Für Sabaton kann es derzeit wohl kaum besser laufen. Ein erfolgreiches Album und dazu eine Tour mit vielen ausverkauften Konzerten. Im Zuge des Auftrittes im Komma in Wörgl durfte natürlich eine Unterhaltung mit Sabaton-Frontmann Joakim Brodèn nicht fehlen, da es ja noch zu klären gab, ob Sabaton je mit Panzern auf der Bühne auftreten werden und auch warum Peter Tägtgren behauptet hat, dass alle Mitglieder von Sabaton schwul sind.

Photo by Michael Johansson

Ja es läuft sehr gut, wir sind sehr zufrieden, es sind ja auch sehr viele Leute mehr als letztes Mal. Der Zuspruch der Leute ist auch wirklich sehr gut.

Einige Konzerte waren ausverkauft, einige sind bereits ausverkauft, gerade in Deutschland. Was erwartest du dir denn dann von kleineren Shows wie der heutigen?

Ich finde, dass es normalerweise schon viel relaxter ist und auch mehr Spaß macht. Ich meine bei den größten europäischen Festivals fehlt einfach der Kontakt zu den Fans und zum Publikum. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir vor 2 oder 3 Jahren schon hier waren, da haben wir den größten Teil von Primo Victoria unten im Publikum gespielt. Es wird heute sicher ein Spaß, es sind ja auch mehr als doppelt so viele Leute hier als beim Letzten Mal.

Werdet ihr auch einen Freibier-Donnerstag planen nachdem der Freibier-Montag das letzte Mal doch sehr gut angekommen ist?

Oh, das werden wir sehen, ich meine die Leute schreien bei uns sowieso immer „Noch ein Bier“ und solche Sachen, aber ich versuche es eigentlich zu verhindern. Wir haben aber jetzt eine neue Tradition dabei, dass wir im Publikum Zeit messen, wie lang man für ein Bier braucht.

Eine sehr beliebte Geschichte sind ja derzeit die Festivals auf Schiffen wie das 70000 Tons Of Metal oder die Full Metal Cruise, die ihr ja nächstes Jahr spielen werden. Es gibt dann ja auch noch die Sabaton Cruise. Was hältst du prinzipiell von den Festivals auf Schiffen und was ist eigentlich die Idee hinter der Sabaton Cruise?

Wie du wahrscheinlich weißt haben wir ja diese Schiffe zwischen Finnland und Schweden. Auf diesen Schiffen haben wir nun schon seit 15 Jahren oder so Rockkonzerte. Heuer machen wir jetzt schon die dritte oder vierte Sabaton Cruise, einfach weil wir was Spezielles auf einem Schiff machen wollten. Auf den anderen Schiffen drücken sie ja immer so viele Bands wie möglich ins Billing, da ist es manchmal einfach blöd, wenn man nur 45 Minuten Spielzeit als Band hat, die Headliner nur eine Stunde, und das ist nicht gut. Deshalb haben wir unser eigenes Schiff und spielen 2 Sets, das ist eigentlich die Idee dahinter. Viel Spaß und eine extra Portion Sabaton. 70000 Tons Of Metal haben wir glaub ich vor 2 Jahren gespielt, ich glaube es war 2010, oder doch 2011, ich glaube doch 2011. Das war einfach verrückt, es ist ganz etwas anderes, ich meine du hast dieses riesige Schiff und du fährst in der Karibik und den Bahamas, das ist ein schöner Urlaub. Ja die Full Metal Cruise, die die Leute von Wacken machen, da kann ich noch nichts dazu sagen, die ist ja auch das erste Mal, aber jetzt unabhängig vom Lineup, ich meine die 70000 Tons Of Metal, du fährst da von Florida auf die Bahamas, und jetzt fährst du von Amsterdam nach London. Trotzdem, wenn das Lineup passt wird es sicher ein Spaß.

Steht schon fest wo ich auf der Full Metal Cruise spielen werdet, da ja Konzerte am Land und am Schiff geplant sind.

Oh keine Ahnung, ich weiß eigentlich nur, dass wir sicher eine auf dem Schiff spielen werden, ob auf dem Land kann ich noch gar nicht sagen.

Ihr seid ja auch schon für das Wacken Open Air bestätigt, was denkst du denn über das größte Metal Festival der Welt, vor allem wenn du an eine bessere Spielzeit als 2008 auf der Party Stage denkst?

Es ist schon immer mein Traum einmal auf der True Metal Stage zu spielen, schon als kleines Kind denkt man sich, wow, Wacken. Ja heuer haben wir endlich die Chance und da freuen wir uns wirklich schon. Es hat ja vorher leider seit 2008 nicht geklappt, 2009 war klar, nein da wollen wir euch nicht, ihr wart ja letztes Jahr da, 2010 konnten wir dann nicht kommen da wir keine Zeit hatten, ja es hat leider nie geklappt bis zu diesem Zeitpunkt.

