Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Videos „King Kong Loves The Blond One“ am 13.11.2015 haben weder die Band, noch ich, weder Zeit noch Mühen gescheut, mich mit Go! Go! Gorillo zu unterhalten. Ich habe mit ihnen natürlich nicht nur über das neue Video gesprochen, sondern nahm die beiden Masterminds Martin und Rocco in die Mangel und presste sie regelrecht aus. Entstanden ist ein wirklich lustiges Interview auf der einen Seite, aber auch ein ernstes Gespräch auf der anderen Seite – auf jeden Fall ein wirklich sehr interessantes Interview.

Da dieses Interview etwas länger geworden ist, wird es in zwei Teile aufgeteilt. Hier im Part 1 erfährt ihr nicht nur Grundlegendes über die Brachial Blueser aus Wien, sondern eben auch was sie über ihr neues Video zu sagen haben. Wir sprechen ausserdem über das Songwriting und das Livespielen.
Viel Spass!

Zu Beginn möchte ich mich gleich mal herzlich bedanken, dass ihr euch die Zeit genommen habt für dieses Interview! Wie geht’s euch, alles gut, wieder alle gesundet?

Martin: Der Dank geht gleich an dich zurück. Ja, uns geht’s gut und wir erwarten schon sehnsüchtig die letzten Gigs des Jahres.

„Go! Go! Gorillo sind die King Kongs des Rock’n’Roll“

Ich möchte euch bitten, euch mal unseren Leserinnen und Lesern vorzustellen. Wer, beziehungsweise was ist Go! Go! Gorillo? Wie würdet ihr euch einem Nichtkenner beschreiben? Was erwartet einen Neuling?

Rocco: Go! Go! Gorillo sind die King Kongs des Rock’n’Roll und das bringt es schon ziemlich auf den Punkt: Wir sind brachial und zärtlich zugleich. In einer Kritik zu unserem Debütalbum hat es mal geheißen, dass wir in 36 Minuten die Rockgeschichte der 50er bis 70er beackern.

Martin: Zudem ist uns sehr wichtig, dass unsere Musik tanzbar ist und das gelingt uns glaub ich ganz gut, wenn man sich die Reaktionen des Publikums bei unseren Gigs ansieht.

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen? Bedeutet dieser etwas Besonderes und ihr wollt es uns verraten? Oder entstand der Name während einer durchzechten Nacht zwischen Schampus und leichten Mädchen und weil ihr eine Vorliebe für Gorillas habt?

Martin: Das ist eine gute Frage und ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr wirklich erinnern, wie wir genau darauf gekommen sind. Aber ich weiß noch, dass wir eine ziemlich lange Liste an potentiellen Namen hatten und wir uns auf keinen einigen konnten. Irgendwann ist dann der Begriff Gorillo durch den Raum geflogen und ist gleich hängen geblieben.

Rocco: Das Go! Go! davor ist wahrscheinlich dazu gekommen, weil ich sehr auf Alliterationen stehe und weil es dem Ganzen ein wenig einen comichaften Charakter verleiht. Eine Vorliebe für Affen und King Kong haben wir sowieso. Und ein Gorillo ist im Grunde genommen das Missing Link zwischen einem normalen Gorilla und King Kong (grinst).

Euch gibt es ja nun schon eine Weile. Könnt ihr uns etwas zu eurer Entstehungsgeschichte und euren Anfängen erzählen? Wie habt ihr zueinander gefunden?

Rocco: Gegründet wurde die Band ursprünglich von Drummer King Kong und mir. Wir haben dann zwei oder drei Bassisten ausprobiert, bis wir unseren ersten Bassmann Mutant Pyroman überreden konnten, dass er mal in den Proberaum kommt, um ein bisschen zu jammen. Martin haben wir dann vom Boden einer Karaokebar aufgesammelt, wo er besoffen und verzweifelt gesucht hat, ein paar Mädels mit seinen Sangeskünsten zu beeindrucken (lacht). Ein paar Monate später hatten wir dann unseren ersten Gig im Shelter in Wien, wo wir im April 2011 als Support für Killa Marilla gespielt haben und ein sechs Songs umfassendes Set runtergerotzt haben. Ich glaube wir waren nach ca. zwölf Minuten fertig (lacht).

