Band: GREEN LUNG 🇬🇧
Titel: Necropolitan
Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 11/09/26
Genre: Heavy/Stoner Metal

Tracklist

01. Open The Hellmouth
02. Dance To The Grave
03. Black Magick Radio
04. Necropolitan Line
05. Evil In This House
06. Together In Death
07. Ozymandias
08. Alostrael (Be My Babalon)
09. To The Gallows Born

 

Besetzung

Tom Templar – Vocals
Scott Black – Guitar
Joseph Ghast – Bass
Matt Wiseman – Drums
John Wright – Organ

 

Bewertung:

4,5/5

GREEN LUNG nehmen uns auf „Necropolitan“ mit ins viktorianische London und zeigen uns, wie ihr geschichtsträchtiger Heimatort die Band beeinflusst hat und ihr immer noch als Inspirationsquelle dient. Ihr mittlerweile viertes Album bleibt ihrer musikalischen Linie treu: tief gestimmte Gitarren sorgen für einen dröhnenden Untergrund, der durch markanten Gesang und mitreißende Melodien aufgepeppt wird. Die Briten haben jedoch auch einige Überraschungen auf „Necropolitan“ verpackt.

Kurz-Biografie

Die 2018 in London gegründeten GREEN LUNG zählen zu den Vertretern der britischen Heavy-Rock- und Metal-Szene. Musikalisch verbindet die Band Doom, Hard Rock, Psychedelic und Progressive Rock mit den theatralischen Elementen der NWOBHM. Inhaltlich widmet sich das Quintett britischer Folklore, Mythen und Legenden. Seit ihrem selbstveröffentlichten Debüt „Free the Witch“ (2018) folgten drei Studioalben bei Nuclear Blast, zuletzt „This Heathen Land“ (2023), das Platz eins der britischen Rock- und Metal-Charts erreichte. Tourneen mit CLUTCH, OPETH und UNTO OTHERS sowie Auftritte bei Festivals wie Roadburn und Download machten GREEN LUNG auch international bekannt.

Inspiration aus britischer Geschichte

Seit jeher lassen sich GREEN LUNG von britischer Folklore inspirieren. Der Albumtitel „Necropolitan“ nimmt Bezug auf die „Magnificent Seven Cemeteries“ – oder „Necropoli“, die während des viktorianischen Zeitalters erbaut wurden. Sieht man genau hin, findet man die sieben Namen sogar im äußeren Rahmen des Albumcovers. Einst gepflegt, verfielen sie ab Ende der 1960er-Jahre und wurden von Efeu und Moos überwuchert. Damit verkörpern sie sowohl den Bandnamen „Green Lung“ – Natur als verborgene Wildnis inmitten der Stadt – als auch das zentrale Motiv der Band: die Vergänglichkeit des Menschen angesichts der Natur.

Folklore erzählt durch Musik

In einigen Songs bildet der historische Hintergrund den thematischen Kern. „Necropolitan Line“ etwa widmet sich der „Necropolis Railway“, mit der im frühen 20. Jahrhundert Verstorbene unterirdisch zu ihren Ruhestätten transportiert wurden. Passend dazu untermalen funky Synth-Orgeln das Stück und verleihen ihm die Atmosphäre eines klassischen Horrorfilms. Der epische Abschluss „To The Gallows Born“ wiederum ist vom „Tyburn Tree“, Londons berühmtesten öffentlichen Hinrichtungsplatz, inspiriert. Hier zeigen GREEN LUNG ein besonderes Gespür für Dramaturgie: Von der ersten Sekunde an entfaltet der Song eine andächtige, melancholische Atmosphäre und steigert sich zu einem eindrucksvollen Finale.

Düstere Themen treffen auf britischen Humor

Andere Songs bleiben thematisch düster, erzählen aber von keinen konkreten historischen Ereignissen Londons. In der Single „Evil In This House“ geht es zum Beispiel um eine paranormale Investigation. Das Musikvideo dazu demonstriert den herrlichen Humor der Briten und verleiht dem Lied eine umso originellere Note. Es hat einen starken Stoner-Vibe, setzt auf erdige Riffs und eine spukhafte Atmosphäre.

Musikalisch verwurzelt im Old School Heavy Metal

Musikalisch schöpfen GREEN LUNG hauptsächlich aus klassischen Rock- und Heavy-Metal-Elementen. Old-School Heavy Metal à la BLACK SABBATH und dominante Stoner-Charakteristika bilden dabei das Fundament. Letzteres wird insbesondere durch die tief gestimmten, dröhnenden Gitarren erzeugt. Aufgelockert wird das Ganze mit Synthesizern, die häufig den Klang von Orgeln imitieren und den Liedern ihre eigenwillige Aura verleihen („Evil In This House“, „Black Magick Radio“). Eingängige Melodien und Riffs verleihen den Liedern Wiedererkennungs- sowie Wiederspielwert. Hier wird häufig auf bekannte Stilelemente zurückgegriffen; GREEN LUNG bauen aber genug Abwechslung ein, sodass nichts repetitiv oder wiedergekäut klingt. Trotz der teils schweren und düsteren Grundstimmung bleibt das Songwriting daher zugänglich und groovig. Tempowechsel, Breakdowns und atmosphärische Passagen sorgen dafür, dass die Songs nicht in einem einheitlichen Klangbild verharren.

Eingängig und originell

Besonders eindrucksvoll wird es bei „Together in Death“. Die melancholische Ballade über Trauer und die Sehnsucht nach dem Tod lebt von der emotionalen Gesangsleistung und einer Musik, die den Schmerz der Thematik wirkungsvoll aufgreift. Mit „Ozymandias“ folgt anschließend ein deutlich eingängigerer Höhepunkt, dessen lässiger Refrain und galoppierende Beats sofort hängen bleiben. Sänger Tom Templar demonstriert uns in diesem Lied die Bandbreite seiner Stimme, die ohnehin eine eigentümliche Klangfarbe hat. Die Grundstimme erinnert an Ozzy Osbourne und Tobias Forge (GHOST), die hohen Töne entfernt an King Diamond. Mit viel Bruststimme und Vibrato verstärkt er die Synth-geschwängerten Heavy-Metal-Hymnen in ihrer psychedelischen Qualität enorm. Eine großartige Kombination, die das Zuhören umso fesselnder macht.

Fazit: GREEN LUNG zeigen auf „Necropolitan“ abermals, wie gut sich Stoner, Classic Heavy Metal und psychedelische Elemente mit einer düsteren, beinahe geisterhaften Atmosphäre verbinden lassen, ohne dabei an Eingängigkeit einzubüßen.

Internet

GREEN LUNG – Necropolitan

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