Druidess - Trip Meadow - cover Artwork

Band: Druidess 🇬🇧
Titel: Trip Meadow
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Heavy Psych Rock / Doom Metal / Stoner Rock

Tracklist

01. The Hermit of Druid’s Temple
02. Trip Meadow
03. Knightingales
04. Mandragora
05. Descended from Giants
06. A Witches‘ Sabbath
07. The Forest Witch’s Daughter

Besetzung

Shonagh Brown – Gesang und Bass
Daniel Downing – Gitarre und Saxofon
Sam Armstrong – Schlagzeug
James Hill – Keyboards

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Doom Metal lebt nicht allein von tief gestimmten Gitarren und möglichst langen Akkorden. Entscheidend ist, ob hinter dem Gewicht tatsächlich gute Riffs, ein präzises Zusammenspiel und Musiker stehen, die ihre Instrumente nicht nur bedienen, sondern beherrschen. Genau an diesem Punkt können Druidess aus Newcastle upon Tyne mit ihrem Debütalbum »Trip Meadow« überzeugen. Das britische Quartett verbindet wuchtigen Doom Metal und psychedelischen Stoner Rock mit Hammond-Orgeln, jazzigen Ausflügen, folkloristischen Erzählungen und gelegentlichen Saxofonpassagen. Die Band bezeichnet ihre musikalische Ausrichtung selbstbewusst als Iommi-Verehrung, belässt es jedoch nicht bei einer bloßen Kopie der frühen Black Sabbath. Sieben Stücke und gut 41 Minuten lang zeigen Druidess, dass sich traditionelle Riffkunst, Fingerfertigkeit und ein präzises Spiel auch ohne technische Selbstdarstellung wirkungsvoll miteinander verbinden lassen. Fünf Nummern waren bereits auf der 2024 veröffentlichten EP »Hermits & Mandrakes« vertreten, erscheinen auf dem Album jedoch in überarbeiteten, kraftvolleren Fassungen. Die beiden neuen Stücke »Trip Meadow« und »Descended from Giants« erweitern das bekannte Material und verdeutlichen zugleich, in welche Richtung sich die Band künftig entwickeln könnte.

Albumstream

DER EINSIEDLER VON DRUID’S TEMPLE

»The Hermit of Druid’s Temple« eröffnet das Album mit einem beweglichen Groove, der sofort erkennen lässt, dass Druidess nicht ausschließlich auf schleppende Doom-Rhythmen setzen. Daniel Downing spielt ein schweres, stark an Tony Iommi erinnerndes Gitarrenriff, lässt zwischen den Akkorden jedoch ausreichend Raum für den Bass und die Hammond-Klänge von James Hill. Das Riff wird nicht durch unnötige Notenfolgen überladen. Seine Wirkung entsteht aus sauber gesetzten Betonungen, kleinen rhythmischen Verschiebungen und einer kontrollierten Veränderung der Anschlagsstärke. Gerade diese vermeintlich einfachen Figuren erfordern ein präzises Spiel, weil jede unsauber gesetzte Pause oder ungenaue Betonung den gesamten Groove beschädigen würde.

Der Bass von Shonagh Brown folgt der Gitarre nicht permanent, sondern entwickelt wiederholt eigene Bewegungen. Dadurch wirkt das Klangbild größer, obwohl nur eine Gitarre beteiligt ist. Sam Armstrong unterstützt die Riffs mit einem schweren, aber überraschend schwungvollen Schlagzeugspiel. Seine Beckenakzente und kurzen Fills sorgen dafür, dass sich der Song trotz seines traditionellen Aufbaus nicht statisch anfühlt. Hinzu kommt Browns kraftvolle Stimme, die den folkloristischen Text mit einer Mischung aus dunkler Beschwörung und augenzwinkernder Erzählfreude vorträgt. Der titelgebende Einsiedler lebt inmitten der Steinformationen des realen Druid’s Temple in North Yorkshire. Die Band behandelt diese Geschichte jedoch nicht mit ehrfürchtigem Ernst, sondern erlaubt sich einen verschrobenen britischen Humor.

