Tracklist
01. Left Hand Path – 09:44
02. Deaditation – 06:21
03. No Worse Death Than The Loss Of All Hope (Wondering Why I Wonder Why) – 07:35
04. Confrontation With God – 11:59
05. Cure For Judgement – 06:51
06. Welcome To Your Holy Hell – 08:49
Besetzung
Andrew Brophy – Schlagzeug, Leadgesang
Dan Brophy – Rhythmus-, Lead- und klassische Gitarren, Gesang
Ruth Guetchal – Rhythmusgitarre, Gesang
Dustin Smith – Bass, Gesang
Produktion:
Komposition und Texte – Andrew Brophy
Produktion – Andrew Brophy
Mixing – Dan Brophy
Mastering – Andreas „Seidr Jonsson“ Westholm
Artwork – Roberto Toderico
Konzeptalben sind immer was Spannendes. Im Idealfall verbinden sie Musik, Texte und Dramaturgie zu einem zusammenhängenden Werk, das sich nicht einfach auf einzelne Hits reduzieren lässt. Im ungünstigeren Fall erstickt die Musik unter ihrer eigenen Geschichte. MetaladiaN aus Hamilton im kanadischen Ontario wählen auf ihrem Debütalbum »Deaditation« eindeutig den ambitionierten Weg. Sechs ausgedehnte Kompositionen, mehr als 51 Minuten Spielzeit und eine Geschichte über seelische Verletzungen, Verzweiflung, Vergeltung, Glaubensverlust, Selbstzerstörung und letztlich Erlösung machen das Album zu einer anspruchsvollen Angelegenheit. Der Bandname setzt sich übrigens sinngemäß aus Metalhead und Canadian zusammen. Musikalisch ist die Sache weniger leicht auf eine Formel zu bringen: Progressive Strukturen treffen auf Thrash und Death Metal, technisch ausgerichtetes Schlagzeugspiel, Sludge, Doom, klassische Harmonielehre und einen ungewöhnlichen Wechselgesang sämtlicher Mitglieder.
ZWANZIG JAHRE ZWISCHEN IDEE UND DEBÜT
Hinter »Deaditation« steht vor allem Schlagzeuger, Sänger und Komponist Andrew Brophy. Die Grundlagen des Materials entstanden bereits ab 2003 und wurden ursprünglich teilweise auf einer klassischen Gitarre entwickelt. Dass zwischen den ersten Entwürfen und dem fertigen Album mehr als zwei Jahrzehnte liegen, ist den Kompositionen deutlich anzumerken. Nicht, weil die Musik altmodisch klingen würde, sondern weil in nahezu jedem Stück eine enorme Menge an Ideen verarbeitet wird.
Klassische Strophen-Refrain-Strukturen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen bestehen die Stücke aus aufeinanderfolgenden Abschnitten, die Tempi, Dynamik und Stimmung teilweise drastisch verändern. Einzelne Motive kehren zurück, werden beschleunigt, verlangsamt oder mit neuen Stimmen und Harmonien versehen. Das macht »Deaditation« zu einem Album, das Aufmerksamkeit verlangt. Nebenbei lässt sich diese Musik nur schwer erfassen.
Die Vergleiche, die sich anbieten, liegen weit auseinander. Die chromatischen Thrash-Riffs erinnern stellenweise an die aggressiveren Phasen von Megadeth oder frühe Metallica, während die rhythmische Verdichtung und die vielstimmigen Ausbrüche auch an Strapping Young Lad denken lassen. Hinzu kommen Death-Metal-Growls, dissonante Passagen und klassische Gitarrenfiguren. MetaladiaN kopieren keine dieser Bands vollständig, machen es dem Hörer durch die ständige stilistische Bewegung aber auch nicht leicht, eine klare Orientierung zu finden.
DER LINKE PFAD IN DIE VERGELTUNG
Mit knapp zehn Minuten eröffnet »Left Hand Path« das Album. Windgeräusche und heulende Wölfe führen in eine kalte, bedrohliche Szenerie, bevor hohe Gitarrentöne und ein massives Unisono-Riff die eigentliche Komposition eröffnen. Bass und Rhythmusgitarre bewegen sich über chromatische Linien, während die zweite Gitarre harmonische Gegenbewegungen setzt.
