Tracklist
01. Raise All Thy Horns
02. Mystic Tavern
03. Seeker of Time
04. To a New World
05. I skogens djup
06. Goddess of My Dreams
07. Ride the White Storm
08. Old Gods Awaken
Besetzung
Mattias Sippola – Guitar, Vocals, Composition, Production
Max Sepulveda – Drums, Engineering
Elia Baghbaniyan – Guitar
Spencer Budworth – Bass, Vocals
Zwischen Frostlandschaften und nordischer Mystik
Seit ihrer Gründung 2017 in Vancouver stehen ATAVISTIA für epischen Extreme-Metal mit cineastischem Anspruch. Inspiriert von verschneiten Landschaften Kanadas, nordischer Mythologie und den gewaltigen Kräften der Natur erschafft die Band Klangwelten, die zwischen Schönheit und Zerstörung pendeln. Nach der EP »One With The Sun« sowie den Alben »The Winter Way« und »Cosmic Warfare« legt die Formation nun mit »Old Gods Awaken« nach. Das Werk verbindet melodischen Death Metal mit symphonischer Opulenz und folkigen Einschüben, ohne die harsche Seite der Band zu vernachlässigen.
Das Line-up um Mattias Sippola (Gitarre, Vocals, Komposition, Produktion), Max Sepulveda (Drums, Engineering), Elia Baghbaniyan (Gitarre) und Spencer Budworth (Bass, Vocals) setzt dabei erneut auf atmosphärische Größe statt auf reine Brutalität. Das Ergebnis ist ein Album, das starke Momente besitzt, sich aber nicht immer von bekannten Genrestandards lösen kann.
Atmosphärischer Einstieg mit viel Pathos
Schon das kurze Intro »Raise All Thy Horns« öffnet die Tore zu einer frostigen Fantasywelt. Hörner, orchestrale Elemente und hymnische Melodien erzeugen sofort Bilder von endlosen Schneelandschaften und nordischen Schlachtfeldern. Danach entfaltet »Mystic Tavern« seine ganze Stärke. Der Song kombiniert eingängige Gitarrenmelodien mit kraftvollen Growls und einem beinahe folkloristischen Unterton. Besonders die symphonischen Arrangements wirken hier organisch und verleihen dem Stück einen cineastischen Charakter.
ATAVISTIA verstehen es generell gut, Atmosphäre aufzubauen. Die Gitarrenarbeit bewegt sich zwischen melodischem Death-Metal skandinavischer Prägung und modernem Symphonic-Metal. Immer wieder tauchen Keyboardflächen auf, die den Songs zusätzliche Tiefe geben, ohne das Klangbild komplett zu überladen. Gerade in ruhigeren Passagen zeigt die Band ein Gespür für Dynamik.
Zwischen Melodie und Routine
»Seeker of Time« und »To a New World« führen die musikalische Reise konsequent fort. Beide Stücke besitzen starke Refrains und solide Riffarbeit, hinterlassen jedoch nicht denselben nachhaltigen Eindruck wie die stärkeren Momente des Albums. Hier zeigt sich eines der zentralen Probleme von »Old Gods Awaken«. Viele Ideen klingen vertraut. Fans von Bands wie WINTERSUN oder ENSIFERUM werden zahlreiche stilistische Parallelen entdecken.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Songs schwach wären. Vielmehr fehlt gelegentlich der entscheidende Funke Eigenständigkeit. Die Produktion ist druckvoll und sauber, manchmal aber fast zu geschniegelt. Gerade die orchestralen Elemente hätten stellenweise etwas roher und mutiger ausfallen dürfen.
Mit »I skogens djup« gelingt der Band anschließend ein atmosphärischer Höhepunkt. Der Titel setzt stärker auf melancholische Stimmungen und nordische Folk-Einflüsse. Die Melodien wirken hier deutlich emotionaler, während die Gitarren harmonisch mit den symphonischen Elementen verschmelzen. Das Stück transportiert genau jene eisige Magie, die man sich von diesem Stil erhofft.
Große Emotionen und epischer Anspruch
»Goddess of My Dreams« bringt erneut mehr Härte ins Spiel. Blastbeats treffen auf hymnische Leads und dichte Keyboardarrangements. Besonders Max Sepulveda liefert hier eine starke Performance ab. Sein Drumming hält die oft ausufernden Kompositionen zusammen und sorgt dafür, dass die Songs trotz aller orchestralen Ausschmückungen nicht auseinanderfallen.
Auch »Ride the White Storm« überzeugt mit kräftigem Tempo und einer gelungenen Mischung aus Aggression und Melodie. Der Song gehört zu den energischsten Momenten des Albums und zeigt, dass ATAVISTIA dann am stärksten wirken, wenn sie ihre epische Seite mit direkter Härte kombinieren.
Der abschließende Titeltrack »Old Gods Awaken« bildet mit über elf Minuten das Herzstück der Platte. Die Band versucht hier, sämtliche Facetten ihres Sounds zusammenzuführen, akustische Passagen, orchestrale Ausbrüche, melodische Gitarrenläufe und aggressive Death-Metal-Attacken. Das funktioniert über weite Strecken gut, auch wenn sich manche Abschnitte etwas ziehen. Dennoch besitzt das Finale genügend starke Momente, um einen würdigen Abschluss zu liefern.
Zwischen Blizzard und Bekanntem
»Old Gods Awaken« ist ein solides bis starkes Symphonic-Death-Metal-Album mit eindrucksvoller Atmosphäre und viel Liebe zu epischen Klanglandschaften. ATAVISTIA beherrschen ihr Handwerk und erschaffen immer wieder intensive Momente voller nordischer Mystik und frostiger Melancholie. Vor allem Fans melodischer Extreme-Metal-Spielarten dürften hier einiges entdecken, das begeistert.
Gleichzeitig fehlt dem Album stellenweise die eigene Identität, um sich klar von den großen Genrevertretern abzuheben. Einige Songs wirken vertraut, manche Arrangements zu kalkuliert.
Trotzdem bleibt genügend Qualität vorhanden, um »Old Gods Awaken« zu einem hörenswerten Werk zu machen. Wer auf melodischen Death-Metal mit symphonischer Wucht, Folk-Anklängen und winterlicher Atmosphäre steht, sollte dieser Veröffentlichung definitiv eine Chance geben.
Fazit: »Old Gods Awaken« ist ein gelungenes Kapitel in der Diskografie von ATAVISTIA.