Bereits der Opener fasst viele Stärken des Albums zusammen: griffige Gitarrenriffs, deutlich hörbare Keyboards, ein beweglicher Bass und eine Rhythmusgruppe, die auch innerhalb langsamer Tempi präzise arbeitet. Besonders Downings kontrollierte Bendings und die kurzen melodischen Verzierungen zeigen Fingerfertigkeit, ohne den Song in eine Leistungsschau zu verwandeln.

ZEHN MINUTEN AUF DER PSYCHEDELISCHEN WIESE

Der mehr als zehnminütige Titelsong »Trip Meadow« ist das experimentelle Zentrum der Platte. Statt unmittelbar mit einem schweren Doom-Riff einzusetzen, beginnt das Stück mit zurückhaltender Gitarre und weichen Saxofonklängen. Für einen Moment entsteht tatsächlich die Atmosphäre einer verrauchten Kellerbar, bevor Orgel, Bass und Schlagzeug das Stück in einen zunehmend psychedelischen Strudel führen. Die Band verbindet jazzige Harmonien, Progressive Rock, Heavy Psych und massiven Doom, ohne die Übergänge wie willkürlich zusammengesetzte Einzelteile wirken zu lassen.

Downing demonstriert hier besonders deutlich seine Fingerfertigkeit. Er wechselt zwischen klar gespielten Akkorden, fließenden Einzelnoten, breiten Fuzz-Riffs und kleinen improvisatorisch wirkenden Verzierungen. Sein Spiel bleibt dabei stets songdienlich. Statt Geschwindigkeit in den Vordergrund zu stellen, arbeitet der Gitarrist mit Tonkontrolle, Dynamik und präzisem Timing. Wenn das zentrale Riff schließlich mit voller Verzerrung einsetzt, besitzt es gerade deshalb so viel Gewicht, weil die vorherigen Minuten ausreichend Raum für den Aufbau geschaffen haben.

Brown führt mit einer ausdrucksstarken Gesangsleistung durch die ausgedehnte Komposition. Inhaltlich geht es um Mönche, eine bewusstseinserweiternde Mixtur, Mädesüßblüten und eine spirituelle Reise, die in der augenzwinkernden Aufforderung endet, sich gemeinsam zu betrinken. Der wiederkehrende Refrain bildet einen griffigen Gegenpol zu den instrumentalen Ausflügen. Hill nutzt seine Keyboards nicht nur zur flächigen Untermalung. Seine Orgel entwickelt eigene melodische Linien und tritt wiederholt in einen Dialog mit der Gitarre.

Trotz zahlreicher starker Momente ist »Trip Meadow« nicht vollkommen frei von Längen. Einige Passagen hätten kompakter zusammengeführt werden können, bevor die Band gegen Ende noch einmal schwere Riffvariationen auffährt. Die zehn Minuten sind keineswegs schlecht genutzt, doch eine etwas strengere Struktur hätte dem Titel zusätzliche Spannung verliehen. Als mutige Standortbestimmung funktioniert die Nummer dennoch hervorragend. Sie zeigt, dass Druidess deutlich weiter denken als bis zum nächsten Sabbath-Riff.

NACHTIGALLEN MIT SCHWEREM FLÜGELSCHLAG

»Knightingales« gehört zu den melodischsten und unmittelbarsten Stücken des Albums. Das eröffnende Gitarrenmotiv besitzt eine melancholische Färbung, während Schlagzeug und Bass einen kontrollierten, beinahe tänzerischen Groove entwickeln. Brown singt von einem tödlichen Wettstreit der Nachtigallen und verbindet die Geschichte mit Ostara, Frühlingsritualen und der Entstehung des Osterhasen. Dabei bleibt der Refrain bereits nach dem ersten Durchlauf im Gedächtnis.