Bereits hier zeigt sich das auffälligste Merkmal der Band: Sämtliche Mitglieder beteiligen sich am Gesang. Andrew Brophy übernimmt die längeren, teilweise melodisch geschrienen Linien. Dustin Smith liefert die tiefsten, gutturalen Stimmen, Dan Brophy antwortet mit aggressivem Thrash-Gebrüll und Ruth Guetchal setzt hohe, schneidende Schreie darüber.
Diese Aufteilung ist nicht bloß dekorativ. Die Stimmen übernehmen unterschiedliche Perspektiven und funktionieren wie eine auf vier Personen verteilte Gedankenwelt. Manche Passagen entwickeln dadurch eine beinahe theatralische Wirkung. An anderen Stellen wird das Geschehen jedoch so dicht, dass einzelne Aussagen kaum noch voneinander zu trennen sind.
Inhaltlich beginnt »Left Hand Path« mit Erinnerungen an erlittene Gewalt, zerstörtes Vertrauen und eine über Jahre gewachsene Wut auf einen Täter. Der Text bleibt nicht bei der Beschreibung des Traumas, sondern entwickelt sich zu einem Aufruf an weitere Opfer. Aus persönlicher Verletzung entsteht eine gemeinschaftliche Vergeltungsfantasie.
Musikalisch folgt das Stück dieser Eskalation. Die anfangs noch kontrollierten Riffs werden zunehmend hektischer, Leadgitarren brechen aus dem Arrangement und eine dröhnende Mittelpassage führt in einen langsameren, beschwörenden Abschnitt. Das wiederholte Verfluchen des Täters wirkt bewusst obsessiv. Der Song endet nicht abgeschlossen, sondern bereitet unmittelbar auf den Titeltrack vor.
MEDITATION WIRD ZUR DEADITATION
Der Begriff »Deaditation« bezeichnet innerhalb des Albums eine meditativ ausgeführte psychische Gegenattacke. Die erlittene Gewalt soll dem Täter in vielfacher Stärke zurückgegeben werden. Entsprechend ist der Titeltrack keine ruhige Innenschau, sondern ein ritualisierter Gewaltausbruch.
Ein konstantes chromatisches Bassmotiv bildet den Ausgangspunkt. Darüber legen sich dröhnende Gitarren, Feedback und ein tribalartig angelegter Schlagzeugauftakt. Anschließend beginnt ein dreiteiliger Ablauf aus Plateau, Aufstieg und Abstieg. Mit jeder Wiederholung erhöht die Band das Tempo und zieht die musikalische Spirale enger zusammen.
Das funktioniert besonders gut, weil Andrew Brophy die Schlagzeugfiguren eng an die Gesangsrhythmen bindet. Beckenakzente reagieren unmittelbar auf einzelne Silben, während Bass und Gitarren die chromatischen Bewegungen gemeinsam verdichten. Die Stimmen werden hin- und hergereicht, unterbrechen einander und erzeugen den Eindruck einer immer größer werdenden Menschenmenge.
Der Titeltrack ist einer der unmittelbarsten Songs des Albums, obwohl auch er keineswegs einfach aufgebaut ist. Die wiederkehrende Grundstruktur gibt dem Hörer einen Halt, den einige spätere Stücke bewusst verweigern. Gleichzeitig zeigt sich hier eine Schwäche der Produktion: Sobald sämtliche Stimmen, Gitarren und Schlagzeugakzente gleichzeitig aktiv sind, fehlt dem Mix etwas räumliche Trennung. Die gewünschte Überforderung ist nachvollziehbar, einzelne Details verschwinden dabei jedoch in der Gesamtmasse.
WENN JEDE HOFFNUNG VERSCHWINDET
Nach den ersten beiden Stücken vollzieht »No Worse Death Than The Loss Of All Hope« einen radikalen Wechsel. Geschwindigkeit und Angriff werden deutlich reduziert. Stattdessen bewegen sich MetaladiaN in Richtung Sludge und Doom Metal.
Lang gehaltene Töne, schleppende Akkorde und ausgedehnte Gesangslinien bestimmen das Stück. Die vorherige Vergeltungsenergie bricht zusammen und hinterlässt eine Person, die keinen Ausweg aus ihrer eigenen Verzweiflung erkennt. Der Titel beschreibt Hoffnungslosigkeit nicht als vorübergehenden Zustand, sondern als eine Form des inneren Todes.
Besonders wirkungsvoll ist der Verzicht auf eine klar wiederkehrende Songstruktur. Die Komposition entwickelt sich wie ein ununterbrochener Gedankengang. Kleinere Figuren tauchen erneut auf, dienen jedoch eher als lose Verbindung zwischen den einzelnen Abschnitten denn als klassischer Refrain.
