Tracklist
01. Black Mamba
02. Wild Ones
03. Up All Night
04. Kill The Flies
05. One Night Stand
06. Blood On The Sun
07. Crap That Gets In The Way Of Your Dreams
08. Famous Face
09. Money Screams
10. What A Syd
11. Inter Galactic Vagabond Blues
12. What Happened To You
13. I Ain’t Done Wrong
14. See You On The Other Side
Besetzung
Alice Cooper – Gesang / Mundharmonika
Michael Bruce – Gitarre / Gesang
Dennis Dunaway – Bass
Neal Smith – Schlagzeug
Gyasi Heus – Lead-Gitarre
Rick Tedesco – Lead-Gitarre
Robby Krieger – Gastgitarre auf Black Mamba
Glen Buxton – posthume Gitarrenaufnahme auf What Happened To You
Bob Ezrin – Produktion
Was passiert, wenn man den Sargdeckel nicht einfach öffnet, sondern ihn mit einem dreckigen Grinsen, einem bluesigen Gitarrenriff und einer ordentlichen Portion Theaterqualm aus den Angeln tritt? Die Antwort liefern Alice Cooper und seine originale Band auf »The Revenge Of Alice Cooper«. Und ja, hier geht es nicht bloß um irgendein weiteres Spätwerk einer Rocklegende, die noch einmal beweisen will, dass der Zylinder immer noch sitzt. Hier steht tatsächlich wieder ein großer Teil jener Formation im Raum, die Anfang der Siebziger den Shock Rock aus der Garage auf die großen Bühnen gezerrt hat.
Alice Cooper, Michael Bruce, Dennis Dunaway und Neal Smith haben sich zusammen mit Produzenten-Legende Bob Ezrin noch einmal zusammengefunden. Nur Glen Buxton, der 1997 verstorbene Gitarrist der Originalbesetzung, kann naturgemäß nicht mehr vollständig dabei sein. Und doch schwebt sein Geist über diesem Album. Mehr noch: Auf »What Happened To You« ist er über eine archivierte Gitarrenaufnahme posthum präsent. Das ist kein billiger Nostalgietrick, sondern ein emotionaler Brückenschlag zwischen damals und heute.
Natürlich könnte man nun leicht zynisch werden. Braucht die Welt 2025 wirklich noch ein neues Album der originalen Alice Cooper Group? Muss man nach über fünf Jahrzehnten unbedingt noch einmal an eine Geschichte anknüpfen, die mit Alben wie »Love It To Death«, »Killer«, »School’s Out«, »Billion Dollar Babies« und »Muscle Of Love« längst im Kanon steht? Die Antwort lautet: Ja, wenn es so klingt wie hier. Denn »The Revenge Of Alice Cooper« ist keine müde Museumsvorführung, sondern ein Album, das tatsächlich knarzt, groovt, beißt und an vielen Stellen verdammt lebendig wirkt.
Das Werk klingt so, als hätte man eine alte Spukvilla nicht renoviert, sondern nur den Staub von den Verstärkern geblasen. Alles wirkt organisch, handgemacht und bewusst nicht zu glattgebügelt. Keine sterile Plastikproduktion, keine klinisch korrigierte Rock-Illusion, kein verzweifelter Versuch, modern zu klingen. Stattdessen gibt es Garage Rock, Blues Rock, Hard Rock, Schocktheater, schwarzen Humor und diesen ganz speziellen Alice-Cooper-Vibe, der schon immer irgendwo zwischen Horrorfilm, Vaudeville, Straßendreck und Rock ’n’ Roll-Zirkus lag.
(Schaut hier die Clips und Hört die Songs zu »The Revenge Of Alice Cooper«)
DER SARGDECKEL KNARRT, ABER ER FÄLLT NICHT AUSEINANDER
Mit »Black Mamba« startet das Album nicht mit einem plumpen Knall, sondern mit einem bedrohlichen Schleichen. Der Song kriecht tatsächlich aus den Boxen, als würde sich etwas Giftiges unter der Bettdecke bewegen. Musikalisch ist das ein düsterer, bluesig schiebender Hard-Rock-Opener, der nicht auf Geschwindigkeit setzt, sondern auf Atmosphäre, Gift und Charisma. Der Gastbeitrag von Robby Krieger von The Doors passt dabei hervorragend, weil sein Spiel dem Stück eine psychedelische, leicht fiebrige Note gibt.
