cover artwork TRELLDOM …by the word…

Band: TRELLDOM 🇳🇴
Titel: …by the word…
Label: Prophecy Productions
VÖ: 29/05/26
Genre: Avant-garde Black Metal

Tracklist

01. When This Was Young
02. I Speak Forgotten Voices
03. This Moment The Life Of A Memory
04. By The Word
05. Folding The Mind
06. The Word – Choose To Vanish
07. In There Outside

Besetzung

Kristian Eivind Espedal – Vocals
Stian Kårstad – Guitars, Electronics
Kenneth Kapstad – Drums
Eirik Øien – Bass
Kjetil Møster – Saxophone, Clarinet, Organ, Electronics

Bewertung:

4,5/5

Die kultige, aber auch polarisierende Band TRELLDOM kehrt mit ihrem neuen Album „…by the word…“ zurück, dem fünften Teil ihres vor langer Zeit angekündigten Sieben-Alben-Werks, einer Reise, die vor mehr als 30 Jahren begonnen hat. Von vielen geschätzt, von den meisten ignoriert wegen ihres zu hermetischen Sounds, von anderen wiederum abgelehnt – eine Band, die mit ihrem hochkomplexen und unangepassten Zugang zum Black Metal bei jedem Hörer eine Reaktion hervorruft.

Dissonante Klanglandschaften

Ein sehr atmosphärischer Beginn, genau der musikalische Stil, den man von einem TRELLDOM-Album erwartet. Der Opener „When This Was Young“ arbeitet mit dissonanten und ziemlich disharmonischen Akkorden, viele Instrumente spielen unterschiedliche Melodien gleichzeitig und erschaffen dadurch eine kakophonische Klanglandschaft. Doch all das wird strukturierter, sobald der Gesang einsetzt, ohne dass der experimentelle Charakter verloren geht. Nicht unbedingt der Black Metal, den man sich darunter klassisch vorstellt, aber ganz klar eine Fortsetzung des Sounds der vorherigen Alben. Gesprochene Vocals, eher dezent im Klangbild, aber mit leidenschaftlich rezitierten Texten, die dem ohnehin hoffnungslosen Grundton noch eine weitere Ebene hinzufügen. Ein guter Opener.

TRELLDOM wurden 1992 als Nebenprojekt von Kristian Eivind Espedal – besser bekannt als Gaahl – gegründet. Bekannt aus anderen Projekten wie ex-Gorgoroth, ex-Wardruna, Gaahls Wyrd, Gaahlskagg, Sigfader oder ex-God Seed, ist er eine sehr markante Persönlichkeit des norwegischen Black Metal und Kopf wie Seele der Band. An seiner Seite der langjährige Weggefährte Stian Kårstad (ex-God Seed, ex-Gaahls Wyrd, ex-Myrkur (live), ex-Gorgoroth (live)) an Gitarre und mittlerweile auch Electronics, dazu die neueren Mitglieder Kenneth Kapstad (Goat the Head, Thorns, ex-Ihsahn (live), ex-God Seed) am Schlagzeug, Eirik Øien am Bass sowie Kjetil Møster an Saxophon, Klarinette, Orgel und Electronics.

Die dissonanten Akkorde setzen sich auch in „I Speak Forgotten Voices“ fort, diesmal schaffen Blasinstrumente ein verstörendes Fundament für einen rhythmisch stärkeren Song, erneut mit leidenschaftlichen und dramatischen Vocals, aber deutlich klarerer Instrumentierung. Die Gitarren kommen dem Black Metal hier näher als jemals zuvor auf älteren Songs der Band. Dennoch löst sich der Sound wieder in viele verschiedene Richtungen auf – ein wahrhaft avantgardistischer Track, aber ein sehr guter Song.

