Aetere - Theogonie - cover Artwork

Band: AETERE 🇫🇷
Titel: Théogonie
Label: Octopus Rising / Argonauta Records
VÖ: 05.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Doom Metal / Doomgaze / Drone

Tracklist

01. Ténébrisme
02. Galea
03. Cilice
04. Thanatos
05. Innocence
06. Eudaimonia

Besetzung und Produktion

Alice Ronzini – Gesang, Gitarren, Bass, Texte, Komposition, Mix
Johan Sebenne – Synthesizer, Bass, Machines, Komposition, Mix

Dirk Serries – Mastering
Mal De Siglos – Artwork
Lucia Macip – Layout

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Doom Metal ist die Kunst, musikalische Schwere nicht über Geschwindigkeit, sondern über Zeit, Wiederholung und Raum zu erzeugen. Das französische Duo AETERE erweitert dieses Prinzip auf seinem Debütalbum »Théogonie« um Shoegaze-Flächen, Post-Punk-Spannung, dröhnende Synthesizer und rituelle Elektronik. Anstelle einer klassischen Riffparade entsteht ein langsamer Bewusstseinsstrom, in dem sich körperliche Vergänglichkeit, Mythologie und die Suche nach einer inneren göttlichen Kraft miteinander verbinden.

YouTube Art Track: Ténébrisme

DIE GEBURT DES GOTTES IM MENSCHEN

Der Begriff Theogonie bezeichnet ursprünglich die Entstehung und Abstammung von Göttern. AETERE übertragen diese Idee jedoch nicht einfach auf eine Nacherzählung griechischer Mythologie. Das Album beschreibt die Geburt einer inneren Gottheit: Der Mensch erkennt, dass die gesuchte Macht, Wahrheit und geistige Ordnung nicht zwangsläufig außerhalb seiner selbst liegen.

Diese Selbstvergöttlichung ist auf »Théogonie« keine triumphierende Pose. Sie entsteht aus Einsamkeit, Scham, Verlust und der Erfahrung, dass die materielle Existenz jederzeit zerbrechen kann. Der innere Gott wird nicht auf einem goldenen Thron geboren, sondern in einem Menschen, der sich seiner Sterblichkeit bewusst wird und dennoch nach einem beständigen geistigen Kern sucht.

Die sechs Kompositionen bilden entsprechend keine Sammlung voneinander unabhängiger Songs. Sie wirken wie verschiedene Stationen einer rituellen Entwicklung. Dunkelheit, Freundschaft, Buße, Tod, Unschuld und erfülltes Leben werden nacheinander untersucht, bis sich aus diesen zunächst widersprüchlichen Begriffen ein gemeinsamer Gedanke formt.

LICHT UND FINSTERNIS OHNE KLARE GRENZE

»Ténébrisme« eröffnet das Album rein instrumental. Der Titel verweist auf den Tenebrismus, eine Kunstrichtung, in der starke Hell-Dunkel-Kontraste die Wahrnehmung eines Bildes bestimmen. Musikalisch wird dieser Gegensatz jedoch nicht durch einen einfachen Wechsel zwischen ruhigen und schweren Passagen dargestellt.

Stattdessen lässt Johan Sebenne einen tiefen Synthesizer-Drone entstehen, der die Funktion eines klassischen Doom-Riffs übernimmt. Das Gewicht kommt nicht aus einer deutlich umrissenen Gitarrenfigur, sondern aus einer tiefen Frequenzfläche, die sich immer weiter über den Hörraum ausdehnt. Der Subbass arbeitet wie ein langsamer Puls, während die programmierten Rhythmen weniger antreiben als eine Richtung vorgeben.

Gitarren und physischer Bass treten im Opener kaum als klar voneinander getrennte Instrumente hervor. Dadurch entsteht ein zunächst abstrakter Zugang zum Album. Der Hörer bekommt keinen sofortigen Refrain und keinen zentralen Gesang, sondern wird in einen Zustand versetzt, in dem Dunkelheit und Licht nicht als Gegensätze, sondern als Bestandteile derselben Wahrnehmung erscheinen.