Inhaltlich lässt sich »Black Mamba« als klassisches Cooper-Spiel mit Versuchung, Gefahr und animalischer Verführung lesen. Die Schlange ist hier nicht nur Tier, sondern Symbol für Begehren, Manipulation und den Moment, in dem man genau weiß, dass etwas schlecht für einen ist, aber trotzdem näher heranrückt. Genau darin liegt die Stärke dieses Songs: Er erklärt nicht zu viel, sondern zieht seine Hörer in ein kleines Gruselkabinett aus Sex, Gift und schwarzem Humor. Instrumental zeigt die Band direkt, dass sie den alten Groove nicht verloren hat. Der Song ist kein Hochgeschwindigkeitsmonster, aber ein starkes, giftiges Statement.
»Wild Ones« zieht das Tempo anschließend spürbar an. Hier wird nicht mehr geschlichen, hier wird mit durchgetretenem Gaspedal durch die Nacht gefahren. Der Song wirkt wie eine Biker-Gang-Hymne für Außenseiter, die sich nicht einsperren lassen wollen und ihre Existenz aus Trotz, Lärm und Benzingeruch zusammenbauen. Lyrisch geht es um Rebellion, Gruppengefühl und dieses typische Rock-’n’-Roll-Versprechen, dass man lieber brennt, als brav im Schatten zu stehen.
Musikalisch ist das eine der unmittelbarsten Nummern des Albums. Die Gitarren riffen schön schmutzig, das Schlagzeug treibt ohne unnötige Schnörkel, und Alice Cooper klingt erfreulich bissig. Der Refrain ist nicht kompliziert, aber genau das ist hier der Punkt. »Wild Ones« will keine progressive Abhandlung sein, sondern ein Faust-in-die-Luft-Song. Das funktioniert. Nicht jede Sekunde ist subtil, doch Rock ’n’ Roll war ja noch nie dafür bekannt, mit Samthandschuhen an die Tür zu klopfen.
Mit »Up All Night« wird es dann noch etwas schmieriger, frecher und augenzwinkernder. Der Song arbeitet mit dem alten Thema der durchgemachten Nacht, aber bei Alice Cooper ist natürlich nichts einfach nur Party. Zwischen großmäuliger Selbstinszenierung, nächtlicher Gier, moralischer Flexibilität und leicht grotesker Komik wird hier ein Charakter gezeichnet, der gleichzeitig lächerlich und gefährlich wirkt. Genau diese Mischung beherrscht Cooper seit Jahrzehnten.
Instrumental besitzt »Up All Night« einen kräftigen Riff-Motor und eine schöne Hard-Rock-Kante. Besonders stark ist, wie trocken die Band spielt. Da wird nichts unnötig aufgepumpt. Der Song rollt, stampft und grinst dabei dreckig. Die Gitarre gibt dem Stück genug Biss, während die Rhythmusfraktion zuverlässig dafür sorgt, dass der Track nicht in bloße Pose kippt. Inhaltlich ist das nicht die tiefsinnigste Nummer der Platte, aber als Rock-’n’-Roll-Karikatur funktioniert sie bestens.
FLIEGEN, SPUK UND DER WAHNSINN IM KOPF
»Kill The Flies« ist einer jener Songs, bei denen man sofort merkt, warum Alice Cooper in diesem Genre eine eigene Klasse ist. Hier wird der Horror nicht über billige Schockeffekte erzeugt, sondern über ein kleines, verstörendes Innenleben. Der Text lässt sich als Blick in einen institutionalisierten, vielleicht medikamentös gedämpften Geist verstehen, der zwischen scheinbarer Fürsorge, Einsamkeit und wachsender Paranoia schwankt. Die Fliegen werden dabei zum Sinnbild für störende Gedanken, Todesnähe oder den permanenten Lärm im Kopf.
Musikalisch ist das ein echtes Highlight. Die Nummer verbindet Theatralik mit einem robusten Gitarrenfundament und lässt genügend Raum für diese typische Cooper-Stimmung, die irgendwo zwischen Nervenheilanstalt, Gruseloper und Garagenrock liegt. Der Refrain ist simpel, aber effektiv, weil er sich wie ein Zwangsgedanke wiederholt. De facto ist »Kill The Flies« einer der stärksten Momente des Albums, weil hier Inhalt und musikalische Umsetzung nahezu perfekt ineinandergreifen.
»One Night Stand« bewegt sich danach wieder stärker im Bereich schmutziger Rock-’n’-Roll-Unterhaltung. Der Song trägt den Schalk im Nacken und wirkt wie eine kleine Bühnenszene über flüchtige Begierde, Selbstbetrug und die kurze Illusion von Nähe. Man kann das natürlich oberflächlich als Nummer über eine schnelle Nacht lesen. Spannender wird es aber, wenn man darunter die Einsamkeit erkennt, die bei Cooper oft hinter dem Make-up wartet.
