Bands: Slayer, Sabaton, Powerwolf, Mastodon, Steel Panther, Asking Alexandria, Testament, Paradise Lost, Carcass Date: 19.08 – 20.08. 2016 Venue: Großmarkt Hamburg

Festivals in Städten sind mittlerweile ein guter Trend. Man nehme nur das Rockavaria in München, das Rock in Vienna in Wien oder auch das Download Festival, das mittlerweile auch einmal in Paris stattfindet. Eine kleine Vorreiterrolle nimmt hier das Elbriot in Hamburg ein. Seit einigen Jahren schon fester Bestandteil der Festivalszene wurde das Festival im heurigen Jahr sogar auf einen zweiten Tag erweitert.

Leider standen die Vorzeichen in diesem Jahr nicht allzu gut. Nach ersten Band-Bestätigungswellen mit Krachern wie Sabaton, Powerwolf, Steel Panther, Slayer und auch Mastodon ließ der Veranstalter lange nichts von sich hören. In der Zwischenzeit wurde Anthrax bestätigt, nur um wenige Tage später wieder abzusagen. Als wenige Wochen vor dem Festival auf Flyern noch zum bestätigten Lineup einige Special Guests angekündigt waren, diese jedoch zur Bekanntgabe der Running Order einfach gestrichen wurde, war die Verwunderung doch recht groß. Hier hätte man durchaus früh Klartext reden können und einfach transparent kommunizieren können, dass nichts mehr kommt.

Beim Festivalgelände am Hamburger Großmarkt angekommen die nächste suboptimale Geschichte: Es war zwar für alle Hardticket-Inhaber eine Sicherheitskontrolle mit Bändchenvergabe vorbereitet, für Print@Home Tickets, Gästeliste und Abendkassa musste man sich jedoch bei einer anderen Schlange anstehen. Laut Securities hat der Veranstalter nur wenige Barcode-Scanner für die Tickets zur Verfügung gestellt bekommen. Dies führt jedoch natürlich zu einer langen Schlange. Erst nach 40 Minuten in der Schlange stehen hat einer der dort anwesenden Festivalmitarbeiter Engagement gezeigt und die Schlange für die einzelnen Stationen aufgeteilt. So ging es dann plötzlich doch zügig voran.

Dank dieser Unannehmlichkeit erreichten wir deshalb den Opener des Festivals, die Bay-Area-Thrasher Testament etwas verspätet. Ab hier kann man wirklich nicht viel Negatives über das Festival sagen. Eventuell Leinwände als Verbesserungsvorschlag, aber sonst war es das eigentlich schon. Testament sind an diesem Abend, zumindest was die letzten beiden Songs angeht, in Topform. Chuck Billy ist gut bei Stimme, Eric Peterson zeigt an der Rhythmus-Gitarre wie immer eine starke Leistung und über die restlichen 3 Herren in der Band muss sowieso nicht viel erwähnt werden. Alex Skolnick gehört zu den Top-Gitarristen im Thrash-Metal Bereich, Bassist Steve DiGiorgio spielt sowieso in einer anderen Liga und Drummer Gene Hoglan muss nicht groß erwähnt werden, der Mann ist eine Legende. Was von Beginn an auffällt: ein druckvoller, glasklarer Sound, der sich über (fast) das gesamte Festival auf hohem Niveau hält.

Mit Steel Panther steht nach kurzer Umbaupause auch gleich der nächste Kracher auf der Bühne. Auch wenn die amerikanischen Spaßvögel ihr neues Album erst im Herbst veröffentlichen sorgt das Programm für eine großartige Stimmung. Natürlich ist die Show, die zu einem großen Teil auch aus Sprache statt Musik besteht, für jeden der Steel Panther schon gesehen hat, keine große Überraschung. Hier kann man sich nur auf das neue Album und eine dadurch hoffentlich angepasste Setlist freuen. Wir sind hier aber wieder bei Kritik auf hohem Niveau. Michael Starr, Satchel, Lexxi Foxx und Stix Zadinia sind musikalisch wirklich stark, die Songs sind Ohrwürmer und die Show ist lustig, aber eben nicht ganz ernst zu nehmen. Egal ob nun Asian Hooker, Community Property oder auch Death To All But Metal, hier sitzt einfach wieder einmal alles.

