Chester Charles Bennington – Nachruf für den Linkin Park Frontman

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Published on Juli 21, 2017 with No Comments

Chester Charles Bennington – Nachruf für den Linkin Park Frontman

Geboren, am 20. März 1976 in Phoenix, Arizona als Sohn eines Polizisten und einer Krankenschwester, war Chester Charles Bennington nicht nur Sänger von Linkin Park, sondern auch von Dead by Sunrise und der Stone Temple Pilots.
Chester Bennington wuchs nach der Scheidung seiner Eltern im Jahre 1987 bei seinem Vater auf, der ihn aber weitestgehend vernachlässigte. 1993 gründete Chester mit seinem Jugendfreund
Sean Dowdell die Band „Sean Dowdell and his friends“. Schon bald lernte er die Schattenseiten des Business kennen und kam mit Alkohol und Drogen in Kontakt. Die Mengen an konsumiertem Alkohol wurden immer größer und auch bei den Drogen ließ Chester nichts aus (LSD, Opiate, Ko-kain, Crystal Meth) – und so blieb er sogar an Kokain und Crystal Meth hängen und entwickelte eine Abhängigkeit. Dennoch schaffte er – neben aufgebrummten Sozialstunden – seinen High School-Abschluss und jobbte bei einer Immobilienfirma und bei Burger King – um seine Sucht zu finanzieren. Sean Dow-dell war auch sein Partner mit dem er ein Tattoo-Studio eröffnete und dieses im Laufe der Jahre sogar zu einer Tattoo-Studiokette hochzog. Seine erste Frau Samantha Olit ehelichte Bennington 1996 – der Ehering wurde auf Grund von Geldmangels tättowiert.

1999 begann dann der Aufstieg Chester Benningtons, denn er kam zur Band „Xero“. Die stellten ihn – nachdem er sich drei Tage in einem Studio einschloss und sämtliche Demos einsang – als neuen Sänger ein und benannten sich um in „Hybrid Theory“. Fünf Wochen nach diesem Clou brachte die Band ihre erste EP in Eigenregie auf den Markt, die aber flopte. In Warner Music Group fand sich dann endlich ein Verleger, der sich der Band annahm und veröffentlichte unter dem neuen Namen „Linkin Park“ (Lincoln Park) das erste Album im Jahre 2000, das mehr als 25 Millionen Mal verkauft wurde.
One Step Closer
Das war sozusagen die Geburtsstunde eines rasanten Siegeszuges der bis zum heutigen Tage anhielt. Mit Linkin Park veröffentlichte Chester Bennington sieben Studioalben, zwei Live-Alben, drei Remix-Alben, 26 EP’s, 34 Singles und 37 Musikvideos, von den zig Live-Auftritten mal ganz zu schweigen. Insgesamt kommt die Band auf unglaubliche rund 70 Millionen verkaufter Tonträger. Die Band erreichte bisweilen als Auszeichnung für ihre Musikverkäufe weltweit sagenhafte 113 Mal Gold, 151 Mal Platin und ein Mal Diamant. Die Youtube-Views von Linkin Park belaufen sich an-geblich (Stand 11/2016) auf 3 Milliarden Klicks. In den Social Media Kanälen kann die Band auf Facebook 61,9 Millionen, auf Twitter 5,5 Millionen und auf Instagram 3,8 Millionen Follower auwei-sen. Fans weltweit verzehrten sich nach Chester Bennington und seinen Kumpels von Linkin Park, wenngleich die Musik ein ziemlich schwerer Brocken war.
Crawling
Linkin Park gilt als Crossover- beziehungsweise Nu-Metal/Alternative Metal-Band. Ihre Einflüsse waren von Anfang an verschiedenster Herkünfte – ob Metal, Punk, Rap, Hip Hop oder Elektro – Linkin Park vereinte, nein – verschmolz diese Inputs kongenial.
Man darf auch sagen, dass die Musik der Amerikaner mit Fortlauf der Zeit immer ruhiger und kommerzieller wurde. Auch der vermehrte Einsatz von Elektronik und das Runterschrauben des „Metal-Anteils“ wurde immer offensichtlicher. Ein gewisser Wandel machte sich bemerkbar. Was natürlich daran lag, dass Frontman Chester irgendwann anfing, sein eigenes Leben von Liedern der Band abzukapseln. Nimmt man die Texte Chesters mal her, ging es bei Linkin Park zumeist um ein gewisses Ende. Die Texte vermittelten immer den Eindruck vom „nicht Dazugehören“, von Schmerzen im Inneren, von tiefgründigen Gedanken, philosophischen Gedankensprüngen und waren geprägt von depres-siven Episoden. Umso schmerzhafter und mit noch mehr Nachdruck wirken die Texte nun am heutigen Tage.
Man wusste als Konsument auch von Chesters Problemen und Süchten mit und von Alkohol und Drogen, vom sexuellen Missbrauch den er als Kind erleiden musste, von den Depressionen die ihn plagten. Das alles verarbeitete dieser tolle Musiker, dieser grandiose Sänger in seinen Texten, und brachte jede einzelne Silbe immer und immer wieder auf den Punkt. Er konnte mit seiner Stimme und seinem Ausdruck darin dem Hörer nicht nur Gänsehaut verschaffen, sondern ließ ihn sogar für die Zeit des Songs regelreicht eintauchen in dieses Gefühlschaos. Aus diversen Interviews geht hervor, dass Chester vor einem Jahr noch beziehungsweise wieder an Depressionen litt. Er sagte, er habe ein Burnout, aber nicht weil er sich müde fühle, sondern er habe einfach die Schnauze voll von der Welt. Er wollte nichts mehr machen, wollte niemanden mehr sehen. Seinem Therapeuten soll er gesagt haben, er könne nichts mehr hören, und wolle kein Mensch mehr sein.
Randnotiz: Einer von Chesters engsten Freunden war übrigens Soundgarden/Audioslaves Chris Cornell, der sich erst im Mai diesen Jahres das Leben nahm und der am 20. Juli seinen Geburtstag gefeiert hätte.

Wie schlimm es um einen Menschen bestellt sein muss, dass er solche Gefühle in sich trägt, wie tragisch und aussichtslos er seine Situation gesehen hat, dass er den Mut aufbrachte, sich selber zu richten, lässt einen Außenstehenden nicht mal erahnen. Wer selber keine Erfahrungen mit De-pressionen hat, kann sich nicht ausmalen, wie es in Chester ausgesehen haben könnte. Bei all dem Ruhm den er erlangte, bei allen Triumphen die er feierte, bei all dem luxuriösen Leben (materialistisch gesehen) das er lebte, konnte er am Ende dem Druck in seinem ganz persönlichen Inneren, das nur ihm gehörte, nicht mehr Stand halten.
Zurück bleiben neben seiner schier unfassbaren Fanschar, vor allem seine Frau Talinda und seine sechs Kinder. Auf jeden Fall werden die Fans, aber auch die „nicht-die-hard-linkin-park-fans“, den Künstler Chester Charles Bennington im Gedächtnis behalten. Seine Schreie und Screams haben Geschichte geschrieben. Dafür kann man ihm nicht genug Tribut zollen…egal ob man Fan war oder nicht, denn…
in the end, it doesn’t even matter…

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