Band: Saltatio Mortis
Titel: Zirkus Zeitgeist
Label: Universal Music
VÖ: 14.08. 2015
Genre: Folk Rock
Bewertung: 4/5
Written by: Daniel

Mehr ein persönliches Rèsumè denn ein Review, aber es liegt mir einfach auf dem Herzen:

Schön, wenn ehemalige Lieblinge die Kurve kriegen. Die aus der zweiten Reihe stammenden SALTATIO MORTIS starteten einst als mittelmäßige Tanzwut – Kopie, um anno 2005 die Suche nach der eigenen Identität zu beginnen.
2 Jahre später hörte ich Aus der Asche, war baff , Fan und reiste der Kapelle durch die halbe Republik hinterher. Der Nachfolger Wer Wind sät war eine weitere Steigerung, aus den einstigen Mittelaltermarktkönigen (die sich um auch im Winter spielen zu können, ihrer zweiten Leidenschaft der Rockmusik zutaten) war endgültig eine ernstzunehemende Rockband geworden.
Ich reiste weiter munter mit, manchmal sogar mit meiner Tochter im Schlepptau, die dadurch zur Rockmusik kam.
Dann kam Sturm auf`s Paradies, ein belangloses Lüftchen mit wenigen Highlights. Grauvolle Egalitäten wie Till Eulenspiegel, kompositorische Rückschritte wie Fiat Lux und Orpheus wurden vom Publikum gefeiert, das verständlicherweise Trost vom Alltag suchte. Meine Lieblinge suhlten sich im Ruhm der leichten Kost! Und das in immer schlimmer werdenden Zeiten, die man zwar immer mal ansprach, aber eben nicht lyrisch ausreizte, um den Liveabsatz nicht zu schmälern.
Ich brach mit der Band und kurz darauf auch mit der sich immer mehr auf Ausverkauf und Ignoranz ausrichtenden Mittelalterszene. Daher sei mir verziehen, das ich Das schwarze Einmaleins kaum kenne, denn wer bei mir verkackt hat, hat es richtig…

…oder auch nicht, denn wenn ich nicht immer gleich zu bockig reagieren würde, hätte ich Euch, liebe SALTATIO MORTIS, schon vor 2 Jahren „verziehen“.  Seitdem gehört Ihr zu den mutigen Künstlern, die auch mal, drastisch ausgedrückt, die Fresse aufmachen. Weghörern bis zum Erbrechen mit dem Spiegelbild unsererer kranken Gesellschaft  zu penetrieren, bis diese nicht mehr weghören können und Wegsehern mit lyrischer Ästhetik den Kopf in die richtige Richtung zu drehen, seht Ihr als Verpflichtung an.
Wo die Clowns sind frage ich mich schon lange, das metallisch wütende Des Bänkers neue Kleider trifft den Nagel auf den Kopf, genauso wie das Punkrock – ige Willkommen in der Weihnachtszeit.
Und das mit feucht fröhlicher Musik untermalte Wir sind Papst hält sowohl „Lügenpresse“ als auch „Pack“ den Spiegel vor die hässliche Visage.
Auch der auf Gewinn orientierten Gesellschaft gibt man vor allem mit Vermessung des Glücks und Rattenfänger ordentlich Fett.

Gutmenschen sind die Badener geworden, ein Begriff der momentan ad absurdum geführt wird, vor allem von denen, die unter anderem in Augen zu besungen werden!
Wobei man den Text durchaus zweideutig sehen und sowohl auf die jenigen, die immer noch schweigen und wegschauen, als auch auf die veblendeten Idioten umlegen kann. Gut so, denn menschlich ist keine von beiden Seiten!
Ob Nachts wirklich die Soldaten weinen, weiß eher der Robert als ich, aber die textliche Herangehensweise finde ich sehr gelungen.

Man muss nicht „links“ sein oder „rechts“. Nein, Geradeaus MUSS man heutzutage sein! Eine tolle Hymne in Schelmish – Manier, ein großartiges textliches Rèsumè zur Bandhistorie, welches meines beinah abschließt.
Nur eines noch: Wir sehen uns Jungs, Ihr auf der Bühne, meine Tochter und ich davor, wie damals in der ersten Reihe!
Manches war früher wirklich besser, und manches wiederholt sich. Ich hoffe nur, dass es nicht die Geschichte ist!

Trackliste:

01. Wo sind die Clowns
02. Willkommen in der Weihnachtszeit
03. Nachts weinen die Soldaten
04. Des Bänkers neue Kleider
05. Maria
06. Wir sind Papst
07. Augen zu
08. Geradeaus
09. Erinnerung
10. Trinklied
11. Rattenfänger
12. Todesengel
13. Vermessung des Glücks
14. Abschiedsmelodie
15. Gossenpoet (Bonus Track)
16. Mauern aus Angst (Bonus Track)
17. Gaudete (Bonus Track)

Besetzung:

Alea der Bescheidene – Gesang, Dudelsack, Schalmei, Gitarre, Maultrommel, Didgeridoo
Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein – Marktsackpfeife, Schalmei, Drehleier, Gesang
Lasterbalk der Lästerliche – Schlagzeug, Percussion, Davul
El Silbador – Marktsackpfeifen, Schalmeien, Uilleann Pipes, Low Whistle, Binioù
Bruder Frank – E-Bass, Chapman Stick
Jean Méchant – Schlagzeug, Percussion, Keyboard, Gitarre, Gesang
Luzi Das L – Sackpfeifen, Schalmei
Till Promill – Gitarre, Irish Bouzouki

Saltatio Mortis im Internet:

Homepage

Facebook

YouTube

Share.

About Author

Comments are closed.

Diese Website nutzt Cookies. Bitte beachten Sie unsere Datenschutz-Erklärung

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close