Musikalisch ist das Stück solide, lässig und angenehm direkt. Die Band spielt hier nicht mit maximaler Härte, sondern mit einem swingenden Rock-Gefühl, das an verrauchte Clubs, klebrige Tresen und verschwitzte Backstageräume erinnert. Ganz oben auf der Highlight-Liste landet der Song für mich nicht, aber er erfüllt seine Funktion im Albumkontext sehr gut. Er nimmt etwas Druck heraus, ohne langweilig zu werden, und zeigt die humorvolle Seite der Platte.
Mit »Blood On The Sun« folgt dann der große, epischere Brocken des Albums. Über sechs Minuten Spielzeit sind für diese Platte schon eine Ansage, und tatsächlich wirkt der Song größer, breiter und dramatischer als viele andere Stücke. Die Atmosphäre ist dunkler, beinahe apokalyptisch. Inhaltlich kann man den Song als Collage aus Untergangsbildern, Schuld, Gewalt und filmischer Symbolik verstehen. Die Sonne ist hier kein Hoffnungssymbol, sondern ein blutiger Projektionsraum.
Instrumental zeigt die Band hier, dass sie mehr kann als nur dreckig losrocken. Der Song baut sich sorgfältiger auf, lässt Raum für Gitarrenarbeit und lebt von einem dramatischen Spannungsbogen. Besonders die Solopassagen geben dem Stück Gewicht. Ganz ohne Einschränkung kommt »Blood On The Sun« aber nicht davon: Im letzten Drittel hätte man die Nummer etwas straffer halten können. Trotzdem bleibt sie einer der ambitionierteren und musikalisch stärkeren Beiträge der Platte, gerade weil sie nicht auf den schnellen Effekt setzt.
TRAUMMÜLL, FERNSEHFRATZEN UND GELDGESCHREI
Schon der Titel »Crap That Gets In The Way Of Your Dreams« ist so herrlich Cooper, dass man fast automatisch grinsen muss. Der Song beschäftigt sich mit all dem Ballast, der sich zwischen einen Menschen und seine Träume stellt. Alltag, Geld, Erwartungen, Frust, geistiger Müll, äußere Widerstände und innere Ausreden. Das Ganze wird aber nicht als wehleidige Selbsthilfenummer präsentiert, sondern als bissiger Garage-Rock-Song mit Punk-Kante.
Musikalisch gehört diese Nummer zu den kompaktesten und direktesten Momenten des Albums. Das Riff sitzt, der Groove macht Spaß, und der Song kommt ohne große Umwege auf den Punkt. Hier zeigt sich, dass die Alice Cooper Group dann am stärksten ist, wenn sie den Schmutz nicht wegpoliert. Gerade die leicht ruppige Art tut dem Album gut, weil sie verhindert, dass die Nostalgie zu gemütlich wird. »Crap That Gets In The Way Of Your Dreams« ist nicht nur ein starker Titel, sondern auch ein starker Song.
»Famous Face« nimmt sich anschließend die Welt der hohlen Bekanntheit vor. Hier geht es um Gesichter, die überall auftauchen, aber kaum Substanz mitbringen. Fernsehen, Öffentlichkeit, leere Selbstdarstellung, Prominenz als Selbstzweck: Das ist natürlich ein dankbares Thema für Alice Cooper, der seit jeher verstanden hat, dass Ruhm immer auch Theater, Maske und Groteske ist.
Musikalisch kommt der Song mit einem schönen Vintage-Twist aus den Boxen. Die Nummer groovt, besitzt bissige Gitarren und wirkt etwas kantiger als ein bloßer Mitsing-Rocker. Dass hier ein anderer Stimmcharakter ins Spiel kommt, tut dem Album gut, weil es die Bandseite stärker betont. Man hört, dass hier keine anonyme Begleittruppe hinter einem Frontmann steht, sondern eine historisch gewachsene Einheit. »Famous Face« ist zynisch, griffig und eines der Stücke, die mit jedem Durchlauf etwas mehr hängen bleiben.
»Money Screams« macht dann ziemlich unmissverständlich klar, worum es geht. Geld schreit, Geld lockt, Geld bestimmt, Geld frisst sich in Beziehungen, Wünsche und Moralvorstellungen. Inhaltlich kann man den Song als satirischen Blick auf Konsum, Gier und die grelle Lautstärke kapitalistischer Versprechen verstehen. Cooper wäre aber nicht Cooper, wenn daraus eine trockene Predigt würde. Das Ganze bleibt schräg, bissig und rockig.
