Tracklist
01. Path of Isolation (Intro)
02. Rebirth
03. Morbid desire
04. Night
05. Silence of my darkness
06. Sunrise
07. Time
08. I Feel
09. Bad Blood
10. Black Lake
Besetzung
Antonio Carlos Rodríguez Espigares – Bass
Jorge Utrera – Drums
Jose „Cabra – Guitar
Juan Carlos Limón Calvo – Guitar
Ciro E. Sánchez Mártil – Vocals
DISCERPTUS kommen aus Spanien und gehören zu den Bands, die sich nie auf ein einziges Subgenre festnageln lassen. Death-, Thrash- und Groove-Metal greifen bei ihnen ineinander wie Zahnräder, mal kantig, mal erstaunlich eingängig. Das aktuelle Line-up besteht aus Antonio Carlos Rodríguez Espigares am Bass, Jorge Utrera am Schlagzeug, Jose „Cabra“ und Juan Carlos Limón Calvo an den Gitarren sowie Ciro E. Sánchez Mártil am Mikrofon. Mit »Rebirth« legt die Band ihr Debütalbum vor, das den eigenen Neustart nicht bloß im Titel trägt, sondern daneben musikalisch durchzieht.
Ein Album zwischen Druck und Struktur
Schon der Opener »Path of Isolation« setzt die Richtung. Ein kurzes Intro, das düster und zurückhaltend beginnt, im Kontrast hierzu schnell Spannung aufbaut. Ein bewusst gesetzter Einstieg, der auf das Kommende vorbereitet. Direkt danach knallt der Titelsong »Rebirth« los und zeigt, wo DISCERPTUS stehen. Wuchtige Riffs, ein treibendes Schlagzeug und ein Gesang, der irgendwo zwischen aggressivem Shouting und kontrollierter Härte pendelt. Hier wirkt nichts beliebig. Die Band klingt fokussiert und erstaunlich geschlossen.
Gerade in den ersten Minuten des Albums wird klar, dass »Rebirth« weniger auf rohe Chaosenergie setzt als auf Struktur. Die Songs sind klar gebaut, mit wiedererkennbaren Riffmotiven und sauberen Übergängen. Das gibt der Platte ein solides Fundament, nimmt ihr aber an manchen Stellen desgleichen einigermaßen von der Wildheit, die man aus Death- oder Thrash-Kontexten kennt.
Die Gitarren als treibende Kraft
Das Gitarrenduo Cabra und Limón Calvo trägt das Album hörbar. In Songs wie »Morbid Desire« oder »Night« liefern sie sich ein ständiges Wechselspiel aus drückenden Rhythmusfiguren und kurzen melodischen Linien. Besonders »Night« profitiert von dieser Dynamik. Der Song schleppt sich nicht einfach nur schwerfällig vorwärts, sondern bekommt durch kleine Leads immer von vorn neue Akzente.
»Silence of my Darkness« geht einen anderen Weg. Hier dominieren langsamere, approximativ doomige Passagen, die viel Raum für Atmosphäre lassen. Ciros Gesang wirkt hier besonders intensiv, weil er nicht permanent gegen ein Hochgeschwindigkeits-Drumming ankämpfen muss. Das ist einer der Momente, in denen DISCERPTUS zeigen, dass sie mehr können als uneingeschränkt Druck machen.
Rhythmus Arbeit mit Licht und Schatten
Jorge Utreras Schlagzeugspiel ist technisch sauber und durchgehend präsent. In den schnelleren Nummern wie »Rebirth« oder »Bad Blood« treibt er die Songs kompromisslos voran, ohne sie zu überladen. Die Doublebass sitzt, die Breaks kommen punktgenau. Trotzdem bleibt das Spiel meist eher funktional als spektakulär. Das passt zum Stil der Band, sorgt außerdem dafür, dass manche Passagen weniger im Gedächtnis bleiben.
Der Bass von Antonio Carlos Rodríguez Espigares ist solide eingebettet, tritt allerdings selten in den Vordergrund. In einem Genre, das oft von tiefen, wuchtigen Frequenzen lebt, hätte man sich hier ruhig mehr Mut zur Präsenz wünschen können. Gerade in den groovigeren Momenten wie »Time« oder »I Feel« wäre ein stärkerer Basscharakter ein Gewinn gewesen.
Zwischen Aggression und Melancholie
Mit »Sunrise« und »Time« schlägt das Album eine halbwegs nachdenklichere Richtung ein. Die Songs wirken offener, weniger verkrampft auf Härte getrimmt. Besonders »Sunrise« überrascht mit einer fast hoffnungsvollen Grundstimmung, ohne dabei die metallische Identität zu verlieren. Diese Tracks geben der Platte Luft zum Atmen und verhindern, dass alles in einer einzigen aggressiven Linie verschwimmt.
»I Feel« geht noch einen Schritt weiter in Richtung Melodie und Emotionalität. Das ist nicht unbedingt der stärkste Song auf »Rebirth«, wenngleich einer der ehrlichsten. Man hört, dass DISCERPTUS hier nahezu Persönliches transportieren wollen, wenngleich die Umsetzung stellenweise annähernd zahm wirkt.
Finale mit dunklem Nachhall
»Bad Blood« zieht das Tempo wieder an und erinnert an die Thrash-Wurzeln der Band. Hier sitzt der Groove, die Riffs sind griffig und der Refrain bleibt hängen. »Black Lake« als Abschluss ist dagegen deutlich düsterer. Ein schwerer, schleppender Song, der das Album in einer trüben, annähernd resignierten Stimmung ausklingen lässt. Ein passender Kontrast zum kämpferischen Titel »Rebirth«.
»Rebirth« ist ein Album, das mehr über Entwicklung als über Revolution erzählt. DISCERPTUS haben ihren Sound gestrafft, ihn zugänglicher und klarer gemacht, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Nicht jeder Song zündet sofort, und an manchen Stellen fehlt der letzte Funke Risiko. Trotzdem überzeugt die Platte durch ein geschlossenes Auftreten, starke Gitarrenarbeit und eine spürbare innere Logik. Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 Punkten ist »Rebirth« ein solides, ehrliches Metal-Album, das Fans von Death, Thrash und Groove gleichermaßen etwas bietet.
Fazit: Insgesamt ist »Rebirth« ein solides Album, das die Stärken von DISCERPTUS unterstreicht.