Besonders hörenswert ist die Verbindung von Gitarrenriffs und Keyboards. Downing spielt keine durchgehende Wand aus verzerrten Akkorden, sondern lässt Hill ausreichend Platz für seine Orgelmelodien. Beide Instrumente ergänzen einander, statt um Aufmerksamkeit zu kämpfen. Während die Gitarre das rhythmische Fundament setzt, erweitert die Orgel die Harmonien und gibt dem Stück seinen deutlich von den Siebzigern geprägten Charakter.

Downings präzises Spiel zeigt sich in den Übergängen zwischen den schweren Strophenriffs und den offeneren melodischen Abschnitten. Die Wechsel erfolgen ohne hörbare Unruhe. Akkorde werden sauber beendet, Pausen bewusst gesetzt und einzelne Verzierungen exakt in den Groove integriert. Das mag weniger spektakulär erscheinen als ein ausgedehntes Solo, ist für die Wirkung der Nummer jedoch wesentlich wichtiger. »Knightingales« beweist, dass Fingerfertigkeit nicht an der Zahl gespielter Noten gemessen werden muss. Kontrolle, Timing und die Fähigkeit, ein Riff über mehrere Wiederholungen lebendig zu halten, sind mindestens ebenso entscheidend.

Auch Armstrong leistet einen erheblichen Beitrag. Sein Schlagzeug ist kraftvoll, bleibt jedoch beweglich. Statt die Gitarre lediglich mit gleichförmigen Schlägen zu begleiten, reagiert er auf die Gesangslinien und setzt Fills gezielt an den Übergängen. Gemeinsam mit Browns warmem, deutlich hörbarem Bass erhält der Song einen lebendigen Charakter, der über eine bloße Rückschau auf die Siebziger hinausgeht.

DIE MANDRAGORA SCHREIT

Mit »Mandragora« wird das Tempo angezogen. Das kompakte Stück basiert auf einem direkten Gitarrenriff, dessen Wirkung aus seinem präzisen Zusammenspiel mit dem Schlagzeug entsteht. Armstrong setzt trockene Akzente, während Brown den Bass eng an die rhythmische Bewegung bindet. Downing lässt seine Akkorde kräftig anschlagen, achtet jedoch darauf, dass die einzelnen Töne selbst innerhalb der Verzerrung nachvollziehbar bleiben.

Die Nummer handelt von der Alraune, deren Wurzel in mittelalterlichen Überlieferungen als menschenähnliches Wesen beschrieben wurde. Beim Herausziehen aus der Erde soll sie einen tödlichen Schrei ausgestoßen haben. Druidess greifen diese Vorstellung in einem eingängigen Refrain auf, der zwischen okkulter Erzählung und klassischem Hard-Rock-Hook angesiedelt ist. Brown trägt ihn mit genügend Kraft vor, um sich gegen Gitarre und Orgel durchzusetzen, ohne in schrilles Forcieren zu geraten.

Musikalisch ist »Mandragora« weniger ausladend als der Titelsong. Gerade diese Konzentration steht dem Album gut. Das Hauptriff wird variiert, aber nicht unnötig verlängert. Kurze melodische Gitarrenfiguren und gezielt eingesetzte Keyboardfarben geben dem Stück zusätzliche Kontur. Die Band arbeitet kontrolliert und geschlossen. Jeder Einsatz sitzt, die Tempowechsel bleiben nachvollziehbar und selbst kleinere rhythmische Unterbrechungen klingen selbstverständlich.

Hier zeigt sich besonders deutlich, wie wichtig präzises Spiel für langsamen und mittelschnellen Metal ist. Wo rasende Geschwindigkeit kleinere Ungenauigkeiten gelegentlich überdecken kann, liegt bei einem derart offenen Groove jeder Anschlag frei. Druidess bestehen diese Prüfung mühelos.

