Tracklist
01. The Beginning
02. Shattered Reflection
03. Wrath Within Me
04. Thrown Into The Abyss
05. Isolation
06. See Us Again
Besetzung
Alex Ritzenhoff – Gesang
Björn „B.C.“ Condon – Gitarre
Sören „Rippy“ Schwartau – Gitarre
Basti Doell – Bass
Gero Samrey – Schlagzeug
Ey Ohne Dregg Alder! Jetzt geht es mit einer ordentlichen Mischung aus Death Metal und Thrash Metal zur Sache. Verantwortlich dafür sind DOGTAK aus dem niedersächsischen Heidekreis, deren Name tatsächlich kein Tippfehler ist: Das 2024 als Soloprojekt von Björn „B.C.“ Condon gestartete Unternehmen hieß zunächst Dogtag, wuchs 2025 zur vollständigen Band heran und ersetzte das letzte G schließlich durch ein K. Mit der Debüt-EP »Shattered Reflection« stellt sich der Fünfer nun auf gut 23 Minuten vor. Geboten werden sechs Stücke zwischen Death/Thrash, amerikanischem Groove Metal, melodischer Schwermut und dezentem Synthesizernebel. Das Resultat klingt nicht nach vorsichtigem Kennenlernen, sondern nach einer Band, die beim ersten Händedruck bereits prüft, ob der Gegenüber stabil genug für den Moshpit steht.
AUS DEM SOLOPROJEKT WIRD EINE BAND
Hinter DOGTAK steckt keine zusammengewürfelte Anfängertruppe. Die Beteiligten waren oder sind unter anderem bei Northsphere, Arch Angel, Mainotower, Ridden By Disease, Obsidian Cure und Embrace The Light aktiv. Diese Erfahrung erklärt, weshalb »Shattered Reflection« nicht wie eine zögerliche erste Aufnahme wirkt. Übergänge sitzen, die Rhythmusgruppe arbeitet geschlossen und die beiden Gitarren wissen, wann sie gemeinsam Gewicht erzeugen und wann eine von ihnen melodisch ausbrechen darf.
Dennoch hört man, dass hier verschiedene Hintergründe aufeinandertreffen. Klassischer Thrash Metal allein wäre als Beschreibung zu schmal. Manche Riffs tragen den federnden Druck von Lamb Of God, andere erinnern an die melodischere Seite des frühen Metalcore, während Alex Ritzenhoffs Gesang deutlich aus dem Death Metal kommt. Dazu treten kurze symphonische Flächen, melancholische Leads und Passagen, die eher Atmosphäre als unmittelbare Prügelwirkung suchen.
Diese Mischung ist der eigentliche Reiz der EP. Sie wirkt nicht wie eine Liste möglichst vieler Genres, sondern wie das Ergebnis von fünf Musikern, die ihre jeweiligen Vorlieben in denselben Proberaum mitgebracht haben. Noch ist nicht jede Naht unsichtbar, aber das Material besitzt bereits eine nachvollziehbare gemeinsame Sprache.
THE BEGINNING BEGINNT NICHT SOFORT
»The Beginning« eröffnet langsam und unheilvoll. Gitarren und dezente Klangflächen bauen zunächst Spannung auf, bevor Schlagzeug und Ritzenhoffs Stimme den Song in Richtung Death/Thrash stoßen. Der Titel nimmt sich mit 4:20 Minuten genügend Zeit, seine Atmosphäre zu entwickeln. Statt die erste Sekunde mit einem Blastbeat zu erschlagen, führt die Band in eine dunkle Szenerie, deren Ruhe von Anfang an verdächtig wirkt.
Sobald das Hauptriff einsetzt, wird die Verwandtschaft zu modernem Groove Metal deutlich. Die Gitarren sägen nicht permanent auf Höchstgeschwindigkeit, sondern arbeiten mit Betonungen, Pausen und einem kräftigen Vorwärtsdrang. Gero Samrey hält das Stück dabei beweglich. Er beschränkt sich nicht auf einen starren Beat, sondern markiert Wechsel mit kurzen Fills und verleiht dem schweren Rhythmus genügend Leben.