Die Stärke der Komposition liegt in ihrer Konsequenz. AETERE halten die Spannung über beinahe sieben Minuten aufrecht, ohne auf den erwartbaren großen Ausbruch zurückzugreifen. Allerdings wird bereits hier deutlich, dass das Duo Geduld voraussetzt. Wer von Doom Metal vor allem wiedererkennbare Gitarrenriffs erwartet, muss sich zunächst an diese beinahe körperlose Form der Schwere gewöhnen.

FREUNDSCHAFT ÜBER DUNKLEM WASSER

»Galea« ist das zugänglichste Stück des Albums und zugleich dessen persönlichster Moment. Der Song behandelt eine Freundschaft, die durch geografische Entfernung getrennt wird. Nähe ist weiterhin vorhanden, kann aber nicht mehr selbstverständlich gelebt werden. Gefühle werden dadurch so schwer, dass sie mit dunklem Wasser vergleichbar erscheinen.

Alice Ronzini singt nicht wie eine klassische Doom-Frontfrau, die sich über dem Instrumentarium behaupten möchte. Ihre Stimme wird als weitere Klangfarbe in das Arrangement eingebettet. Sie schwebt zwischen Gitarren, Synthesizern und Bass, ist manchmal klar erkennbar und löst sich an anderer Stelle beinahe vollständig in der umgebenden Fläche auf.

Diese Entscheidung passt zum Inhalt. Die Stimme klingt wie ein Signal aus großer Entfernung: emotional verständlich, räumlich jedoch schwer erreichbar. Der Text beschreibt keine zerbrochene Freundschaft, sondern die Belastung, die entsteht, wenn Verbundenheit bestehen bleibt, der gemeinsame Alltag aber verschwindet.

Ronzini zeigt hier ein feines Gespür für Zurückhaltung. Sie setzt keine großen vokalen Gesten ein, sondern arbeitet mit langen Tönen, vorsichtiger Phrasierung und einer fast körperlosen Präsenz. Sebennes Synthesizer und Bass geben dem Song darunter eine dunkle Tiefe, während die maschinelle Rhythmik das Material langsam vorwärtsbewegt.

Der Mittelteil öffnet die Komposition und lässt etwas mehr Licht in den Sound. Diese Veränderung wirkt nicht wie eine vollständige Befreiung, sondern wie die kurze Erinnerung daran, dass Entfernung eine Beziehung belasten, aber nicht zwangsläufig auslöschen muss.

DAS BÜSSERGEWAND ALS INNERE VERLETZUNG

Ein Cilice ist ein Bußinstrument, das körperliches Unbehagen oder Schmerz erzeugt und dadurch an Schuld, Disziplin und religiöse Unterwerfung erinnern soll. »Cilice« verwendet dieses Bild für einen Konflikt aus Ehrgeiz, Scham, Bestrafung und der widersprüchlichen Natur menschlicher Existenz.

Teile der inhaltlichen Inspiration stammen aus dem ersten Buch von John Miltons »Paradise Lost«. Damit rückt die Figur des gefallenen Wesens in den Mittelpunkt, das sich seiner Niederlage bewusst ist, den eigenen Stolz aber nicht vollständig aufgeben kann. Scheitern führt nicht automatisch zu Demut. Es kann ebenso neue Wut, Trotz und den Wunsch nach Selbstbehauptung hervorbringen.

Musikalisch ist »Cilice« das dichteste Stück der ersten Albumhälfte. Ein tiefer Drone liegt unter der gesamten Komposition und ersetzt erneut das klassische Riff als primäres Ordnungsprinzip. Gitarren, Bass und Synthesizer werden übereinandergeschichtet, bis ihre einzelnen Grenzen kaum noch nachvollziehbar sind.

Ronzini singt aus dieser Klangmasse heraus, ohne jemals vollständig vor sie zu treten. Ihre Stimme besitzt etwas Liturgisches, wirkt aber nicht tröstlich. Sie erinnert eher an ein Gebet, dessen Adressat möglicherweise gar nicht mehr existiert. Der langsame Aufbau verstärkt die Vorstellung einer Strafe, die nicht durch einen einzigen gewaltsamen Moment, sondern durch permanente Wiederholung wirkt.

Die Gitarren setzen weniger auf konkrete Tonfolgen als auf Oberflächen und anhaltende Spannung. Das verlangt von Ronzini eine andere Form instrumentaler Kontrolle: Sie muss nicht möglichst viele Noten spielen, sondern entscheiden, welche Frequenzen stehen bleiben, welche sich langsam verändern und wann ein neuer Akkord tatsächlich notwendig wird.

