Hellevate - Killicon Valley - cover Artwork

Band: Hellevate 🇺🇸
Titel: »Killicon Valley«
Label: Independent
Herkunft: Kansas City, Missouri, USA
VÖ: 22.05.2026
Genre: Thrash Metal / Speed Metal / Heavy Metal
Format: CD / Digital

Tracklist

01. D.T.C.
02. In The Long Grass
03. Invoke Apocalypse
04. Demagogue
05. The Rampart
06. Holy Man
07. Jorogumo
08. Part Of The Tribe
09. Killicon Valley (Silicon Dust)
10. The Lost Pages
11. Thou Shalt Kill
12. Curse God And Die

Besetzung

Robert Browne – Vocals
Dan Whitmer – Guitar
Joshua Cole – Guitar
Zack Burke – Bass
Ruben Lopez – Drums

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Silicon Valley ist jener Fleck Erde, an dem große Tech- und Computerunternehmen wie Apple groß wurden und an dem Innovation, Kreativität und digitaler Größenwahn gerne gemeinsam am Kaffeebecher nuckeln. Einst traf dort Technikbegeisterung auf Pioniergeist, heute reiben sich dort KI-Kultur, Tech-Billionäre, Automatisierungswahn und die nächste große Buzzword-Blase gegenseitig die Schultern. Genau dieses Feld haben sich die US-amerikanischen Thrash-, Speed- und Heavy-Metal-Schergen von Hellevate ausgesucht und ihr neuestes Langspielalbum treffenderweise »Killicon Valley« genannt.

Nach den ersten Vorboten »In The Long Grass« und dem Titelstück »Killicon Valley (Silicon Dust)« war bereits klar: Hier wird nicht freundlich an die Tür geklopft, hier wird mit Stollenstiefeln durchs Rechenzentrum getrampelt. Hellevate präsentieren absolut amtlichen Thrash Metal, der sich zwischen klassischer Bay-Area-Schule, Speed-Metal-Raserei und traditioneller Heavy-Metal-Kante bewegt. Die Produktion ist modern, aber nicht klinisch totpoliert. Es scheppert, drückt, sägt und knallt ordentlich aus den Boxen.

Mit Stahlkappen durchs Rechenzentrum

Der instrumentale Einstieg »D.T.C.« begrüßt den Zuhörer nicht freundlich, sondern schleudert direkt ordentlich eins raus. Treibende Bässe, Powerchords, die fast schon vermuten lassen, dass gleich eine Saite reißt, und ein knackiger Vorwärtsdrang zeigen spielerisch, wozu die Band fähig ist. Das Stück ist instrumental, aber es macht direkt klar, wohin die Reise geht: kein Wellnessbereich, kein Schaumbad, sondern Nackenmuskeltraining mit Stahlkappen.

Wenn im hohen Gras nicht nur die Mücken lauern

Mit dem eigentlichen Opener »In The Long Grass« kommt erstmals Gesang dazu. Inhaltlich geht es um gejagte Beute, lauernde Raubtiere und den brutalen Moment, in dem Flucht nicht mehr Option, sondern Überlebenspflicht ist. Das Ganze erinnert deutlich an eine räuberische Jagdszene, in der die Gefahr nicht frontal aus dem Nebel stapft, sondern intelligent, schnell und aus mehreren Richtungen zuschnappt. Musikalisch büßt die Band nichts von ihrer Kompromisslosigkeit ein, sondern haut ordentlich aufs Schnitzel. Robert Browne macht hier einen amtlichen Job, auch wenn seine aggressiven Shoutings schon früh zeigen, dass er nicht der Mann für zarte Kerzenscheinballaden ist.

Skynet lässt grüßen und der Thrash-Motor läuft heiß

Bei »Invoke Apocalypse« werden angesichts des Konzeptes Erinnerungen an Terminator, Skynet und andere maschinelle Untergangsphantasien wach. Direkt mit ordentlich Feuer unterm Arsch geben Hellevate weder sich noch dem Publikum Zeit, sich auszuruhen. Die Gitarren von Dan Whitmer und Joshua Cole arbeiten präzise, das Schlagzeug von Ruben Lopez feuert ordentlich nach vorne, und Zack Burke legt mit dem Bass eine stabile Betonplatte unter das Ganze.

Machtgier, Gepolter und ein Riff-Fundament aus Beton

Bei »Demagogue« geht es mit mächtig Gepolter und etwas strukturierter gezügelt zur Sache. Aufgebaut auf ein energisches Rhythmusriffing aus Bass und Gitarren, angetrieben von soliden Drums, wird hierbei Kritik an machtgierigen Individuen geübt, die, wenn es ihnen einen Vorteil bringt, auch über Leichen gehen. Der Song poltert, keilt aus und bleibt dennoch nachvollziehbar arrangiert. Genau hier zeigen Hellevate, dass sie nicht nur schnell können, sondern auch Druck mit Struktur verbinden.

Der Wall steht, die Stimme wackelt manchmal

Etwas Diversität bringen Hellevate mit »The Rampart« in ihren Sound. Für Bandverhältnisse geht es gemäßigter zu, wobei auch klanglich mehr Abwechslung ins Spiel kommt. Diesmal geht Robert Browne mit tieferer Stimme zur Sache, und das steht ihm wirklich gut. Da muss man auch direkt mal einen Kritikpunkt anbringen: In diesen tieferen, kontrollierteren Momenten klingt er deutlich stärker als in manchen Screams, bei denen er stellenweise wirkt, als hätte ihm gerade jemand mit voller Begeisterung in die Familienjuwelen gebissen. Charmant? Nicht immer. Wirkungsvoll? Schon eher.