Ritzenhoff setzt darüber ein raues, scharf umrissenes Gebrüll. Seine Stimme ist das härteste Element der Aufnahme und verhindert, dass die melodischen Passagen in allzu bequeme Gefilde abdriften. Inhaltlich beschreibt der Song die Geburt von Zeit und Existenz aus der Leere. Das klingt größer, als es eine Debüt-EP normalerweise wagt, funktioniert durch den theatralischen Aufbau aber erstaunlich gut. Lediglich die Synthesizer könnten an manchen Stellen organischer mit den Gitarren verbunden sein; gelegentlich wirken sie eher wie Beleuchtung als wie ein Bestandteil des Raumes.
DER SPIEGEL ZERBRICHT IM GROOVE
Der Titelsong »Shattered Reflection« verzichtet auf den langen Spannungsaufbau und geht unmittelbar in einen schweren Groove. Hier liegt das amerikanische Element der Band am deutlichsten offen. Das Riff schiebt breit, der Bass stützt die Bewegung und das Schlagzeug setzt genau jene Akzente, bei denen vor der Bühne automatisch Platz geschaffen wird. Der Song ist in 3:14 Minuten auf den Punkt gebracht und besitzt den eingängigsten Refrain der EP.
Textlich geht es um Entfremdung vom eigenen Spiegelbild. Die betrachtete Person erkennt weder das Gesicht noch das bisherige Leben wieder und fühlt sich im eigenen Dasein wie ein Fremder. Ritzenhoff trägt diese innere Zerrissenheit nicht als traurige Beichte vor, sondern als wütenden Ausbruch. Das passt zur Musik: Statt in Selbstmitleid zu versinken, verwandelt der Song die Krise in Bewegung.
Ganz rund ist das Ende allerdings nicht. Die letzte Gesangszeile kündigt gefühlt noch einen Breakdown, ein Solo oder wenigstens einen abschließenden Akkord an, doch der Song bricht beinahe unvermittelt ab. Ein hartes Ende kann wirkungsvoll sein; hier fühlt es sich eher an, als hätte jemand eine Tür zugeschlagen, während dahinter noch gesprochen wurde. Das ist kein schwerer Schaden, verschenkt aber einen möglichen Höhepunkt.
WRATH WITHIN ME ÖFFNET DIE DUNKLEN RÄUME
Mit »Wrath Within Me« kehren die atmosphärischen Zusätze zurück. Der Song bewegt sich zwischen Death Metal, schwerem Metalcore und einer beinahe symphonischen Färbung. Gitarren und Klangflächen zeichnen einen dunklen Hintergrund, während die Rhythmusarbeit immer wieder nach vorne drängt. Besonders das Solo fällt auf: Es steigt melodisch aus der schweren Umgebung empor, ohne plötzlich in fröhlichen Heroismus umzuschlagen.
Die Wut des Titels richtet sich nicht einfach nach außen. Der Text beschreibt Hass als inneres Gift, das Schmerz und Abgrenzung gleichzeitig verstärkt. Darin liegt eine der Stärken der EP: Gewalt und Aggression sind nicht bloß Dekoration. Die Texte handeln von Entfremdung, Isolation, Angst und einem Geist, der gegen sich selbst arbeitet. Das schafft einen roten Faden, der die sechs Songs auch inhaltlich zusammenhält.
Musikalisch ist »Wrath Within Me« etwas weniger unmittelbar als der Titelsong, gewinnt aber bei wiederholtem Hören. Die melancholischen Gitarrenlinien und die unterschiedlichen Ebenen im Arrangement benötigen mehr Aufmerksamkeit. Gleichzeitig zeigt sich hier eine gewisse Vertrautheit. Wer amerikanischen Metalcore und Melodic Death der frühen 2000er kennt, wird einige Wendungen kommen sehen. DOGTAK spielen sie überzeugend, setzen aber noch nicht überall ein eigenes Ausrufezeichen dahinter.