Mit Powerwolf hat man sich den idealen Co-Headliner für den ersten Tag ausgesucht. Von Beginn an hat Ausnahme-Sänger Attila Dorn sein Publikum im Griff und man merkt aus sofort, welche Live-Routine die Band hat. Mittlerweile mit so vielen Hits ausgestattet, schaffen es Powerwolf auch schon gar nicht mehr, alle Top-Songs in einer Setlist unterzubringen. Amen & Attack, Blessed & Possessed, Army Of The Night oder das von Attila wie immer perfekt vorgetragene Let There Be Night werden jedoch mit richtig viel Spaß aufs Publikum losgelassen. Auch hier muss einfach wieder der großartige Sound erwähnt werden, der das Ganze noch einmal auf eine andere Ebene bringt.

Als Headliner des ersten Tages haben sich Sabaton angekündigt. Nach dem Konzert am Summer Breeze und einem Tag vor dem Heimspiel auf dem Sabaton Open Air stellt sich nur die Frage: wird es eine eingeschränkte Show oder haben sie wieder ihren Panzer auf der Bühne. Die Frage ist jedoch schnell beantwortet: der Panzer ist da und vor allem hat man einige Pyros eingepackt. Direkt am Releasetag des neuen Albums startet man jedoch altbewährt mit Ghost Division ehe man jedoch relativ schnell mit Blood of Bannockburn auch einen neuen Song ins Programm bringt. Sabaton zeigen gleich von Beginn an, wer hier der Headliner ist. Sänger Joakim hat sein Publikum schnell im Griff und instrumental ist die Band mittlerweile stark aufgestellt. Klassiker wie Noch ein Bier (eigentlich heißt der Song ja Gott mit uns) oder The Art of War dürfen ebenso wenig fehlen wie The Last Stand oder Shiroyama vom neuen Album. Ein kleines Highlight zwischendurch: Gitarrist Chris Rörland versucht sich an Wind Of Change von den Scorpions. Leider ist dieser Abend auch der Abschied vom anderen Gitarristen Thobbe Englund. Er tritt zum letzten Mal außerhalb Schwedens mit der Band auf. Mit Primo Victoria und dem klassischen Metal Crüe endet der beeindruckende Auftritt von Sabaton auch schon wieder. Zwar zu früher Uhrzeit, aber bei einem Festival mitten in der Stadt ist dies natürlich nachvollziehbar.

Tag 2 beginnt für uns etwas verzögert mit der Legende Paradise Lost. Man kann den Stil der Engländer eigentlich kaum beschreiben, da sich dieser über die lange Karriere so oft geändert hat. Man hätte durchaus auch stimmungsvollere Songs im Repertoire (Erased, Faith Divides Us Death Unites Us, Mouth), konzentriert sich an diesem Abend jedoch ganz klar auf ein extrem zähes Doom-Programm. Egal ob Flesh from Bone, Eternal, Beneath Broken Earth oder The Last Time, die Songs werden zwar sehr präzise gespielt, für eine Bombenstimmung sorgt dies jedoch nicht. Sänger Nick Holmes fallt mit seiner variablen Stimme immer wieder positiv auf und auch instrumental passt alles, wäre aber eben diese Setlist nicht. So bleibt einfach der Beigeschmack, dass Paradise Lost eine großartige Band sind, jedoch auf diesem Festival einfach das falsche Programm spielen.

Asking Alexandria betreten dann etwas verspätet die Bühne und sind gleich zu Beginn wohl die einzige Band, die einen schlechten Sound auf diesem Festival hat. Neu-Sänger Denis tut sich von Beginn an schwer im Soundbrei herauszustechen, da hilft auch ein Top-Song wie I Wont’t Give In zum Start nicht wirklich. Die Situation bessert sich zwar ein bisschen, so richtig überzeugen können die Engländer jedoch nicht. Im Abwesenheit von Gitarristen Ben Bruce, der durch einen hinter der Bühne stehenden und erst später auf der Bühne erscheinenden Live-Gitarristen ersetzt wurde, zeigt sich die Band zwar engagiert, jedoch nicht zu 100% überzeugend. Auch hier muss die Setlist ein wenig kritisiert werden: ja, Denis wird nicht alle Songs seines Vorgängers Danny Worsnop so ideal bringen (ich denke nur an Moving On oder Death To Me), jedoch nur wenige Songs vom starken Album From Death To Destiny zu spielen ist auch nicht die Lösung. Auch auf den aktuellen Hit Here I Am zu verzichten wirkt ein wenig komisch. Eigentlich generell schade, da Asking Alexandria doch eine nicht gerade uninteressante Band wäre.

