Knorkator – Ich bin der Boss

Written by Ronja. Posted in Specials

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Published on Oktober 07, 2016 with No Comments

Das mittlerweile 8. reguläre Studioalbum der Berliner Band kommt mit erstaunlich sattem, ausgereiftem Sound daher. Wahrscheinlich macht sich die kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Köpenicker Henk-Studio bezahlt, in welchem sie seit 2011 aufnehmen und mischen. Nikolaj Gogow ist übrigens wieder dabei und brilliert an den Drums, nachdem er in den letzten Jahren von Sepp und Philipp vertreten wurde. Den Bass zupft nach wie vor Rajko Gohlke, und das Kern-Trio Stumpen/Alf/Buzz Dee ist auch unverändert am Start. Der aufmerksame Hörer wird in einigen Backing Vocals die Stimme von Jen Majura erkennen, die seit 2012 wiederholt als Gitarristin Gastauftritte bei diversen Knorkator-Konzerten hatte und auch auf „We want mohr“ fleißig mit trällerte.

Wer Knorkators notorisches Desinteresse an stilistischen Konventionen schätzt, wird auch diesmal voll auf seine Kosten kommen. Klare, böse Riffs wechseln sich mit pathetischen Jubelchören ab, ausgelassenes Krachmachen geht nahtlos über in streng geregelte Polyphonie. Mal wird das Augenmerk auf ernste Themen gelenkt, dann wieder pubertär rumgeblödelt. Rohe Gitarrengewitter sind genauso wichtig wie zarte Streichensembles. Sogar ein Fagott hat sich eingeschlichen. Dennoch wirken all diese Gegensätze in der Gesamtheit rund, in sich stimmig und überzeugend.

Was beim letzten Album anfing – nämlich die Vertonung des Struwwelpeters – wird nun fortgesetzt. Ulkigerweise ist ausgerechnet die Geschichte vom Mohren erst jetzt dabei, und nicht schon auf dem Album mit dem Namen „We want Mohr“. Warum das so ist? Wir werden es wohl nie erfahren.

Was wären Knorkator ohne ihre haarsträubenden Coverversionen? Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt noch an die Goombay Dance Band. Deren Hit „Eldorado“ von 1978 kommt nun völlig souverän im True-Metal-Gewand daher, als wäre es nie ein Disco-Kracher gewesen.
Und nicht zum ersten Mal wurde ein prominenter Gast-Star verpflichtet. Die meisten kennen Axel Prahl als Tatort-Kommissar. Einige wissen, dass er auch als Sänger und Songwriter mit einer eigenen Band unterwegs ist. Hier nun singt er das Lied „Setz dich hin!“, ein zynischer Appell an das Volk, sich doch bitte aus den Angelegenheiten der Global Player rauszuhalten.

Alles in allem ein wunderbar vielschichtiges Album sowohl zum Zuhören, als auch zum Rumzappeln, sowohl zum Lachen, als auch zum Nachdenken. Knorkator eben.

www.knorkator.de

Tracklisting:

01. Ich bin der Boss
02. Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett
03. Eldorado
04. Dämon
05. Sie Kommen
06. Wenn die Kinder artig sind
07. Die Geschichte von den schwarzen Buben
08. Die Geschichte vom Zappel-Philipp
09. Setz Dich Hin
10. Aha (Instrumental)
11. Du bist kein Mensch

Das Album KnorkatorIch Bin Der Boss” (Tubareckorz) erschien am 16.09.2016.

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