DER ABGRUND HAT SYNTHESIZER
»Thrown Into The Abyss« beginnt mit einer flüchtigen elektronischen Fläche, bevor die Gitarren den Abgrund mit handfestem Material auskleiden. Der Song gehört zu den härteren Stücken der EP. Ritzenhoff klingt noch bissiger, die Riffs drängen stärker und die Percussion besitzt eine fast ununterbrochene Spannung. Trotz des modernen Ansatzes bleibt der Death-Metal-Anteil deutlich genug, um das Stück von gewöhnlichem Metalcore zu trennen.
Inhaltlich wird die Isolation hier zum vollständigen Absturz. Erinnerungen verschwinden, die Wahrnehmung löst sich auf, und der Erzähler bleibt zwischen Leben und Tod zurück. Die Band illustriert diesen Zustand mit einem Wechsel aus dichter Aggression und kurzen atmosphärischen Öffnungen. Das funktioniert besser als eine durchgehend schnelle Attacke, weil sich der Song tatsächlich wie ein Fall anfühlt, dessen Boden nicht sichtbar ist.
Das Zusammenspiel der Gitarren überzeugt besonders. Condon und Schwartau stapeln nicht einfach Rhythmusspuren, sondern setzen kleine Gegenbewegungen und melodische Konturen. In den dichtesten Passagen dürfte Basti Doells Bass allerdings deutlicher hervortreten. Er gibt dem Material ausreichend Gewicht, entwickelt im Gesamtbild aber noch selten eine eigene Stimme. Gerade die langsameren Abschnitte hätten dafür Raum geboten.
ISOLATION HAT SLAYER IM RÜCKSPIEGEL
Bei »Isolation« rückt der Thrash Metal wieder stärker in den Vordergrund. Das antreibende Riff erinnert in seiner nervösen Bewegung an Slayer, wird jedoch mit modernem Groove und einer deutlich tieferen Gesangslage verbunden. Die Band hält den Song kompakt und lässt ihn ohne längere atmosphärische Umwege laufen. Nach den stärker ausgeschmückten Vorgängern ist diese Direktheit genau richtig.
Der Refrain aus „Isolation“ und „Alienation“ besitzt eine beinahe hardcoreartige Einfachheit. Keine komplizierte Melodie, keine verschachtelte Botschaft – nur zwei Begriffe, die mit maximalem Druck in den Raum geworfen werden. Für die Bühne dürfte das einer der wirksamsten Momente der EP sein. Gleichzeitig findet Ritzenhoff zwischen heiserem Bellen und tieferen Growls genügend Abstufungen, damit seine Stimme nicht über die gesamte Laufzeit in derselben Haltung verharrt.
Das Stück trifft den Kern von DOGTAK wahrscheinlich am direktesten: Thrash-Riffing, Death-Metal-Gesang, Groove und ein melancholischer Unterton, der unter der Oberfläche weiterarbeitet. Hier braucht es keine Synthesizer, um Atmosphäre zu erzeugen. Die Gitarren und die rhythmischen Stopps erledigen das allein. Mehr solcher selbstbewusst reduzierten Momente würden der Band künftig gutstehen.
SEE US AGAIN SETZT ALLES ZUSAMMEN
Mit 5:05 Minuten ist »See Us Again« das längste Stück und zugleich der beste Abschluss, den diese EP wählen konnte. Die Band führt darin fast alle zuvor vorgestellten Elemente zusammen: schwere Grooves, melodische Gitarren, düstere Flächen, Thrash-Schübe und Ritzenhoffs variable Extremstimme. Der Sänger geht tiefer als zuvor, arbeitet aber ebenso mit höheren, schneidenden Ausbrüchen. Dadurch wirkt das Finale dramatischer, ohne den Zusammenhalt zu verlieren.
Der Text handelt von Gefangenschaft, Erinnerung und der Hoffnung, einem Menschen am Ende der Zeit wiederzubegegnen. Das gibt dem Stück eine emotionalere Färbung, die nicht vollständig in Verzweiflung aufgeht. Besonders das aufsteigende Solo bringt einen seltenen Lichtstrahl in die dunkle EP. Es wirkt nicht kitschig, sondern wie eine notwendige Gegenbewegung zu den fünf vorangegangenen Songs.