Ich habe einmal gelesen, dass ihr plant Panzer zu kaufen um diese bei Konzerten auf die Bühne zu stellen. Was verbirgt sich denn hinter dieser Geschichte?

Ja, wir haben welche bestellt, auch anderes Zeug, aber wir haben es nicht mit auf Tour gebracht, ist auch klar, denn auf den Bühnen wäre dann ja kein Platz mehr für die Band. Aber der Plan ist, ich meine klar, wir singen über Krieg, eines Tages werden wir, und das wird sicher passieren, mit großen Panzern auf der Bühne auftreten. Wie oder wann kann ich dir nicht sagen, aber wir werden.

Es ist ja die erste Tour mit dem neuen Lineup, wie läuft es denn bisher so mit den neuen Jungs?

Es läuft besser als wir es uns erwartet haben. Ich meine wir wussten schon, dass sie gute Musiker sind, als wir sie in die Band genommen haben. Ich will jetzt nichts gegen die alten Jungs sagen, wir sind ja Freunde seit wir jung sind, aber irgendwann waren wir auf dem Level, wo man den anderen immer mehr beibringen muss. Und als wir neue Leute gesucht haben, wussten wir, dass sie gute Musiker sein sollen. Ja und auf persönlicher Ebene läuft es auch wirklich sehr gut. Was mich aber am meisten verwundert hat, war die Fanreaktion, ich verstehe dass es ein großes „What the fuck“ war, gerade als wir es veröffentlicht haben, aber ich habe auf keiner Show gesehen, dass irgendjemand den Mittelfinger gegen die Jungs gezeigt hat, die Reaktion war zwar zu Beginn verhalten, aber irgendwann haben die Leute auch gemerkt, die Jungs rocken.

Die alten Jungs haben ja mit Civil War eine neue Band gegründet, was weißt du denn über die Band?

Sie wollen jetzt nicht 120 Shows im Jahr spielen, so wie wir. Es ist ja lustig, ich habt mit ihrem Sänger schon vor 10 oder 12 Jahren zusammen gespielt, es ist immer noch einer meiner Lieblingssänger, ja und der Bassist war früher unser Gitarrentechniker, es ist also eigentlich alles keine große Überraschung. Ich habe aber schon etwas gehört, es ist etwas anders, aber ob es gut oder schlecht ist müssen die Leute eh selber entscheiden.

Carolus Rex ist ja in diesem auf den Markt gekommen, wie blickst du nun auf das Album zurück, ein paar Monate nach der Veröffentlichung? Hat es alles erreicht was ihr damit erreichen wolltet?

Ja und auch nein. Wenn wir auf die Aufnahmen und das Songwriting zurückdenken eigentlich besser als erwartet. Ein großer Teil geht da aber auch auf die Kappe von Peter Tägtgren, der das Album produziert hat, er ist einfach ein Genie. Das Einzige was ich bereue ist, dass wenn ich gewusst hätte, was er für einen Sound zaubern kann, hätte ich einen Song, der auf den Album ist, durch einen anderen, der nicht auf dem Album ist, ersetzt. Ich habe gedacht, dass der Song, den wir dann nicht genommen haben, einfach einen bombastischen Sound benötigt, den wir bisher noch nicht hatten, aber dann war es klar, Fuck so hätte es sein müssen. Aber es ist ein guter Song und er wird sicher auf dem nächsten Album sein.

Es ist ja das erste Album über die schwedische Geschichte, wann kam die Idee auch einmal ein Album über eure Heimat zu machen?

