
Hallo Burkhard und willkommen bei Metal Underground! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über das neue Pinch Black-Album »Dystopian Times« zu sprechen. Die Platte wirkt düster, episch, kompromisslos und gleichzeitig wie ein geschlossenes Horroruniversum aus Blut, Schatten, Kreaturen und kosmischem Wahnsinn. Lass uns direkt in diese finstere Welt eintauchen.
»Dystopian Times« wirkt wie ein geschlossenes dunkles Universum. Gab es von Anfang an ein übergeordnetes Konzept hinter dem Album, oder hat sich diese Atmosphäre erst während des Songwritings entwickelt?
Burkhard: Anfangs hatten wir die Idee eines echten Konzeptalbums. Aber ich mag es, wenn ich beim Songwriting mehr Freiheiten habe und verschiedene Kurzgeschichten erzählen kann. Das ist ja mittlerweile fast ein Markenzeichen von uns geworden … haha. Deswegen gibt es wieder einige tolle kleine Horrorgeschichten, die sich wie ein blutiger roter Faden durchs Album ziehen. Das wird sich auch künftig so fortsetzen.
Seit eurer Gründung 2018 beschreibt ihr euren Stil als Epic Death Metal. Was bedeutet dieser Begriff für euch persönlich, und wodurch unterscheidet sich Pinch Black für euch von klassischem Death Metal?
Burkhard: Anfangs war noch nicht so klar, wohin die Reise geht. Wir mussten erst unseren eigenen Stil finden. Das hat sich aber mit der Zeit ergeben. Ich denke, wir haben einen sehr eigenen Stil, der sich vom typischen Death Metal abhebt, sich aber dennoch im Rahmen des Death Metal bewegt.Allerdings sind wir weder Cannibal Corpse noch Arch Enemy beziehungsweise Melodic Death Metal. Aber jeder, der uns live sieht oder unsere Musik hört, weiß, warum wir das Epic Death Metal nennen. Also: reinhören 😉
Ihr seid nicht nur im Studio aktiv, sondern bringt euren Epic Death Metal auch live auf die Bühne – unter anderem in Clubs wie dem M8-Liveclub Mainz, der Kreativfabrik Wiesbaden und bei weiteren Terminen in Karlsruhe, Wittlich und Mörlenbach. Wie wichtig ist euch der direkte Kontakt zur Underground-Szene, und verändert sich die Wirkung von Songs wie »The Duel«, »Monsters« oder »Whales in the Clouds«, wenn ihr sie live spielt?
Burkhard: Live ist uns ganz wichtig. Wir wollen Abriss. Dazu müssen wir liefern. Ich denke, das klappt ganz gut … haha. Das sieht man auch bei unseren kurzen Live-Reels auf YouTube, Instagram und Facebook, die wir regelmäßig veröffentlichen. Die Songs knallen live noch brutaler als auf Platte und verlieren dabei nicht an Energie und Atmosphäre.Was das Thema Underground angeht: Wir sind Underground. Und wir lieben Underground. Ich mag auch gerne den Mainstream Metal und die großen Bands. Aber wenn ich bei einem Konzert von zum Beispiel Machine Head nicht nach vorne an die Bühne komme, weil ich nicht die Inner-Circle-Tickets gekauft habe, denke ich mir: F.Y. Das ist nicht der Metal, den ich mag. Dann bleibe ich lieber im Underground. Gerade wenn ich mir die Preisentwicklungen ansehe. Wir können ja alle kein Geld scheißen.
Der Opener »The Duel« erzählt von zwei Dämonen, einem gebrochenen Pakt und einem tödlichen Duell. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Mischung aus dämonischer Mythologie und fast schon futuristischer Bildsprache?
Burkhard: Ich stehe auf so kranke, bekloppte Mythen und Erzählungen. Zum einen finde ich das Thema Science-Fiction superinteressant, zum anderen Horror und Splatter. Warum also nicht alles mal kombinieren?Das habe ich schon beim Thema »Skinwalker« im Video gemacht. Das waren übrigens über 500 Stunden Animationsarbeit, die da reingeflossen sind.
In »Monsters« geht es stark um Angst, Dunkelheit und das Gefühl, dass etwas Unheimliches im Raum lauert. Ist der Song eher als klassische Horrorgeschichte gedacht, oder steckt dahinter auch eine psychologische Ebene über innere Dämonen?
Burkhard: Ich glaube, diese Angst vor dem, was unter dem Bett oder im Schrank lauern könnte, kennt fast jeder aus seiner Kindheit. Schatten, die sich bewegen … Dieses Thema greift »Monsters« auf.Unser Verstand und unsere Gedanken sind der eigentliche Ursprung des Horrors. Unser Kopf ist das Filmstudio … hahaha.
»The Reaper« arbeitet mit Nebel, Stimmen, verlorenen Seelen und einer unausweichlichen Todesfigur. Was fasziniert euch an solchen Grenzfiguren zwischen Leben, Tod und Verdammnis?
Burkhard: Was mich fasziniert, sind Dinge, die man nicht greifen kann. Da, wo die Realität endet, beginnt die Welt für Pinch Black. Ich bin mir sicher, dass es so jedem geht. Manch einer mag es vielleicht weniger blutig, aber für mich kann es nicht blutig genug sein 🙂
Deine extrem tiefen und epischen Vocals sind ein zentrales Markenzeichen von Pinch Black. Wie entstehen die Gesangslinien bei euch – folgen sie zuerst der Atmosphäre der Songs, oder werden sie bewusst wie eine Art Erzählerstimme eingesetzt?
