Band: Helrunar
Titel: Sol I Der Dorn im Nebel
Label: Lupus Lounge / Prophecy Prod.
VÖ: 2011
Genre: Black Metal
Bewertung:5/5
Written by: Much

Selten hat es eine Band geschafft mich mit einem Demoalbum derart zu beeindrucken wie „Helrunar“. Und genau so selten habe ich mit einer derartigen Sehnsucht ein Album erwartet wie Sòl, dass obendrein noch in Form eines Doppelalbums mit 50-Seitigen Artbook das Regal ziert.

Das Demoalbum Gàtr (Das Weinen) fesselt anno 2003 mit einer derartigen Klanggewalt, wie es andere Bands dieses Genres mit ihrem gesamten Repertoire nicht schaffen werden. Nach einer Split-CD mit „Nachtmahr“ war es 2005 soweit, dem Label „Lupus Lounge“ den Einstand zu präsentieren.

Somit knüpfte „Frostnacht“ nahtlos am Erfolg an und verschaffte dem Bühnenscheuen Trio zusätzliches Gehör im deutschsprachigen Raum. Mit „Baldr ok Íss“ besiegelte das Gründungsmitglied Dionysos seine Helrunar’sche Karriere.

Inhaltlich setzten sich bis Dato alle Werke mit einer alten Welt auseinander. Düster, kalt, zerstört, verseucht durch eingeschleppte Religion die ein parasitäres Dasein führt… Die Wortgewandtheit eines Skald Draugir hinterlässt ein Gefühl der Leere, die sich dabei nicht beschreiben lässt. Eine derartige Tiefgründigkeit, verpackt in Kenningar – eine nordische Stabreimform – sucht man sonst vermutlich nur in einem Hörsaal einer höheren Universität.

Der Crashkurs Helrunar für Dummies dürfte somit abgeschlossen sein, widmen wir uns nun dem Konzeptalbum Sòl I – Der Dorn im Nebel.

Etwas ist passiert. Eiseskälte breitet sich aus, nichts Neues. Eine Stimme berichtet von einem Ereignis. „Gefrierpunkt“ eröffnet das Album mit dem gewohnten Maß an Mystik.

„Kollapsar“ setzt anfänglich auf eine sehr hohe Geschwindigkeit. Nach einigen Minuten doomen jedoch die Gitarren zum klagenden Sprechgesang, ehe das Gewitter erneut startet. Ein gut gelöstes Wechselbad. In der letzten halben Minute zeigt sich, was sich die folgenden 90 Minuten als roter Faden erweisen wird.

„Tag 1: Etwas… verwest in uns. Unter diesem dünnen Lack aus Anstand, Moral und Zivilisation gärt abgestandenes Menschsein. Und wenn die Membran reißt, wird die Welt ertrinken. In einem Meer aus Blut, Tränen und Pisse.“

Ähnlich donnern auch „Unter dem Gletscher“ und „Nebelspinne“ aus den Boxen. Diese Fragmente eines Tagebuchs geben nach und nach Aufschluss darüber, was als Konzept geplant ist, lassen den Hörer jedoch stets nur den Fetzen zukommen, der Interpretationsfreudiger kaum sein mag.

Nach und Nach wird klar: Äonen sind vergangen, die Birke im Moor wurde geholzt, der Weg, älter als das Kreuz ist verwaist. Runen sind längst vergessen. Unsere Art hat den Zenit überschritten und etwas nicht genauer Genanntes hat uns mehr oder weniger erfolgreich ausgelöscht. Was bleibt ist im Permafrost versunken, Tagebuchschreibend.

„Praeludium Eclipsis“ gibt dem Ersthörer mehr oder weniger Bedenkzeit.

Geschrammel mit Spitzengeschwindigkeiten und Ausflüge ins Akustische weisen uns – wortgewandt wie immer – tiefsinnig den Weg ans „Ende 1.3“
Hier wird auf ein letztes ordentlich aufgetrumpft und breitgehämmert, ehe einem der letzte Monolog die Augenbrauen an den Haaransatz tackert. Dieser philosophische Beitrag stammt allerdings nicht aus dem Hause Helrunar. Es ist vielmehr ein Zitat dem sowjetischen Film „Stalker“ von 1979, wie meine Nachforschungen ergaben.

Sòl I – Der Dorn im Nebel lässt uns nun in der Leere stehen, für alle die dieses Album nicht in Verbindung mit Sòl II – Zweige der Erinnerung erworben haben stehen nun vor einer imaginären Leere. Unwissenheit.
Für Leute mit weniger Weitblick ist die CD zu Ende.

Fazit: Helrunar besaßen schon immer die Gabe, geschulteres Personal ihre Hörerschaft zu nennen. Sei es nun die Tiefgründigkeit ihrer Texte, die zu einem Philosophiestudium einladen, oder die Interpretationsfreiheit selbiger. Ein Weg wurde stets nur gezeigt, nie beschritten und lädt somit zur Auseinandersetzung mit den Texten und mit dem dazu gehörenden Hintergrundwissen ein.
Prädikat wertvoll!

Tracklist
01. Gefrierpunkt 00:56
02. Kollapsar 07:36
03. Unter dem Gletscher 08:25
04. Nebelspinne 08:23
05. Praeludium Eclipsis 03:12
06. Tiefer als der Tag 08:27
07. Nur Fragmente… 02:18
08. Ende 1.3 05:18

Besetzung
Alsvartr (guit, drums & bass)
Skald Draugir (voc)
Discordius (guit)

Internet
Helrunar Official Homepage

Helrunar @ Myspace

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