Fury In The Slaughterhouse - Changes - cover Artwork

Band: Fury In The Slaughterhouse 🇩🇪
Titel: Changes
Label: Seven.One Starwatch / Sony Music Entertainment
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Deluxe-Doppel-CD / Vinyl / Digital
Genre: Rock / Alternative Rock / Pop Rock

Tracklist

01. Changes – 03:33
02. 9 Lives – 02:38
03. Youth Is Wasted On The Young – 02:39
04. Lost And Found – 02:58
05. Viva La Revolución – 03:52
06. Believe – 04:04
07. Fix This Crack – 03:30
08. When We Were Young – 03:44
09. Years Of Thunder – 02:56
10. Sister Moon – 03:04
11. Dream About You – 03:20
12. Sorrowland – 03:08

Besetzung

Kai Wingenfelder – Gesang
Thorsten Wingenfelder – Gitarre, Gesang
Christof Stein-Schneider – Gitarre, Begleitgesang
Christian Decker – Bass
Gero Drnek – Keyboards, Gitarre, Mandoline
Rainer Schumann – Schlagzeug

Produktion:
Vincent Sorg – Produktion, Mixing, Mastering

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Knapp vierzig Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel und noch immer Bock auf Veränderungen? Bei Fury In The Slaughterhouse lautet die Antwort eindeutig: ja! Mit »Changes« schließen die Hannoveraner ihre mit »Now« und »Hope« begonnene Comeback-Trilogie ab. Eine radikale musikalische Neuerfindung sollte trotz des Titels niemand erwarten. Stattdessen präsentiert sich die Band auf ihrem 15. Studioalbum gefestigt, spielfreudig und erstaunlich abwechslungsreich. Zwölf kompakte Songs verbinden Alternative Rock, Pop Rock, melancholische Balladen und kleinere Ausflüge in Folk, Punk und elektronische Klangwelten. Veröffentlicht wurde »Changes« am 26. Juni 2026 über Seven.One Starwatch im Vertrieb von Sony Music Entertainment.

YouTube Art Playlist: Changes

VERÄNDERUNG BEGINNT IM KLEINEN

Der Titelsong »Changes« eröffnet die Platte zunächst ruhig. Akustische Gitarren, Keyboards und Kai Wingenfelders unverwechselbare Stimme bestimmen die ersten Takte, bevor sich das Stück zu einem breiter angelegten Rocksong entwickelt. Der Refrain ist typisch Fury: melancholisch, hymnisch und so geschrieben, dass er spätestens beim zweiten Durchlauf hängen bleibt.

Der Titel steht weniger für einen radikalen Stilwechsel als für jene kleinen Veränderungen, die sich im Verlauf eines langen Lebens und einer beinahe vier Jahrzehnte umfassenden Bandgeschichte ergeben. Fury In The Slaughterhouse schauen dabei nicht wehmütig zurück, sondern akzeptieren Vergänglichkeit als Teil der eigenen Entwicklung.

»9 Lives« zieht das Tempo deutlich an. Die Gitarren klingen kräftiger, Rainer Schumann treibt den Song geradlinig voran und der Refrain besitzt klare Livequalitäten. Die Band nimmt ihre eigene Geschichte mit einem gewissen Augenzwinkern unter die Lupe: Trennung, Wiedervereinigung, zwei erfolgreiche Comeback-Alben und jetzt das nächste Kapitel. Totgesagte leben länger – und Fury offenbar gleich mehrfach.

Das sitzt, passt und hat Luft. Der Song braucht keine ausgedehnte Einleitung und keine komplizierte Dramaturgie. Nach zweieinhalb Minuten ist alles gesagt, ohne dass der Titel unfertig wirkt.

DIE JUGEND IST AN DIE JUNGEN VERSCHWENDET

»Youth Is Wasted On The Young« gehört zu den energischsten Titeln des Albums. Das Stück arbeitet mit einem schnellen Grundtempo, druckvollem Schlagzeug und einer direkten Gitarrenführung. Inhaltlich geht es nicht um eine verbitterte Abrechnung mit jüngeren Generationen, sondern um die Erkenntnis, dass man die Möglichkeiten der Jugend häufig erst dann versteht, wenn sie bereits vergangen ist.