Martin: Auf der Bassistenposition hatten wir seitdem schon eine Reihe von Kandidaten. Mit Pyroman hat es auf die Dauer musikalisch nicht so ganz geklappt und zudem war er beruflich ziemlich viel unterwegs, was die Tourplanungen immer sehr erschwert hat. Dann Ende 2012 ist Pretty Boy Luke eingestiegen. Musikalisch hat das besser funktioniert, aber nachdem er auch noch in zwei anderen Bands h gespielt hat, war es termintechnisch wieder eine absolute Katastrophe. Seit einem guten Jahr ist jetzt Marcus dabei und ich hoffe mal, dass er es ein bisschen länger mit uns aushält als seine Vorgänger.

Im letzten Jahr habt ihr eure erste Langrille „King Kongs Of Rock’N’Roll“ veröffentlicht. Wie kam die aus eurer Sicht bei den Fans an. Seid ihr zufrieden mit der Resonanz?

Martin: Ich denke sie kommt ganz gut. Bisher hat jedenfalls noch keiner sein Exemplar zurückgeschickt (lacht). Wir haben auch einige sehr gute Kritiken dafür eingeheimst. Unter anderem auch im deutschen „Gitarre & Bass“ Magazin, was uns sehr gefreut hat. Und bei unseren Gigs gehen vor allem die Vinylscheiben weg wie warme Semmeln.

„Drei Paletten Bier reichen für eine Woche definitv nicht…“

Ihr seid ja erst seit ein paar Tagen wieder zurück von eurer Songwriting-Week.
War anscheinend sehr ergiebig, bringt ihr doch fünf neue Songs mit. Könnt ihr uns einen Einblick geben, wie so eine Songwriting-Woche aussieht? Ihr nehmt euch Urlaub,
packt eure Instrumente, Zettel und Stift und 3 Paletten Bier ein, und ab geht die Fahrt?

Rocco: Drei Paletten Bier reichen für eine Woche definitv nicht, soviel kann ich schon mal verraten. Ansonsten haben wir aber ziemlich hart gearbeitet: vormittags haben wir drei Stunden an den Songs gefeilt, dann drei Stunden Mittagspause gemacht und abends dann nochmal drei bis vier Stunden im Proberaum verbracht. Das Songwriting läuft bei uns in der Regel so ab, dass ich entweder mit einem Gitarrenriff oder dem Grundgerüst eines Songs daherkomme. Das nehme ich vorher zuhause auf, programmier eine Basslinie und ein rudimentäres Schlagzeug dazu und geb‘ dem Ganzen dann einen Titel. Ab und zu hab ich auch schon ein paar Zeilen Text. Aber grundsätzlich ist für die Texte und die Gesangsmelodien Martin zuständig. Er ist auch der erste der meine Demos zu hören kriegt und dann seine Ideen einbringt. Dann bekommt das der Rest der Band und überlegt sich was dazu und dann reden wir kurz drüber und dann erarbeiten wir uns den Song quasi spielend. Das was am Ende rauskommt ist dann wirklich ein Go! Go! Gorillo-Gemeinschaftsprodukt und deswegen teilen wir uns auch die Songwriting-Credits immer gerecht durch vier auf.

Ihr sagt, ihr habt euch dieses Mal unter anderem bei Metallica, Muse, Mötley Crue, Helge Schneider oder Boney M. bedient. Na da kann man aber schon sehr gespannt sein. Vor allem vom Einfluss eines Helge Schneiders. Er ist ja einer der Größten Jazz-Musiker unserer Zeit und kann nicht nur Käsebrot, Telefonmann und Es gibt Reis. Was können wir da erwarten?

Martin: Wir haben diese Einflüsse dermaßen durch die Gorillo-Mangel gedreht, dass sie für einen Außenstehend in den allermeisten Fällen gar nicht mehr erkennbar sind. Sehr oft ist es so, dass man beim Songwriting dasitzt und an einer bestimmten Stelle feilt und an einen Punkt kommt, wo man ein bisschen ansteht. Für unseren neuen Song „I Came To Kill You“ haben wir uns einer Rhythmusverschiebung bedient, die auch Metallica in „Nothing Else Matters“ drinnen haben. Wir hören uns dann den Song an, damit alle wissen worum es geht und wie wir es anwenden können.

