Bands: Graveyard Avenue, Whenever, Hellavista, Norah Date: 19.11.2015 Venue: Viper Room, Wien

Der Viper Room Vienna bietet Bands mit der Rock Zone! eine sehr attraktive Chance, sich zu präsentieren.

An jedem Abend dieser Rock Zone!-Fixterminen haben bis zu fünf Bands die Möglichkeit, die Bühne zu rocken. Ab drei Gruppen findet der Spass statt, und dabei ist es vollkommen egal, ob man schon Bühnenerfahrung besitzt, oder sich zum ersten Mal auf diese wagt. Auch ist die Zusammenstellung der Genren komplett egal. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der Abwechslung.

Die Bands müssen nur sich selber und ihre Instrumente mitbringen – die Backline wird zur Gänze vom Viper Room gratis gestellt. Auch gibt es hier keinen Kartenpflichtverkauf. Die Tickets, die die Bands vom Veranstalter gratis zu Verfügung gestellt bekommen, dürfen sie verchecken und den Erlös einstreifen.
An dem Abend, an dem wir anwesend waren, dem 19.11.2015 gaben sich die Bands Graveyard Avenue, Whenever, Hellavista und Norah ein Stelldichein.

Beim Gig von Hellavista haben wir besonders gut aufgepasst – war doch diese Gruppe der Anlass unseres Erscheinens.

Natürlich wollen wir die anderen auftretenden Bands nicht zur Gänze vergessen. Den Anfang machte Graveyard Avenue – eine Coverband aus Niederösterreich. Sie machten eine sehr ordentliche Show und brachten die Töne 1:1 rüber. Hauptaugenmerk der Band sind Songs aus den 1970er Jahren, bevorzugt von CCR. Aber die Jungs haben auch Ac/Dc oder Kings Of Leon drauf – keine Sorge. Stimmlich macht die Frontfrau eine wunderbare Figur, nicht nur optisch. Sie ist zwar nocht nicht immer zu 100% textsicher, dafür punktet sie unheimlich mit ihrer Stimme – die unglaublich viel Sexappeal mit sich bringt – und ihrem Rhythmusgefühl. Wir sind der Meinung, dass man sich Graveyard Avenue auf jeden Fall einmal anschauen sollte.

Die zweite Band des Abends waren die Wiener Heavy-Rocker Whenever. Hier wurden schon härtere Töne angeschlagen als gerade eben noch. Zu Anfang des Gigs war die Musik sehr basslastig. Die Jungs sind technisch schon schwer in Ordnung. Ihr dargebotenes Material ist etwas schwerere Kost, dürfte aber nicht für jeden etwas sein. Geübtere Ohren dürften an den düsteren Klängen Whenever’s aber durchaus Gefallen finden. Für ihren Debütgig haben sich die Wiener Jungs aber wacker geschlagen und geben sogar noch eine Zugabe zum Besten. Anmerken muss man hier – ausser Konkurrenz – der Lautstärkenpegel der Ausgabegeräte kletterte hier schon dezent in schwindelerregende Höhen.

Den Schlusspunkt setzten an diesem Donnerstagabend Norah aus Wien. Die drei Jungs haben sich dem Rock verschrieben und leben diesen auf der Bühne total. Was jedoch sofort auffiel, war, dass soundtechnisch nicht alles optimal verlaufen ist. Die Stimme war anfangs fast gar nicht zu hören, denn der Rest der Kapelle war viel zu laut. Die Höhen waren dermaßen gen Anschlag gedreht, dass man das Gefühl hatte, das Trommelfell zerspringe gleich. Auch die einzelnen Sequenzen der Tracks konnte man kaum wahrnehmen. Ab und An kamen dann doch ganz ordentliche Rhythmen und Melodien zum Vorschein, der Sänger wirkt teilweise aber etwas überfordert mit Text und Klampfe. Dennoch besitzt Norah mit Sicherheit ne ordentliche Portion Potential.

Zu unserem Hauptact, den Dritten dieses Abends, müssen wir ganz kurz ein wenig weiter ausholen. Hellavista ist eine Neuformation ex-Freund Hein-Membern. Sorry für dieses Ausschweifen, aber ein kleiner Nachruf sei mir doch erlaubt.

Für mich als Freund Hein Fan fast aller erster Stunde, war diese Auflösung natürlich ein Stich ins Herz. Erlebte ich doch damals als – ich glaube 15-Jähriger – legendäre Shows wie das „Yamaha-Bandcontest“-Finale auf der Praterwiese, oder Geburtstagsfeiern mit Freund Hein-Auftritt in einem kleinen Nest, einen Steinwurf neben meines Heimatortes im wunderbaren Weinviertel.

Ebenso wurde natürlich jedes neu erschienene Album sofort und mit riesiger Freude besorgt und tagelang im Player laufen gelassen. Als sich dann vor ein paar Jahren eine entscheidende Personalrochade ereignete, fürchteten so einige Fans schon um die Band. Es ereignete sich nämlich ein Wechsel am Mikrofon und an der Gitarre. Dirty Harry sollte von nun an die Vocals übernehmen und Glaso sollte für neue Impulse an der Klampfe sorgen . Mit diesen beiden kam aber unerwarteter Schwung in die ganze Sache, die nun noch mehr Spass machte. Dirty Harry und Glaso haben, meiner Meinung nach, der Gruppe Freund Hein auf ein anderes Level geholfen. Man investierte sehr viel und sehr gute Arbeit in ein neues Album und gab legendäre Shows. Ehe sich dann eben der Basser davon machte. Nun wurde es längere Zeit still um die Band. Glühende Freund Hein-Fans waren schon sehr betrübt über diesen schwelenden Zustand. Als dann das endgültige Aus kam, wollten wir das eigentlich nicht wahr haben, und hofften dennoch, dass sich doch noch irgendwann mal etwas ergeben würde.