Der Refrain ist eingängig, ohne in belanglosen Radiopop abzurutschen. Kai Wingenfelder trägt die Zeilen mit hörbarer Selbstironie vor, während die Gitarren den Song kompakt halten. Gerade diese Mischung aus Nachdenklichkeit und Vorwärtsdrang gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Stärken der Band.

»Lost And Found« schlägt anschließend eine andere Richtung ein. Elektronische Klänge und ein stärker poporientierter Aufbau sorgen zunächst für eine ungewohnte Atmosphäre. Der Song gehört zu den mutigeren Momenten der Platte und zeigt, dass Fury durchaus bereit sind, ihre vertraute Klangwelt zu erweitern.

Vollständig ausgeschöpft wird dieser Ansatz allerdings nicht. Die elektronischen Elemente erzeugen einen interessanten Einstieg, treten im weiteren Verlauf jedoch hinter eine recht konventionelle Songstruktur zurück. Ein etwas konsequenterer Ausbau hätte »Lost And Found« zu einem echten Ausrufezeichen machen können. So bleibt ein guter, leicht zugänglicher Song, der sein vorhandenes Potenzial nicht vollständig nutzt.

VIVA LA REVOLUCIÓN

Mit »Viva La Revolución« brechen Fury deutlicher aus ihrem gewohnten Aufbau aus. Der Song greift die alternative Kultur Hannovers auf und erinnert an eine Zeit, in der besetzte Häuser, kleine Clubs und unangepasste Lebensentwürfe wichtige Bestandteile der lokalen Musikszene waren.

Trompete, veränderte Rhythmen und leicht punkige Akzente verleihen der Komposition eine eigene Farbe. Der Titel wirkt nicht wie der Versuch einer etablierten Rockband, nachträglich auf rebellisch zu machen. Vielmehr blickt die Gruppe auf ihre eigenen Wurzeln und die kulturelle Umgebung zurück, in der sie entstanden ist.

Die Musiker bilden dabei eine geschlossene Einheit. Gitarren, Bass, Keyboards und Schlagzeug wechseln sich in der Führung ab, ohne den Song unnötig zu überladen. Gerade Gero Drneks Beitrag sorgt dafür, dass »Viva La Revolución« innerhalb des Albums klar hervorsticht.

»Believe« nimmt das Tempo zurück. Die Ballade beschäftigt sich mit dem Glauben an Träume und Vorstellungen, die sich nicht immer mit der Realität vereinbaren lassen. Musikalisch erinnern einzelne Gitarren- und Harmoniefiguren an R.E.M., ohne dass Fury deren Stil lediglich kopieren.

Kai Wingenfelder singt zurückhaltend und verzichtet auf übertriebene Dramatik. Der Song entwickelt seine Wirkung nicht durch einen gewaltigen Schluss, sondern durch eine ruhige, glaubwürdige Steigerung. Gerade deshalb gehört »Believe« zu den emotional überzeugendsten Momenten der Platte.

EIN RISS, DEN KEINE TECHNIK REPARIERT

»Fix This Crack« verbindet melancholisches Storytelling mit einem äußerst eingängigen Refrain. Das lyrische Ich versucht, nach einer gescheiterten Beziehung durch Gespräche mit digitalen Assistenten und technische Ablenkung mit seiner Einsamkeit umzugehen. Doch weder Alexa noch ein Computer können den entstandenen Riss kitten.

Der Text arbeitet mit moderner Alltagstechnik, erzählt im Kern jedoch von einem zeitlosen Gefühl. Musikalisch bleibt die Band nah an ihrem bekannten Alternative-Rock-Sound. Die Gitarren sind präsent, das Schlagzeug agiert kontrolliert und der Refrain trägt die emotionale Hauptlast.

