Nightwish 27.04.12 Bank Austria Halle Gasometer Wien

Written by Chris. Posted in Live Berichte 2012, Live-Berichte

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Published on April 28, 2012 with No Comments

Bands: Nightwish Date: 27.04.12 Venue: Bank Austria Halle Gasometer Wien

Die Bank Austria Halle im Wiener Gasometer ist ja nicht unbedingt die kleinste Halle die es in unserer Bundeshauptstadt gibt. Wenn man es als Band dann schafft, bereits im Vorfeld eines Konzertes für ein vergriffenes Kartenkontingent zu sorgen, kann man davon ausgehen, dass man in seiner Karriere durchaus einiges richtig gemacht hat. Die Rede ist in diesem Fall von den finnischen Chartstürmern, die unter dem Namen Nightwish derzeit quer durch Europa unterwegs sind, um ihr aktuelles Album Imaginaerum nun auch Live auf die Bühne zu bringen.

Da man ja aufgrund des vorher schon erwähnten ausverkauften Konzertes durchaus mit einem Ansturm rechnen konnte war natürlich klar, dass sich jedoch bereits Stunden vor dem eigentlichen Beginn der Veranstaltung bereits Schlangen vor den Eingängen des Gasometer bildeten war für mich doch nicht zu erwarten. Nach anfänglichen organisatorischen Problemen und einem länger als geplanten Aufenthalt vor der Halle, bei dem ich auch leider erfahren durfte, dass der für 20 Uhr angesetzte Beginn etwas vorverlegt wurde (Eklipse mussten bereits um 19:30 auf die Bühne) ging es jedoch endlich in Richtung Ort der Veranstaltung, jedoch leider erst zu den letzten Tönen der vorhin genannten Vorband. Außer dass die Halle bereits sehr gut gefüllt war und dass das vertretene Publikum durchaus einige Jubelarien losgelassen hat, kann leider zum Auftritt der deutschen Damen, die ähnlich wie Apocalyptica zu Beginn mit Streichern bekannte Songs nachspielen, nicht mehr gesagt werden.

Nach einer sensationell kurzen Umbaupause durfte die erste finnische Band des Abends die Bühne betreten, und dies auch einige Minuten bevor die eigentliche Bühnenzeit von Battle Beast begonnen hätte. Man stellt sich da zwar die Frage, ob man lieber Umbaupause hat oder eine Band sieht, wenn die Band jedoch auch trotzdem nur die geplante Spielzeit zur Verfügung hat ist die Frage aber glaube ich sehr schnell beantwortet. Die zuvor genannten Finnen, die als Gewinner des 2010er Metal Battle, dem Band Contest des Wacken Open Airs, und spätestens auch durch die Veröffentlichung ihres Albums Steel, welches es in diesem Jahr über Nuclear Blast in die Läden schaffte, eventuell schon dem einen oder anderen Besucher des Gasometer ein Begriff war, hatten von Beginn an ein leichtes Spiel mit dem Publikum. Die Songs, die vor allem durchaus Einflüsse aus den Richtungen Manowar oder Judas Priest beinhalten, wurden mit einer Professionalität und Präzision heruntergespielt, die wieder einmal zeigt, dass die Anzahl der talentierten Musiker im hohen Norden einfach extrem hoch ist. Die Band wäre aber nichts ohne Sängerin Nitte, die mit ihrer variablen Stimme immer wieder an Kimberly Goss und ihre Supergroup Sinergy (bei Musikern wie Sharlee D’Angelo von Arch Enemy, Marco Hietala von Nightwish, Alexi Laiho von Children Of Bodom oder auch Ex-In Flames Gitarrist Jesper Strömblad kann man durchaus Supergroup wählen) erinnert. Songs wie Steel, Enter the Metal World oder auch das geniale Show Me How To Die machen wirklich Lust auf mehr und lassen hoffe, dass die sechs Finnen bald wieder in unserer Gegend unterwegs sind.