Musikalisch stampft der Song ordentlich und besitzt eine eingängige, fast schon leicht rotzige Schlagseite. Nicht jeder Moment wirkt so zwingend wie bei den stärksten Nummern der Platte, aber der Groove trägt das Stück gut. Die Gitarrenarbeit ist solide, der Rhythmus schiebt, und der Song fügt dem Album eine weitere Facette hinzu. Vielleicht fehlt hier der letzte große Haken, der sich sofort im Gehirn festbeißt, aber als bissiger Kommentar funktioniert »Money Screams« durchaus.
CABARET AUS DER HÖLLE UND BLUES AUS DEM ALL
Mit »What A Syd« wird es dann herrlich schräg. Das Stück wirkt wie ein Abstecher in eine verrauchte Nachtbar irgendwo zwischen Vaudeville, Kabarett, Jazz-Club und Höllenvorzimmer. Wer hier einen geradlinigen Hard-Rock-Song erwartet, wird vermutlich kurz irritiert auf seine Anlage schauen. Doch genau solche Ausflüge gehören zur DNA von Alice Cooper. Dieser Mann war nie nur Riff und Lederjacke, sondern immer auch Zylinder, Schminke, Showtreppe und schwarzer Humor.
Inhaltlich lässt sich »What A Syd« als schrullige Charakterstudie über Exzess, Eigenart und vielleicht auch über jene Menschen verstehen, die am Rand des Normalen stehen und gerade deshalb faszinieren. Musikalisch ist die Nummer vielleicht nicht der härteste Moment des Albums, aber einer der charaktervollsten. Die swingende Grundierung, das leicht überdrehte Bühnengefühl und die bewusst theatralische Präsentation machen den Song zu einem charmanten Sonderling. Kein klassischer Hit, aber absolut Cooper.
»Inter Galactic Vagabond Blues« trägt seinen Unsinn bereits stolz im Titel. Und ja, dieser Song klingt tatsächlich so, als hätte jemand einen Blues-Rocker in ein altes Science-Fiction-B-Movie geworfen und ihm noch eine Mundharmonika in die Hand gedrückt. Das Ergebnis ist absurd, aber erfreulich unterhaltsam. Inhaltlich wirkt die Nummer wie eine kosmische Landstreicherfantasie, in der Weltraum, Blues und Spelunkenhumor miteinander kollidieren.
Musikalisch groovt das Ganze deutlich stärker, als man bei diesem Titel vielleicht erwarten würde. Die Mundharmonika bringt Dreck und Erdung, während die Gitarren den Song angenehm nach vorne treiben. Der Song ist sicher nicht die emotionalste Nummer der Platte, aber er macht Spaß und lockert das Album im richtigen Moment auf. Man muss solche Albernheiten mögen. Wer Alice Cooper aber nur bierernst hören will, hat vermutlich ohnehin nie ganz verstanden, worum es bei diesem Gesamtkunstwerk geht.
Dann folgt mit »What Happened To You« einer der historisch wichtigsten Songs der Platte. Schon allein durch den posthumen Beitrag von Glen Buxton trägt dieses Stück ein besonderes Gewicht. Das Lied wirkt wie eine Zeitkapsel, aber nicht wie eine staubige Reliquie. Eher so, als hätte man eine alte Tür geöffnet und dahinter noch einmal den Geruch von Verstärkern, Zigaretten, verschwitzten Clubs und jugendlichem Größenwahn gefunden.
Musikalisch ist »What Happened To You« ein flotter, klassischer Rock-’n’-Roller mit schönem Piano-Flair und einem authentischen Retro-Puls. Inhaltlich kann man den Song als Blick auf Veränderung, verlorene Nähe und die Frage lesen, was aus jemandem geworden ist, der früher einmal eine andere Energie ausgestrahlt hat. Gerade durch den Buxton-Bezug bekommt diese Frage eine zusätzliche emotionale Ebene. Das ist nicht der makelloseste Song des Albums, aber einer der berührendsten.