Nachdem ihr ja jetzt neues Material habt, können wir eventuell auf ein neues Album 2016 hoffen?

Martin: Geplant ist auf jeden Fall, dass wir 2016 einen neuen Tonträger raushauen. Ob es eine LP oder eine EP wird, wissen wir aber noch nicht. Mal schauen, wie viel neue Songs wir im Frühjahr haben und dann werden wir entscheiden was wir machen.

Zurück zum Songwriting – Woher kommt bei euch die Motivation, der Input für Songmaterial? Bringt ihr euer Gehirn zum Kochen, oder kommen eure Songs direkt aus dem Leben?

Rocco: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal ist es ein anderer Song, den man hört und man bekommt eine Idee für was Eigenes. Oft kommt der Einfluss aber auch von nichtmusikalischen Dingen. Einer meiner Lieblingsfilme ist „High Plains Drifter“ („Ein fremder ohne Namen“) mit Clint Eastwood und als ich mir den Streifen kürzlich mal wieder angesehen habe, ist mir die Idee zu „I Came To Kill You“ gekommen. Und „Marvellous Butcher Maid“ wurde von zwei Wiener Fleischhauerinnen inspiriert, bei denen ich immer wieder mal einkaufe. „Bombaventura Social Club“, die Instrumentalnummer von unserem Debütalbum ist entstanden, während ich in Kolumbien auf Urlaub. Da hat es 200 Meter neben dem Hotel in Buenaventura in dem ich gewohnt hab, ein paar ordentliche Explosionen gegeben, weil die Drogenmafia ein paar Polizeiautos mit Handgranaten attackiert hat. Ein anderes Mal ist es eine Schlagzeile in einer Zeitung oder irgendein Satz in einem Film oder einer TV-Serie, die die zündende Idee liefert. Ab und zu kommen die besten Ideen auch wenn man besoffen mit seinen Freunden unterwegs ist und einfach nur Scheiße labert.

„Hip Hop, Electronic oder Volks-Rock’n‘Roll wird man von uns sicherlich nie hören.“

Gibt es bei euch bzgl. Songwriting ein „No Go“? Also über welche Themen wird man von Go! Go! Gorillo niemals musikalischen Output erfahren? Oder lasst ihr euch jegliche Möglichkeiten offen?

Martin: Gute Frage. Textlich gibt es eigentlich keine wirklichen Einschränkungen, Ein bisschen schwierig sind immer politische Themen. Aber nicht weil wir keine Haltung haben oder politisch nicht interessiert sind, aber Politik ist meiner Meinung nach etwas sehr Komplexes und darüber in zwei Strophen und einem Refrain etwas wirklich Gehaltvolles zu Papier zu bringen, finde ich immens schwierig und damit kann man sich auch ziemlich schnell lächerlich machen.

Rocco: Musikalisch gibt es hingegen einige No-Go’s. Hip Hop, Electronic oder Volks-Rock’n‘Roll wird man von uns sicherlich nie hören.

Ein großes Thema im Moment ist euer brandneues Video. Gratulation! Das ist ja mal ein richtiger Burner! Sehr geil geworden. Wie kommt es, dass das Video in Uganda gedreht wurde? Ist ja nicht gerade um die Ecke wie Gramatneusiedl. Wie seid ihr zu dem Regisseur gekommen? Wie entstand die Zusammenarbeit?

