Tracklist
01. Erasure
02. Sunswarm
03. Inside The Torn Apart
04. With Your Beautiful Mind You Deserve Much Better Than This
05. Sour///
06. Rended
Besetzung und Produktion
Rich Lee-Davis – Gesang, Bass
Neil Sutton – Gesang, Gitarre
Geschrieben und eingespielt von:
Neil Sutton und Rich Lee-Davis
Aufnahme, Produktion, Mix und Mastering:
Wayne Adams
Studio:
Bear Bites Horse Studios, London
Visuals:
Francesca Bonci
Eine amtliche Melange aus Industrial Metal und Post Metal made in England! Auf ihrem Debütalbum »Those Who Do Not Build Must Burn« erzeugen Sunswarm aus Gitarren, Bass, Samples, elektronischen Störgeräuschen und extremem Gesang eine bedrückende Klanglandschaft über gesellschaftlichen Zerfall, technologische Kontrolle und die zunehmende Bereitschaft, lieber alles niederzureißen, als mühsam etwas Neues aufzubauen.
ZWEI MUSIKER ERRICHTEN EINE INDUSTRIELLE BEDROHUNGSKULISSE
Sunswarm stammen aus dem südenglischen Underground und bestehen aus lediglich zwei Musikern. Rich Lee-Davis übernimmt Gesang und Bass, während Neil Sutton ebenfalls singt und die Gitarre bedient. Trotz dieser überschaubaren Besetzung klingt das Duo auf »Those Who Do Not Build Must Burn« nicht reduziert, sondern ausgesprochen raumgreifend.
Zu verdanken ist das einer Arbeitsweise, bei der Gitarren und Bass nicht allein für melodische oder rhythmische Aufgaben eingesetzt werden. Verzerrungen, Rückkopplungen, Samples, elektronische Flächen und abrupte Unterbrechungen gehören ebenso fest zu den Kompositionen wie die eigentlichen Riffs. Aus dem Zusammenspiel entsteht eine Musik, die sich weniger wie eine klassische Bandaufnahme als wie eine kontrolliert einstürzende Industrieanlage anhört.
Die wichtigsten Bezugspunkte benennt das Duo selbst. Godflesh liefern die mechanische Grundlage, Ministry die aggressive Rhythmik und Nine Inch Nails das Verständnis für elektronische Spannung. Die weiten, emotional aufgeladenen Flächen erinnern unterdessen an Amenra, während die erdrückende Verbindung aus Sludge, Noise und vokaler Verzweiflung stellenweise an The Body denken lässt.
Sunswarm kopieren diese Einflüsse nicht vollständig. Besonders die Verbindung aus fast bewegungslosen Passagen und plötzlich einsetzender Gewalt besitzt eine eigene Handschrift. Das Duo verwendet Stille nicht als Pause zwischen zwei Riffs, sondern als aktiven Bestandteil der Bedrohung.
ZWISCHEN ERSCHAFFUNG UND ZERSTÖRUNG
Der Albumtitel »Those Who Do Not Build Must Burn« klingt zunächst wie ein unerbittliches politisches Urteil. Gemeint ist jedoch keine einfache Aufteilung in gute Erbauer und böse Zerstörer. Sunswarm untersuchen die Frage, weshalb der Wunsch nach Vernichtung häufig stärker wird als die Bereitschaft, Verantwortung für einen langwierigen Aufbau zu übernehmen.
Die sechs Stücke beschäftigen sich mit Machtstrukturen, technischer Kontrolle, gesellschaftlicher Gewalt und dem Verlust persönlicher Stabilität. Dabei wird das Private nicht vom Politischen getrennt. Äußere Systeme erzeugen Druck, dieser Druck verändert die Wahrnehmung des Einzelnen, und die daraus entstehende Frustration richtet sich schließlich entweder nach innen oder gegen die Umwelt.
Deshalb klingt das Album gleichzeitig persönlich und dystopisch. Einige Passagen wirken wie die Beschreibung eines individuellen psychischen Zusammenbruchs, andere wie eine Beobachtung gesellschaftlicher Verrohung. Der gemeinsame Nenner ist das Gefühl, in Strukturen eingeschlossen zu sein, die kaum noch verändert werden können.
Sunswarm bieten keine leicht verständliche Handlung und keine ausformulierte politische Programmschrift. Texte, Samples und wiederholte kurze Aussagen funktionieren als Fragmente. Die Musik liefert den Zusammenhang, indem sie Druck aufbaut, kurz zurücknimmt und anschließend in veränderter Form zurückkehren lässt.