Anschließend wurde die Bühne mit einem Vorhang verdeckt ehe es eine gefühlte Ewigkeit (okay es war nur etwas mehr als eine halbe Stunde) dauerte, bis Nightwish Bassist Marco in einem Schaukelstuhl, immer noch hinter dem Vorhang und dank gut eingesetztem Licht nur als Schatten erkennbar, auf der Bühne Taikatalvi von sich gab. Als sich dann zu Storytime der Vorhang (erst nach einem Teil des Songs) doch in Luft auflöste wurde erst das Ausmaß der Show erkennbar. Von einer riesigen Videowall, die immer wieder passende Videos zu den einzelnen Songs zur Schau stellte über eine gelungene Feuershow, dem Publikum in der ausverkauften Bank Austria Halle wurde einiges geboten an diesem Abend. Da ja Nightwish nicht nur einen Hit auf Lager hat ging es gleich mit Wish I Had an Angel, dem ersten Song des Abends der mit Once von einem Album kommt, bei dem noch Tarja Turunen die Stimme von Nightwish war. Auch wenn Anette Olzon nicht die gesangliche Klasse von Tarja hat, macht sie doch immer wieder einen guten Job und sorgt gemeinsam mit Marco für eine sehr gute Gesangsperformance. Mit Amaranth folgt auch gleich ein Song, der die erste Single von Nightwish mit Anette am Mikro bildete und natürlich ein Song ist, der von Mastermind Tuomas Holopainen genau auf diese Stimme zurechtgeschnitten wurde. Was aber sofort auffällt an diesem Abend ist irgendwie die fehlende Chemie zwischen Band und Publikum. Es wird zwar immer wieder in den Pausen lautstark gejubelt, die fehlende Kommunikation (Marco versucht es zwar mit ein paar kaum zu verstehenden Ansagen, Anette redet erst gegen Ende des Sets zum ersten Mal) und die nicht so motiviert wirkende Band sorgen jedoch während der Songs nicht unbedingt für die tolle Stimmung. Nach einem Block vom neuen Album (unter anderem mit Scaretale, Slow, Love, Slow oder auch The Crow, the Owl and the Dove) ging es wieder zurück in ältere Zeiten um mit The Islander durchaus gelungen, mit Marco an der Akustikgitarre und Jukka am Cajon, fortzusetzen. Normalerweise ist es ja so, dass das Publikum beim größten Hit einer Band kurz vorm ausflippen ist. Da der größte Hit von Nightwish wohl den Titel Nemo trägt, denkt man sich auch bei diesem Song, dass nun große Party im vollen Gasometer sein wird. Alleine die Tatsache, dass Nemo wie schon The Islander zuvor mit Akustikgitarre vorgetragen wurde zeigt schon, dass die Stimmung durch den Song nicht unbedingt gesteigert wurde. Ja die Band beherrscht die Instrumente, ja Marco und Anette können singen, aber diese Performance hat gezeigt, dass nicht jeder Song in einer ruhigen Version funktioniert. Mit dem Instrumental Last of the Wilds, Planet Hell und Ghost River ging es anschließend wieder in normalem Tempo und mit gewohnten Instrumenten weiter ehe man sich nochmal für Dead To The World in alte Century Child Zeiten zurückversetzt und mit dem Gary Moore Klassiker Over The Hills And Far Away den regulären Teil des Sets schon beendet, was für mich durch die lange Heimreise auch schon zum Ende des Konzertes wurde.

Setlist:

01. Taikatalvi
02. Storytime
03. Wish I Had an Angel
04. Amaranth
05. Scaretale
06. Slow, Love, Slow
07. I Want My Tears Back (with Troy Donockley)
08. Come Cover Me (with Troy Donockley)
09. The Crow, the Owl and the Dove (with Troy Donockley)
10. The Islander (with Troy Donockley)
11. Nemo (with Troy Donockley)
12. Last of the Wilds (with Troy Donockley)
13. Planet Hell
14. Ghost River
15. Dead to the World
16. Over the Hills and Far Away (Gary Moore cover) (with Troy Donockley)

Zugabe:

17. Finlandia (Jean Sibelius cover) (with Troy Donockley)
18. Song of Myself (without part 4)
19. Last Ride of the Day
20. Imaginaerum

Was bleibt also vom ersten Auftritt von Nightwish in Österreich im Rahmen der Imaginaerum Tour hängen? Mit einem großartigen Support Battle Beast hat der Abend zwar richtig gut angefangen, der nicht ganz gelungene Auftritt von Nightwish, der zwar mit großartiger Pyro-Show und fettem Sound punkten konnte, machte jedoch das mit gut 40€ je Ticket nicht ganz billige Konzert nicht unbedingt zu einer herausragenden Veranstaltung.

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