Das kam von den Fans. Du weißt ja, dass wir immer wieder Infos von den Leuten holen, auch über Geschichten über die wir nicht so gut Bescheid wissen. Eine der am meisten von den Fans gestellt Frage nach den Shows war immer wieder, warum wir nicht einmal über die eigene Geschichte singen. Als wir es dann über 200-mal in zwei Jahren gehört haben, haben wir uns gedacht, dass wir uns damit befassen. Wir wussten ja einiges selbst, haben dann aber auch einen Geschichts-Professor hinzugezogen, der 2012 ein Buch über Carolus Rex veröffentlicht hat. Er hat uns dann bei den Themen unterstützt, hat sich aber dann wieder zurückgezogen, da er uns nicht beim Songwriting selbst behindern wollte. Am Ende haben wir ihm dann die fertigen Texte geschickt und er hat dann kontrolliert, ob da wohl nichts Falsches dabei ist. Ja, es waren schon zwei oder drei Stellen die wir dann ändern mussten, weil wir uns einfach vertan haben. Er hat auch die Liner Notes zu jedem Song im Booklet geschrieben. Es war dann noch dazu, als wir den Song Long Live The King aufgenommen haben, dass ich den Chorus in Schwedisch geschrieben habe. Also hab ich das in Schwedisch aufgenommen und irgendwann haben wir uns gedacht, wir können den ganzen Song in Schwedisch machen. Irgendwann sind war dann in ein Pub gegangen, haben ein paar Bier getrunken und danach darüber diskutiert, ob wir Songs in Schwedisch machen sollen. Da kam die Idee, machen wir doch das ganze Album in Schwedisch. Das Problem war nur, dass wir das Studio schon gebucht haben und wir hatten keine Zeit für die Aufnahme in einer weiteren Sprache. Wir haben ja viele Chöre, Harmonien und so weiter. Das war wirklich hart, das alles durchzubringen, auch mit den ganzen Orchester-Elementen. Nehmen wir nur als Beispiel den Song Lifetime Of War, hat vier Harmonien Mann, vier Harmonien Frau, alles gedoppelt und dann in zwei Sprachen, das ist doch viel. Da gilt ein Dank Peter, der das alles geschafft hat.

Es gab aber immer die Idee, das Album in zwei Sprachen zu veröffentlichen?

Wir hatten die Idee schon länger, also bevor das Album aufgenommen wurde. Ich glaube es war letzten Sommer.

Also wolltet ihr nie das ganze Album weltweit in Schwedisch veröffentlichen?

Nein, nie. Es war aber eigentlich ein Fehler von uns. Wir haben gesagt, dass das nächste Sabaton-Album in Schwedisch erhältlich ist. Wir haben vergessen zu sagen, dass es klarerweise auch auf Englisch kommt. Einige Leute haben uns dann gefragt, was ihr bringt das Album nur in Schwedisch. Nein wir haben nur gesagt wir bringen es auch in Schwedisch.

Ihr habt ja auf der Bonus Version von Carolus Rex auch ein paar Cover-Songs dabei, wie zum Beispiel Feuer Frei von Rammstein oder auch In The Army Now von Status Quo. Wie kam die Idee genau diese Songs zu covern?

Naja, also In The Army Now ist eigentlich eine klare Sache, ein paar Bier, ein Scherz und da war es. Bei den anderen Songs haben wir eigentlich darüber nachgedacht, dass man heutzutage immer nur Covers von alten Songs macht. Wir haben uns dann entschieden nicht noch ein Cover von Holy Diver oder irgendeinem Black Sabbath Song zu machen, weil es einfach schon so viele gibt. Wir wollten dann etwas machen, was uns wirklich gefällt. Ich meine Amon Amarth ist mir normalerweise schon zu heftig, ich mag es lieber melodisch, aber es gibt Ausnahmen.

Du hast ja schon erwähnt, dass Peter Tägtgren das Album produziert hat. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit ihm?

Wir haben im Jahr 2000 oder 2001 angefangen, im Studio von seinem Bruder Tommy aufzunehmen, es ist zwar dasselbe Haus aber verschiedene Studios. Wir haben unsere Demo dort aufgenommen, Metalizer dort aufgenommen, Primo Victoria dort aufgenommen, Attero Dominatus haben wir dort aufgenommen, alles mit Tommy. Dann 2008 haben wir mit Tommy Art of War aufgenommen aber Peter hat es gemixt. Damals haben wir eben auch andere Leute kennengelernt und eben auch Peter. Es ist ja auch nur 45 Minuten von unserer Heimat entfernt. Ja, dann für Coat To Arms hatte Peter keine Zeit, er hat dann nur die Drums aufgenommen, den Rest haben wir bei Fredman aufgenommen, das ist der der normalerweise Dimmu Borgir aufnimmt. Als wir dann irgendwann mit Peter gesprochen haben, hat er uns gefragt warum wir ihn nicht einmal ein Album machen lassen. Wir haben dann gesagt haben wir doch schon, aber er meinte sofort, nein, ihr habt mich nie ein gesamtes Album, also die Aufnahme und den Mix machen lassen, immer nur Teile, ja uns so haben wir das so gemacht.

Glaubst du es ist eine große Herausforderung für ihn, wenn er euch produziert, da er ja sonst doch eher in der Richtung Death Metal unterwegs ist?

Wir haben sogar mit ihm darüber gesprochen, es ist aber eine willkommene Abwechslung wenn er einmal nicht den bösen harten Stoff macht. Außerdem haben wir ein paar Sachen von ihm gelernt, die man soundtechnisch in unserem Typ von Metal nicht verwendet, er hat aber auch ein paar Sachen von uns gelernt was Arrangements angeht, die er auch in härteren Songs einbauen kann.