Vielschichtige Klangverschiebungen

Die Produktion ist ausgezeichnet, wie es auch nötig ist, um die enorme Komplexität der Musik überhaupt einfangen zu können. Permanente Wechsel im dominierenden Klangbild, dabei aber immer nah an der musikalischen Vision und den Kompositionen der Band. Ein ausgewogener Sound zwischen Dissonanz und Melodie, ebenso zwischen allen Instrumenten. Dynamisch im Klang, mal klar, mal roh – genau so, wie die Musik es verlangt. Eine sehr professionelle Arbeit.

Sehr aggressiv im Einstieg, beruhigt sich „This Moment The Life Of A Memory“ plötzlich und bringt mehr Melodie ins Spiel. Wieder sorgen die Blasinstrumente für den nervösen, unruhigen Gegenpol, meistens eher inkohärente Klänge. Doch genau dieser Kontrast funktioniert hervorragend mit der klaren melodischen Linie, die sich darüberlegt. Im Kern ein melodischer Song, langsam im Rhythmus und mit vielschichtiger Komposition.

Der Titelsong „By The Word“ verändert die Klanglandschaft erneut, diesmal stärker in Richtung Progressive Metal. Cleane Vocals, beeindruckendes Schlagzeug, ein polyrhythmischer Aufbau und eine vielschichtige Komposition vereinen düstere Momente mit beinahe karnevalesken Passagen. Der Sound entwickelt sich in eine eklektische Richtung, nur um schließlich ruhig und atmosphärisch zu enden.

Auch die folgenden Songs treiben den Sound weiter in unterschiedliche Richtungen. „Folding The Mind“ wirkt dramatisch und theatralisch, besitzt aber erneut eine starke und klare Hauptmelodie. „The Word – Choose To Vanish“ kehrt zunächst zu verstörenden Klängen zurück, bevor alles in einem langsamen, melodischen und atmosphärischen Stück zusammenläuft, voller Dissonanz, mit klug aufgebautem Crescendo und sehr starker Komposition. Ein sehr guter Track.

Der Abschlusssong „In There Outside“ legt den Fokus erneut auf theatralische Vocals, dramatisch vorgetragen und begleitet von noch verstörenderen Saxophonlinien sowie einem lärmenden, fragmentierten Hintergrund. Extrem dissonante Musik, aber ein würdiger Abschluss des Albums, ein weiterer Schritt in neue Richtungen, weniger Black Metal und stärker Avantgarde oder zeitgenössische Musik. Die unheilvolle Atmosphäre steht in gewisser Weise im Gegensatz zum Rest des Albums, doch die gequälten Vocals und verstörenden Geräusche funktionieren hervorragend als letzte Töne dieser Veröffentlichung.

Avantgarde mit klarerer Vision

Ein kohärenteres Werk als die älteren Alben, besser strukturiert und organisierter, mit klarer formulierter musikalischer Vision. Auch wenn die experimentelle oder avantgardistische Seite der Band permanent präsent bleibt, wird sie hier ergänzt durch sensible Melodien ebenso wie durch völlig aggressive Passagen. Ein permanenter Wechsel unterschiedlicher Klangwelten, sehr komplex und über weite Strecken überwältigend.

Verstörend und befremdlich – höchstwahrscheinlich genau der Sound, den Gaahl für sein TRELLDOM-Projekt erschaffen wollte. Gleichzeitig aber auch eine geschlossene musikalische Vision, die sich durch sämtliche Veröffentlichungen der Band zieht. Wahrscheinlich das beste Album der Band bisher, weil die Vision diesmal deutlich klarer Form annimmt, die Kompositionen fokussierter wirken und musikalisch mehr Substanz besitzen. Ein Album, das selbst skeptische Hörer überzeugen dürfte. Ein sehr starkes Werk insgesamt.

Fazit: TRELLDOM liefern mit „…by the word…“ ihr bislang fokussiertestes Werk – verstörend, komplex und voller avantgardistischer Ideen.

Internet

TRELLDOM - …by the word…

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