Tracklist
01. Old Drugs
02. Eater Of Ghosts
03. D.E.A.D.
04. At The Mercy Of The Merciless
05. Grinding The System
06. George Washington’s Teeth
Besetzung
Blake Charlton – Guitar, Lead Vocals
Alex Fewell – Drums
Ryan Murphy – Bass, Backup Vocals
Nathan „Nate“ Rand – Lead Guitar
Die amerikanische Death Metal/Grindcore Band ANTI-SAPIEN kommt drei Jahre nach ihrem Debütalbum mit einer EP, die eine Evolution der Band zeigt – besser komponiert und reifer als das letzte Album.
Vielversprechender Start mit massiven Riffs
Der Albumstart mit „Old Drugs“ ist sehr vielversprechend: massive Akkorde, sehr impaktvolle Vocals, tiefe Growls, guter Rhythmus. Die Riffs sind beeindruckend, fühlt sich nach einer guten Art von Death Metal an. Die Grindcore-Einflüsse sind hörbar in der angepissten Attitüde der Band, auch wenn der Song nicht sehr schnell ist. Auch die Backing Vocals haben einen wichtigen Einfluss auf den Gesamtsound. Brutal, roh, bestienartige Growlings, aggressiver Sound – ein guter Start.
Nicht ganz melodisch, aber auch niemand will ein Grindcore-Album, das auf Melodie basiert, und „Eater Of Ghosts“ beweist das mit gnadenlosem Rhythmus und wieder soliden Riffs. Ausgespuckte Vocals ergänzt mit hochgepitchten Shrieks – das Vocal-Duo ist das dominierende Element im Song. Das Gitarrensolo kommt sehr laut und vorne, kreiert ein Gegengewicht zu den Vocals, und der ganze Sound wird durch konstante und gute Riffs ausbalanciert. Ein guter Headbanger-Song, voll von Energie.
ANTI-SAPIEN kommen aus Brooklyn, New York, gegründet 2021. Nathan „Nate“ Rand (Lead-Gitarre) und Blake Charlton (Gitarre, Lead Vocals) sind die Originalmitglieder, mit Alex Fewell (Drums) und Ryan Murphy (Bass, Backup Vocals), die ein Jahr später dazustießen. Alle sind Musiker mit vergangener Erfahrung in Underground-Bands auf der lokalen Szene.
Trostlos und voll von Wut kommt „D.E.A.D.“ mit vielen Tempowechseln und zu vielen verschiedenen melodischen Linien, basiert hauptsächlich auf Vocals statt auf soliden Riffs. Die langsameren Passagen fühlen sich an, als würde ihnen der Treibstoff ausgehen und sie müde werden – dieser Eindruck wird unterstrichen durch das lange Solo, melodisch und sehr langsam, das sich fehl am Platz im Song-Kontext anfühlt und den Song zu einem Ende bringt. Ein bizarrer Moment nach dem kraftvollen Start des Albums.
Wechsel zwischen Kraftlosigkeit und Energie
Bessere Stimmung im Titelsong „At The Mercy Of The Merciless„, aber der Rhythmus bleibt sehr langsam. Fühlt sich wirklich nach einer anderen Band an als die, die die ersten zwei Songs gespielt hat. Ein klarer Refrain mit entschiedener melodischer Linie, aber mit besserem Rhythmus, und die repetitiven Reime geben dem Song eine gute Struktur. Gute Riffs und eine finale Passage, die zeigt, dass es möglich ist, die Kontrolle über einen Song nach schwachem Start zurückzugewinnen.
Die Produktion ist typisch für das Genre, viel Akzent fällt auf Gitarren und Vocals. Aber die Rhythmusgitarre und die Riffs könnten mehr im Rampenlicht stehen – das würde besser für den Band-Sound funktionieren, die Lead-Gitarre fühlt sich bei den meisten Interventionen an, als würde sie andere Musik spielen. Die Rhythmussektion ist nicht beeindruckend, hält nur das Tempo, sticht aber mit nichts heraus. Offensichtlich verlassen sie sich massiv auf Vocals, und diese doppelten Vocals – die Growls und die Shrieks – sind der Teil, der am besten auf dem Album funktioniert. Ziemlich rohe Produktion auch, aber nichts Schlechtes hier. Texte über reale Weltthemen, persönliche Schäden und sehr kritisch über das System passen sehr gut in den Grindcore-Sound, wie es traditionell ist.
Wieder ein vielversprechender Name für den nächsten Song „Grinding The System„, aber der cinematische Start gefolgt von moderatem Rhythmus, mit dem Song als konstante Alternation zwischen schnell und langsam – dennoch ist der Gesamteindruck positiv. Wieder versucht die Lead-Gitarre, etwas Melodie in den Song zu bringen. Die verzweifelten Schreie entlang der finalen Akkorde geben Gänsehaut, aber wie auf dem gesamten Album kontrastieren die Backing Vocals wirklich und fügen den Haupt-Vocals Wert hinzu.
Final Song der EP „George Washington’s Teeth“ bringt endlich mehr Grindcore ins Spiel, und der Sound passt besser zur Band als die langsamen und unentschiedenen Rhythmen. Hier haben wir eine klarere musikalische Richtung und einen entschiedeneren Sound. Guter Rhythmus – es fühlt sich an, als hätten sie endlich entschieden, aggressiver zu sein und mehr Energie ins Spiel zu bringen. Chaotisch und dissonant fühlt sich die Band einheitlich an und pusht zusammen in eine gute Richtung. Sie beenden die EP auf einem Hoch.
Grindcore mehr Attitüde als Musik
Für ein Grindcore-Album könnte es aggressiver und wütender sein. Und für einen echten Impact wäre ein schnellerer Rhythmus besser gepasst. Aber insgesamt simple, nicht sehr prätentiöse Musik und ein spaßiges Hören. Nicht überarbeitete Songs, direkt und mit einer guten Dosis Aggression.
Wie bereits erwähnt kommt das Grindcore-Tag mehr von der Attitüde als dass es durch die Musik ausgedrückt wird. Aber der finale Song vereint die Band-Instrumente und die musikalischen Ideen in einen kohäsiven und fokussierten Song, und das war der beste Moment der Band auf „At The Mercy Of The Merciless“ – ein finaler Aufwand, der es wert ist. Keine revolutionäre Arbeit, aber ein Album, das ein paar Durchläufe verdient.
Fazit: Eine anständige Mischung zwischen Death Metal und Grindcore – „At The Mercy Of The Merciless“ von ANTI-SAPIEN ist vielversprechender als das Debütalbum.