Nach den jungen Engländern wird es nun Zeit für legendäre Engländer. Carcass um Jeff Walker und Bill Steer haben sich angekündigt um zu zeigen, dass die Band auch ohne Arch Enemy Gitarrist Michael Amott nichts von ihrer Stärke eingebüßt hat. Mit Ben Ash und Daniel Wilding hat man auch starken Ersatz für die zuvor engagierten Musiker gefunden (unter anderem war ja beim Comeback auch Arch Enemy Drummer Daniel Erlandsson mit am Start). Von Beginn an präzise mit nun wieder genialem Sound spielt sich die Band nicht nur durch alte Klassiker, sondern auch durch Songs vom letzten Album Surgical Steel. Ein Highlight wie immer: Heartwork.

Mit Mastodon steht anschließend wohl die spannendste Band auf der Bühne. Troy Sanders, Bill Kelliher, Brend Hinds und Brann Dailor gehören ja nicht unbedingt zu den idealen Festival-Bands, was vor allem an der Komplexität ihrer Songs liegt. Man hat zwar auf Once More Round The Sun ein paar eingängige Songs veröffentlicht, wer die Amerikaner jedoch kennt weiß, dass die alten Songs doch auch spannend sind. So startet man standesgemäß mit Tread Lightly vom vorhin genannten aktuellen Album und zeigt von Beginn an, dass es der Band Spaß macht. Auch wenn der mehrstimmige Gesang im Vergleich zur Instrumentalleistung ausbaufähig ist, ist man auf sehr hohem Niveau. Mit High Road darf auch einer der eingängigsten Songs nicht fehlen, ehe man sich in den totalen Wahnsinn bewegt. Bladecatcher, Crystal Skull oder Aqua Dementia sind nichts für Freunde von einfacher Musik und man kann hier nur beeindruckt zusehen, wie man die herausfordernden Songs so präzise rüberbringt. Was an diesem Abend auffällt ist, dass die Setlist sehr stark auf Troy Sanders abgestimmt ist. Gerade weitere „einfache“ Songs wie Motherlode oder auch Ember City, die normalerweise Brann Dailor singt, fehlen an diesem Abend. Einige werden jetzt sagen, dass dies gar nicht so schlecht ist, da der Herr Live ab und zu sehr schief singt, um die fehlenden Songs ist jedoch trotzdem schade. Mit Blood And Thunder ist der starke Auftritt von Mastodon jedoch auch schon wieder zu Ende, man kann nur hoffen, dass die Jungs doch auch bald wieder unterwegs sind.

Für das Ende des Festivals sorgen noch Tom Araya, Kerry King, Gary Holt und Paul Bostaph, auch besser bekannt als Slayer. Da für uns das Festival an diesem Zeitpunkt zu Ende war, kann man hier nur ein großes Lob an das Veranstalterteam von Kingstar Music und Hamburg Konzerte aussprechen. Trotz dem etwas holprigen Start mit Pannen bei der Bandverkündung und dem etwas schlecht organisierten Einlass hat sich das Elbriot als großartiges Festival entpuppt, dass dank großartigem Sound (selten auf einem Festival durchgehend auf so hohem Niveau) starker Bandauswahl, guter Getränkeversorgung durchaus zu empfehlen ist.

Die obligatorischen Pros und Contras zum Schluss:

+)
Sound
Bandauswahl
Getränkeangebot
saubere Dixis
gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden

-)
Kommunikation im Vorfeld
Einlass am ersten Tag
Essensangebot ausbaufähig

 

 

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