WIEDERHOLUNG WIRD ZUM DRUCKMITTEL
Konventionelle Strophen und Refrains spielen auf »Those Who Do Not Build Must Burn« nur eine untergeordnete Rolle. Viele Stücke beginnen mit einem einfachen Impuls, der über mehrere Minuten wiederholt, verdichtet und durch zusätzliche Geräusche verändert wird.
Diese Wiederholungen besitzen eine hypnotische Wirkung, können aber nicht mit entspannter psychedelischer Musik verwechselt werden. Sunswarm lassen ihre Motive wie Maschinen arbeiten, die ihren vorgegebenen Ablauf unabhängig vom menschlichen Befinden fortsetzen. Je länger ein Rhythmus bestehen bleibt, desto bedrückender wird seine Wirkung.
Der Industrial-Anteil entsteht somit nicht allein durch Samples oder elektronisch bearbeitete Klänge. Auch die Kompositionen selbst folgen häufig einer mechanischen Logik. Der Mensch liefert die Stimme, die Verzweiflung und den Widerstand, während das instrumentale Gerüst beinahe unbeeindruckt weiterarbeitet.
Gleichzeitig verhindert die Dynamik eine vollständige Monotonie. Massive Verzerrung kann ohne Vorwarnung in beinahe leere Räume übergehen. Einzelne Gitarrentöne, ein Basspuls oder ein gesprochenes Sample halten die Spannung aufrecht, bis die gesamte Klangmasse erneut zurückkehrt.
»ERASURE« – ACHT MINUTEN GEGEN DAS VERSCHWINDEN
»Erasure« eröffnet das Album mit einem einzelnen dissonanten Gitarrenakkord, der beharrlich wiederholt wird. Darunter wächst ein tiefes Dröhnen, während das Schlagzeug zunächst weniger einen Groove als eine langsame, körperlich spürbare Bewegung erzeugt.
Der Einstieg verlangt Geduld. Sunswarm liefern keinen kompakten Eröffnungsschlag, sondern bauen über mehrere Minuten eine Spannung auf, deren Ziel zunächst unklar bleibt. Geräusche verdichten sich, die Verzerrung nimmt zu, und der wiederholte Akkord entwickelt allein durch seine Beharrlichkeit eine zunehmend bedrohliche Bedeutung.
Wenn die Stimmen hinzukommen, wird der abstrakte Klang persönlicher. Lee-Davis und Sutton verwenden keinen melodischen Wechselgesang. Ihre Schreie und heiseren Ausbrüche wirken wie unterschiedliche Ebenen desselben inneren Widerstands. Die vom Black Metal beeinflusste Artikulation verleiht dem Industrial-Gerüst eine organische Verzweiflung, die sich nicht vollständig elektronisch kontrollieren lässt.
Inhaltlich dreht sich das Stück um Auslöschung und Identitätsverlust. Gemeint sein kann das Verschwinden eines einzelnen Menschen innerhalb eines übermächtigen Systems, aber ebenso die gezielte Beseitigung von Erinnerung und Bedeutung. Die Musik bildet diesen Vorgang nach, indem einzelne Elemente wiederholt unter einer wachsenden Masse aus Verzerrungen verschwinden.
Eine kurze Unterbrechung schafft keine wirkliche Erholung. Die Stille macht lediglich bewusst, wie stark sich der vorherige Druck bereits im Körper festgesetzt hat. Das folgende Finale gehört zu den eindrucksvollsten Momenten des Albums und rechtfertigt die ausgedehnte Spielzeit.
»SUNSWARM« – EIN BANDNAME WIRD ZUM RITUELLEN SIGNAL
Der Titelsong der Band reduziert das Tempo und setzt stärker auf Sludge Metal. Bass und Gitarre bewegen sich in langsamen, schweren Schritten, während die Stimmen kurze Formulierungen wiederholen. Der Gesang erzählt keine abgeschlossene Geschichte, sondern übernimmt die Funktion einer rituellen Anrufung.
Ein Sample des Mythologen Joseph Campbell erweitert das Stück um den Gegensatz zwischen Dunkelheit und Erkenntnis. Sunswarm interessieren sich dabei weniger für eine tröstliche Vorstellung vom Licht am Ende eines langen Weges. Entscheidend ist die Aufforderung, die Dunkelheit überhaupt anzusehen, statt sie aus Bequemlichkeit oder Angst zu ignorieren.
Musikalisch erinnert der schleppende Rhythmus besonders deutlich an Godflesh. Der Bass besitzt einen beinahe körperlichen Druck, während die Gitarre keine traditionelle Riffmelodie anbietet. Sie erzeugt stattdessen eine raue Oberfläche, an der sich die elektronischen Ebenen reiben.
