DELIVERANCE - The Voyager Golden Banquet - cover artwork

Band: DELIVERANCE 🇫🇷
Titel: The Voyager Golden Banquet
Label: Les Acteurs de L’Ombre Productions
VÖ: 22/05/26
Genre: Sludge/Black Metal

Tracklist

01. Hellisual
02. Chasing The Dragon
03. Headspace Collapse
04. Turn On, Tune In, Drop Out
05. As Above, So Below
06. Ground Zero
07. The Banquet Part 1
08. The Banquet Part 2

 

Besetzung

Pierre Duneau – Vocals, Synthesizers
Sacha Février – Bass
Etienne Sarthou – Guitar, Backing Vocals
Viken Poulain – Drums

 

Bewertung:

4/5

Zwischen Kontrollverlust und kosmischer Vision

Die französische Formation DELIVERANCE gehört längst zu den spannendsten Namen der europäischen Extrem-Metal-Szene. Gegründet wurde die Band 2013 von Gitarrist Etienne Sarthou und Sänger sowie Keyboarder Pierre Duneau. Bereits mit der EP »Doomsday, Please« zeigte sich, dass hier keine gewöhnliche Sludge- oder Black-Metal-Band am Werk ist. Spätestens mit den Alben »Holocaust 26:1-46« und »Neon Chaos in a Junk-Sick Dawn« entwickelte sich DELIVERANCE zu einem der mutigsten Projekte Frankreichs. Auftritte bei Festivals wie Hellfest oder Motocultor festigten ihren Ruf als kompromisslose Klangforscher.

Mit »The Voyager Golden Banquet« entfernt sich das Quartett nun noch weiter von klassischen Genregrenzen. Zwar bleiben die düsteren Wurzeln aus Sludge- und Black-Metal erhalten, doch DELIVERANCE öffnen ihre Musik in Richtung Progressive Rock, Post Rock und sogar elektronischer Klangflächen. Das Resultat ist ein Album, das weniger wie eine klassische Metal-Platte funktioniert, sondern eher wie eine fiebrige Reise durch einen kollabierenden Geistzustand.

Das aktuelle Line-up besteht aus Pierre Duneau am Gesang und Synthesizern, Sacha Février am Bass, Etienne Sarthou an der Gitarre und Viken Poulain am Schlagzeug. Gemeinsam erschaffen sie einen Sound, der gleichzeitig brutal, hypnotisch und erstaunlich emotional wirkt.

Klanglandschaften voller Spannung

Schon der Opener »Hellisual« macht deutlich, wohin die Reise geht. Dichte Synthesizerflächen treffen auf massive Gitarrenwände, während Pierre Duneau zwischen aggressivem Keifen und verstörend ruhigen Passagen pendelt. DELIVERANCE setzen hier weniger auf eingängige Songstrukturen als auf Atmosphäre und Dynamik. Das Album lebt von Kontrasten. Ruhephasen kippen plötzlich in chaotische Ausbrüche, nur um wenige Sekunden später wieder in psychedelische Schwerelosigkeit abzudriften.

»Chasing The Dragon« verbindet dissonante Black-Metal-Riffs mit beinahe tranceartigen Grooves. Besonders auffällig ist dabei die Produktion. Die Gitarren wirken roh und dreckig, während die elektronischen Elemente erstaunlich klar im Raum stehen. Dadurch entsteht eine permanente Spannung zwischen organischer Gewalt und futuristischer Kälte.

Noch intensiver gerät »Headspace Collapse«. Der Titel passt perfekt, denn der Song klingt tatsächlich wie ein mentaler Zusammenbruch in musikalischer Form. Zerhackte Rhythmen, verzerrte Spoken-Word-Momente und bedrohliche Noise-Elemente verdichten sich zu einem klaustrophobischen Erlebnis. Viken Poulain liefert hier eine beeindruckende Performance hinter dem Schlagzeug ab. Sein Spiel hält die komplexen Strukturen zusammen, ohne jemals steril oder technisch überladen zu wirken.

Psychedelische Experimente ohne Sicherheitsnetz

Besonders spannend wird das Album in seinen experimentellen Momenten. »Turn On, Tune In, Drop Out« überrascht mit fast schon Doom-artigen Gitarrenmelodien und einer verträumten Grundstimmung, bevor die Band den Song in ein sludgegetränktes Chaos stürzt. Genau diese Unberechenbarkeit macht »The Voyager Golden Banquet« so faszinierend.

Auch »As Above, So Below« zeigt die enorme stilistische Bandbreite der Franzosen. Post-Rock-artige Spannungsbögen treffen auf depressive Black-Metal-Momente, während im Hintergrund elektronische Details flackern. DELIVERANCE schaffen es dabei erstaunlicherweise, trotz aller Experimente nie den roten Faden zu verlieren.

Mit »Ground Zero« folgt einer der härtesten Songs des Albums. Der Track walzt mit massiven Riffs alles nieder und erinnert stellenweise an die rohe Gewalt früher NEUROSIS-Veröffentlichungen, ohne dabei wie eine bloße Hommage zu wirken. Gerade die Bassarbeit von Sacha Février sorgt für zusätzliche Wucht und Tiefe.

Das Herzstück des Albums

Die beiden abschließenden Stücke »The Banquet Part 1« und »The Banquet Part 2« bilden das eigentliche Zentrum des Albums. Hier bündeln DELIVERANCE sämtliche Elemente ihrer musikalischen Identität. Lange instrumentale Passagen wechseln sich mit eruptiven Black-Metal-Ausbrüchen ab. Psychedelische Synthesizer schweben über chaotischen Gitarrenwänden, während der Gesang wie eine Stimme aus einem dystopischen Traum wirkt.

Vor allem der zweite Teil entfaltet eine fast cineastische Wirkung. Man hat weniger das Gefühl, einzelne Songs zu hören, sondern vielmehr Teil eines audiovisuellen Trips zu sein. DELIVERANCE beweisen hier eindrucksvoll, dass Extreme Metal auch 2026 noch überraschen kann.

Zwischen Avantgarde und emotionalem Chaos

»The Voyager Golden Banquet« ist kein Album für nebenbei. Die Platte fordert Aufmerksamkeit, Geduld und Offenheit. Wer ausschließlich klassischen Black-Metal oder traditionellen Sludge erwartet, dürfte an manchen Stellen irritiert reagieren. Genau darin liegt allerdings die große Stärke dieses Werks. DELIVERANCE verweigern sich bewusst einfachen Strukturen und erschaffen stattdessen ein intensives Gesamterlebnis voller emotionaler Extreme.

Die Mischung aus zerstörerischer Härte, psychedelischer Weite und progressiver Experimentierfreude funktioniert erstaunlich gut. Nicht jede Passage wirkt sofort zugänglich, doch gerade diese Sperrigkeit verleiht dem Album Charakter und Tiefe.

Mit »The Voyager Golden Banquet« liefern DELIVERANCE eines der mutigsten und eigenständigsten Extreme-Metal-Alben des Jahres ab. Die Franzosen überschreiten stilistische Grenzen, ohne ihre Identität zu verlieren. Eine düstere, hypnotische und stellenweise verstörende Reise, die lange nachwirkt.

Fazit: DELIVERANCE beweisen mit »The Voyager Golden Banquet« erneut, warum sie zu den innovativsten Bands Frankreichs zählen.

Internet

DELIVERANCE - The Voyager Golden Banquet - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.