Solemnity - Opus Barbaricum - cover Artwork

Band: Solemnity 🇩🇪
Titel: Opus Barbaricum
Label: Solemnity Music / HOFA
VÖ: 15.05.2026
Format: Digital / CD
Genre: Traditional Heavy Metal / Melodic Heavy Metal / Epic Metal

Tracklist

01. Nightmares From The Neighbourhood
02. The Last Ghostrider
03. Meat Evil Steal (A Barbecue Symphony in B minor)
04. Empire In The Underground
05. Escape From The Matrix
06. Freya
07. Cheesecake Commando
08. The Sleeper
09. Bitch With The Bow
10. We Willl Shine
11. Storm Of Steel
12. The Dragon
13. Drums Of War (Resistance)
14. Idiocracy
15. Gladiator
16. The Way To A Fortunate Wedding (by Henry VIII)
17. Frozen In Time

Besetzung

Sven The Axe – Gesang, Instrumente, Komposition, Texte, Performance

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Manchmal braucht Heavy Metal keine neue Weltformel, sondern einfach jemanden, der das Schwert aus dem Staub zieht, die Fackel anzündet und ruft: „So, jetzt wird wieder groß gedacht!“ Solemnity melden sich mit »Opus Barbaricum« zurück und liefern kein kleines Comeback-Häppchen, sondern gleich einen 17-teiligen Koloss aus traditionellem Heavy Metal, epischer Melodik, Horror-Theatralik und Power-Metal-Bombast. Das ist nicht bescheiden, nicht schlank und schon gar nicht modern-minimalistisch. Das ist eher ein vollbehängter Barbarenwagen, der mit wehenden Bannern durch die Nachbarschaft rollt.

Im Zentrum steht Sven The Axe, der auf diesem Album nicht nur singt, sondern laut Credits auch das gesamte Material geschrieben und performt hat. Damit ist »Opus Barbaricum« im Studio im Grunde ein Ein-Mann-Feldzug, klingt aber überraschend großformatig. Wer bei dieser Ausgangslage eine dünne Heimproduktion erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Gitarren drücken, die Chöre türmen sich, die Melodien kleben, und der Gesang steht wie ein finsterer Zeremonienmeister mitten im Raum.

Stilistisch bewegen sich Solemnity auf »Opus Barbaricum« im traditionellen, fast schon melodischen Heavy Metal, der immer wieder in epische Power-Metal-Gefilde und sinfonisch wirkende Arrangements ausgreift. Dabei bleibt die Band beziehungsweise Sven The Axe dem eigenen Begriff Heavy Horror Metal treu: Horror, Mythologie, dunkle Fantasy, historische Seitenhiebe und ein Humor, der gelegentlich so schräg ist, dass man kurz prüfen muss, ob der Grill noch brennt.

(Schaut hier »Nightmares From The Neighbourhood« von Solemnity)

BARBARISCHER BOMBast MIT OHRWURMFAKTOR

»Nightmares From The Neighbourhood« öffnet das Album noch vergleichsweise atmosphärisch, bevor der Song schnell in melodischen Heavy Metal mit Power-Schlagseite übergeht. Das Stück zeigt sofort, worum es hier geht: große Melodien, saubere Riffarbeit, theatralischer Gesang und dieser leicht gruselige Unterton, der Solemnity von vielen reinen Trad-Metal-Kapellen unterscheidet. Der Song hat Ohrwurmcharakter, ohne sich billig anzubiedern.

»The Last Ghostrider« setzt noch stärker auf epische Breite. Hier kommen Chöre, stampfende Riffs und ein Refrain zusammen, der mit erhobener Faust funktioniert. Besonders auffällig ist der Gesang von Sven The Axe. Sein Bariton besitzt eine fantastische, markante Tiefe, wird aber immer wieder in hochgepeitschte Lead-Spitzen gedrückt, die dem Material diese überlebensgroße Heavy-Metal-Theatralik geben. Das ist nicht filigran im Indie-Sinne, sondern bewusst groß, dramatisch und voller Brustpanzer-Energie.

