Band: HANTERNOZ 🇫🇷
Titel: A Hed an Noz, a Noz, a Noz
Label: Antiq Records
VÖ: 07/08/26
Genre: Folk/Black Metal

Tracklist

01. Sur le chemin des fées
02. La lessive des trépassés
03. Le diable de Quimper – Corentin
04. La peste à Limoges
05. Pe Trouz War an Douar
06. Jean-du-Feu
07. Quand j’ai tué le roi de la forêt

 

Besetzung

Arzh Hyvermor – Vocals, Guitars, Keyboards, Mouth harp, Flute, Bagpipes, Bombard
Sparda – Bass, Keyboards, Mouth harp, Vocals

 

Bewertung:

3,5/5

Wenn bretonische Legenden zum Leben erwachen

Die Bretagne gilt seit Jahrhunderten als Heimat unzähliger Mythen und düsterer Sagen. Genau dort setzen HANTERNOZ an. Das französische Duo verbindet auf „A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ atmosphärischen Black Metal mit den Klängen traditioneller bretonischer Volksmusik und erschafft damit eine Klangwelt, die ebenso geheimnisvoll wie eigenständig wirkt. Hinter dem Projekt stehen Arzh Hyvermor, der Gesang, Gitarren, Keyboards, Flöte, Dudelsack, Bombarde und Maultrommel übernimmt, sowie Sparda, der Bass, Keyboards, Maultrommel und zusätzlichen Gesang beisteuert. Gemeinsam erzählen sie Geschichten, in denen Folklore, Geschichte und persönliche Erinnerungen ineinanderfließen.

Eine Reise durch eine schlaflose Nacht

Das Album besteht aus sieben Stücken, die sich um sechs Gestalten aus der bretonischen Sagenwelt drehen. Feen, Dämonen, ruhelose Tote, Feuergeister oder Waldwesen stehen dabei nicht einfach nur für mystische Kreaturen. Sie verkörpern Erinnerungen, historische Ereignisse und innere Dämonen des Erzählers. Alle Geschichten spielen während einer langen Nacht, in der Schlaf unmöglich scheint und Vergangenheit wie Gegenwart miteinander verschmelzen.

Diese Idee zieht sich konsequent durch das gesamte Album. Statt einzelne Songs lose aneinanderzureihen, entwickelt sich eine zusammenhängende Atmosphäre, in der sich Melancholie, Angst, Hoffnung und Wut ständig abwechseln. Dadurch wirkt die Platte fast wie ein musikalisches Märchen für Erwachsene, dessen düstere Stimmung bis zum Schluss erhalten bleibt.

Folk und Black Metal im natürlichen Zusammenspiel

Bereits „Sur le chemin des fées“ macht deutlich, wohin die Reise geht. Sanfte Flötenklänge und traditionelle Instrumente eröffnen den Song, ehe schneidende Gitarren und rauer Gesang einsetzen. Dieser Wechsel funktioniert erstaunlich organisch. Nichts wirkt aufgesetzt oder künstlich zusammengefügt.

Auch „La lessive des trépassés“ lebt von diesem Spannungsfeld. Kalte Gitarren treffen auf ruhige Folk-Melodien, während sich die Atmosphäre immer weiter verdichtet. Gerade diese Dynamik gehört zu den größten Stärken des Albums. HANTERNOZ lassen ihren Songs Zeit, sich zu entfalten, anstatt jede Minute mit möglichst vielen Ideen zu überladen.

Mit „Le diable de Quimper – Corentin“ wird das Tempo angezogen. Hier dominieren schnelle Riffs und druckvolle Schlagzeugpassagen, während die traditionellen Instrumente geschickt im Hintergrund Akzente setzen. Der Song zählt ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Platte und zeigt eindrucksvoll, wie harmonisch sich beide musikalischen Welten verbinden lassen.

Authentizität statt Folklore-Klischees

Viele Bands nutzen Dudelsack oder Flöten lediglich als schmückendes Beiwerk. HANTERNOZ gehen einen anderen Weg. Die traditionellen Instrumente gehören zum Fundament der Kompositionen und prägen den Charakter jedes einzelnen Stücks. Dadurch entsteht nie der Eindruck, dass Folk lediglich als Effekt eingesetzt wird.

Auch produktionstechnisch überzeugt das Album. Der Sound besitzt genügend Rauheit, um den Black-Metal-Wurzeln gerecht zu werden, bleibt aber gleichzeitig transparent genug, damit jede Flötenmelodie oder Bombarde ihren Platz findet. Gerade diese Balance sorgt dafür, dass das Album angenehm natürlich klingt und seine Atmosphäre voll entfalten kann.

Nicht jeder Song erreicht das gleiche Niveau

Trotz vieler gelungener Momente bleibt „A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ nicht frei von kleineren Schwächen. „La peste à Limoges“ und „Pe Trouz War an Douar“ schaffen zwar eine dichte Stimmung, wirken stellenweise aber etwas zu ausgedehnt. Manche Ideen werden häufiger wiederholt, als es notwendig gewesen wäre, wodurch der Spannungsbogen kurzfristig etwas nachlässt.

Ganz anders präsentiert sich „Jean-du-Feu“. Der Song verbindet eingängige Melodien mit kraftvollen Gitarren und entwickelt genau die Dynamik, die man sich an mehreren Stellen des Albums gewünscht hätte. Hier zeigen HANTERNOZ eindrucksvoll, welches Potenzial in ihrem Stil steckt.

Der Schlusspunkt „Quand j’ai tué le roi de la forêt“ rundet das Album schließlich stimmungsvoll ab. Ruhige Passagen wechseln sich mit intensiven Ausbrüchen ab, bevor die Musik langsam verklingt. Das Finale hinterlässt einen nachdenklichen Eindruck und schließt den erzählerischen Kreis auf überzeugende Weise.

Musik, die Aufmerksamkeit verlangt

Dieses Album erschließt sich nicht beim ersten Durchlauf. Die vielen Details, die wechselnden Stimmungen und die traditionelle Instrumentierung entfalten ihre Wirkung erst mit der Zeit. Wer ausschließlich nach eingängigen Refrains sucht, dürfte hier weniger fündig werden. Wer sich dagegen gerne auf atmosphärische Alben einlässt und Freude an musikalischen Geschichten hat, wird immer neue Facetten entdecken.

HANTERNOZ gelingt es, die bretonische Kultur glaubwürdig in moderne Extreme-Metal-Kompositionen einzubinden. Das wirkt ehrlich und unverkrampft. Genau darin liegt die größte Stärke dieser Veröffentlichung.

„A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ ist ein atmosphärisches Folk/Black-Metal-Album, das seinen eigenen Weg geht. Statt auf große Effekte oder maximale Härte zu setzen, stehen Atmosphäre, Erzählkunst und musikalische Authentizität im Mittelpunkt. Nicht jeder Song besitzt die gleiche Durchschlagskraft, dennoch überzeugt das Gesamtwerk mit einer dichten Stimmung und einer klar erkennbaren künstlerischen Handschrift. Wer Freude an folkloristisch geprägtem Black Metal hat und sich gerne in musikalische Geschichten hineinziehen lässt, sollte diesem Album eine Chance geben.

Fazit: „A Hed an Noz, a Noz, a Noz“ ist mehr als nur ein Album, es ist eine musikalische Reise durch die nächtlichen Schatten der bretonischen Mythologie.

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HANTERNOZ - A Hed an Noz, a Noz, a Noz - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.