Tracklist
01. Cult Of Xaman
02. Reign Of Nohol
03. Priests Of Lik’in
04. Chosen Of Chik’in
05. Insemination
Besetzung
A.G.A. – Vocals & Guitar
A.M. – Bass
S.P.S. – Lead Guitar
G.P. – Drums
Es gibt Alben, die hört man sich an und weiß nach wenigen Minuten ziemlich genau, woran man ist. Und dann gibt es Platten wie „Anthropic Rites of Sublimation“ von CH’AHOM. Das zweite Album des deutschen Black/Death-Metal-Kultclans macht es dem Hörer nicht unbedingt leicht. Es ist roh, düster, teilweise ziemlich sperrig und steckt voller musikalischer Wendungen. Vor allem aber besitzt die Platte eine eigene Atmosphäre, die man nicht einfach nebenbei konsumieren kann.
A.G.A. an Gesang und Gitarre, A.M. am Bass, S.P.S. an der Lead-Gitarre und G.P. am Schlagzeug bewegen sich auf ihrem neuen Werk irgendwo zwischen brachialem Death Metal, finsterem Black Metal und progressiven Strukturen. Dazu kommt ein Konzept, das dem Album noch eine zusätzliche Ebene verpasst. CH’AHOM erzählen ihre eigene Geschichte und erschaffen dafür eine Welt, die von Ritualen, Opferkulten und dem ständigen Wissen um die eigene Vergänglichkeit geprägt ist.
Willkommen am Rand des Abgrunds
„Anthropic Rites of Sublimation“ setzt dort an, wo die „Ts’ono’ot“-EP aufgehört hat. Im Zentrum der Geschichte steht ein riesiger Cenote, dessen Dimensionen alles Gewohnte sprengen. Von diesem Ort geht ein kosmischer Ruf aus, dem sich die Menschen kaum entziehen können. Verlorene und Verunsicherte werden von ihm angezogen und letztlich zur Selbstaufgabe getrieben.
Rund um diesen Abgrund entstehen vier verschiedene Zivilisationen. Jede entwickelt ihre eigenen Regeln, Hierarchien und Rituale, um mit diesem ständigen Wissen über den Tod umgehen zu können. Ausgerechnet der mögliche Untergang wird damit zum Fundament einer Gesellschaft.
Das klingt auf dem Papier ziemlich abgefahren und ist es auch. Gleichzeitig gelingt es CH’AHOM, diese Geschichte musikalisch halbwegs greifbar zu machen. Man hat beim Hören immer wieder das Gefühl, irgendwo durch eine längst vergessene Tempelanlage zu gehen. Nur dass hinter den Mauern keine Ruhe wartet, sondern eine Mischung aus Blastbeats, tiefen Gitarren und ziemlich ungemütlichen Geräuschen.
Schon „Cult Of Xaman“ legt entsprechend los. Die Riffs kommen schwer und aggressiv aus den Boxen, während das Schlagzeug zwischen wuchtigen Passagen und wilden Ausbrüchen wechselt. Der Song wirkt dabei nie wie ein simples Geballer. Immer wieder tauchen kleine rhythmische Veränderungen auf, die den Track in andere Richtungen ziehen.
„Reign Of Nohol“ setzt diesen Weg fort und zeigt gleichzeitig eine der Stärken der Band. CH’AHOM können richtig brutal werden, verlieren dabei aber nicht ihre atmosphärische Seite. Die Gitarren klingen nicht einfach nur hart, sondern erzeugen eine gewisse Enge. Vieles wirkt beinahe klaustrophobisch.
Kein Album für nebenbei
Mit „Priests Of Lik’in“ und „Chosen Of Chik’in“ wird dieser Eindruck noch stärker. Die Songs sind verschachtelt aufgebaut und verlangen schon ein wenig Geduld. Wer auf eingängige Strukturen und schnell erkennbare Refrains wartet, wird hier eher enttäuscht sein. CH’AHOM gehen einen anderen Weg.
Interessant sind dabei die traditionellen Instrumente und klanglichen Elemente, die immer wieder aus dem metallischen Chaos auftauchen. Sie wirken nicht wie ein aufgesetzter Effekt, sondern gehören zur Atmosphäre dieser fiktiven Welt. Gerade dadurch bekommt das Album seinen eigenen Charakter.
Die Inspiration durch Kunst, Architektur und Rituale präkolumbischer Kulturen ist deutlich spürbar. CH’AHOM versuchen allerdings nicht, irgendeine historische Epoche möglichst genau nachzubauen. Vielmehr nehmen sie einzelne Vorstellungen und Bilder und bauen daraus ihre eigene düstere Mythologie. Das funktioniert besonders dann gut, wenn die Musik nicht versucht, alles mit Gewalt in eine klare Songstruktur zu pressen.
Genau hier liegt allerdings auch eine kleine Schwäche des Albums. Die Komplexität ist nicht immer leicht zugänglich. Manche Passagen wirken etwas überladen und brauchen mehrere Durchläufe, bevor sie wirklich hängen bleiben. Das ist bei dieser Art von Musik zwar kein ungewöhnliches Problem, macht „Anthropic Rites of Sublimation“ aber definitiv zu keiner Platte für den schnellen Durchlauf.
Den Abschluss bildet „Insemination“. Auch dieser Track bleibt unbequem und sperrig, passt damit aber hervorragend in das Gesamtbild. Statt eines großen, leicht zugänglichen Finales bekommt man noch einmal die volle Ladung CH’AHOM. Dunkelheit, Härte und diese ständig vorhandene Atmosphäre des Unheilvollen bleiben bis zum Schluss bestehen.
Zwischen Ritual und Vernichtung
Was „Anthropic Rites of Sublimation“ letztlich interessant macht, ist die Idee hinter der Geschichte. CH’AHOM beschäftigen sich mit dem menschlichen Bedürfnis, selbst der Zerstörung noch einen Sinn zu geben. Die Menschen in dieser fiktiven Welt wissen um ihren möglichen Untergang und bauen trotzdem Gesellschaften, Religionen und ganze Kulturen auf.
Opfer, Verstümmelung, Versklavung und freiwillige Unterwerfung werden dabei zu Bestandteilen dieser Ordnung. Das klingt extrem, passt aber genau zu dem Szenario, das die Band entwirft. Der Tod wird nicht verdrängt, sondern zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens gemacht.
Musikalisch übersetzen CH’AHOM diese Idee mit einem Sound, der zwischen Black- und Death-Metal pendelt und immer wieder progressive Ausflüge unternimmt. Besonders stark ist die Band dann, wenn Härte und Atmosphäre zusammenkommen. Nicht jede Passage funktioniert gleich gut, aber das Album besitzt eine klare eigene Identität.
„Anthropic Rites of Sublimation“ ist definitiv keine Platte, die sich beim ersten Durchlauf vollständig erschließt. Dafür gibt es zu viele Details und zu viele Richtungswechsel. Wer sich darauf einlässt, bekommt allerdings ein ungewöhnliches Extrem-Metal-Album geboten, das nicht nur auf Brutalität setzt, sondern eine komplette Welt erschafft.
Fazit: CH’AHOM liefern damit ein interessantes, wenn auch nicht immer leicht zugängliches Werk ab. Düster, kompromisslos und mit einer gehörigen Portion Wahnsinn.