Diese Freiheit besitzt ihren Reiz, führt aber auch zu einigen Längen. Nicht jede Wiederholung der gedehnten Gesangslinien verstärkt die emotionale Wirkung. Teilweise wäre eine stärkere Verdichtung sinnvoll gewesen. Das abschließende Zusammenbrechen der Stimmen, die Glockenschläge und die klassische Gitarre schaffen dennoch einen überzeugenden Übergang zum nächsten Kapitel.
DIE AUSEINANDERSETZUNG MIT GOTT
Mit beinahe zwölf Minuten ist »Confrontation With God« das längste und kompositorisch anspruchsvollste Stück. Ein gesprochenes Gebet, marschartige Snare-Schläge, ein tiefer Basston, Sirenen und arpeggierte Gitarren bauen langsam Spannung auf. Erst danach setzt die vollständige Band ein.
Inhaltlich richtet sich der Protagonist nun gegen Gott. Die Fragen nach dem Ursprung des Leidens, nach Gerechtigkeit und nach dem Sinn eines Lebens voller psychischer Schmerzen werden zunehmend aggressiver. Aus Zweifel entsteht Anklage, aus Anklage offene Feindseligkeit.
Die Musik bildet diesen Kontrollverlust konsequent ab. Geordnete Passagen kippen in hektische Rhythmuswechsel, Stimmen überschneiden sich und die Gitarren wechseln zwischen harmonischen Flächen und dissonanten Ausbrüchen. Andrew Brophy treibt das Stück mit einem technisch anspruchsvollen Schlagzeugspiel voran, das sich nicht auf konstante Doublebass-Muster verlässt. Stattdessen verwendet er abrupte Akzente, wechselnde Taktgefühle und kurze, beinahe orchestrale Fills.
Der Song endet mit einem Suizidversuch. Ein schweres Zwei-Noten-Riff wird immer langsamer und bildet einen nachlassenden Herzschlag ab, bis schließlich nur noch die Leere bleibt. Inhaltlich ist das drastisch, musikalisch jedoch schlüssig umgesetzt. Der Abschnitt wirkt nicht wie ein beliebig eingesetzter Schockeffekt, sondern wie der Tiefpunkt der gesamten Erzählung.
Trotzdem fordert »Confrontation With God« Geduld. Die Band verfolgt jede ihrer Ideen ausführlich und verzichtet fast vollständig auf Kürzungen. Wer progressive Extreme-Metal-Kompositionen als Reise versteht, erhält hier den Mittelpunkt des Albums. Wer prägnante Songstrukturen bevorzugt, dürfte spätestens in diesem Kapitel aussteigen.
URTEIL, MANIPULATION UND FALSCHE PROPHETEN
»Cure For Judgement« führt die Handlung aus der völligen Selbstzerstörung zurück in Richtung Widerstand. Thematisch geht es um religiöse und spirituelle Autoritäten, die ihre Anhänger durch Angst, Prophezeiungen und vermeintliche Erleuchtung kontrollieren.
Die Musik beginnt mit einem geräuschhaften Effekt, bevor Ruth Guetchal schnelle Arpeggien spielt. Ihre Rhythmusgitarre funktioniert über weite Teile des Albums weniger wie eine traditionelle Metal-Gitarre und übernimmt eher die Aufgabe eines harmonischen Tasteninstruments. Bass, Schlagzeug und zweite Gitarre setzen dagegen häufig gemeinsam rhythmische Akzente.
Dieser Aufbau verleiht MetaladiaN eine eigene Handschrift. Die Gitarren liegen nicht einfach als zwei ähnlich verzerrte Spuren übereinander. Eine Seite formt die harmonische Bewegung, während die andere gemeinsam mit dem Bass die schweren Riffs trägt. Besonders in den ruhigeren Abschnitten bleibt diese Aufteilung gut erkennbar.
Die wechselnden Verse und Brücken besitzen unterschiedliche Längen und werden von schnellen, schlangenartigen Soli unterbrochen. Die Refrains öffnen das Arrangement und geben Andrew Brophy Raum für längere Gesangslinien. Dadurch wirkt »Cure For Judgement« zugänglicher als die beiden vorherigen Stücke, ohne die progressive Ausrichtung aufzugeben.
