Tracklist
01. Zweifel
02. Suche
03. Possessed
04. Entäußerung
05. Fieber
Besetzung
Exesor – Drums
Beast – Guitar, Vocals
Alastor – Guitar
Metnal – Bass
B.S. – Saxophone
Der lange Weg zur Selbstverortung
Seit ihrer Gründung 2007 in Leipzig bewegen sich EVIL WARRIORS konsequent im Schattenbereich des deutschen Extreme Metal. Früh geprägt von der dortigen Black-Metal-Undergroundszene, arbeitete sich die Band über Demos und intensive Live-Präsenz Schritt für Schritt nach vorne. Das Debüt »Expressions of Endless Dreams« (2011) markierte den ersten echten Fingerabdruck, während »Fall From Reality« (2018) die stilistische Bandbreite deutlich erweiterte. Mit der EP »Schattenbringer« (2020) verdichtete sich der Ausdruck weiter. Fast zwei Jahrzehnte nach Bandgründung folgt nun ein selbstbetiteltes Album, oft ein Zeichen für Selbstdefinition oder Neubeginn.
Rohheit trifft Struktur
Schon nach wenigen Minuten wird klar, »Evil Warriors« ist kein Album, das sich anbiedert. Die Produktion bleibt bewusst kantig, fast spröde, ohne dabei im Demo-Charme zu versinken. Stattdessen entsteht ein Klangbild, das Black-Metal, Thrash-Attitüde und Death-Metal-Wucht ineinander verzahnt. Besonders die Gitarrenarbeit von Beast und Alastor lebt von diesem Spannungsfeld. Riffs schneiden scharf durch den Mix, wechseln zwischen rasendem Tremolo und groovenden Midtempo-Passagen.
Exesor am Schlagzeug treibt das Material mit einer Mischung aus Präzision und kontrollierter Unruhe voran. Blastbeats stehen gleichberechtigt neben schwereren, fast stampfenden Rhythmen. Metnal am Bass sorgt für das nötige Fundament, bleibt dabei aber oft im Hintergrund – eine Entscheidung, die dem Gesamtklang zwar Dichte verleiht, ihm aber gelegentlich auch etwas Tiefe nimmt.
Eine Besonderheit ist der sporadische Einsatz von Saxofon durch B.S. Dieses Element wirkt nie aufgesetzt, sondern fügt sich organisch in die düsteren Klanglandschaften ein. Gerade in ruhigeren Momenten sorgt es für eine fast fiebrige Atmosphäre.
Zwischen Selbstsuche und Kontrollverlust
Inhaltlich bewegt sich das Album um innere Konflikte, Identitätsfragen und existenzielle Zustände. Schon die Tracktitel deuten darauf hin: »Zweifel«, »Suche«, »Entäußerung«. Das ist kein plakatives Okkult-Vokabular, sondern eher introspektiv gefärbte Dunkelheit.
»Zweifel« eröffnet das Album mit einer Mischung aus Dissonanz und Dringlichkeit. Der Song wirkt wie ein tastender Einstieg, bewusst unruhig, fast fragmentarisch. Direkt danach setzt »Suche« stärker auf Struktur, mit klareren Riffmustern und einem eingängigen, wenn auch düsteren Spannungsbogen.
»Possessed« schlägt eine aggressivere Richtung ein. Hier dominieren Thrash-Einflüsse, gepaart mit roher Energie. Beast übernimmt am Mikrofon eine zentrale Rolle, sein Gesang bleibt rau, kehlig und ungeschliffen, bewegt sich irgendwo zwischen Black-typischem Kreischen und Death-Metal-Growls.
Der wohl interessanteste Moment des Albums ist »Entäußerung«. Der Track nimmt Tempo heraus und arbeitet stärker mit Atmosphäre. Hier kommt auch das Saxofon besonders zur Geltung und verleiht dem Stück eine eigenartige, fast beklemmende Tiefe.
Mit »Fieber« endet das Album schließlich in einem Zustand zwischen Eskalation und Auflösung. Der Song bündelt viele Elemente der vorherigen Tracks, wirkt aber gleichzeitig etwas überladen.
Zwischen Anspruch und Unschärfe
Was »Evil Warriors« stark macht, ist der Wille zur Eigenständigkeit. Die Band versucht nicht, sich strikt an Genregrenzen zu halten. Stattdessen entsteht ein hybrider Sound, der sich bewusst gegen klare Kategorisierung sperrt.
Gleichzeitig liegt genau hier auch eine Schwäche. Nicht alle Ideen wirken vollständig ausgearbeitet. Manche Übergänge erscheinen abrupt, einige Passagen verlieren sich in Wiederholungen, ohne zusätzliche Spannung aufzubauen. Gerade im letzten Drittel des Albums hätte eine klarere Fokussierung gutgetan.
Auch die Produktion ist ein zweischneidiges Schwert. Die rohe Ästhetik passt zur Musik, lässt aber Details gelegentlich verschwimmen. Besonders der Bass hätte mehr Präsenz vertragen, um das Klangbild auszubalancieren.
Live-Energie auf Platte mit Abstrichen
Wer EVIL WARRIORS bereits auf der Bühne erlebt hat, wird viele Elemente wiedererkennen. Die Direktheit, die körperliche Wucht, die gewisse Unberechenbarkeit, all das ist vorhanden. Allerdings gelingt es nicht immer, diese Energie vollständig ins Studio zu übertragen. Einige Songs wirken, als würden sie live deutlich intensiver zünden. Dennoch zeigt sich hier eine Band, die weiß, was sie will. Keine glatte Produktion, keine offensichtlichen Kompromisse, sondern ein bewusst sperriger Ansatz.
»Evil Warriors« ist ein Album, das mehr über Haltung als über Perfektion funktioniert. Es bietet starke Momente, interessante Ideen und eine klare künstlerische Handschrift, verliert sich aber gelegentlich in seiner eigenen Vielschichtigkeit.
Für Hörer, die im Extreme Metal nach Ecken, Kanten und Eigenwilligkeit suchen, ist das Album durchaus reizvoll. Wer hingegen stringente Songstrukturen und durchgehend präzise Arrangements erwartet, wird hier nicht immer fündig.
Fazit: »Evil Warriors« von EVIL WARRIORS ist ein solides, ambitioniertes Werk mit Luft nach oben.






