Tracklist
01. Ironclad
02. Ascend Into The Mist
03. The Return
04. Torchlit Granite Leads the Way
05. Rusted Steel (An Oath Undone)
Besetzung
Solace – Vocals & All Instruments
Black Metal Ist Krieg!!!! Jedenfalls dann, wenn er nicht bloß über Tempo und Raserei kommt, sondern über Größe, Gravitas und das Gefühl, dass hinter jedem Riff ein ganzer verfallener Wehrgang wartet. FORLORN CITADEL, das seit 2017 aktive Soloprojekt von Solace aus Australien, macht auf „An Oath Undone“ genau das. Das ist bereits das zweite Album nach „Ashen Dirge of Kingslain“, und es bewegt sich hörbar in einer Welt aus mittelalterlicher Ruinenromantik, Dungeon-Synth-Nebel und epischem Black Metal, der liebetr eine Festung errichtet, als bloß eine Schneise zu schlagen.
„An Oath Undone“ ist Werk über Verfall, Erinnerung, den bewussten Zerfall von Sinn und das langsame Lösen einst beschworener Ideale. Genau dieses Spannungsfeld ist der Schlüssel zum Album.
Zwischen Ruine, Eid und innerem Zerfall
Allein der Albumtitel „An Oath Undone“ verdeutlicht die offensichtliche Tatsache, dass hier kein triumphales Heldenepos erzählt wird, sondern eher die Nachgeschichte davon: der Moment, in dem Schwüre hohl geworden sind, Stahl rostet und von Ehre nur noch Nachhall bleibt. „Ironclad“ wirkt in dieser Lesart wie der letzte Versuch, Haltung, Pflicht oder vielleicht auch den eigenen Panzer aufrechtzuerhalten. Das Stück trägt diese martialische Schwere schon im Namen, musikalisch aber nicht als stumpfes Geballer, sondern als monumentalen Auftakt. „Ascend Into The Mist“ klingt dann wie der Weg tiefer hinein in eine ungewisse Sphäre, weniger Aufstieg als Entrückung. Nebel ist hier kein romantischer Landschaftseffekt, sondern ein Sinnbild für Auflösung, Orientierungslosigkeit und das Verschwimmen alter Gewissheiten. „The Return“ ist als Instrumental gesetzt und fühlt sich genau deshalb wie ein Wendepunkt an: kein Sieg, sondern eine schweigende Rückkehr in das, was von Schwur, Vergangenheit und Identität übrig geblieben ist. „Torchlit Granite Leads the Way“evoziert den Marsch durch kaltes Gestein, durch gewaltige Hallen und erstarrte Architektur, bei dem nur noch Fackellicht Richtung gibt. Und „Rusted Steel (An Oath Undone)“ bringt diese Linie dann zu Ende: Stahl, einst Symbol für Stärke und Beständigkeit, ist hier vom Zahn der Zeit zerfressen. Das ist kein Pathos um des Pathos willen, sondern ziemlich stimmig aufgebaute Verfallspoetik.
Atmosphäre wie aus kaltem Stein gemeißelt
Was dieses Album so stark macht, ist nicht nur die Idee dahinter, sondern vor allem die Art, wie FORLORN CITADELdiese Atmosphäre soundtechnisch nahezu perfekt aufbaut. Die eingesetzten Synthesizer sind nicht bloß etwas, das dem ganzen auf Teufel-Komm-Etzadla-Raus eine gewisse Sahnehaube verleiht, sondern für das Sounddesign, auf dem die Platte fundiert, eigentlich schon Essenziell.
Sie legen keine kitschigen Teppiche aus, sondern ziehen Nebelbänke durch das Klangbild, öffnen Hallräume und lassen die Songs größer wirken, als sie auf dem Papier vielleicht sind. Darüber liegen Gitarren, die einerseits sägen und frieren, andererseits aber immer wieder melodische Linien freilegen, die das Ganze tief in diesem episch-melancholischen Spannungsfeld halten.
Hervorgehoben sein an dieser Stelle „Ascend Into The Mist“ und „Torchlit Granite Leads the Way“. Diese Songs profitieren enorm von dieser Produktion. Die Songs atmen, ohne weich zu werden. Die Drums geben genügend Fundament, damit die Stücke nicht in bloßem Hall versinken, während die Gitarren und Keys darüber diese mittelalterlich angehauchte Größe entfalten. Das Album klingt dabei nie überladen. Es wirkt eher so, als wüsste Solace sehr genau, wann Leere wichtiger ist als noch eine zusätzliche Spur. Dieses Gespür für Raum ist eine große Stärke.
Kein Schlachtengetümmel, sondern der Nachhall danach
Und genau hier liegt auch der eigentliche Reiz von „An Oath Undone“: Das Album funktioniert nicht wie Black Metal, der den Sturm zeigt, sondern wie Black Metal, der den Wind durch zerbrochene Zinnen hörbar macht, nachdem alles bereits gefallen ist. Das ist keine Musik für permanent hochgezogene Fäuste, sondern für den Blick über verbrannte Landstriche, für kaputte Banner, für das Gefühl, dass Größe und Untergang oft aus demselben Material gebaut sind. Wenn man die Titel ernst nimmt, dann erzählt das Album von Verpflichtung, Weg, Rückkehr und Korrosion. Nicht als lineare Geschichte mit klaren Plotpunkten, sondern als zusammenhängende Stimmung aus Eid, Erinnerung und langsamem inneren Kollaps.
Soloprojekt mit erstaunlicher Geschlossenheit
Dass hinter all dem mit Solace nur eine Person steht, hört man dem Album übrigens nicht als Schwäche an, das Gegenteil ist hier der Fall. Das Opus wirkt wie aus einer Hand gedacht. Nichts springt wahllos auseinander, nichts klingt nach zusammengeflicktem Stil-Patchwork. Vielmehr hat „An Oath Undone“ eine bemerkenswerte Geschlossenheit, die gerade bei einem Album mit langen Songs und viel Atmosphäre enorm wichtig ist.
Ein Album, das seine Mauern nicht nur zeigt, sondern spürbar macht
Natürlich ist das hier kein Werk für jeden. Wer Black Metal nur über Aggression, Schmutz und Dauerfeuer definiert, wird mit dieser epischen, melancholischen und stark synthgetragenen Ausrichtung womöglich fremdeln. Wer aber etwas mit Summoning, Caladan Brood oder den atmosphärischeren Seiten des Genres anfangen kann, wird an „An Oath Undone“ sehr viel Freude haben.
Unterm Strich ist „An Oath Undone“ ein Album, das seine Welt nicht nur andeutet, sondern mit erstaunlicher Konsequenz ausbaut. Die Atmosphäre sitzt, die Produktion trägt, die Kompositionen haben Geduld, und die thematische Deutung aus Titeln und offiziellem Konzept ergibt ein stimmiges Bild von Zerfall, Erinnerung und entleerter Ehre. Hier wird mit der Fantasie des Konsumenten gespielt und das Kopfkino angeregt.
Fazit: „An Oath Undone“ ist ein starkes, fast schon als majestätisch zu bezeichnendes und sehr dicht inszeniertes Album, das epischen Black Metal und Dungeon Synth zu einer düsteren Welt aus Stein, Schwur und Verfall verschmilzt. Keine bloße Klangkulisse, sondern ein Werk, das seine Burgen so sorgfältig aufzieht, dass man den Staub in den Ritzen fast sehen kann.