Mit »Meat Evil Steal (A Barbecue Symphony in B minor)« kommt dann der große Wahnsinn an den Grill. Der Song ist albern, ja, aber eben auf eine sehr metallische Art. Zwischen Barbecue-Humor, symphonischer Übertreibung und fettem Riffing entsteht eine Nummer, die man entweder sofort mitgröhlt oder mit hochgezogener Augenbraue betrachtet. Wahrscheinlich beides. Musikalisch sitzt das Ding jedoch erstaunlich gut, denn hinter dem Spaß steckt eine saubere Komposition mit cleveren Wechseln und einer Hookline, die sich schneller festsetzt als Marinade auf dem Festivalshirt.

KOMPLEXE ARRANGEMENTS, ABER KEINE PROFESSORISCHE VORLESUNG

»Empire In The Underground« gehört zu den stärkeren Stücken der ersten Albumhälfte. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders griffig, die Leads haben Biss, und die Nummer zeigt, dass Sven The Axe nicht einfach nur große Refrains stapelt, sondern durchaus komplex arrangieren kann. Die Kompositionen auf »Opus Barbaricum« sind vielseitig: mal hymnisch, mal schneller, mal balladesk, mal mit sinfonischer Wucht und dann wieder mit klassischem Heavy-Metal-Galopp.

»Escape From The Matrix« nimmt das Tempo etwas zurück, bleibt aber durch den Refrain sofort hängen. Hier zeigt sich eine der großen Stärken des Albums: Selbst wenn Solemnity etwas weniger nach vorne preschen, geht die Eingängigkeit nicht verloren. Die Nummer hat genug Druck, um nicht als bloßer Midtempo-Füller durchzugehen, und genug Melodie, um live sicher schnell zum Mitsingmoment zu werden.

Mit »Freya« folgt einer der epischeren Höhepunkte. Hier darf Sven The Axe seinen Stimmumfang besonders breit ausrollen. Der Bariton trägt die Strophen mit würdevoller Schwere, während die höheren Passagen beinahe opernhaft nach oben schießen. Das Stück ist pathetisch, aber nicht hohl. Gerade die Mischung aus Mythologie, Melodie und großem Arrangement macht »Freya« zu einem jener Songs, bei denen man merkt: Hier wurde nicht einfach ein Riff kopiert und ein Refrain draufgeklebt, hier wurde wirklich gebaut.

KÄSEKUCHEN, POE UND SCHLACHTENLÄRM

»Cheesecake Commando« ist dann wieder die Sorte Titel, bei der man sich fragt, ob im Studio jemand zu lange am Süßwarenstand stand. Aber auch hier gilt: Der Humor ist Teil des Konzepts. Solemnity nehmen sich ernst genug, um stark zu klingen, aber nicht so ernst, dass sie jede schräge Idee aus Angst vor Kritikerblicken streichen würden. Das macht »Opus Barbaricum« sympathisch.

»The Sleeper« bringt eine andere Farbe ins Album. Der Song basiert auf einem Gedicht von Edgar Allan Poe und wird entsprechend düsterer, erzählerischer und balladesker umgesetzt. Hier funktioniert der Heavy-Horror-Ansatz besonders gut, weil die theatralische Seite nicht nur Show ist, sondern zur Vorlage passt. Die Arrangements wirken komplex, aber nicht überladen. Klavierartige Farben, dramatische Bögen und die Stimme von Sven The Axe arbeiten hier Hand in Hand.

»Bitch With The Bow«, »We Willl Shine« und »Storm Of Steel« ziehen danach wieder die Zügel an. Gerade »Storm Of Steel« bringt die klassische Metal-Kante zurück: treibende Gitarren, ordentlich Druck und ein Gefühl von Schlachtenlärm, ohne komplett in blindes Geballer zu fallen. Diese Songs zeigen, dass Opus Barbaricum trotz aller Bombast-Bausteine im Kern ein traditionelles Heavy-Metal-Album bleibt.

DRACHEN, KRIEGSTROMMELN UND DER GROSSE GALOPP

»The Dragon« trägt den Epic-Metal-Anteil bereits im Titel. Hier wird nicht gekleckert, hier wird mit Fackel, Schwert und Drachenatem gearbeitet. Das Stück besitzt einen starken hymnischen Kern und dürfte gerade Fans klassischer Fantasy-Metal-Erzählungen abholen. »Drums Of War (Resistance)« schlägt danach eine etwas andere Richtung ein. Die Nummer beginnt balladesker, baut aber mit zunehmend dramatischen Elementen eine starke Spannung auf. Hier merkt man erneut, wie vielseitig Sven The Axe arrangiert: Das ist nicht nur Strophe-Refrain-Strophe, sondern eine kleine Metal-Szene mit Aufbau, Wendung und Finale.

