Tracklist
01. The Duel
02. Monsters
03. The Reaper
04. Ghoul
05. Necromancer
06. Shadows
07. Skinwalker
08. Whales In The Clouds
Besetzung
Burkhard – Gesang
Laura – Gitarre
Janine – Gitarre
Stephan – Bass
Rafael – Schlagzeug
Dämonen, Albträume, Apokalypse – auf diesen drei Säulen errichten Pinch Black ihr aktuelles Werk »Dystopian Times«. Seit ihrer Gründung 2018 in Mainz steht die Band für epischen Death Metal, der ebenso technisch präzise wie emotional aufgeladen wirkt. Mit diesem Album legen Burkhard, Laura, Janine, Stephan und Rafael nun ein wuchtiges Statement vor, das nicht lange höflich anklopft, sondern direkt mit der Schulter durch die Tür geht. Deutsche Eigenproduktion? Ja. Aber eine, die international nicht verschämt im Keller stehen muss. Eher eine, die den Keller gleich mit brennenden Fackeln ausleuchtet.
(Hört hier »Dystopian Times« von Pinch Black)
WENN DUNKELHEIT FORM ANNIMMT
Schon der Opener »The Duel« zeigt, wie souverän Pinch Black zwischen Atmosphäre und Aggression balancieren. Die Gitarren von Laura und Janine sägen messerscharf durch den Song, bleiben dabei aber melodisch genug, um nicht nur stumpf Beton zu zerkleinern. Rafael zimmert am Schlagzeug ein rhythmisches Fundament, das nicht bloß antreibt, sondern regelrecht nach vorne peitscht. Darüber thronen Burkhards Growls wie eine dämonische Durchsage aus der Unterwelt. Kein freundliches „Bitte einsteigen“, eher ein „Zu spät, die Türen sind bereits verriegelt“.
Inhaltlich steht »The Duel« sinnbildlich für den inneren Krieg. Zwei Kräfte prallen aufeinander, Licht und Schatten, Schuld und Vergeltung, Kontrolle und Vernichtung. Die Bildsprache wirkt bewusst überhöht, fast wie ein düsterer Western aus der Hölle, nur eben mit deutlich mehr Death-Metal-Druck. Genau das passt zu »Dystopian Times«: Das Album erzählt keine kleinen Alltagssorgen, sondern zieht seine Motive groß, finster und apokalyptisch auf.
Mit »Monsters« tauchen Pinch Black tiefer in das Reich der Angst ein. Der Song wirkt wie ein musikalischer Blick unter das Bett, nur dass dort keine harmlose Kindheitsfantasie wartet, sondern ein ganzes Schattenkabinett die Krallen wetzt. Die Lyrics behandeln Albtraumbilder, innere Panik und das Gefühl, dass die eigenen Dämonen nicht vor der Tür stehen, sondern längst im Raum sind. Musikalisch kombinieren Pinch Black rasante Attacken mit unheilvoller Atmosphäre, ohne den Song zu überladen. Das ist Death Metal mit Schauwert, aber nicht mit Plastikspuk aus dem Ramschregal.
VON SCHATTEN, TOD UND WIEDERGÄNGERN
»The Reaper« führt die düstere Linie konsequent weiter. Der Tod erscheint hier nicht als schneller Schockmoment, sondern als unausweichliche Präsenz, die Schritt für Schritt näherkommt. Nebel, Stimmen, Kälte und Orientierungslosigkeit prägen die lyrische Szenerie. Das Stück wirkt dadurch weniger wie ein reiner Abriss, sondern eher wie eine Verfolgungsszene in Zeitlupe. Die Band nutzt diese Atmosphäre klug: Statt permanent Vollgas zu geben, entsteht Spannung aus Druck, Erwartung und drohender Schwere.
»Ghoul« gehört anschließend zu den Songs, in denen Pinch Black ihren erzählerischen Ansatz besonders stark ausspielen. Alte Ruinen, Gräber, Nacht, ein namenloses Wesen – der Text bewegt sich tief im klassischen Horrorbereich, aber die musikalische Umsetzung verhindert, dass das Ganze zur billigen Geisterbahn wird. Der Song ist wuchtig, schleppend und zugleich dynamisch genug, um nicht in reiner Atmosphäre zu versacken. Stephans Bassarbeit sorgt dabei für das nötige Fundament, während die Gitarren melodische Linien über die Dunkelheit ziehen.
Mit »Necromancer« wird es beschwörend. Die Nummer wirkt wie ein Ritual, das lieber nicht im Wohnzimmer stattfinden sollte, außer man hat vorher die Haftpflichtversicherung geprüft. Inhaltlich kreist der Song um Macht über Tod, Wiederkehr und den Versuch, Grenzen zu überschreiten, die vielleicht aus gutem Grund existieren. Musikalisch greifen hier Rhythmik, Gitarren und Vocals besonders geschlossen ineinander. Die Band klingt nicht wie fünf Einzelkämpfer, sondern wie eine Einheit, die genau weiß, wann sie zuschlagen und wann sie die Atmosphäre atmen lassen muss.