Der Text ist allerdings ausgesprochen direkt. Subtile Andeutungen interessieren die Band kaum. Religiöse Manipulation, Narzissmus und geistige Unterwerfung werden mit deutlichen Beleidigungen und offenen Anschuldigungen beantwortet. Diese Ehrlichkeit passt zur persönlichen Natur des Albums, wirkt stellenweise jedoch weniger differenziert als die musikalische Umsetzung.
WILLKOMMEN IN DEINER HEILIGEN HÖLLE
Das abschließende »Welcome To Your Holy Hell« beginnt mit einer beschleunigenden Bewegung, die abrupt in ein groovendes Thrash-Riff fällt. Der Song gehört zu den härtesten und zugleich beweglichsten Nummern des Albums.
Die vier Stimmen arbeiten erneut im schnellen Wechsel. Kurze Ausrufe, tiefe Growls, hohe Schreie und längere melodische Linien erzeugen den Eindruck eines eskalierenden Streitgesprächs. Inhaltlich richtet sich der Protagonist gegen einen selbst ernannten spirituellen Führer, dessen Macht endgültig gebrochen werden soll.
Nach dem schnellen Beginn reduziert die Band das Tempo und wechselt in einen schweren Doom- und Sludge-Abschnitt. Anschließend steigert sich die Musik erneut, bis die Thrash-Riffs schneller und aggressiver zurückkehren. Der Aufbau fasst damit viele Elemente der vorherigen fünf Stücke zusammen.
Entscheidend ist jedoch das Ende. Nach all den Beschimpfungen, Gewaltfantasien und Abrechnungen öffnen sich die Harmonien. Der Gesang wird melodischer, die Akkorde wirken beinahe triumphal und ein technisch anspruchsvolles Solo schließt den musikalischen Teil ab.
Danach ist eine Aufnahme von Andrew Brophys verstorbenem Hund Adian zu hören. Das Tier bellt und spielt an einem sonnigen Tag am Wasser. Dieser private Moment steht für den letzten Abschnitt der Geschichte: Erlösung entsteht nicht durch die Vernichtung des Gegners, sondern durch Erinnerung, Liebe und die Rückkehr zu etwas Unschuldigerem.
Der Übergang ist ungewöhnlich und könnte leicht sentimental wirken. Im Zusammenhang mit der vorherigen Härte besitzt er jedoch eine große Wirkung. Nach mehr als 50 Minuten psychischer Eskalation endet das Album nicht mit einem weiteren Schrei, sondern mit einem lebendigen Geräusch aus einer friedlicheren Vergangenheit.
VIER STIMMEN UND EIN GEMEINSAMER GEDANKENSTROM
Das größte Alleinstellungsmerkmal von MetaladiaN ist der Gesang. Alle vier Mitglieder übernehmen klar definierte Aufgaben. Die Stimmen ergänzen sich nicht lediglich in Refrains, sondern bilden einen wesentlichen Bestandteil der Kompositionen.
Andrew Brophy besitzt die melodischste Stimme und trägt die längeren Linien. Seine Gesangsweise bleibt rau, kann sich aber deutlich über die Instrumentierung erheben. Besonders in den späteren Abschnitten des Albums zeigt er, dass Härte nicht ausschließlich durch tiefe Growls entstehen muss.
Dustin Smith liefert mit seinen tiefen, gutturalen Einsätzen den Gegenpol. Seine Stimme verstärkt die schwersten Abschnitte, wird aber sparsam genug verwendet, um nicht zur permanenten Grundfarbe zu werden.
Dan Brophy übernimmt aggressive, kurze Thrash-Ausbrüche. Sie wirken wie Kommentare oder direkte Antworten auf den Leadgesang. Ruth Guetchal schneidet mit ihren hohen Schreien durch die tieferen Frequenzen und sorgt in den dichtesten Passagen für zusätzliche Spannung.
Die Idee funktioniert über weite Strecken. Gelegentlich ist die Anzahl der Stimmen jedoch größer als der kompositorische Nutzen. Besonders im Titeltrack und im Finale überschneiden sich die Einsätze so stark, dass die Texte ohne begleitendes Lesen kaum vollständig zu erfassen sind. Eine etwas zurückhaltendere Verteilung hätte einzelnen Aussagen mehr Gewicht gegeben.
KLASSISCHE AUSBILDUNG TRIFFT EXTREME METAL
Drei Mitglieder verfügen über eine klassische musikalische Ausbildung. Dan Brophy und Ruth Guetchal besitzen zudem Doktorgrade im Bereich Komposition. Dieser Hintergrund ist nicht bloß eine interessante Randnotiz, sondern prägt das gesamte Album.