Anfang diesen Jahres kam dann die erfreuliche Nachricht, dass die Mannen wieder ihr Arbeitsgerät in die Hände nehmen und sich wieder dem Treiben des Groovy Thrash Metals hingeben. Und zwar in Form von Hellavista. Es wurde ein neuer Bassist engagiert und ab sofort wird Material erschaffen.

Somit möchte ich das Kapitel Freund Hein für die Fanbase schliessen – wir werden die Band immer im Hinterkopf tragen und uns an geile Songs, Shows und Alben erinnern – herzlich willkommen Hellavista!

Hellavista gab an diesem Abend also ihren Debütgig. Neckbreaking Groovy Thrash Metal – so das von der Band genannte Genre – trifft den Nagel wohl auf den Kopf. Gleich beim ersten Song zeigten die Mannen um was es bei ihnen geht – um harte Riffs, eingehende Melodien, zerberstende Drums, abartig bebender Bass, irre Keyboards und um Growls und Screams eines Untiers.

Hier werden die Moshpit-Schrauben sehr festgezurrt. Die Songs gehen ab wie Nachbars Katze und lassen absolut keinen Spielraum zum Verschnaufen. Sehr genial ist auch der Auftritt vom neuen Basser Renne (ex-Tripminus). Er wirkt wahrlich nicht wie ein Fremdkörper in diesem Team. Bei ihm könnte man meinen, er ist schon seit ewigen Zeiten in dieser Formation aktiv. Er hegt keine Scheu vor dem verwöhnten Publikum und fügt sich nahtlos in diese Gruppe der Wahnsinnigen ein. Mr.PP an den Drums zerdrischt an diesem Abend jegliche Illusion eines gemütlichen Kesselspiels. Glaso shreddert Riffs vom Feinsten und unterhält das Publikum mit seinem virtuosen Soli-Spiel. Hombre an den Keys ist in seinem Element. Dass ein Keyboard so robust ist, hätte man nicht für möglich gehalten. Er hämmert in die Tasten als wolle er Ungeziefer zermatschen, hebt das Keyboard auf als wäre es eine Gitarre und dem noch nicht genug, wirft er noch sein Knie drauf und drischt in die Tasten bis zur Eskalation. Dirty Harry am Mikrofon ist einfach ein Untier. Er growlt und screamt sich die Seele aus dem Leibe und lebt seine Texte. Bei der ganzen Mannschaft sieht und merkt man, dass sie ihre Sache lieben und aus Überzeugung handeln. Hier gibt es kein aufgesetztes Rumgepose und Pussygehabe – Hellavista gibt sich sehr authentisch und Publikumsnahe. Insgesamt versprühen die neuen Tracks etwas mehr Melodie als die „alten“. Vor allem – habe ich das Gefühl – dass die Keyboards etwas mehr Spielzeit bekommen, was nicht nur mich sehr gefreut hat. Die Stimmung im Viper Room ist nahe dem Siedepunkt und das Publikum feiert die Songs Hellavistas ausgiebigst. Auch ein Coversong „Bourbon Time“ von Freund Hein befindet sich in der Setlist, was die Fans erfreut, da man schon mitgrölen kann.
Wenn die Truppe aber weiterhin so auftritt – mit diesem Enthusiasmus und dieser Freude, dann wird es nicht lange dauern, und die Fanschar kann auch die neuen Texte auswendig mitkrächzen.
Die Show Hellavistas war ein wirklicher Leckerbissen, der ab nun aber viele weitere Auftritte verlangt. Die Fanschar würde bestimmt nichts dagegen haben, Hellavista im Jahre 2016 regelmäßig zu sehen. In diesem Sinne heissen wir Hellavista nochmals herzlich Willkommen! Nach diesem Debütgig im Viper Room kann man nur noch sagen: Hellavista has arrived and destroyed everything!

Vielen Dank auch an den Viper Room, dass er mit der Rock Zone! eine sehr coole Plattform für Bands geschaffen hat. Immer und immer mehr wird der Viper Room zum Hotspot in Wiens Konzertlocations. Seit Jahren kann man hier sowohl weltbekannte, als auch sehr feine Underground-Bands bestaunen.
Wenngleich ich nur eine kleine Kritik loswerden muss bezüglich der Lautstärke. Diese war an diesem Abend fast schon nicht mehr auszuhalten. Es war dermaßen laut, dass einem schon die Ohren richtig weh taten. Und auf Nachfrage Tags darauf bei einigen Gästen dieses Abends, hielten sich der Tinnitus und die Schmerzen nicht nur bei mir hartnäckigst.

Ansonsten kann man dem Viper Room wieder nur gratulieren zu einem sehr gelungenen Abend voller cooler Musik und der tollen Arbeit die das gesamte Team vom Viper Room leistet.

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