Hier zeigt sich erneut, wie sicher Fury scheinbar einfache Songs aufbauen. Die einzelnen Bestandteile wirken vertraut, sind aber so sauber miteinander verbunden, dass der Titel nie beliebig klingt. Kai Wingenfelders leicht raue Stimme verleiht dem Text die notwendige Glaubwürdigkeit.

»When We Were Young« greift das Thema Jugend erneut auf. Im Gegensatz zu »Youth Is Wasted On The Young« fällt der Blick deutlich nostalgischer aus. Erinnerungen an Aufbruch, Unangepasstheit und persönliche Beziehungen werden mit einem warmen, melodischen Arrangement verbunden.

Der Song bewegt sich nah an jenem Fury-Sound, den viele Hörer seit den Neunzigerjahren schätzen. Das kann man als vorhersehbar bezeichnen, doch die Band spielt diese Karte überzeugend. Der Refrain besitzt emotionale Kraft, ohne nach künstlich erzeugter Nostalgie zu klingen.

DONNERJAHRE UND MONDLICHT

»Years Of Thunder« bringt mit Mandoline beziehungsweise banjoartig klingenden Saiteninstrumenten eine folkige Färbung ins Album. Die Komposition besitzt beinahe den Charakter eines Seemannslieds und entwickelt sich zu einem leichtfüßigen Rocksong, der für gemeinschaftliches Mitsingen geschrieben scheint.

Auf einem bombenfesten Fundament aus Bass und Schlagzeug entfalten sich akustische und elektrische Gitarren. Die Melodie ist simpel, aber effektiv. Gerade nach mehreren nachdenklichen Titeln sorgt »Years Of Thunder« für eine willkommene Auflockerung.

»Sister Moon« bewegt sich anschließend in die entgegengesetzte Richtung. Die verhallte Ballade klingt nächtlich, ruhig und beinahe schwebend. Fury verzichten weitgehend auf große Rockgesten und lassen Gesang, Keyboards und zurückhaltende Gitarren für sich arbeiten.

Der Song erinnert in seiner Atmosphäre an frühere melancholische Bandmomente, wirkt jedoch nicht wie eine Kopie alter Erfolge. Thorsten Wingenfelder und Christof Stein-Schneider setzen ihre Gitarren sehr gezielt ein. Ihre Fingerfertigkeit zeigt sich nicht durch lange Soli, sondern durch kleine melodische Figuren, die den Gesang stützen und den Raum zwischen den einzelnen Zeilen ausfüllen.

TRÄUME UND SORGENLAND

»Dream About You« ist ein kompakter, melodischer Rocksong mit deutlicher Poporientierung. Der Refrain funktioniert unmittelbar, während die Strophen etwas zurückhaltender aufgebaut sind. Innerhalb des Albums gehört der Titel nicht zu den größten Überraschungen, erfüllt seine Aufgabe aber zuverlässig.

Die Produktion rückt den Gesang stark in den Mittelpunkt und glättet einige Gitarrenkanten. Das sorgt für Zugänglichkeit, nimmt dem Song jedoch einen Teil der möglichen Rauheit. Etwas mehr Reibung hätte der Komposition gutgetan.

Das abschließende »Sorrowland« war bereits vor dem Album bekannt und beendet »Changes« mit einer deutlichen gesellschaftlichen Botschaft. Die Gitarren klingen härter, das Schlagzeug drängt stärker nach vorn und der Refrain warnt vor einer Zukunft, in der Hoffnung zunehmend durch Angst, Spaltung und Resignation ersetzt wird.

Der Song gehört zu den stärksten Titeln der Platte. Fury verbinden politische Haltung mit einer klaren Melodie, ohne den Text in Parolen aufzulösen. Der Abschluss passt deshalb hervorragend zum Album: Veränderung wird nicht nur als persönlicher Prozess betrachtet, sondern auch als gesellschaftliche Verantwortung.

MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION

»Changes« wird von der Band als erstes wirklich gemeinschaftlich entstandenes Fury-Album der jüngeren Phase verstanden. Sämtliche Mitglieder brachten sich intensiver in den kreativen Prozess ein. Das ist hörbar, denn die zwölf Stücke besitzen trotz ihrer stilistischen Unterschiede einen geschlossenen Charakter.