VON RIESEN UND NORMALEN MENSCHEN

»Descended from Giants« gehört zu den beiden neuen Stücken und fällt zunächst durch seine besonders tiefen, stark verzerrten Gitarrenriffs auf. Bass und Schlagzeug setzen ein schweres Fundament, während die Orgel erneut für einen psychedelischen Unterton sorgt. Das Stück beginnt kontrolliert, steigert sein Tempo jedoch zunehmend und entwickelt in der zweiten Hälfte eine deutlich aggressivere Energie.

Downings Gitarrenspiel wirkt hier kantiger und unmittelbarer als in den vorherigen Nummern. Die Riffs bestehen aus kurzen, kräftigen Figuren, deren Pausen ebenso wichtig sind wie die gespielten Noten. Kleine Tonverschiebungen und präzise gesetzte Dämpfungen verleihen ihnen zusätzliche Schwere. Der Gitarrist setzt seine Fingerfertigkeit vor allem bei den Übergängen ein. Statt die Grundmotive durch ausufernde Soli zu verlassen, entwickelt er sie weiter und passt ihre rhythmische Form an die zunehmende Geschwindigkeit an.

Brown liefert eine der kraftvollsten Gesangsleistungen des Albums. Ihre Stimme steigt gemeinsam mit der Instrumentierung an und erreicht gegen Ende eine beinahe beschwörende Intensität. Der Bass ist stärker als in vielen vergleichbaren Doom-Produktionen hörbar und trägt entscheidend zum Groove bei. Besonders während der kurzen rhythmischen Unterbrechungen wird deutlich, dass Brown nicht lediglich die Grundtöne der Gitarre verdoppelt.

Der Text behandelt die Familie Harding, lokale Legenden um Riesen, ein verlorenes Vermögen und die Geschichten rund um Hollinside Manor. Damit setzt die Band ihr Konzept fort, regionale Folklore nicht bloß als dekorative Oberfläche zu verwenden. Die Erzählungen bestimmen Stimmung und Aufbau der Songs. »Descended from Giants« wirkt schwer, stolz und zugleich von einem allmählichen Niedergang geprägt.

EIN HEXENSABBAT MIT ORGEL UND SAXOFON

»A Witches‘ Sabbath« ist die finsterste Komposition des Albums. Langsam aufsteigende Gitarren, mächtige Orgelakkorde und ein schweres Schlagzeug erzeugen zunächst klassischen Doom Metal. Das zentrale Riff gehört zu Downings stärksten Arbeiten. Es ist einfach genug, um unmittelbar zu wirken, besitzt jedoch durch kleine harmonische Veränderungen und präzise Betonungen genügend Charakter, um auch nach mehreren Wiederholungen interessant zu bleiben.

Hill verstärkt mit seinen Keyboards die unheilvolle Stimmung. Seine Orgel erinnert an alte Horrorfilme, ohne in eine übertriebene Jahrmarktästhetik abzurutschen. Im weiteren Verlauf nimmt die Band die Verzerrung zurück. Klare Gitarren und Saxofon öffnen einen ruhigeren Abschnitt, bevor die schwere Grundbewegung erneut einsetzt. Dieser Kontrast verleiht der Nummer eine starke Dynamik.

Gerade in den ruhigeren Passagen wird Downings technisches Können hörbar. Jeder Ton wird sauber ausgeformt, Bendings erreichen ihr Ziel und die Wechsel zwischen offenen Akkorden und Einzelnoten bleiben flüssig. Das Saxofon erscheint nicht als aufgesetzte Besonderheit, sondern führt die psychedelische Grundstimmung konsequent weiter. Seine zurückhaltende Melodie bildet einen wirkungsvollen Gegenpol zum massiven Gitarrenton.

Brown trägt die Texte über schwarze Messen, rituelle Opfer und den titelgebenden Hexensabbat mit kontrollierter Intensität vor. Ihre Stimme klingt dunkel und kraftvoll, behält jedoch einen melodischen Kern. Der Song benötigt keine extremen Schreie, um bedrohlich zu wirken. Die Wirkung entsteht aus der gesamten Band, die Tempo, Lautstärke und Instrumentierung sehr bewusst steuert.

