Bands: Malignant Tumour, Barreleye, M.A.D., Horrible Creatures Date: 14.10.2016, Venue: Bandhaus, Leipzig


Vier Bands, 10 Euronen und Freitag, das musste doch diesmal passen! Und es passte hervoragend! Das Undergroundkonzert im kleinen Bandhaus war nicht nur gut organisiert, sondern auch sehr gut, quer durch die Altergruppen, besucht.

Horrible CreaturesDen Anfang machen relativ pünktlich die Horrible Creatures aus Karlstadt, die es schaffen, mit ihrem derben Thrash die anfängliche Zuschauerzahl von ungefähr 25 Leuten zu vervielfachen und anerkennden Applaus zum Schluß erhalten. Dazwischen liegen sieben Songs, die neben den bekannteren Manic Spree und dem Titeltrack der EP, Depressive Hunt, haupsächlich unbekannte Titel enthalten. Diese folgen weiterhin dem Credo der Band, zeitgemäß, aggressiv und geradeaus zwischen Death Angel, Pantera und Slayer, zu agieren.
Dabei ist es vor allem Frontmann Frank, der diesen Sound mit bühnenfüllenden Aktionsradius und ständigen Aufrufen zum bangen und moshen sogar ein paar dazu bringt. Am Ende ist der mittlerweile knapp halb volle Saal der beste Beleg für die Qualität der Tschechen. Ein starker Opener, dessen EP ich nur empfehlen kann und der hoffentlich bald eine Plattenfirma findet.

Nach einer kurzen Umbaupause hält der Kult Einzug. M.A.D. aus Bad Dürrenberg, die sich zum zweiten Mal und (soweit ich das weiß) in der Urbesetzung zusammengetan haben, spielen auf und werden dem Begriff „Kult“ mehr als gerecht.
M.A.DDie optische Darbietung beschränkt dabei auf grandiosen Standfußball. Dass Sänger Robert sein Mikro auf die Größe des zwei Köpfe kleineren Gitarristen Jürgen einstellt, ist ist hierbei das auffälligste Merkmal.
Was bei den meisten Acts kritikwürdig wäre, scheint hier nur ein Teil des Gesamtkozeptes zu sein. Die Musik beinhaltet Death/Thrash Metal mit schwarzem Anstrich, was die Herzen der Old School Fraktion merklich höher schlagen lässt. Von Return To The Black Sky über Night Of Nothing bis zu Welcome To War gibt es großartigen Stoff, den gerade durch das sparsame Acting der Musiker eine besondere Atmosphäre umgibt.
Das wird vom Publikum wohlwollend aufgenommen, auch wenn sich der Bewegungsdrang vor der Bühne zumindest in den hinteren Reihen mit dem auf der Bühne in etwa die Waage. Mit dem abschließenden Sodomy And Lust verabschieden sich die Anhaltiner unter Applaus, um den Weg für den Hauptact freizumachen.

Und der kommt, wie schon der Opener, aus Tschechien. Die aus Ostrau stammenden Malignant Tumour sind in weiten Teilen der Szene mittlerweile bekannt für exzellente Shows. Die einstige Crust/Grind Band Malignant Turmorhat sich im Laufe ihres Bestehen immer mehr von ihren Wurzeln entfernt, ohne diese allerdings zu verleugenen. Schon lange zählen die Mährer zu einer der besten Rock N Roll Bands überhaupt, was unter anderem der Auftritt beim diesjährigen IFOA untermauerte, wo man vor gefüllten Rängen die Zuschauer zum ausrasten brachte.
Man durfte also gespannt sein, wie die Show in kleineren Rahmen ankommt.
Der Saal ist mittlerweile brechend voll, nur eine Lücke in der Mitte bietet trügerisch mehr Platz. Mit We Paint The Town Red entern Malignant Tumor die Bühne und die eben noch vorhandene Freifläche wird zum pogen, tanzen und bangen genutzt. Das Quartett, bei dem Martin Vyorálek und Robert Šimek wie gewohnt durch Perücke und Kunstbart auffallen, legt dann mit The Biggest Band und Overdose & Overdrive ordentlich nach, so dass ich mich aufgrund des tobenden Mobs dazu entschließe, meine Kamera in die Obhut meiner besseren Hälfte zu legen, um mich beim Titeltrack des kommenden Albums, The Metallist, wieder in die vorderen Reihen zu stürzen.
Dabei entgeht mir nicht, das Frontmann Bilos bei den grandiosen Eartshaker und We Are The Metal Probleme mit seiner Stimme hat, was das Publikum im Feierwahn nicht interessiert. Die meisten kennen die Texte ohnehin und grölen fleißig mit, das Bandhaus bebt, Teile des Publikum fallen auf die Bühne, die PA fällt um und selbst die Band muss aufpassen, dass ihr nicht das Equipment um die Ohren fliegt!
Während Bilos bei Infernör gekonnt dem Mikro ausweicht, weil ein Fan auf die Bühne knallt, verliert einer der Fans seine Brille, die ihm dann aber immerhin zur Hälfte gereicht wird, was dieser mit einem Schulterzucken qittiert und weiter abmosht.
Die Tanzwut kennt auch nach dem Garotos Podres Cover Saddam Hussein is Rock N´Roll kein Ende, man fordert Zugabe, wobei Band und Publikum sich einigen:
„Ok, when you stop to destroy the PA, then we will play some one more!“ schlägt Bilos vor und so bildet Low Life den kröhnenden Abschluss des Gigs. That was fucking Metal!!!
(Dass der Klub mittlerweile wieder aufgebaut ist und das Brillenglas unversehrt gefunden wurde, möchte ich hier der Vollständigkeit halber noch erwähnen.)

BarbeleyeDie Arschkarte gezogen haben dagegen die Berliner Barreleye, die den Rausschmeißer markieren und vor zirka zwanzig Leuten mit ihrem modernen Melodic Death Metal ebenfalls gut ankommen.
Die meisten Besucher sind bereits nach Hause, was zu später Stunde nach drei Bands und fünf Tagen Maloche verständlich ist, allerdings auch unfähr.
Im Laufe des Auftritts wird es aufgrund dessen nicht mehr viel voller, aber die müden Anwesenden erleben einen guten Gig, bei der es der Band anzumerken ist, dass sie gerne Live spielt.
Besonders Sänger Micha Peters mit seinen theatralischen Gesten und Basser Szymon Leśniewski, der seine Rastas oft fliegen lässt und sich gekonnt in Pose setzt, stechen hier heraus. Die „jetzt esrt recht“ – Haltung weiß man zu würdigen, und so bekommen Barreleye am Ende auch mehr als nur Anstandsapplaus.

Fazit:

Volle Hütte bei einem kleinen Konzert, leider eine Seltenheit, weswegen in der Konzertlandschaft solche wunderbaren Abende mittelfristig wohl fehlen werden. Deswegen die Bitte an alle Metalheads:
Wer für bekannte Bands hunderte von Dollars lässt, der sollte auch ein paar Kronen für kleinere Veranstaltungen übrig haben. Im schlechtesten Fall gefallen einen die Bands nicht, aber das Bier ist günstig und man lernt neue Leute kennen, im Normalfall findet ihr immer eine tolle Band bei solchen Veranstaltungen und im Idealfall ist das Bier gut und günstig, jede Band ist gut und die Leute ein bunter Haufen voller Verrückter.
Diesmal war es der Idealfall.

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