DER TOD ALS BEGINN DER SELBSTERKENNTNIS

»Thanatos« trägt den Namen der griechischen Personifikation des Todes. Inhaltlich führt der Song jedoch nicht einfach zum Ende des Lebens. Er beschreibt einen Menschen, der im Spiegel erkennt, selbst die göttliche Instanz zu sein, nach der er zuvor außerhalb seiner eigenen Existenz gesucht hat.

Der Tod erfüllt dabei eine doppelte Funktion. Einerseits zerstört er die Vorstellung körperlicher Beständigkeit. Andererseits zwingt die Erkenntnis der Sterblichkeit den Menschen dazu, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Wer nicht auf eine äußere Erlösung vertrauen kann, muss die Bedeutung seiner Existenz selbst erzeugen.

Die göttliche Kraft erscheint deshalb weder friedlich noch ausschließlich gut. Sie wird mit innerem Krieg, Einsamkeit und einer Gewalt verglichen, die den Himmel aufspaltet. Die Erkenntnis, der eigene Gott zu sein, befreit den Menschen von Unterwerfung, nimmt ihm aber zugleich die Möglichkeit, Schuld, Entscheidungen und Versagen an eine höhere Macht abzugeben.

Musikalisch bringt »Thanatos« eine deutlicher erkennbare Gitarrenmelodie hervor. Ronzinis Spiel nähert sich stellenweise dem klassischen Death Doom und entwickelt eine melancholische Führung, die sich aus dem umgebenden Drone löst. Das Solo ist nicht auf technische Wirkung ausgerichtet, sondern verlängert den emotionalen Zustand des Songs.

Sebennes Synthesizer bleiben im Hintergrund ständig präsent. Sie erzeugen eine Tiefe, in der die Gitarre nicht einfach über dem Arrangement steht, sondern aus einem dunklen Untergrund aufzusteigen scheint. Die Stimme gibt dem langen Stück schließlich Struktur und verhindert, dass es vollständig in freier Atmosphäre zerfällt.

UNSCHULD ALS FÄHIGKEIT ZU SEHEN

Mit beinahe zehn Minuten ist »Innocence« das längste und anspruchsvollste Stück des Albums. Die Komposition greift Ideen aus William Blakes visionärer Dichtung auf. Unschuld bezeichnet dabei nicht kindliche Ahnungslosigkeit, sondern die Fähigkeit, im Kleinen eine größere Wahrheit wahrzunehmen.

Ein Sandkorn kann eine ganze Welt enthalten, weil der menschliche Geist Bedeutung nicht allein anhand materieller Größe bewertet. Diese Vorstellung verbindet sich mit dem Hauptthema von »Théogonie«: Das Göttliche muss nicht als äußere, übermächtige Gestalt erscheinen. Es kann innerhalb eines einzelnen Menschen, eines Gedankens oder eines scheinbar unbedeutenden Moments entstehen.

Der Song beginnt mit Keyboards, die eine meditative und beinahe antike Atmosphäre erzeugen. Ronzinis zunächst gesprochener Vortrag verstärkt den rituellen Charakter. Die Stimme scheint weniger zu erzählen als einen geistigen Zustand zu eröffnen.

Nach und nach verliert die Komposition ihre anfängliche Bodenhaftung. Synthesizer, Gitarren und tiefe Frequenzen breiten sich aus, während die Maschinenrhythmik einen gleichmäßigen, fast post-metallischen Schritt beibehält. Johan Sebenne verhindert damit, dass der Song vollständig ins Formlose abgleitet. Seine programmierte Rhythmik ist der letzte feste Punkt innerhalb eines Arrangements, das sich zunehmend von klaren Songstrukturen entfernt.

Ronzini übernimmt später erneut die Führung mit der Gitarre. Ihr Solo entwickelt sich langsam und methodisch. Es wirkt nicht wie ein plötzlicher emotionaler Höhepunkt, sondern wie das Ergebnis einer langen inneren Konzentration. Gerade in diesem Stück zeigt sich, wie gut beide Musiker ihre Rollen verstehen: Sebenne baut den Raum, Ronzini zeichnet darin die menschliche Bewegung nach.

