Band: THE NOCTAMBULANT 🇺🇸
Titel: Revival
Label: Terminus Hate City
VÖ: 18/09/26
Genre: Melodic Black Metal

Tracklist

01. Repent and Be Saved
02. Bring the Sorrow
03. Apokalypsis
04. Dark Dawn
05. Macabre
06. Interlude
07. Skeleton Key
08. Killing Tree
09. The Second Death
10. San Martino
11. Red Right Hand

 

Besetzung

E. Helvete – Guitars/Vocals
D. Franseth – Drums
Lars G – Bass
Rev. Beaumont – Lead Guitar

 

Bewertung:

4/5

Dunkelheit aus dem Süden

Fünf Jahre sind vergangen, seit THE NOCTAMBULANT ihre ganz eigene Mischung aus schwarzer Härte und amerikanischer Finsternis weiter vorangetrieben haben. Jetzt steht mit „Revival“ das nächste Kapitel an. Und der Titel passt durchaus, denn die Band aus Südflorida wirkt auf diesem Album keineswegs so, als würde sie einfach nur Bekanntes wieder aufwärmen.

THE NOCTAMBULANT haben einen ziemlich eigenwilligen musikalischen Ansatz. Die Basis liegt eindeutig im Black Metal, doch wer hier ausschließlich frostige Gitarrenwände und rasendes Schlagzeug erwartet, wird schnell überrascht sein. In den Songs steckt genauso viel Blues, Rockabilly, Goth Rock und amerikanische Country-Tradition. Dazu kommt eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Südstaaten-Sumpf, staubigen Straßen und nordischer Kälte liegt.

Entstanden ist die Band aus einer eher ungewöhnlichen Ausgangssituation. E. Helvete und D. Franseth kamen ursprünglich aus einer Psychobilly-Band und beschlossen nach deren Auflösung, sich musikalisch deutlich dunkleren Gefilden zuzuwenden. Mit Lars G am Bass und Rev. Beaumont an der Lead-Gitarre wurde daraus schließlich die Besetzung, die „Revival“ eingespielt hat.

Kein gewöhnlicher Black Metal

Bereits „Repent and Be Saved“ funktioniert als kurzer, düsterer Einstieg, bevor „Bring the Sorrow“ ohne große Umwege loslegt. Hier zeigen THE NOCTAMBULANT sofort, wohin die Reise geht: aggressive Vocals, melodische Gitarren und ordentlich Tempo, gleichzeitig aber immer mit einem gewissen Hang zur Schwermut.

Gerade diese Mischung macht das Album interessant. Die Band versucht nicht, möglichst brutal zu klingen. Stattdessen wird mit Stimmungen gearbeitet. „Apokalypsis“ schlägt ebenfalls in die härtere Kerbe, während „Dark Dawn“ stärker auf Melodie und Atmosphäre setzt. Die Songs haben dadurch ihre eigenen Gesichter und verschwimmen nicht zu einer einzigen schwarzen Wand.

„Macabre“ gehört für mich zu den Stücken, bei denen die düstere Grundstimmung besonders gut funktioniert. Der Song ist nicht übermäßig kompliziert aufgebaut, entwickelt aber genau dadurch seinen Reiz. Die Gitarren bleiben präsent, das Schlagzeug treibt nach vorne und über allem liegt diese leicht morbide Note, die sich durch das gesamte Album zieht.

Zwischen Melodie und Wahnsinn

Nach dem kurzen „Interlude“ geht es mit „Skeleton Key“ weiter. Hier kommen die unterschiedlichen Einflüsse der Band wieder stärker zusammen. THE NOCTAMBULANT klingen an dieser Stelle weniger nach einer klassischen Black-Metal-Band und mehr nach einer Gruppe, die sich ihren eigenen kleinen musikalischen Kosmos geschaffen hat.

„Killing Tree“ zieht das Tempo anschließend wieder an. Der Song besitzt ordentlich Druck und dürfte gerade live einiges an Energie entwickeln. Trotzdem bleibt die Band ihrer melodischen Linie treu. Das ist überhaupt eine der Stärken von „Revival“. Die Härte wird nicht zum Selbstzweck!

Mit „The Second Death“ wird es anschließend wieder schwerer und atmosphärischer. Der Song nimmt sich mehr Zeit und entwickelt dadurch eine fast beschwörende Wirkung. Hier merkt man besonders, dass THE NOCTAMBULANT nicht nur auf schnelle Riffs setzen. Die Atmosphäre ist ein wichtiger Teil ihrer Musik.

„San Martino“ bringt noch einmal eine etwas andere Färbung ins Spiel, bevor „Red Right Hand“ den Abschluss bildet. Mit über sechs Minuten ist das Stück gleichzeitig der längste Song des Albums und gibt der Band genügend Raum, ihre verschiedenen Seiten zusammenzubringen. Dunkle Melodien, aggressive Passagen und eine unterschwellige Americana-Note treffen hier aufeinander.

Eigenwillig, aber stimmig

Was „Revival“ letztlich auszeichnet, ist weniger ein einzelner Song als das Gesamtbild. THE NOCTAMBULANT haben verstanden, wie man unterschiedliche Einflüsse miteinander verbindet, ohne dass das Ganze nach einem musikalischen Bauchladen klingt. Der Black Metal bleibt jederzeit erkennbar, wird aber durch die amerikanischen Wurzeln der Musiker deutlich erweitert.

Natürlich ist nicht jeder Song ein Volltreffer. An manchen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Dynamik gewünscht, und gelegentlich verliert sich die Spannung ein wenig. Das fällt aber angesichts der gelungenen Atmosphäre nicht allzu schwer ins Gewicht.

„Revival“ ist ein Album für Hörer, die beim Black Metal gerne über den Tellerrand schauen. Wer ausschließlich nordische Raserei sucht, wird hier vielleicht nicht glücklich. Wer dagegen düstere Melodien, ungewöhnliche Einflüsse und eine gewisse morbide Americana-Atmosphäre zu schätzen weiß, sollte THE NOCTAMBULANT durchaus eine Chance geben.

Die Band klingt eigenständig, manchmal sperrig, aber immer interessant. Und genau das macht „Revival“ zu einer Platte, bei der man auch nach mehreren Durchläufen noch neue Facetten entdecken kann.

Fazit: „Revival“ ist ein kraftvolles, vielschichtiges Werk, das die Grenzen des Melodic Black Metal auslotet und gleichzeitig die Bandhistorie in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Internet

THE NOCTAMBULANT - Revival - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.