Band: Agalloch
Titel: Marrow the Spirit
Label: Profound Lore
VÖ: 2010
Genre: Atmospheric Folk/Doom/Black Metal, Post-Rock/Metal
Bewertung: 4,5/5
Written by: Much

Es gibt sie zum Glück noch, diese ganz und gar außergewöhnlichen Gruppierungen in der schon fast zur Gänze salonfähig gemachten Metallandschaft. In einem Sumpf von Überproduktionen, Einfallslosigkeit und Imageproblemen erfreut sich mein Herz immer wieder an Bands die Nirgendwo so recht hineinpassen wollen. In diesem Innovations-Biotop tummelt sich unter anderem die US-Amerikaner von Agalloch. Mit Ihrem sehnlichst erwarteten vierten Album „Marrow of the Spirit“ haben es die vier Waldgeister aus Portland, Oregon wieder geschafft, vollends zu begeistern.Das erste Stück „They Escaped the Weight of Darkness“ leitet das Album mit einem ruhigen trauernden Cello-Intro ein, das sich erhaben über den Klang eines vor sich hinplätschernden Bächleins legt. Das hinzukommende Vogelgezwitscher lässt vor meinen Augen eine verschneite Waldlandschaft im Zwielicht der Dämmerung erscheinen. Eine perfekte Einstimmung auf das noch Kommende.
Hier zeichnet sich schon leicht der epische Charakter von „Marrow of the Spirit“ ab. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt das Album zwar vielleicht etwas ruhiger, allerdings wurde dafür zusätzlich Wert auf Atmospähre gelegt.

„Into the Painted Grey“ beginnt urplötzlich mit einem schwarzmetallisch anmutendem Gitarrenriff. Aus dem zuvor erwähnten Bächlein wurde ein reißender Fluss der sich mächtig über Felskaskaden ergießt. Das Cello wird von der Gitarre abgelöst und tritt in den Hintergrund, wo man es nur noch leise weinen hören kann bist es schließlich gänzlich verstummt. Nach diesem anfänglichem Gefühlsausbruch wird das Stück zur Mitte hin wieder etwas ruhiger, wobei die Drums hier zum ersten Mal stark in den Vordergrund treten.
Der neue Schlagzeuger Aesop Dekker, seines Zeichens Mitglied der californischen Black Metaller Ludicra, liefert hier ausgezeichnete Arbeit ab und trägt mit seinem akzentuierten Drumming maßgeblich zur Atmospähre des Albums bei. Das Stück wird in seinem Verlauf zum Ende hin immer stärker, die Gitarren überlagern sich bis zu einem Punkt hin, da man meinen könnte, eine gewaltige Klangwelle bricht über einen herein.

Nach dem aprupten Ende von Stück Nr. 2 beginnt „The Watcher’s Monolith“ mit einem akustischen Gitarrenintro. Der Gesang setzt langsam ein, die leicht verzerrten Gitarren kommen hinzu, alles klingt sehr stimmig. Es finden sich viele Tempowechsel und Übergangspassagen wieder, was dem Stück zusätzlich an Dynamik verleiht, die knappen 12 Minuten vergehen wie im Flug. Der Gesang von John Haughm gestaltet sich auch auf „Marrow of the Spirit“ gewohnt abwechslungsreich und vermittelt die Stimmung der Lieder zu jeder Zeit perfekt.
Leider liegen mir die Texte nicht bei, aber aus einem Interview dem Bandkopf geht hervor, dass sich das Lied mit der magischen Wirkung alter heidnischer Kultstätten beschäftigt. Generell soll das Album eine Art Konzept bilden, eine mystische Reise, wobei jedes Stück eine Zwischenstop darstellt, eine neue Erfahrung.
Den Schluss von „The Watchers Monolith“ bildet ein kurzes, etwas schwermütig anmutendes Pianostück, welches vom nächtlichen zirpen der Grillen in eim dichten Wald begleitet wird.

Das 17 Minuten lange „Black Lake Nidstång“ wirkt anfangs sehr doomig. Atmospährisch drönen die minimalistischen Gitarrenläufe aus den Boxen. Nach den ersten 4 Minuten setzt dann das Schlagzeug ein und der Gesang beginnt zuerst lediglich leise flüsternd. Das Tempo hat sich kaum merklich verändert, die Stimmung des Stückes ist generell sehr bedrückend, verzweifelt, aber nicht gänzlich hoffnungslos. Es weckt ein Gefühl der Sehnsucht. Passend dazu verwandelt sich der Gesang John Haughm’s zur Mitte des Stücks hin in ein unheimliches, gepeinigtes Klagen. Wie ein Geist der seinen Tod beklagt.
Auf das Finale des Stücks wird dann mit einem kurzen, nahezu schon aufbauend wirkendem Zwischenspiel aus Gitarren- und Synthesizer längen eingestimmt. Für die letzten 3 Minuten wird dann noch einmal etwas das Tempo angehoben und jeder zeigt was er kann.

Für das vorletzte Stück „Ghosts of Midwinter Fires“ bedarf es an und für sich nicht mehr vieler Worte. Auch hier kommt wieder die Agalloch typische Erfolgsformel zur Anwendung: Tempowechsel, sich überlagernde Gitarren, Akustikpassagen, erhabene Melodien, hier passt einfach alles.

Abgeschlossen wird „Marrow of the Spirit“ mit dem ambient-artigen „To Drown“. Man hört wie das Eingangs erwähnte Bächlein, dass sich zuvor in einen reißenden Fluss verwandelt hat, nun still in das weite Meer mündet, der abendliche Wind lässt das Wasser leichte Wellen schlagen. Es wird leise geflüstert, begleitet von den Klängen einer Violine und der Akustikgitarre.
Der Wind wird stärker, der Himmel verdunkelt sich, verzerrte Gitarren setzen ein, Blitze zucken, die Violine heult auf, gigantische Trommeln donnern und dann … Stille …

Fazit: Nach einer guten Stunde endet die musikalische Geistreise und was bleibt ist ein mächtiges und bewegendes Album. Sicherlich nicht für jedermann zugänglich, aber wer diese Art von Musik zu schätzen weiß, findet hier eine absolutes Meisterwerk vor.Mein Dank geht an Agalloch für dieses grandiose Stück Tonkunst. Mit „Marrow of the Spirit“ haben sie definitiv etwas Einzigartiges geschaffen und bleiben damit eine metallische Ausnahmeerscheinung.

Tracklist
01. They Escaped the Weight of Darkness 03:41
02. Into the Painted Grey 12:25
03. The Watcher’s Monolith 11:46
04. Black Lake Nidstång 17:34
05. Ghosts of the Midwinter Fires 09:39
06. To Drown 10:27

Besetzung
John Haughm (voc & guit)
Don Anderson (guit)
Jason William Walton (bass)
Aesop Dekker (drums)

Internet
Agalloch Official Homepage
Agalloch @ Myspace

Share.

About Author

Comments are closed.

Diese Website nutzt Cookies. Bitte beachten Sie unsere Datenschutz-Erklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close