Im letzten Abschnitt wächst aus der kontrollierten Bewegung eine ungewöhnlich große Klangwand. Die Bassdrum setzt schwere Akzente, der Gesang wird intensiver, und der zuvor fast minimalistische Aufbau erreicht doch noch einen Höhepunkt. Der Bandname erhält dadurch den Charakter eines Zustands: Sunswarm bezeichnet keine freundliche Ansammlung von Licht, sondern eine Masse, die den Blick vollständig überwältigt.
»INSIDE THE TORN APART« – RUHE EXISTIERT NUR FÜR WENIGE SEKUNDEN
Ein tiefer Synthesizerpuls und leise Stimmen eröffnen »Inside The Torn Apart«. Nach den langen Aufbauten der ersten beiden Stücke wirkt dieser Beginn zunächst zugänglicher. Die scheinbare Ruhe wird jedoch mehrfach ohne Vorwarnung von verzerrten Rhythmen, metallischen Geräuschen und extremem Gesang zerrissen.
Das Stück setzt stärker auf harte Kontraste als seine Vorgänger. Leere und Überladung folgen nicht in einer gleichmäßigen Steigerung aufeinander, sondern werden gegeneinandergeschnitten. Dadurch kann sich der Hörer kaum auf eine dauerhafte Dynamik einstellen.
Inhaltlich spricht der Song aus der Position eines Menschen, der innerhalb einer zerrissenen Gesellschaft weiterhin auf seiner Existenz besteht. Das Überleben wird nicht als triumphaler Sieg dargestellt. Bereits die Feststellung, noch vorhanden und handlungsfähig zu sein, besitzt angesichts der beschriebenen Gewalt den Charakter eines Widerstands.
Mit seiner vergleichsweise kompakten Struktur bildet »Inside The Torn Apart« einen sinnvollen Mittelpunkt. Die Aggression ist unmittelbarer, ohne dass Sunswarm ihre atmosphärische Tiefe aufgeben. Besonders die Wechsel zwischen geflüsterten Stimmen und den späteren Schreien verdeutlichen den Gegensatz zwischen innerer Selbstvergewisserung und äußerer Überforderung.
»WITH YOUR BEAUTIFUL MIND YOU DESERVE MUCH BETTER THAN THIS« – MITGEFÜHL IM MASCHINENRAUM
Bereits der lange Titel von »With Your Beautiful Mind You Deserve Much Better Than This« hebt sich vom ansonsten knappen und harten Vokabular des Albums ab. Er klingt wie eine persönliche Zusicherung an einen Menschen, dessen Fähigkeiten und Wert unter dauerhaftem Druck kaum noch wahrgenommen werden.
Das Stück beginnt mit hallenden elektronischen Flächen und einer erzählenden Stimme. Erst nach und nach setzen dissonante Schläge ein. Bass und rhythmische Elektronik übernehmen eine stärkere Führungsrolle als zuvor, wodurch sich die Komposition deutlicher in Richtung Ministry bewegt.
Der Song ist all jenen gewidmet, die unter Erwartungen, psychischer Belastung und gesellschaftlicher Härte zusammenbrechen, obwohl sie ein anderes Leben verdient hätten. Sunswarm formulieren daraus keine gefühlvolle Ballade. Das Mitgefühl äußert sich in der Anerkennung des Schmerzes, nicht in einem künstlichen Versprechen schneller Heilung.
Gerade dieser Kontrast erweitert das Album. Zwischen all den zerstörerischen Klängen erscheint erstmals sehr deutlich die Möglichkeit menschlicher Nähe. Die Musik bleibt schwer und unversöhnlich, doch ihre Botschaft richtet sich nicht gegen die leidende Person, sondern gegen die Bedingungen, die ihr Leben einengen.
Im direkten Vergleich mit »Erasure« besitzt der Song weniger markante Einzelmomente. Er funktioniert stärker als Teil des durchgehenden Albums und kann isoliert etwas unförmig wirken. Innerhalb der Reihenfolge übernimmt er jedoch eine wichtige Aufgabe, weil er das politische Thema mit einer konkreten Form von Mitgefühl verbindet.
»SOUR///« – DIE WUT RICHTET SICH NACH AUSSEN
Bis zu diesem Punkt beschäftigt sich »Those Who Do Not Build Must Burn« überwiegend mit innerem Druck, Selbstwert und der Wirkung übermächtiger Strukturen. »Sour///« verändert die Blickrichtung. Die Wut wird nun gegen Lügen, öffentliche Selbstdarstellung, moralische Fäulnis und politische Manipulation gerichtet.