Scheinheilige unter Beschuss

Schwermütiger wird es mit »Holy Man«. Hier arbeiten Hellevate kontrollierter im Midtempo und zaubern kompositorisch das ein oder andere Ass aus den Ärmeln. Inhaltlich werden religiöse Scheinheiligkeit, Machtmissbrauch und Bigotterie aufs Korn genommen, allerdings nicht stumpf mit dem Vorschlaghammer, sondern mit mehr Biss als plumper Parole. Die Band klingt hier fokussiert, giftig und angenehm riffbetont.

Spinnenfrau, Wendungen und kontrollierte Raserei

Fast schon progressiv, mit einigen Wechseln und einem fließend übergehenden Arrangement, kommt »Jorogumo« aus den Boxen. Der Song überzeugt durch eine starke Struktur und feine Gitarrenarbeit. Hier zeigt sich, dass Hellevate mehr können als nur Geschwindigkeitsrausch und Thrash-Keule. Die Nummer hat Wendungen, Atmosphäre und genug melodische Details, um nicht einfach im Geballer unterzugehen.

Stammesruf mit Thrash-Kante

»Part Of The Tribe« überzeugt mit hymnischem Charakter, kompromissloser Härte, komplexerer Rhythmik und einem gewissen Ohrwurmcharakter. Der Song treibt, schiebt und hält die Spannung hoch. Auch hier ist die Band instrumental absolut auf der Höhe. Man merkt, dass die Musiker ihr Handwerk verstehen und nicht bloß auf alte Thrash-Schablonen zurückgreifen.

Silicon Dust statt Tech-Erlösung

Das bereits angeschnittene Titelstück »Killicon Valley (Silicon Dust)« ist dann die große technologische Abrissbirne des Albums. Inhaltlich wird gegen KI-Hype, Tech-Bonzen, Automatisierungsfantasien, Shareholder-Denken, Arbeitsplatzvernichtung und die große Silicon-Valley-Selbstbeweihräucherung ausgeteilt. Der Song macht aus Technikangst keine plumpe Roboter-Apokalypse, sondern richtet die Wut auf jene, die mit künstlicher Intelligenz vor allem Profit, Kontrolle und billige Arbeitskraft verbinden. Musikalisch geht das Ding souverän nach vorne: fantastische Drums, ein starker Bass und präzise Gitarrenarbeit bilden die Grundlage. Leider nervt der Frontmann hier zwischendurch wieder ein wenig, auch wenn er grundsätzlich einen amtlichen Job macht. Es ist eben dieser Moment, in dem man denkt: Keule, ja, wir haben verstanden, du bist sauer – aber da braucht es keine Luftschutzsirene für und die muss nicht dauerhaft auf Werkseinstellung stehen.

Wenn die Band ohne Frontsirene atmen darf

Im Gegensatz zu diesem Geschwindigkeitsrausch erweist sich »The Lost Pages« als düsterer und schwermütiger Song, der zunächst den Bass stärker betont und dann melodisch mit Leadgitarren arbeitet. Hierbei wird souverän komponiert, und die Band wird als Einheit hervorgehoben, die ihr Handwerk versteht. Das Stück gewinnt gerade dadurch, dass es nicht permanent mit dem Kopf durch die Wand will. Ohne das übertriebene Gejaule der Frontsirene kann man hier besonders gut hören, wie stark Hellevate instrumental eigentlich aufgestellt sind.

Zum Schluss nochmal Abriss mit erhobener Faust

Mit »Thou Shalt Kill« und »Curse God And Die« findet dieses Werk schließlich einen vernünftigen Abschluss. Beide Songs liefern noch einmal Härte, Tempo und ordentlich Krawall, ohne das Album komplett neu zu erfinden. Hellevate bleiben sich treu, drücken weiter aufs Gas und lassen den Hörer mit einem soliden Thrash-Nachgeschmack zurück.

Fazit

»Killicon Valley« ist an und für sich ein solides Album geworden. Hellevate liefern amtlichen Thrash Metal mit Speed-Metal-DNA, Heavy-Metal-Fundament und genügend moderner Wut im Tank. Die Riffs sitzen, die Drums treiben, der Bass macht Druck, und die Gitarren zeigen mehrfach, dass hier keine Anfänger am Werk sind. Besonders stark sind »In The Long Grass«, »Demagogue«, »Jorogumo«, »Killicon Valley (Silicon Dust)« und »The Lost Pages«.

Der größte Reibungspunkt bleibt jedoch Robert Browne. Seine Stimme passt grundsätzlich zum Material, keine Frage. Er bringt Aggression, Gift und Energie mit. Aber ob der Frontmann zwischendrin wirklich immer schreien muss, als stünde er kurz davor, in den Chor der unfreiwilligen Eunuchen aufgenommen zu werden, geht über meinen Verstand. In kontrollierteren und tieferen Momenten wirkt er deutlich stärker, während manche Screams eher anstrengend als effektiv sind.

Trotzdem bleibt »Killicon Valley« ein stark riffendes, wütendes und thematisch schön bissiges Album, das Tech-Wahn, KI-Kultur und gesellschaftlichen Kontrollverlust mit ordentlich Thrash-Metal-Stahl bearbeitet. Nicht alles zündet perfekt, aber wenn Hellevate treffen, dann scheppert es gewaltig. Für Freunde von kompromisslosem, modernen Thrash mit klassischer Schlagseite ist das Ding definitiv einen Durchlauf wert.

Hellevate - Killicon Valley (Silicon Dust)

Internet

Hellevate - Killicon Valley - CD Review

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