ARCHVILE KING – Aux Heures Désespérées

cover artwork ARCHVILE KING Aux Heures Désespérées

Band: ARCHVILE KING 🇫🇷
Titel: Aux Heures Désespérées
Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions
VÖ: 23/01/26
Genre: Black/Thrash Metal

Tracklist

01. Riposte
02. Le Chant Des Braves
03. L’Excusé
04. Le Carneval Du Roi Des Vers
05. Sépulture
06. Aux Heures Désespérées
07. À Ces Batailles Abandonnées
08. …Et Aux Hommes Misérables

Besetzung

Baurus – all instruments, vocals

Bewertung:

2,5/5

Die französische Band ARCHVILE KING meldet sich mit ihrem zweiten Album „Aux Heures Désespérées“ zurück, einem Werk, das laut Eigendefinition „die Wildheit des Thrash Metal mit den berauschenden Melodien des Black Metal verbindet“.

Zwischen Atmosphäre und Angriff

Atmosphärisch, fast filmisch, mit fernem, schwebendem Klangteppich beginnt der Opener „Riposte“, der kurz darauf in eine ziemlich aggressive Riff-Attacke mit gutem, treibendem Rhythmus übergeht. Eine Leadgitarre stellt die Verbindung zum Black Metal her, melodisch, beweglich, mit Tempowechseln – eine gelungene Mischung aus Geschwindigkeit und Melodie und insgesamt ein starker Einstieg.

Die aus Nantes stammende Formation ARCHVILE KING ist dabei faktisch ein Ein-Mann-Projekt. 2019 von Baurus gegründet, spielt er alle Instrumente und übernimmt auch Gesang, Songwriting und Texte. Über frühere Bandaktivitäten oder weitere Hintergründe ist nichts bekannt – das Projekt ist bewusst von einer gewissen Mystik umgeben.

Deutlich langsamer und noch stärker auf Atmosphäre fokussiert ist „Le Chant Des Braves“ mit hektischem Schlagzeug, direkterem Zugriff und einer melancholischen Grundstimmung. Repetitiv aufgebaut, ohne den Überraschungsmoment des Openers, basiert der Song im Wesentlichen auf einer einzigen, von der Leadgitarre vorgetragenen Akkordfolge, die endlos wiederholt wird. Der Klang wirkt hier weniger dynamisch als zuvor; man könnte fast vermuten, dass kein Bass vorhanden ist, da sich alles im hohen Frequenzbereich abspielt, verstärkt durch die sehr hoch angesetzte Tremolo-Gitarre. Das Ergebnis ist ein gleichförmiger, flacher Sound, dem es an Tiefe fehlt – ein klarer Produktionsaspekt. Auch die Vocals bleiben recht linear, ohne Variationen oder Wechsel der Ausdrucksweise.

Wie zu erwarten, beginnt „L’Excusé“ wieder atmosphärisch und melodisch, bevor – vorhersehbar – aggressivere Leadgitarren und wütende, schrille Schreie einsetzen. Die zentrale melodische Linie wirkt jedoch wie eine direkte Fortsetzung der vorherigen Stücke, echte Unterschiede sind kaum auszumachen. Stilistisch ist der Song fest im Black Metal verankert; die vereinzelten Thrash-Einflüsse anderer Stücke fehlen hier vollständig.

Wiederholung als Prinzip

In denselben Bahnen bewegt sich das Album mit „Le Carneval Du Roi Des Vers“ weiter: ein cineastisches Intro mit kriechenden, unheilvollen Sounds, die jedoch kaum mit der folgenden Musik verknüpft sind. Danach ein langsamer Auftakt, gefolgt von Riffs und Tremolo-Leads. Das Tempo stimmt, aber die Melodien ähneln dem zuvor Gehörten zu stark. Dieses Grundrezept setzt sich in „Sépulture“ fort, wobei der Song zumindest eine neue Idee einbringt: Das langsame, melodische Anfangsthema kehrt in der Mitte wieder, dazu kommen deutlichere Thrash-Metal-Elemente. Auch die melodische Linie wirkt emotionaler, was den Track zu einem der authentischeren Momente des Albums macht.

Etwas dissonanter fällt die Eröffnung des Titeltracks „Aux Heures Désespérées“ aus. Auffällig ist, dass gerade diese kurzen Intros die abwechslungsreichsten Passagen des Albums darstellen, während die eigentlichen Melodien immer ähnlicher werden. Rasende Schlagzeugpassagen wechseln mit komplett schlagzeuglosen Abschnitten, darüber eine klagende, weinende Leadgitarre und verzweifelte Schreie. Ein galoppierender Rhythmus im zweiten Teil erzeugt eine fast triumphale Stimmung, die in bizarrer Weise im Kontrast zur trostlosen Melodik steht.

À Ces Batailles Abandonnées“ beginnt mit einem noch längeren Intro, bringt ansonsten aber keine wirklichen Neuerungen. Die Musik wird zunehmend melancholischer, und im Verlauf des Albums verdrängen emotionale Akkorde immer stärker die aggressiveren Elemente. Der Schlusstrack „…Et Aux Hommes Misérables“ unterstreicht diesen Weg, indem er ausschließlich auf Ambient, Synths und Naturgeräusche setzt – ein introspektives Ende mit hellen, beinahe triumphalen Melodien.

Zwischen Epik und Eintönigkeit

Zu melodisch und zu repetitiv, stellenweise fast kitschig und zu sehr auf einen melancholisch-melodischen Grundton fixiert: „Aux Heures Désespérées“ leidet unter einer extrem gleichförmigen Struktur. Zwar sind durchaus gute musikalische Ideen vorhanden, doch durch ihre ständige Wiederholung verlieren sie schnell an Wirkung. Stilistisch sind die Dissection-Einflüsse unüberhörbar, noch näher liegt jedoch der Vergleich zu Lamp of Murmuur: dieselbe epische, übermelodische Form von Black-Thrash, derselbe Hang zu märchenhaft-ritterlichen Bildern, der sich auch im Cover-Artwork widerspiegelt.

Originell wirkt das alles kaum, die Songs unterscheiden sich wenig voneinander, und auch die Produktion – mit zu leise gemischten Drums und faktisch nicht vorhandenem Bass – verstärkt den monotonen Eindruck. Der immer gleiche, dünne Klang nutzt sich schnell ab und macht das Album auf Dauer anstrengend zu hören. Es fehlt an Vielfalt, an echten Kontrasten und letztlich auch an einer eigenen, klaren Identität.

Fazit: Vorhersehbar und klanglich einförmig, verbindet „Aux Heures Désespérées“ Atmosphäre mit überbordender Melodik, überzeugt in Summe jedoch nicht.

Internet

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