ALTE WURZELN UND EIN BLICK AUF DIE ANDERE SEITE
»I Ain’t Done Wrong« ist eine Verneigung vor den Yardbirds und damit auch vor einer musikalischen DNA, ohne die die frühe Alice Cooper Group kaum denkbar wäre. Hier kommt der Blues noch einmal deutlich stärker zum Tragen. Die Nummer klingt rau, direkt und bewusst nicht überproduziert. Man spürt, dass dieser Song nicht einfach nur als Füllmaterial auf die Platte gesetzt wurde, sondern als Erinnerung an jene Wurzeln, aus denen diese ganze Rock-Monstrosität irgendwann herausgewachsen ist.
Instrumental funktioniert das sehr gut, weil die Band den Blues nicht museal behandelt. Die Mundharmonika sitzt, die Gitarren haben genügend Biss, und der Groove trägt die Nummer mit einer gewissen Lässigkeit. Lyrisch geht es klassisch um Schuld, Unschuld, Rechtfertigung und diesen alten Blues-Gestus, bei dem sich ein Erzähler gegen Vorwürfe stemmt. Nicht neu, aber wirkungsvoll. Im Albumfluss ist »I Ain’t Done Wrong« ein erdiger Rückgriff auf die Basis.
Den Abschluss bildet »See You On The Other Side«, und hier wird es unerwartet emotional. Nach all dem Gift, dem Spuk, dem Dreck, dem Witz und dem Rock-’n’-Roll-Wahnsinn öffnet sich die Platte plötzlich zu einer Ballade, die nicht kitschig, sondern erstaunlich würdevoll wirkt. Inhaltlich geht es um Abschied, Erinnerung und das Versprechen, dass man sich auf irgendeine Weise wiedersehen wird. Natürlich kann man den Song im Kontext von Glen Buxton hören, und genau dann trifft er besonders stark.
Musikalisch ist das ein getragenes Finale, das nicht versucht, mit Gewalt noch einmal alles zu überbieten. Die Band nimmt sich zurück, lässt die Melodie atmen und gibt Alice Cooper Raum für eine Stimme, die hier nicht den Schockrocker, sondern den alten Weggefährten zeigt. Gerade deshalb funktioniert der Song so gut. »See You On The Other Side« ist kein billiger Feuerwerksabschluss, sondern ein letzter Blick zurück und zugleich ein Händedruck in Richtung Jenseits. Stark.
FAZIT:
»The Revenge Of Alice Cooper« ist kein Album, das krampfhaft beweisen muss, dass alte Männer noch rocken können. Es tut es einfach. Und genau das ist der entscheidende Punkt. Alice Cooper, Michael Bruce, Dennis Dunaway und Neal Smith klingen nicht wie eine nostalgische Karikatur ihrer selbst, sondern wie Musiker, die ihre gemeinsame Sprache noch immer verstehen. Natürlich hört man diesem Album seine Herkunft an. Es atmet Siebziger, Garage, Blues, Shock Rock und Vaudeville. Aber es wirkt nicht wie ein künstlich konserviertes Museumsstück.
Bob Ezrin hat dem Album einen Sound gegeben, der warm, organisch und angenehm unklinisch daherkommt. Die Platte knarzt an den richtigen Stellen, besitzt Charakter und verweigert sich erfreulicherweise jener modernen Rock-Glätte, die viele aktuelle Produktionen austauschbar macht. Nicht jeder Song ist ein Volltreffer. »Money Screams« und »One Night Stand« sind solide, aber nicht ganz auf dem Niveau der stärksten Nummern. Auch »Blood On The Sun« hätte trotz seiner starken Momente etwas kompakter ausfallen dürfen.
Doch das sind kleinere Einwände in einem Gesamtbild, das erstaunlich geschlossen funktioniert. Die stärksten Songs sind »Black Mamba«, »Wild Ones«, »Kill The Flies«, »Crap That Gets In The Way Of Your Dreams«, »What Happened To You« und »See You On The Other Side«. Besonders beeindruckend ist, dass dieses Album nicht nur von seiner historischen Bedeutung lebt, sondern tatsächlich musikalisch Spaß macht.
»The Revenge Of Alice Cooper« ist somit mehr Wiederauferstehung als Rache. Ein spätes Kapitel, das nicht peinlich nach Jugend giert, sondern seine Vergangenheit mit Würde, Witz und ordentlich Dreck unter den Fingernägeln weiterführt. Wer klassischen Hard Rock, Shock Rock, Blues-Rock-Groove und die theatrale Seite von Alice Cooper liebt, bekommt hier ein Album, das sehr viel besser ist, als man nach über fünf Jahrzehnten Pause realistischerweise erwarten durfte. Der Sarg ist offen, die Schlange zischt, und irgendwo grinst Glen Buxton wahrscheinlich mit. Rock ’n’ Roll.