Die Länge ist dennoch nicht ausschließlich ein Vorteil. Einige Flächen werden sehr lange gehalten, und nicht jede Wiederholung führt zu einer erkennbaren Veränderung. Die hypnotische Wirkung bleibt erhalten, doch ein etwas konzentrierterer Mittelteil hätte den abschließenden Gitarrenmoment noch deutlicher hervorgehoben.

DAS GUTE LEBEN NACH DER GÖTTERGEBURT

»Eudaimonia« bezeichnet in der antiken Philosophie keinen kurzen Glücksmoment, sondern ein gelungenes und erfülltes Leben. Der Mensch erreicht diesen Zustand nicht allein durch Genuss, sondern durch die Entwicklung seiner Fähigkeiten, seines Charakters und seiner inneren Ordnung.

Als Abschluss von »Théogonie« ist dieser Titel konsequent. Nach Dunkelheit, Entfernung, Buße, Tod und der Wiederentdeckung von Unschuld steht am Ende die Frage, wie ein Mensch leben kann, nachdem er seine innere göttliche Kraft erkannt hat.

Das Instrumental beantwortet diese Frage nicht mit einem großen Finale. Es kehrt vielmehr zur abstrakten Welt des Openers zurück, wirkt rhythmisch aber beweglicher. Der Bass tritt deutlicher hervor, das Tempo steigt leicht an, und Tamburin sowie elektronische Hi-Hat markieren den schweren Gang der Komposition.

Sebenne zeigt hier besonders deutlich, dass Maschinen nicht zwangsläufig sterile Musik erzeugen müssen. Die programmierten Elemente wiederholen sich zwar exakt, werden aber von Bass und Synthesizern so umgeben, dass eine beinahe organische Bewegung entsteht.

Der Song wirkt wie das Skelett einer größeren Doom-Komposition. Gesang und ausgedehnte Gitarrenwände fehlen, doch gerade dadurch werden die konstruktiven Grundlagen des Albums hörbar. »Eudaimonia« führt nicht aus der Welt des Albums heraus. Es bestätigt deren Regeln und beendet die Reise dort, wo sie begonnen hat: in einer tiefen Frequenz, die langsam im Raum verschwindet.

ZWEI MUSIKER, EIN GEMEINSAMER RITUS

Alice Ronzini übernimmt auf »Théogonie« Gesang, Gitarren, Bass und Texte. Ihre wichtigste Leistung besteht darin, diese verschiedenen Aufgaben nicht wie voneinander getrennte Beiträge wirken zu lassen. Stimme und Gitarre erfüllen häufig dieselbe Funktion: Sie geben der abstrakten elektronischen Umgebung eine menschliche Form.

Als Sängerin vermeidet Ronzini jede übertriebene Dominanz. Ihre Stimme bleibt ätherisch, teilweise zurückgesetzt und häufig stark mit Hall behandelt. Das kann die Verständlichkeit der Texte erschweren, unterstützt jedoch die Vorstellung, dass die Worte nicht aus einer konkreten Gegenwart, sondern aus Erinnerung, Mythos oder innerem Bewusstsein hervortreten.

An der Gitarre arbeitet sie diszipliniert. Große Riffs werden nicht in schneller Folge präsentiert, sondern langsam vorbereitet. Einzelne Akkorde können lange im Raum stehen, bevor sie durch eine melodische Linie oder einen Wechsel der Klangdichte neu bewertet werden. Ihre stärksten instrumentalen Momente liegen in »Thanatos« und »Innocence«, wo die Gitarre aus der Atmosphäre hervortritt, ohne den Zusammenhang zu zerstören.

Johan Sebenne ist für Synthesizer, Bass und Machines verantwortlich. Seine Arbeit bildet das architektonische Fundament des Albums. Statt Doom Metal ausschließlich über Gitarrenverstärker zu definieren, erzeugt er Gewicht durch Subbass, Drone, elektronische Wiederholung und tieffrequente Verzerrung.

Besonders wichtig ist sein Verständnis von Raum. Die Synthesizer werden nicht als melodische Verzierung eingesetzt, sondern legen die akustischen Dimensionen fest, in denen sich Ronzinis Stimme und Gitarre bewegen können. Manchmal wirken diese Räume eng und bedrückend, an anderer Stelle öffnen sie sich zu großen, beinahe grenzenlosen Flächen.

