denke, unsere LeserInnen sind neugierig auf Eure Themen. Könnt Ihr uns mehr über den Hintergrund des „Vukov-Totem“-Themas erzählen? Offensichtlich ist das Symbol des Wolfs, wie in vielen anderen Kulturen weltweit, auch hier wichtig. Was ist speziell am Wolf in Euren Lyrics? Oder andersrum: Nehmt Ihr traditionelle BM-Themen und passt sie in Euren kulturellen Background ein?

NC: Danke für die gute Frage. Schön, dass Dir das Album gefällt. Das Thema und das Konzept, mit dem wir uns auf diesem Album auseinandersetzen, ist nur mit dem kulturellen Hintergrund und der Region, aus der wir kommen, verbunden. Der Wolf steht in unserer Mythologie für den mystischen Urvater unseres Volkes und stammt aus der Deutung des Mondzyklus in der südslawischen Mythologie. Wir sprechen über eine entfernte und nicht greifbare Vergangenheit, und wie dieser Wolf von damals seine heutigen Nachkommen beobachtet.

Viele Stämme und Völker der Antike, ebenso später während der Völkerwanderung, verehrten bestimmte Tiere, auch andere Wesen und Monster wurden als göttliche Wesen betrachtet. Das war bei vielen Völkern und Stämmen weltweit der Fall. Wir beschäftigen uns stark mit Themen, die sich an den vorchristlichen südslawischen Kulturhintergund anlehnen. Wir ziehen es vor, autonom zu bleiben und unsere Sichtweise zu präsentieren.

P: Wie wir alle wissen, sind Herkunft und Folklore ein weit verbreitetes Thema im Extreme Metal. Auch wird dies teils mit stark destruktiven Ressentiments und Nationalismus, teils sogar Neo-Faschismus verknüpft. Serbien hat in Bezug auf sein kollektives Gedächtnis und Nationalismus einen sehr komplexen Hintergrund. Wie sehr Ihr Eure Musik in diesem Kontext?

V; Nein, All My Sins hat mit solchen Ideen nichts gemein. Im Gegensatz zu vielen Vorurteilen über Serbien und den Balkan hat diese Gegend auch sehr viele faszinierende, spirituelle Inhalte zu bieten; etwas, das auch (Mittel-)Europa vielleicht wiederentdecken könnte.

P: Als Reviewer habe ich oft den Eindruck, dass KünstlerInnen, die aus der scheinbaren Peripherie (was für ein blödes Wort!) der Metal-Welt stammen umso härter arbeiten müssen, um global veröffentlichen und touren zu können. Ich weiß leider sehr wenig über die serbische Extreme-Szene. Wie denkt Ihr über diese Situation? Oder, anders gefragt: Kümmert Euch das?

V: Ehrlich gesagt, das Wort, das Du benutzt hast, ist nicht unrichtig. Im Gegensatz zu allen Mainstream-Klischees zu Serbien und dem Balkan, gehört diese Region grundsätzlich zur (west-)europäischen Kultur, ist aber leider in einer peripheren Region dieser Welt verortet. Ich denke, Du verstehst, dass ich damit nicht geographische Zusammenhänge meine.

all-my-sins-1Ja, da sind viele Hindernisse für KünstlerInnen von hier, Dinge, die Leute aus Mittel- oder Westeuropa nicht kennen. Neben der musikalischen Infrastruktur, die sich erfolgreich erholt hat seit der Zeit um die Jahrtausendwende, sind es die genannten Vorurteile, gute sowie schlechte, auf die wir noch immer treffen. Unnötig zu erwähnen, dass keines davon zutrifft. Aber SerbInnen müssen sich noch immer damit auseinandersetzen, wenn sie am Rest der globalen Szene andocken wollen.

P: Danke für die spannenden Antworten! Abschließend: Was wird die Zukunft bringen, gibt es Tour-Pläne?

V: Keine Pläne im Moment. Wir haben die Idee, live zu spielen, nicht aufgegeben, aber im Moment konzentrieren wir uns auf Studioarbeit.

NC: Danke Dir und Euren LeserInnen sowie allen SupporterInnen! Erwartet mehr Outputs von uns, wenn die Zeit dafür reif ist!

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