»Idiocracy« arbeitet mit melodischer Direktheit und schönen Lead-Momenten, während »Gladiator« einen fast klassischen Maiden-Galopp auspackt. Gerade hier zeigt sich, wie gut Solemnity traditionelle Heavy-Metal-DNA in ein eigenes Horror-/Epic-Gewand pressen. Die Gitarren laufen, die Melodien greifen, der Refrain hat Zug, und der Song wirkt trotz aller Vertrautheit nicht wie ein reines Nostalgie-Zitat.

»The Way To A Fortunate Wedding (by Henry VIII)« bringt noch einmal historischen Humor ins Spiel. Der Titel ist natürlich ein gefundenes Fressen für alle, die wissen, dass Heinrich VIII. in Sachen Eheberatung eher als Warnschild taugt. Musikalisch ist der Song kompakter, eingängig und mit einem Augenzwinkern ausgestattet, ohne dabei seine Heavy-Metal-Basis zu verlieren.

KLEINE EINWÄNDE AUS DER RÜSTKAMMER

Bei aller Begeisterung gibt es auch Punkte, an denen »Opus Barbaricum« etwas zu viel des Guten auffährt. Siebzehn Songs und über eine Stunde Spielzeit sind eine Ansage. Da steckt viel Material drin, aber nicht jeder Titel ist zwingend gleich stark. Einige Nummern hätten in einer etwas strafferen Albumauswahl vielleicht noch mehr Wirkung entfaltet. Manchmal wirkt der Bombast auch so reich dekoriert, dass man den eigentlichen Riff-Kern kurz zwischen Chören, Pathos und Theatralik suchen muss.

Das ist allerdings ein Luxusproblem, denn handwerklich ist die Platte stark. Sven The Axe stemmt als Sänger, Instrumentalist, Komponist und Texter eine beachtliche Menge an Material. Sein Bariton gibt den Songs Charakter, die Gitarrenarbeit liefert genug klassische Metal-Kante, und die Arrangements sind komplexer, als es manche Hookline im ersten Moment vermuten lässt. Gerade dieser Gegensatz macht das Album spannend: Die Songs sind eingängig, aber nicht primitiv. Sie haben Ohrwurmcharakter, aber darunter steckt mehr als nur einfacher Mitsingzucker.

FAZIT:

»Opus Barbaricum« ist ein starkes Comeback von Solemnity und ein Album, das traditionellen Heavy Metal mit melodischer Kraft, epischem Bombast und Heavy-Horror-Theatralik verbindet. Sven The Axe liefert als zentrale Kraft des Albums eine beeindruckende Leistung ab: Sein fantastischer Bariton, die hochgepeitschten Lead-Spitzen, die vielschichtigen Kompositionen und die komplex arrangierten Songs machen die Platte zu einem wuchtigen Gesamtpaket.

Die stärksten Momente sind »The Last Ghostrider«, »Empire In The Underground«, »Freya«, »The Sleeper«, »Drums Of War (Resistance)« und »Gladiator«. Dazu kommen mit »Meat Evil Steal« und »Cheesecake Commando« zwei Nummern, die zeigen, dass Metal auch dann ernsthaft gut sein kann, wenn er sich selbst nicht bierernst durch die Gruft schleppt.

Kleine Abzüge gibt es für die sehr lange Spielzeit und einzelne Momente, in denen der Bombast fast ein wenig zu dick aufgetragen wird. Trotzdem bleibt »Opus Barbaricum« ein mitreißendes, melodisches und liebevoll überdimensioniertes Heavy-Metal-Werk mit vielen Ohrwürmern und einer klaren Handschrift. Wer Powerwolf, HammerFall, Manowar, Running Wild, Grave Digger, Iron Maiden und epischen Heavy Metal mit Horror-Schlagseite mag, darf hier ohne große Bedenken einsteigen.

Kurz gesagt: Solemnity liefern kein barbarisches Chaos, sondern ein großes, melodisches und herrlich überdrehtes Metal-Opus. Nicht jeder Song ist ein Volltreffer, aber der ganze Feldzug macht verdammt viel Laune.

Videoclip

Internet

Solemnity - Opus Barbaricum - CD Review

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