Der maschinelle Puls ist dabei Stärke und Begrenzung zugleich. Er verleiht der Musik eine rituelle Beständigkeit und verhindert, dass die langen Stücke ihre Richtung verlieren. Gleichzeitig fehlt einigen Übergängen jene körperliche Unberechenbarkeit, die ein menschlicher Schlagzeuger erzeugen könnte. Besonders in den mittleren Passagen von »Cilice« und »Innocence« bleibt die Dynamik dadurch bewusst kontrolliert.

ACHT JAHRE ZWISCHEN ENTSTEHUNG UND VERÖFFENTLICHUNG

Die Kompositionen entstanden ursprünglich zwischen 2017 und 2019 in Bordeaux. Anschließend veränderten Umzüge, die Pandemie und räumliche Trennung die Arbeitsweise des Duos. Dieser lange Entstehungsprozess ist dem Album nicht als stilistische Uneinheitlichkeit anzuhören. Im Gegenteil: »Théogonie« wirkt auffallend geschlossen.

Die zeitliche Distanz dürfte dazu beigetragen haben, dass das Material nicht wie eine spontane Momentaufnahme klingt. Die Songs tragen etwas Bewahrtes in sich, als seien sie über Jahre in einem abgeschlossenen Raum gereift. Gleichzeitig haftet ihnen die Erinnerung an eine bestimmte Phase und ein inzwischen verändertes Bordeaux an.

Ronzini stellte den finalen Mix in ihrem Studio 418 fertig. Das Mastering von Dirk Serries bewahrt die tiefen Frequenzen und die rohe Grundstruktur, ohne die Platte vollständig in einer undifferenzierten Klangmasse versinken zu lassen.

Dennoch ist der Mix bewusst stark auf Tiefmitten und dichte Flächen ausgerichtet. Gitarren, Bass und Synthesizer verschmelzen daher stellenweise so vollständig, dass kleine instrumentale Feinheiten verloren gehen. Wer eine scharf getrennte Produktion erwartet, wird diese Entscheidung als Einschränkung wahrnehmen. Innerhalb der rituellen Gesamtwirkung bleibt sie jedoch nachvollziehbar.

SCHWERE OHNE KLASSISCHE RIFFARCHITEKTUR

Die entscheidende Leistung von AETERE besteht darin, Doom Metal von seiner üblichen Gitarrenzentrierung zu lösen. Die Schwere entsteht auf »Théogonie« nicht allein aus verzerrten Akkorden, sondern aus tiefen Frequenzen, räumlicher Ausdehnung und dem Gefühl, dass sich eine Klangfläche nicht vollständig überblicken lässt.

Dieses Verfahren funktioniert besonders gut in »Ténébrisme«, »Thanatos« und »Innocence«. Dort besitzen Atmosphäre, Melodie und Konzept eine klare Verbindung. »Galea« wiederum zeigt, dass das Duo auch einen emotional unmittelbareren Song schreiben kann, ohne seine klangliche Identität aufzugeben.

Weniger überzeugend sind jene Momente, in denen die Dichte selbst zum Hauptzweck wird. Einige Passagen verharren lange in einer bestimmten Textur, ohne harmonisch oder rhythmisch deutlich weiterzugehen. Die Atmosphäre bleibt stark, doch die Grenze zwischen konsequenter Meditation und kompositorischem Stillstand wird mehrfach berührt.

Gerade deshalb ist »Théogonie« ein interessantes Debüt. Es wirkt nicht wie das abschließende Statement einer vollständig ausdefinierten Band, sondern wie die präzise Errichtung eines eigenen Tempels, dessen weitere Räume erst auf kommenden Veröffentlichungen geöffnet werden.

FAZIT:

»Théogonie« ist ein tiefgründiges Doomgaze-Album, das Mythologie, innere Transformation und menschliche Vergänglichkeit in langsame Gitarrenbewegungen, dröhnende Synthesizer und ätherischen Gesang übersetzt. Alice Ronzini und Johan Sebenne erschaffen eine geschlossene rituelle Klangwelt, auch wenn einige Texturen länger stehen bleiben, als es ihre Entwicklung zwingend erfordert. Für Hörer zwischen Warning, Year Of No Light, Earth, Slowdive und My Bloody Valentine sind überzeugende 4 von 5 Punkten angebracht.

Single: Cilice

Internet

Aetere - Theogonie - CD Review

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