Burkhard: Meistens habe ich eine Idee zu einem Grundthema. Wie zum Beispiel beim aktuellen Album »Dystopian Times«: Horrorgeschichten und Kreaturen in Raum und Zeit, im Weltraum, töten, Blut, Endschlacht. Soweit so irrsinnig.Diese Atmosphäre greifen Laura und Janine auf und schreiben Songs. Wenn ich die fertigen Songs bekomme, schreibe ich dann Horrorgeschichten dazu, die atmosphärisch passen beziehungsweise mir passend erscheinen. Das alles, ohne das grobe Gerüst aus den Augen zu verlieren.
Laura und Janine prägen den Sound mit melodischen, aber sehr scharf gesetzten Gitarrenriffs. Wie entwickelt ihr eure Gitarrenarrangements, damit sie sowohl technisch präzise als auch atmosphärisch und erzählerisch wirken?
Burkhard: Wir haben ja bereits unser fünftes Album draußen. Wir haben mittlerweile unseren Stil gefunden, denke ich. Unsere Songs sind ähnlich wie ein Pop-Song strukturiert: Strophe, Break, Chorus. Das ist nicht unbedingt üblich in der Death-Metal-Welt … haha.Aber durch den Chorus beziehungsweise Refrain schaffen wir es, Atmosphäre zu erzeugen. Durch den leicht vorhersehbaren Aufbau der Songs werden diese außerdem etwas schneller zugänglich. Außerdem fällt es leichter, einen Soundtrack zu einem Thema zu schreiben. Da sind die Atmosphäre und das Thema ja schon bekannt und alle arbeiten in die gleiche Richtung.
Songs wie »Ghoul« und »Necromancer« haben fast etwas Rituelles und erzählen von alten Kreaturen, Beschwörungen und wiedererweckten Toten. Welche Rolle spielen Horror, Fantasy und Mythologie generell in eurem Songwriting?
Burkhard: Wie schon gesagt: Diese Themen spielen beim Songwriting eine große Rolle. Da ich selbst Horrorfilme liebe und damit groß geworden bin, kann ich mir nicht vorstellen, Kuschelrock zu machen. Das muss schon etwas blutiger sein … haha. Und »Ghoul« und »Necromancer« bieten sich dazu gerade an.
»Shadows« wirkt lyrisch besonders tragisch: Eine verfluchte Figur tötet zwanghaft weiter und bleibt selbst in Dunkelheit gefangen. War es euch wichtig, das Böse nicht nur brutal, sondern auch als Fluch oder Schicksal darzustellen?
Burkhard: Wir sind alle ein Produkt unserer Umwelt. Täter und Opfer. Da verwischen schon mal die Grenzen zwischen Gut und Böse. Zudem mag ich es, den inneren Kampf darzustellen. Das Böse als Opfer darzustellen.Ich glaube, wir können uns somit besser mit dem Bösen identifizieren. Denn wir alle haben eine dunkle Seite.
Mit »Skinwalker« greift ihr eine legendäre Gestalt auf, die stark mit Verwandlung, Angst und Identitätsverlust verbunden ist. Was hat euch an diesem Mythos gereizt, und wie habt ihr versucht, diese körperliche und seelische Zerrissenheit musikalisch umzusetzen?
Burkhard: Dieser Song ist mir besonders wichtig. Der Text beschreibt, wie sich der Skinwalker häutet und in anderer Gestalt weiterlebt. Das Häuten finde ich ein sehr spannendes Thema. Nicht nur im Horror, auch im übertragenen Sinn.Wir strampeln uns jeden Tag ab und erleben unseren eigenen Horror. Wer würde nicht gerne mal ausbrechen? Neuer Tag. Neue Haut.
Der Abschluss »Whales in the Clouds« wirkt im Vergleich zu den vorherigen Songs fast apokalyptisch-erhaben. Wie entstand diese außergewöhnliche Bildwelt, und warum war dieser Song der passende Abschluss für das Album?
Burkhard: Die Idee entstand als epische Endschlacht zwischen Gut und Böse in Form einer Schlacht mit Walen. Auf deren Rücken reiten die Guten, um das Böse zu verschlingen. Die Wale speien Feuer und schießen Laser aus den Augen. Was ein geiler, kranker Scheiß … oder? Haha.
Ihr seid seit 2018 aktiv und habt mit »Voices from Hell«, »Exorcism«, »Insanity«, »Serenity« und nun »Dystopian Times« bereits eine deutliche Entwicklung durchlaufen. Wo seht ihr Pinch Black heute musikalisch – und wohin soll die Reise nach diesem Album führen?
Burkhard: Das kann ich dir nur schwer sagen. Ich denke, wir haben uns auf den letzten zwei Alben gefunden, was den Stil angeht. Ich weiß aber auch, dass man sich manchmal weiterentwickeln möchte. Ich habe keine Ahnung, wohin unsere Reise führt.Ich denke aber, dass wir dem Epic Death Metal treu bleiben werden. Genauso wie meiner Vorliebe für kleine, blutige Horrorgeschichten. Und solange der Spaß da ist, werden wir nichts ändern.
Vielen Dank für das Interview, Burkhard. Die letzten Worte gehören dir: Möchtest du den Leserinnen und Lesern von Metal Underground noch etwas auf den Weg mitgeben?
Burkhard: Ihr seid der Grund, warum wir Metal machen. Hört nie auf, den Underground zu supporten. Und bewegt eure Ärsche in die Clubs, feiert und habt Spaß. Amen … haha.An das Magazin und alle Helfer: Vielen Dank. Ihr macht einen geilen Job.