Ein verzerrter Breakbeat bildet die Grundlage. Die Gitarren folgen nicht durchgehend einem schwerfälligen Post-Metal-Aufbau, sondern setzen kantigere rhythmische Akzente. Dadurch besitzt der Song einen unmittelbaren Industrial-Groove, der trotz aller Übersteuerung beinahe tanzbar erscheint.
Hier treten die Einflüsse von Nine Inch Nails und Ministry besonders deutlich hervor. Sunswarm übernehmen jedoch nicht deren zugänglichere Refrainstrukturen. Der Rhythmus treibt den Song voran, während Stimmen und Gitarren weiterhin eine absichtlich unangenehme Oberfläche bilden.
Die direkte Haltung des Textes passt zur musikalischen Konzentration. Wo die vorherigen Stücke mehrere Deutungsmöglichkeiten offenlassen, kennt »Sour///« seinen Gegner. Leere Behauptungen und moralische Posen werden nicht analysiert, sondern mit deutlicher Ablehnung beantwortet.
Das macht den Song zum zugänglichsten und zugleich schärfsten Moment des Albums. Seine kompaktere Form lässt erkennen, dass Sunswarm nicht ausschließlich auf ausgedehnte Steigerungen angewiesen sind. Ein vollständiges Album in diesem Stil wäre vermutlich zu eindimensional, doch als gezielt gesetzter Wendepunkt funktioniert »Sour///« hervorragend.
»RENDED« – KEINE ERLÖSUNG NACH DEM ZUSAMMENBRUCH
Der Abschluss »Rended« verzichtet weitgehend auf traditionellen Gesang. Eine gesprochene Passage bleibt die wichtigste menschliche Stimme, während ein langsamer Schlag durch starken Hall derart vergrößert wird, dass er wie eine entfernte Explosion klingt.
Darüber liegen eine einfache saubere Gitarrenfigur und ein gleichmäßig pulsierender Bass. Um diese wenigen erkennbaren Bestandteile bewegen sich elektronische Geräusche und verzerrte Flächen. Das Stück bleibt in ständiger Bewegung, obwohl sein eigentliches rhythmisches Gerüst kaum verändert wird.
Nach der direkten Konfrontation von »Sour///« wäre ein finales Crescendo zu erwarten gewesen. Sunswarm entscheiden sich für einen anderen Weg. Das Album endet in einem Zustand nach der Zerstörung, in dem sich erst zeigen müsste, ob aus den verbliebenen Teilen noch einmal etwas aufgebaut werden kann.
Eine Antwort bleibt aus. Die letzten Klänge vermitteln weder Sieg noch vollständige Niederlage. Sie lassen lediglich das Gewicht der vorherigen 30 Minuten bestehen und führen damit zum zentralen Gedanken des Albumtitels zurück.
Als eigenständiger Song besitzt »Rended« weniger Entwicklung als die übrigen Stücke. Als Schlussbild ist die Komposition jedoch wirkungsvoll. Sie beendet das Album nicht mit einer Pointe, sondern mit einem Zustand, dessen Unbehagen über die eigentliche Spielzeit hinausreicht.
ZWEI STIMMEN GEGEN EINE ÜBERMÄCHTIGE KLANGMASSE
Rich Lee-Davis und Neil Sutton teilen sich den Gesang, ohne daraus einen üblichen Wechsel zwischen klarer und extremer Stimme zu entwickeln. Beide verwenden Schreie, heisere Ausbrüche, geflüsterte Passagen und stark bearbeitete Ebenen. Die Stimmen können sich überlagern oder beinahe vollständig in der Verzerrung verschwinden.
Besonders die vom Black Metal beeinflussten Schreie verhindern, dass die industrielle Präzision zu steril wirkt. Hinter den Maschinen bleibt ein menschlicher Körper erkennbar, der auf den erzeugten Druck reagiert. Die Artikulation soll nicht jede Textzeile verständlich transportieren, sondern Erschöpfung, Wut und Widerstand körperlich vermitteln.
Dass Schlagzeug und zusätzliche elektronische Elemente nicht als klassische Bandpositionen ausgewiesen werden, passt zur Arbeitsweise. Sunswarm präsentieren sich nicht als verkleinerte Rockband, sondern als offenes Klangprojekt. Entscheidend ist nicht, wer jeden einzelnen Impuls erzeugt, sondern wie Gitarren, Bass, Rhythmus und Samples zu einer gemeinsamen Umgebung verschmelzen.