Die Stücke verwenden chromatische Bewegungen, lange harmonische Bögen und teilweise durchkomponierte Formen. Ruth Guetchals Arpeggien erzeugen eine zusätzliche harmonische Ebene, während Bass und zweite Gitarre häufig gemeinsam arbeiten. Dadurch entstehen Arrangements, die größer wirken als eine gewöhnliche Besetzung aus zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug.
Allerdings führt die akademische und kompositorische Ambition nicht automatisch zu größerer Wirkung. Einige Passagen hätten von einer strengeren Auswahl profitiert. MetaladiaN haben so lange an diesem Material gearbeitet, dass beinahe jede entstandene Idee einen Platz erhalten hat. Gerade in den beiden längsten Stücken entsteht dadurch zeitweise der Eindruck, dass die Kompositionen nicht enden dürfen, bevor wirklich jede Möglichkeit untersucht wurde.
Die stärksten Momente entstehen immer dann, wenn technische Fähigkeiten und emotionale Aussage dasselbe Ziel verfolgen. Das verlangsamte Ende von »Confrontation With God«, die stetige Beschleunigung von »Deaditation« und der friedliche Ausklang des Finales besitzen eine klare Funktion. Weniger überzeugend sind jene Übergänge, die hauptsächlich zusätzliche Komplexität erzeugen.
EIGENSTÄNDIG, ABER NICHT VOLLSTÄNDIG AUSGEREIFT
Die Produktion von Andrew Brophy und der Mix von Dan Brophy stellen die Vielzahl der Instrumente und Stimmen vor eine schwierige Aufgabe. Grundsätzlich besitzt das Album einen schweren und ausreichend druckvollen Klang. Gitarren und Bass verfügen über Gewicht, während das Schlagzeug klar und präsent bleibt.
Das Mastering von Andreas „Seidr Jonsson“ Westholm hält die unterschiedlichen Stimmungen zusammen. Langsame Sludge-Passagen, schnelle Thrash-Ausbrüche und klassische Gitarrenstücke wirken nicht wie Bestandteile verschiedener Produktionen.
Vollständig transparent ist der Klang dennoch nicht. Sobald sämtliche Stimmen und Instrumente gleichzeitig aktiv werden, verdichtet sich das Frequenzbild stark. Besonders die Rhythmusgitarren verlieren dann einen Teil ihrer Konturen. Das passt zwar zur beabsichtigten Überwältigung, erschwert aber den Zugang zu den feineren kompositorischen Details.
Auch die Texte dürften polarisieren. Ihre persönliche Dringlichkeit steht außer Frage. Gleichzeitig sind sie voller drastischer Wiederholungen, expliziter Gewaltfantasien und direkter Beschimpfungen. Der emotionale Ursprung bleibt erkennbar, doch nicht jede Passage erreicht die inhaltliche Tiefe der zugrunde liegenden Themen.
Gerade dieser Widerspruch macht »Deaditation« interessant. Das Album ist weder eine glatt produzierte Demonstration technischer Fähigkeiten noch ein unkontrolliertes Debüt ohne erkennbare Richtung. Es ist ein sehr persönliches Werk, das sich mit allen Stärken und Übertreibungen seiner eigenen Entstehungsgeschichte präsentiert.
FAZIT:
»Deaditation« ist ein mutiges und ungewöhnliches Debüt, das Progressive Extreme Metal, Thrash, Death Metal, Sludge und klassische Kompositionsansätze zu einer zusammenhängenden Geschichte verbindet. Besonders der vierstimmige Wechselgesang, das variable Schlagzeugspiel und die dramatische Entwicklung von »Left Hand Path« bis zum versöhnlichen Ende von »Welcome To Your Holy Hell« geben MetaladiaN eine eigenständige Identität. Die enorme Dichte, einige überlange Abschnitte, die stellenweise überfüllte Produktion und sehr direkt formulierte Texte verhindern jedoch, dass jede Idee ihre volle Wirkung entfaltet. Wer Konzeptalben als anspruchsvolle Gesamterfahrung schätzt und bereit ist, sich intensiv mit den sechs langen Stücken auseinanderzusetzen, entdeckt hier ein leidenschaftliches Werk mit bemerkenswertem musikalischem Anspruch.