DIE TOCHTER DER WALDHEXE

»The Forest Witch’s Daughter« bildet einen starken Abschluss. Das Stück besitzt einen lebendigeren Rhythmus und verbindet schwere Gitarren erneut mit einem deutlich ausgeprägten Hard-Rock-Gefühl. Downing eröffnet mit einem griffigen Riff, das sich unmittelbar mit Armstrongs präzisem Schlagzeug verzahnt. Browns Bass folgt der Bewegung mit eigenen Akzenten und verleiht der Nummer zusätzlichen Druck.

Der Text erzählt von einer Außenseiterin, die mit einem Greifvogel durch die ländliche Umgebung zieht, sich den Erwartungen des Dorfes widersetzt und ihre eigenen Regeln befolgt. Brown verkörpert diese Figur mit einer selbstbewussten Gesangsleistung. Ihr Vortrag wirkt weniger düster als in »A Witches‘ Sabbath«, besitzt aber eine rebellische Energie, die hervorragend zum beweglicheren Instrumentalteil passt.

Die Gitarre bleibt bis zum Ende präsent, ohne das gesamte Klangbild zu dominieren. Downing verbindet schwere Akkorde, melodische Zwischenspiele und kurze Leadfiguren. Seine Fingerfertigkeit zeigt sich erneut in der Sicherheit, mit der er zwischen diesen Aufgaben wechselt. Jeder Übergang wirkt vorbereitet, aber nicht mechanisch. Die Band spielt präzise, bewahrt sich dabei jedoch die Energie einer gemeinsam eingespielten Liveformation.

Als Abschluss funktioniert der Titel hervorragend, weil er die wichtigsten Bestandteile von »Trip Meadow« noch einmal zusammenführt: große Gitarrenriffs, folkloristische Erzählungen, melodischer Gesang, Hammond-Orgeln und ein Rhythmusfundament, das gleichermaßen schwer und beweglich ausfällt. Das Album endet nicht in einem langen Ausklang, sondern mit einer Nummer, die noch einmal unmittelbar nach vorn geht.

FINGERFERTIGKEIT OHNE SELBSTZWECK

Die Gitarrenarbeit gehört zu den größten Stärken von »Trip Meadow«. Daniel Downing ist kein Musiker, der seine technischen Fähigkeiten durch permanente Soli oder möglichst schnelle Tonfolgen beweisen muss. Seine Fingerfertigkeit zeigt sich vielmehr in der Kontrolle über Ton, Rhythmus und Dynamik. Er beherrscht schwere Powerchords ebenso wie klare Akkordbrechungen, melodische Einzelnoten, kontrollierte Bendings und psychedelische Verzierungen.

Besonders stark ist sein Gefühl für Riffs. Viele Figuren bestehen aus wenigen Noten, erhalten jedoch durch Pausen, Betonungen und kleine Variationen eine eigene Identität. Downing versteht, dass ein überzeugendes Doom-Riff nicht zwangsläufig kompliziert sein muss. Es muss exakt gespielt werden und genügend Raum besitzen, damit Bass, Schlagzeug und Keyboards darauf reagieren können. Genau das geschieht auf diesem Album.

Das präzise Spiel der gesamten Band verhindert, dass die Stücke unter ihrer Verzerrung zusammenfallen. Browns Bass bleibt deutlich erkennbar und entwickelt wiederholt eigene Linien. Armstrong arbeitet kraftvoll, trifft seine Akzente jedoch mit hoher Genauigkeit. Hill setzt seine Orgel gezielt ein und vermeidet es, jede freie Stelle mit zusätzlichen Tönen auszufüllen. Diese Disziplin ist entscheidend. Obwohl Trip Meadow von psychedelischen Klangfarben und umfangreichen Arrangements lebt, wirkt die Musik nur selten überladen.