Manche Stimmen liegen sehr weit hinten im Mix. Das unterstützt das Motiv des Identitätsverlustes, nimmt einzelnen Texten jedoch einen Teil ihrer Wirkung. Besonders bei den gesellschaftlich konkreteren Aussagen wäre gelegentlich etwas mehr sprachliche Deutlichkeit hilfreich gewesen.
WAYNE ADAMS HÄLT DEN KOLLAPS UNTER KONTROLLE
Aufgenommen, produziert, gemischt und gemastert wurde das Album von Wayne Adams in den Bear Bites Horse Studios in London. Durch seine Arbeiten mit Gruppen wie Petbrick, USA Nails, Wallowing und Vacuous besitzt Adams Erfahrung mit Musik, die gleichzeitig roh, laut und ungewöhnlich detailliert klingen muss.
Die Produktion bewahrt die enorme Dichte des Duos, ohne sämtliche Bestandteile zu einer undefinierbaren Verzerrung zusammenzudrücken. Der Bass bleibt als körperliches Fundament wahrnehmbar, während die Gitarren häufig stärker für Textur und Dissonanz zuständig sind.
Samples und Synthesizer wurden nicht lediglich hinter die Instrumente gelegt. Sie treten in den ruhigeren Abschnitten nach vorn und übernehmen dort die Aufgabe, Spannung aufrechtzuerhalten. Dadurch wirken die leisen Passagen nicht wie bloße Wartezeiten vor dem nächsten schweren Riff.
Auch der Dynamikumfang ist entscheidend. Wenn die Musik fast vollständig abbricht, wird die anschließende Rückkehr der Verzerrung umso heftiger. Sunswarm und Adams nutzen Lautstärke nicht durchgehend, sondern setzen Masse und Leere bewusst gegeneinander.
Einige besonders dichte Stellen verlieren dennoch kleinere Details. Das ist teilweise beabsichtigt, denn sensorische Überforderung gehört zum Konzept der Band. Wer das Album über längere Zeit bei hoher Lautstärke hört, muss allerdings mit einer gewissen Ermüdung rechnen.
DIE GESCHLOSSENHEIT KOSTET EINZELNE SONGS IDENTITÄT
Mit 34 Minuten besitzt »Those Who Do Not Build Must Burn« eine sinnvolle Länge. Das Album bleibt lang genug, um seine Atmosphäre vollständig zu entwickeln, endet aber, bevor die wiederholten Rhythmen und extremen Stimmen ihre Wirkung verlieren.
Am stärksten funktioniert die Veröffentlichung als geschlossenes Ganzes. Die sechs Titel führen von persönlicher Auslöschung über gesellschaftliche Zerrissenheit und Mitgefühl bis zur direkten politischen Konfrontation und einem offenen, unruhigen Schlusszustand.
Diese Geschlossenheit bringt einen Nachteil mit sich. Einzelne Stücke gehen stark ineinander über und besitzen nicht immer ein sofort erkennbares eigenes Profil. Besonders »With Your Beautiful Mind You Deserve Much Better Than This« und »Rended« wirken eher wie Abschnitte eines großen Werkes als wie vollständig unabhängige Songs.
Auch die wiederholten Wechsel zwischen langsamer Verdichtung, eruptiver Verzerrung und anschließender Leere werden mit zunehmender Spielzeit berechenbarer. Sunswarm variieren dieses Prinzip rhythmisch und klanglich, verlassen es jedoch nur selten vollständig.
Dafür klingt das Duo bereits auf seinem Debüt erstaunlich bestimmt. Es gibt keinen offensichtlichen Versuch, einen radiotauglichen Refrain, einen klassischen Metalhit oder eine leicht verwertbare Streaming-Single einzubauen. Selbst das zugänglichere »Sour///« bleibt schroff genug, um nicht aus dem Gesamtbild zu fallen.
FAZIT:
Mit »Those Who Do Not Build Must Burn« legen Sunswarm ein bedrückendes Debüt zwischen Industrial Metal, Post-Metal, Sludge und Noise vor, dessen stärkste Momente in »Erasure«, »Inside The Torn Apart« und »Sour///« liegen. Einige Stücke verlieren innerhalb der bewusst geschlossenen Klanglandschaft etwas von ihrer individuellen Identität, doch als 34-minütige Auseinandersetzung mit Kontrollverlust, gesellschaftlicher Gewalt und menschlicher Widerstandskraft besitzt das Album eine beachtliche Wirkung.