Nach dem Gesang lässt die Band den Instrumenten noch Raum. Ein schweres Riff führt in die Schlussphase, bevor die Synthesizer das Material ausblenden. Anders als beim abrupten Ende des Titelsongs fühlt sich dieser Abschluss vollständig an. »See Us Again« ist keine bloße Zusammenfassung, sondern zeigt, wie geschlossen der Stil von DOGTAK klingen kann, wenn sämtliche Einflüsse einem klaren Spannungsbogen folgen.
DIE KLANGBÜHNE AUS EIGENER HAND
Aufgenommen wurde »Shattered Reflection« zwischen März und Mai 2026 im bandeigenen Studio. Sören „Rippy“ Schwartau übernahm Aufnahme, Produktion, Mix und Mastering. Für eine vollständig selbst verantwortete Debüt-EP klingt das Ergebnis bemerkenswert solide. Die Gitarren besitzen Druck, das Schlagzeug bleibt auch bei schnellen Figuren nachvollziehbar und die Stimme sitzt klar im Zentrum, ohne die gesamte Band zu verdecken.
Die Klangbühne im Hörraum ist kompakt und auf unmittelbare Wirkung ausgelegt. Breite Rhythmusgitarren bilden die Seiten, während Leads und Synthesizer darüber zusätzliche Tiefe schaffen. Der Bass stabilisiert die unteren Frequenzen, könnte jedoch öfter aus dem Schutz der Gitarren hervortreten. Insgesamt wirkt die Produktion modern, aber nicht klinisch. Kleine raue Ränder bleiben vorhanden und passen zur aggressiven Darbietung.
Gelegentlich konkurrieren Gitarren, Stimme und elektronische Flächen um denselben Platz. Vor allem in »The Beginning« und »Wrath Within Me« ließe sich die Staffelung noch feiner gestalten. Das ist allerdings Feinarbeit und kein Hinweis auf eine schwache Aufnahme. Schwartau hat einen Sound geschaffen, der die verschiedenen Seiten der Band zusammenhält und weder den Death Metal noch die melodischen Elemente benachteiligt.
EINE IDENTITÄT MIT ERSTEN EIGENEN ZÜGEN
Als Debüt erfüllt »Shattered Reflection« seine wichtigste Aufgabe: Nach sechs Songs weiß man, wofür DOGTAK stehen. Die Band verbindet Thrash und Death Metal mit Groove, Melodie und dunkler Atmosphäre. Dabei klingen die Beteiligten nicht wie fünf Musiker, die um die Vorherrschaft ihres jeweiligen Genres kämpfen. Das gemeinsame Fundament trägt.
Vollständig unverwechselbar ist der Stil noch nicht. Lamb Of God, Slayer, amerikanischer Metalcore der frühen 2000er und melodischer Death Metal stehen als erkennbare Wegweiser am Rand. An den stärksten Stellen – vor allem in »Isolation« und »See Us Again« – verschwinden diese Hinweise jedoch hinter einer eigenen Dramaturgie. Genau dort sollte die Band künftig weitergraben.
Die EP ist außerdem klug bemessen. 23 Minuten reichen, um mehrere Seiten zu zeigen, ohne die Mischung durch Wiederholungen zu verwässern. Das abrupte Ende des Titelsongs, der stellenweise zurückhaltende Bass und einige noch deutlich hörbare Vorbilder verhindern eine höhere Wertung. Der Einstand besitzt dennoch genug Substanz, um nicht als bloße Visitenkarte im Stapel zu verschwinden. Ohne Dregg, Alder: Das kann was.
FAZIT:
»Shattered Reflection« verbindet Death- und Thrash Metal mit kräftigem Groove, melodischer Schwermut und einer überzeugenden Extremstimme zu einem erstaunlich geschlossenen Debüt. Noch stehen einige bekannte Vorbilder deutlich im Raum, doch »Isolation« und das hervorragende »See Us Again« zeigen, dass DOGTAK bereits an einer eigenen Handschrift arbeiten.