Rocco: Ich hab vor ein paar Monaten im Neon Magazin einen Artikel über den Regisseur Isaac Nabwana gelesen und war schlichtweg fasziniert von seiner Geschichte. Ich hab mir dann auf YouTube ein paar Sachen von ihm angesehen und dann war eigentlich schon klar, dass ich gerne von ihm ein Video für uns drehen lassen würde. Ich hab ihn dann über Facebook kontaktiert – gelobt seien die Sozialen Medien – und er war von der Idee sofort begeistert. Wir haben uns dann ziemlich schnell auf einen Preis geeinigt. Inhaltlich hat er von uns nur eine Vorgabe bekommen: „Es muss genau so trashig wie deine Filme sein!“

„Mr. Isaac“ ist ja ein ziemlich abgefahrener Kerl. Seine Filme dürften allesamt sehr trashig sein. Ich habe mir eine kurze Doku über ihn angesehen. Sehr genial, was der in Uganda auf die Beine stellt, mit einfachsten und billigsten Mitteln.

Rocco: Ja, das ist genau das, was mich so fasziniert hat. Ich finde den Typen echt bewundernswert. Ich finde es bemerkenswert, mit welchem Idealismus und mit welcher Leidenschaft er aus dem Nichts im Nirgendwo Filme schafft, die mittlerweile in der ganzen Welt gesehen werden. Es ist auch für das eigene Schaffen sehr inspirierend.

Kommen wir zur Lieblingsbeschäftigung von Bands – dem Livespielen.
Wenn ihr euch an euren ersten Auftritt erinnert – Wie war das für euch? Lampenfieber? Oder locker vom Hocker?

Rocco: Ich hatte riesiges Lampenfieber, aber das hab ich auch heute noch meistens. Aber vor dem ersten Gig damals haben mir dermaßen die Hände gezittert, dass ich Angst hatte, ich könnte gar nicht spielen. Dementsprechend wird es sich dann auch angehört haben (lacht).

Was ich unbedingt loswerden möchte – eure beiden Coversongs „Great Balls Of Fire“ und „Bang Bang“ sind ja absolute Weltklasse. Nicht nur Weltklasse-Songs, sondern auch von euch immens geil umgesetzt. Vor allem die Interpretation von „Bang Bang“ hat mich umgehauen. Immer noch bekomm ich Gänsehaut, wenn ich an diese Perfomance denke. Danke für dieses abartig geile Cover!

Martin: (lacht) Vielen Dank! Wir haben uns schon überlegt, ob wir die Nummer fürs nächste Album recorden. Mal schauen.

Ihr seid ja ziemlich quer durch Europa unterwegs. In welche Weltmetropolen und entlegendsten Kaffs hat es euch da getrieben?

Rocco: Hervorzuheben ist auf jeden Fall Hamburg. Das ist, glaub ich, die Stadt, in der wir nach Wien am öftesten gespielt haben und es ist immer wieder ein Vergnügen. Hamburg atmet quasi Rock’n’Roll und das kommt uns natürlich sehr gelegen. Wir haben schon einige Freunde dort und dementsprechend lädiert sehen wir nach den Gigs dort immer aus. Ansonsten kommt man auch in so Metropolen wie Arnstadt, Lübbenau, Schlanders oder Großkarolinenfeld vorbei (grinst).

Gibt es bei euch eine Show, die euch besonders im Gedächtnis geblieben ist, weil sie so außergewöhnlich toll war?

Martin: Einen unserer ersten Gigs haben wir Anfang 2012 im B72 in Wien gespielt und das war von der ganzen Energie her und von allem meiner Meinung nach der erste richtige Go! Go! Gorillo-Gig. Zudem war der Laden so richtig voll, was uns noch einmal so richtig beflügelt hat. Und im September haben wir in Trebic in Tschechien gespielt und das Publikum ist völlig ausgerastet. Nach dem Konzert ist eine Dame aus dem Publikum zu uns gekommen und hat uns allen Vieren die Hemden vom Leib gerissen (lacht). Denkwürdig waren auch die Konzerte beim Surfworldcup in Podersdorf und in der großen Halle in der Arena beim Rock’n’Roll Wrestling Bash wo ich beinahe den Wrestling Ring abmontiert habe (lacht).

Nächste Woche geht es weiter, unter anderem mit schlechten Gigs, schlechte Locations und wie das Tourleben so ist. Ausserdem fühlen wir den beiden ein wenig auf den Zahn und versuchen, ihnen noch das ein oder andere private Detail zu entlocken! Ihr dürft gespannt sein!
In diesem Sinne – stay brutal and rock on! Bis die Tage….

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