Kai Wingenfelder bleibt mit seiner markanten Stimme das sofort erkennbare Zentrum. Sein Gesang ist technisch nicht auf spektakuläre Höhen oder große Verzierungen ausgerichtet. Die Stärke liegt in der natürlichen Phrasierung und der Fähigkeit, selbst einfache Zeilen glaubwürdig wirken zu lassen.

Thorsten Wingenfelder und Christof Stein-Schneider ergänzen einander an den Gitarren. Statt sich durch ausgedehnte Soloduelle in den Vordergrund zu stellen, arbeiten beide überwiegend songdienlich. Akustische Passagen, kompakte Rockriffs und melodische Leadfiguren werden sauber aufeinander abgestimmt.

Christian Decker und Rainer Schumann bilden eine zuverlässige Rhytmussektion. Der Bass bleibt präsent, ohne die Gitarren zu bedrängen, während das Schlagzeug den jeweiligen Charakter der Stücke unterstützt. Besonders »9 Lives«, »Youth Is Wasted On The Young« und »Sorrowland« profitieren von Schumanns energischem Spiel.

Gero Drnek erweitert den Bandsound mit Keyboards, Gitarre und Mandoline. Seine Beiträge sind besonders bei »Lost And Found«, »Viva La Revolución«, »Years Of Thunder« und »Sister Moon« entscheidend. Ohne diese zusätzlichen Klangfarben wäre das Album wesentlich gleichförmiger ausgefallen.

Vincent Sorg verleiht der Platte eine große, druckvolle und radiotaugliche Produktion. Gesang, Gitarren und Rhythmussektion sind klar voneinander getrennt, während die Refrains ausreichend Breite erhalten. Gelegentlich wird die Musik allerdings etwas zu stark poliert. Manche rauere Gitarrenfigur oder spontanere Dynamik hätte den Songs zusätzliche Persönlichkeit verliehen.

VERTRAUT, ABER NICHT STEHENGEBLIEBEN

Eine musikalische Revolution liefert »Changes« nicht. Fury In The Slaughterhouse bleiben ihrer bekannten Mischung aus Alternative Rock, Popmelodien, melancholischen Texten und hymnischen Refrains treu. Gerade darin liegt jedoch ein wesentlicher Teil ihrer Stärke.

Die Band versteht, welche Elemente ihren eigenen Klang ausmachen, und erweitert diese behutsam. Elektronische Ansätze bei »Lost And Found«, Punk und Trompete bei »Viva La Revolución« sowie die Folkfärbung von »Years Of Thunder« sorgen für ausreichend Abwechslung.

Nicht jede Idee wird vollständig ausgereizt. Einige Stücke folgen sehr vertrauten Abläufen und die glatte Produktion nimmt einzelnen Momenten etwas von ihrer möglichen Schärfe. Dafür besitzen die Songs klare Melodien, nachvollziehbare Texte und eine Spielfreude, die man einer Band nach fast vierzig Jahren keineswegs selbstverständlich unterstellen darf.

FAZIT:

»Changes« ist ein überzeugender Abschluss der mit »Now« und »Hope« begonnenen Trilogie. Fury In The Slaughterhouse erfinden sich nicht neu, zeigen aber, dass Entwicklung auch innerhalb einer etablierten musikalischen Identität möglich ist. Starke Refrains, Kai Wingenfelders charakteristischer Gesang und die geschlossene Leistung der gesamten Band tragen das Album. Besonders »9 Lives«, »Viva La Revolución«, »Believe«, »Sister Moon« und »Sorrowland« überzeugen. Kleinere Abzüge gibt es für einige vorhersehbare Strukturen und die gelegentlich zu glatt geratene Produktion. Trotzdem klingt hier keine Band, die nur von früheren Erfolgen lebt. Fury sind noch immer im Hier und Jetzt angekommen – mit Haltung, guten Songs und hörbarer Freude am gemeinsamen Musizieren.

Musikvideo: Fix This Crack

Internet

Fury In The Slaughterhouse - Changes - CD Review

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