Ihr habt ja Battle Of The Baltic Sea als Live-CD und nicht als Live-DVD veröffentlicht. Plant ihr schon eine große Live-DVD-Produktion?

Ja, der Plan ist nächsten Sommer eine zu veröffentlichen. Wir haben schon das Hauptkonzert dafür aufgenommen, das war Woodstock in Polen mit ein paar hunderttausend Besuchern, ein geniales Gefühl und auch eine riesige Produktion mit riesiger Bühne. Dann werden wir noch viel Backstage-Material auf dieser Tour aufnehmen und dann noch drei oder vier Shows, die dabei sein werden. Diese werden aber nicht als einzelne Konzerte drauf sein ,dafür haben wir die Hauptshow, aber so ein paar Songs von dem ein paar von dem, zum Beispiel jetzt sind wir in London, dann in Oberhausen, jetzt in Göteborg usw.

Ihr seid ja auch die Veranstalter des Rockstad Falun, wie kam denn die Idee euer eigenes Open-Air Festival zu machen?

Das hat alles als Release-Party angefangen. Wir haben ein paar Freunde eingeladen, die uns geholfen haben und eben junge Bands, die kaum Möglichkeiten zum Spielen haben. Das war dann Indoor die ersten paar Jahre und dann haben wir uns, ich glaube wie Art Of War veröffentlicht wurde, dafür entschieden es im Sommer zu machen und wieder Freunde und Bands mit denen wir getourt sind einzuladen. Das ist auch immer noch die Idee dahinter. Viele Bands am Rockstad sind Bands mit denen wir unterwegs waren oder die gute Freunde sind. Wenn du aufs Lineup schaust sind 30% Bands mit denen wir eine persönliche Verbindung haben. Aber es wächst immer weiter, so wie alles bei uns. Du hast eine Idee die bei einem Bier anfängt und die wird immer größer und größer. Es kann aber auch daran liegen, dass wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig. Entweder man macht es richtig oder gar nicht.

Lass uns nochmal zu Peter Tägtgren zurückkommen. Es gibt eine Szene auf der Wacken-DVD 2008, in der ein Interview mit eurem alten Schlagzeuger Daniel, dir und Gunnar Sauermann zu sehen ist. Was hältst du von dem Interview in dem es darum ging, dass Peter sagte, alle Mitglieder von Sabaton sind schwul?

Ja, das war wirklich Spaß, ja und wenn du die Szene kennst, dann kannst du dir auch vorstellen wie die Arbeit mit Peter im Studio ist. Es hat ja so angefangen, dass wir Peter im Backstage-Bereich in Wacken gesehen haben, aber nicht gewusst haben, dass er gerade interviewt wird. Ich bin dann zu ihm hingerannt und habe ihn auf den Hintern gehauen. Er hat halt dann so ungefähr gemeint, he was soll das, oh sorry, bin gerade in einem Interview ich komme später bei euch vorbei. Er kam dann aber nicht vorbei aber Gunnar kam dann vorbei und sagte eben dann, dass Peter gemeint hat wir wären alle schwul. Wir haben uns dann nur gedacht, okay warum nicht, machen wir den Spaß mit.

Was denkst du eigentlich über Youtube, myspace, Facebook und die ganzen sozialen Netzwerke?

Ich mag es. Ich meine Fortschritt ist immer gut. Die Welt wird ja eigentlich immer besser und besser, es gibt aber auch immer Dinge die dann auch darunter leiden. Es ist leichter Musik herauszubringen. Ohne die Medien wäre Sabaton nie da wo wir jetzt sind. Deshalb haben wir auch die Regel, dass weder wir noch Nuclear Blast ein Fanvideo löscht, wenn es online geht. Natürlich nur, wenn es nicht irgendwie religiöse oder politische Propaganda ist. Dann kommt es sofort weg. Ich glaube nicht, dass es der richtige Weg Leute anzuschreien und zu sagen, klaut unsere Musik nicht. Es soll eher so sein, dass wir ein gutes Album machen, ein schönes Cover, vielleicht mit Poster und die Leute dazu bringen es zu kaufen. Außerdem musst du auch was für die Fans tun, die draußen vor dem Tourbus warten, wie Autogramme geben oder Fotos machen. Man soll die Leute einfach nicht zwingen. Wenn sie das Album nicht kaufen, okay, dann kommt halt zu den Konzerten.

Dann wäre ich schon am Ende mit meinen Fragen, die letzten Worte gehören natürlich dir.

Ja, noch ein Bier gilt heute natürlich für die Fans und nicht für mich.

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