Tracklist
01. Divinity
02. A Red Dawn
03. Servant to the Sun
04. Prophecy
05. Visions of a Crimson Moon
06. Cult of the Sun
07. Omen
08. Field of Reeds
09. Eclipse
10. The Dark Distance (Bonus Track)
Besetzung
Samuel Exton -Vocals, Guitar
Jan Schotting – Drums
Francesco Adami – Bass
Chris Schwinghamer – Lead Guitar
Die australische Prog-Metal-Band BLACK SEA OF TREES präsentiert mit „Cult of the Sun“ ihr zweites Album und versucht damit, sich stärker in der Szene zu positionieren. Mit Momenten, die sowohl technische Klasse als auch kompositorische Inspiration zeigen, ist ein größerer Bekanntheitsgrad durchaus gerechtfertigt.
Atmosphärischer Einstieg und stilistische Brüche
Ambientklänge und beschwörende Vocals eröffnen „Divinity“ als rein atmosphärisches Intro mit klarer Ausrichtung auf die folgende Stimmung. Doch auch „A Red Dawn“ beginnt zunächst ruhig und akustisch, bevor ein plötzlicher Ausbruch mit massiven Growls alles zuvor Aufgebaute konterkariert. Melancholische Leadgitarren treffen auf dominante Extreme-Vocals, die wiederum von ätherischen, melodischen Passagen abgelöst werden. Ein Spiel aus Kontrasten, das jedoch insgesamt zu einer eher unentschlossenen Ausrichtung führt, mit spürbarer Tendenz zu leichteren, teils fast popnahen Momenten.
BLACK SEA OF TREES stammen aus Melbourne und wurden 2018 gegründet. Nach dem unabhängig veröffentlichten Debüt „The Spiritual Beast“ (2023) folgt nun der nächste Schritt. Die Band besteht aus Samuel Exton (Gesang/Gitarre), Jan Schotting (Drums), Francesco Adami (Bass) und Chris Schwinghamer (Leadgitarre).
Deutlich besser gelingt die Umsetzung in „Servant to the Sun“. Hier tritt die progressive Seite klarer hervor: vielschichtige Arrangements, polyrhythmische Strukturen und insgesamt ein deutlich kohärenterer Aufbau. Die Übergänge wirken kontrollierter, die Komposition reifer. Eine starke melodische Linie und technisch saubere Umsetzung machen den Song zu einem der Höhepunkte des Albums.
Produktion und kompositorische Vielfalt
Die Produktion ist sehr gut, gerade wenn man den permanenten Wechsel zwischen harten und melodischen sowie ruhigen und vollständig dissonanten Passagen berücksichtigt. Die Instrumente sind gut eingefangen, der Reichtum an Verzierungen ist ebenfalls gut in den Gesamtsound integriert. So weit es die Kompositionen zulassen, eine ausgewogene Produktion. Das Quartett konzentriert sich auf lange, erzählerisch aufgebaute Stücke, die Themen wie Spiritualität, Folklore und Philosophie behandeln.
Eine direkte Verbindung zwischen den Songs macht „Prophecy“ zu einer Fortsetzung des vorherigen Stücks, diesmal jedoch dominiert wieder die weiche und melodische Seite der Band. Orientalische Akkorde und akustische Gitarren, geflüsterte Vocals, eher wie ein Interlude. „Visions of a Crimson Moon“ bringt langsam gute Riffs ins Spiel, die sich konstant hinter den klaren, fast schon gothic-artigen Vocals aufbauen. Der Song hält einen guten Rhythmus, erneut ein sehr komplexer Sound mit vielen Details. Ein weiterer anspruchsvoller und interessanter Song, ein weiterer Höhepunkt.
Der Titelsong „Cult of the Sun“ beginnt sehr ruhig, aber sobald die Gitarren einsetzen, verändert sich das gesamte Klangbild. Dennoch einer der leichtesten Songs des Albums, abgesehen von der Violine klar von Ne Obliviscaris inspiriert. Stattdessen dominieren akustische Gitarren, ein prägnanter Bass und größtenteils cleane Vocals, ein Track, der stärker in Richtung eines zugänglicheren Sounds tendiert. Der Song endet mit akustischen Gitarren und schafft so den Übergang zu „Omen“, das mehr oder weniger die melodische Linie des vorherigen Songs fortsetzt, erneut ein Stück, das von gothic-geprägten Clean Vocals dominiert wird, leidenschaftlich und diesmal an Dead Can Dance erinnernd. Dramatischer Sound, der viele Einflüsse aus anderen Stilrichtungen verbindet.
Ein weiterer sehr ruhiger Track, „Field of Reeds“, wirkt erneut eher wie ein sanftes, melodisches Interlude, das den Sound für den nächsten Song vorbereitet. „Eclipse“ ist dann ein dissonanteres Stück, ambient-lastig mit düsteren Klängen, sehr langsam, bekommt aber nach der zu langen Einleitung etwas mehr Dynamik. Insgesamt wirkt die Musik in den letzten Tracks zunehmend ausgedünnt, immer weniger musikalische Substanz, und die dynamischeren Momente bleiben leider zu selten und nicht überzeugend genug.
Nach dem eher abrupten und wenig überzeugenden Ende des vorherigen Songs wirkt „The Dark Distance“, eigentlich ein Bonus Track, tatsächlich besser als Abschlusstrack des Albums. Ebenfalls eher zurückhaltend und ambient, aber besser komponiert als der eigentliche letzte Song. Trotzdem insgesamt kein überzeugendes Ende, die Band verliert zum Schluss deutlich an Energie.
Konzeptansatz und inkonstante Umsetzung
Die enge Verbindung der Songs erzeugt den Eindruck eines Konzeptalbums und verleiht dem Werk eine gewisse Geschlossenheit. Stilistisch bewegt sich die Band zwischen Progressive Metal, Death Metal, Folk-, Gothic- und Ambient-Elementen, mit hörbaren Parallelen zu Bands wie Karnivool, Opeth oder auch den Landsmännern von Ne Obliviscaris.
Ihre Stärke liegt klar in den progressiven, komplexen Passagen. Dort entfaltet sich das Potenzial der Band am überzeugendsten. Allerdings fehlt es in längeren Abschnitten an Dynamik, und nur wenige Stücke hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Der Rest verliert sich zu oft in atmosphärischen, wenig fokussierten Strukturen.
„Cult of the Sun“ ist ein ambitioniertes, konzeptionell durchdachtes Album mit starken Momenten, das jedoch über die gesamte Laufzeit nicht die gleiche Intensität halten kann. Eine Band mit klar erkennbarem Potenzial, deren Stärken vor allem dann greifen, wenn sie sich konsequent auf ihre progressive Ausrichtung konzentriert.
Fazit: BLACK SEA OF TREES liefern mit „Cult of the Sun“ starke progressive Momente, bleiben aber zu inkonstant und verlieren gegen Ende deutlich an Spannung und Energie.