MYTHOS, BESTIEN UND DAS GROSSE ENDE
»Shadows« schlägt dann stärker in Richtung düsterer Zwischenwelt aus. Schatten sind hier nicht nur Kulisse, sondern fast eigene Figuren. Der Song trägt eine schwerere, melancholischere Note und zeigt, dass Pinch Black nicht nur über Härte funktionieren. Gerade die melodischen Anteile geben dem Album Tiefe. Man merkt, dass die Band ihre Epic-Death-Metal-Selbstbeschreibung nicht als leere Schublade nutzt. Diese Epik entsteht nicht durch Bombast um jeden Preis, sondern durch Aufbau, Dynamik und eine klare Vorstellung davon, wie Dunkelheit klingen soll.
»Skinwalker« bringt anschließend die mythische Seite des Albums nach vorne. Verwandlung, Verfolgung, fremde Haut, fremde Gestalt – der Song spielt mit Motiven aus Legende und Horror, ohne sich in reiner Gruselromantik zu verlieren. Besonders stark ist die Verbindung aus aggressiver Rhythmik und melodischer Gitarrenarbeit. Hier klingt die Band kompakt, bissig und fokussiert. Das Stück hat genug Härte für die Nackenmuskulatur und genug Atmosphäre, um mehr zu sein als bloßer Death-Metal-Motorbetrieb.
Der finale Track »Whales In The Clouds« ist schließlich der ungewöhnlichste und vielleicht eindrucksvollste Abschluss dieses Albums. Schon der Titel klingt, als hätte jemand einen apokalyptischen Traum mit einem Naturwunder gekreuzt. Musikalisch öffnet sich der Song stärker, arbeitet mit atmosphärischen Passagen und einem Gefühl von Weite, das nach all den Monstern, Dämonen und Todesbildern beinahe spirituell wirkt. Es ist kein versöhnliches Ende im klassischen Sinne, aber eines, das den Blick hebt. Chaos, Untergang und eine Art schwermetallische Erlösung liegen hier dicht beieinander.
KLANG, PRODUKTION UND WIRKUNG
Produktionstechnisch macht »Dystopian Times« einen beeindruckend starken Eindruck. Die Gitarren stehen breit und scharf im Mix, das Schlagzeug drückt mit ordentlich Wucht, der Bass hält das Fundament zusammen, und die Vocals sitzen genau dort, wo sie hingehören: vorne, tief, bedrohlich und mit genug Autorität, um schwächere Lautsprecher nervös werden zu lassen. Das Album klingt nicht nach glattpolierter Hochglanzware, aber auch nicht nach Proberaum-Ausrede. Es hat Druck, Klarheit und genug Dreck unter den Fingernägeln.
Was besonders auffällt, ist die Geschlossenheit. Pinch Black liefern acht Songs, die thematisch und musikalisch zusammenpassen, ohne wie ein einziger langer Song zu wirken. Dämonen, Albträume, Tod, Beschwörung, Schatten, Bestien und apokalyptische Weite greifen ineinander. Gleichzeitig bleibt die Platte kompakt genug, um nicht in ausuferndem Konzeptnebel zu verschwinden. Knapp über eine halbe Stunde Laufzeit ist hier ein Vorteil: Kein überflüssiges Fett, keine unnötigen Umwege, kein Interlude, das klingt, als hätte jemand versehentlich den Kühlschrank aufgenommen.
Natürlich erfinden Pinch Black den Death Metal nicht neu. Einige Motive sind genretypisch, und wer ausschließlich nach völlig abseitigen Experimenten sucht, wird hier keine Avantgarde-Oper über rostende Mondkrater finden. Aber darum geht es auch nicht. »Dystopian Times« überzeugt, weil es seine Stärken kennt: massive Vocals, präzise Gitarren, druckvolle Drums, melodische Dunkelheit und ein klares Gespür für Atmosphäre. Das ist kein Album, das sich im Feuilleton einschleimen will. Es will drücken, reißen, erzählen und den Hörer mit finsterer Wucht durch seine Welt ziehen.
FAZIT:
»Dystopian Times« ist ein starkes, kompaktes und beeindruckend druckvolles Death-Metal-Album, das technische Präzision mit erzählerischer Dunkelheit verbindet. Pinch Black zeigen, dass Epik und Brutalität hervorragend zusammengehen können, wenn man beides nicht als Selbstzweck versteht. Die Band setzt auf klare Songstrukturen, wuchtige Produktion und eine Atmosphäre, die konsequent zwischen Dämonenwelt, Alptraumkino und Endzeitlandschaft pendelt.
Besonders »The Duel«, »Monsters«, »Ghoul«, »Necromancer«, »Skinwalker« und »Whales In The Clouds« zeigen, wie gut diese Mischung funktioniert. Die Platte hat Härte, Melodie, Konzept und genug Eigenständigkeit, um im modernen Death-Metal-Feld nicht unterzugehen. Kleine Abzüge gibt es höchstens dafür, dass manche Motive bewusst klassisch bleiben und die Band ihre ganz eigene Handschrift in Zukunft noch mutiger nach vorne stellen könnte.
Unterm Strich ist »Dystopian Times« aber ein Album, das Kopf und Bauch gleichermaßen anspricht. Es ist technisch sauber, emotional aufgeladen und atmosphärisch dicht. Mainz mag auf der Metal-Weltkarte nicht immer als erstes genannt werden, aber Pinch Black setzen hier einen verdammt schweren Marker. Wer epischen Death Metal mit dämonischer Stimme, melodischer Gitarrenarbeit und apokalyptischem Flair sucht, sollte diese Dystopie definitiv betreten.