Auch die Verbindung von Gitarre und Saxofon gelingt. Downing nutzt das Blasinstrument nicht als bloßen Überraschungseffekt. Es erscheint an Stellen, an denen die Gitarre bewusst zurückgenommen wird, und erweitert den Klang um eine jazzige, leicht verruchte Farbe. Dadurch entsteht tatsächlich der Eindruck einer okkulten Doom-Band, die sich vorübergehend in eine nächtliche Kellerbar verirrt hat.

ZWISCHEN IOMMI-VEREHRUNG UND EIGENER HANDSCHRIFT

Die Einflüsse von Black Sabbath sind nicht zu überhören. Gitarrenton, Riffaufbau und die grundsätzliche Schwere des Albums stehen deutlich in der Tradition Tony Iommis. Die Hammond-Orgel und die psychedelischen Passagen erinnern zusätzlich an den klassischen Rock der späten Sechziger und frühen Siebziger. Als weitere Orientierungspunkte bieten sich Blood Ceremony, Green Lung, Jess and the Ancient Ones und stellenweise Lucifer an.

Dennoch entwickeln Druidess genügend eigene Merkmale. Die Geschichten über regionale Sagen, historische Orte, Frühlingsrituale, Alraunen und eigenwillige Waldgestalten verleihen dem Album eine klare thematische Identität. Der Humor verhindert außerdem, dass die okkulte Inszenierung zu verbissen ausfällt. Zwischen Ritualen, schwarzen Messen und düsteren Legenden findet sich immer wieder ein Augenzwinkern.

Der größte Kritikpunkt betrifft weniger die musikalische Qualität als den Umfang des tatsächlich neuen Materials. Fünf der sieben Stücke waren bereits auf »Hermits & Mandrakes« enthalten. Die neuen Fassungen klingen druckvoller, präziser und vollständiger arrangiert, dennoch kennen langjährige Anhänger einen erheblichen Teil des Albums bereits. Der Titelsong und »Descended from Giants« zeigen jedoch eine nachvollziehbare Weiterentwicklung. Besonders die jazzigen und progressiven Elemente könnten künftig noch stärker ausgebaut werden.

Die Produktion von Chris Taylor im NoiseBoy Studio bewahrt die Energie der Band. Gitarren und Orgel besitzen genügend Wärme, während Bass und Schlagzeug klar definiert bleiben. Das Mastering von Chris Fielding sorgt für Druck, ohne die Dynamik vollständig einzuebnen. Gerade bei den Wechseln zwischen klaren Passagen und schweren Fuzz-Riffs zahlt sich diese Balance aus. Das Album klingt kräftig, aber nicht künstlich aufgeblasen.

FAZIT:

»Trip Meadow« ist ein überzeugendes Debüt, auf dem Druidess traditionelle Doom-Riffs, Heavy Psych, Stoner Rock, Hammond-Orgeln und jazzige Saxofonpassagen zu einem eigenständigen Gesamtbild verbinden. Besonders die Gitarrenarbeit von Daniel Downing überzeugt durch starke Riffs, kontrollierte Fingerfertigkeit und ein präzises Spiel, das jederzeit dem jeweiligen Song dient. Shonagh Brown ergänzt die Musik mit einer kraftvollen Stimme und beweglichen Basslinien, während Sam Armstrong und James Hill für rhythmischen Druck und psychedelische Tiefe sorgen. Der lange Titelsong könnte stellenweise kompakter ausfallen, und fünf bereits von der vorherigen EP bekannte Stücke begrenzen den Anteil vollkommen neuen Materials. Die deutlich verbesserten Arrangements und die geschlossene Leistung der Band gleichen diesen Punkt jedoch weitgehend aus. Wer schwere Gitarrenriffs, britische Folklore und klassischen Doom mit einer Portion psychedelischer Experimentierfreude schätzt, sollte sich auf dieser Wiese unbedingt einmal umsehen.

Druidess – Knightingales – Official Music Video

Internet

Druidess - Trip Meadow - CD Review

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