Band: RAUNCHY 🇩🇰
Titel: Prisoner
Label: Mighty Music
VÖ: 14/08/26
Genre: Melodic Groove Metal/Metalcore, Alternative/Industrial Rock

Tracklist

01. Frostbite
02. Stranded
03. Frameworker
04. Darkest Self
05. Designed Despair
06. Higher Truths
07. Masquerade
08. Revealing I
09. Vanishing Act
10. Prisoner

 

Besetzung

Jesper Kvist – bass
Morten Toft Hansen – drums
Jesper Andreas Tilsted – guitars, keyboards
Lars Christensen – guitars
Jeppe Christensen – keyboards, vocals
Mike Semesky – vocals

 

Bewertung:

4/5

Zwölf Jahre später ist das Feuer noch da

Es gibt Bands, die nach einer langen Pause zurückkehren und dabei krampfhaft versuchen, an alte Erfolge anzuknüpfen. RAUNCHY gehen einen anderen Weg. Die Dänen haben sich zwölf Jahre Zeit gelassen, bevor sie mit „Prisoner“ wieder ein vollständiges Studioalbum veröffentlichen. Diese Auszeit hört man der Platte an. Nicht, weil sie vorsichtig oder verstaubt klingt, sondern weil jede Entscheidung durchdacht wirkt. Die sechs Musiker wissen genau, wofür RAUNCHY stehen und was ihre Fans an ihnen schätzen.

Mit Jesper Kvist am Bass, Morten Toft Hansen am Schlagzeug, den Gitarristen Jesper Andreas Tilsted und Lars Christensen, Keyboarder und Sänger Jeppe Christensen sowie Frontmann Mike Semesky präsentiert sich die Band eingespielt und selbstbewusst. Unterstützt wurden sie erneut von Jacob Hansen, dessen Handschrift den Sound der Band seit vielen Jahren prägt. Das Ergebnis klingt modern, kraftvoll und gleichzeitig unverkennbar nach RAUNCHY.

Kraftvoller Einstieg ohne Umwege

Schon „Frostbite“ macht klar, dass die Band keine Zeit mit einem vorsichtigen Herantasten verschwenden möchte. Druckvolle Gitarren treffen auf elektronische Klangfarben, die den Song bereichern, anstatt ihn zu dominieren. Mike Semesky bewegt sich mühelos zwischen aggressiven Vocals und eingängigen Gesangslinien. Genau dieser Kontrast war schon immer eine der größten Stärken von RAUNCHY und funktioniert auch heute noch hervorragend.

Mit „Stranded“ wird die melodische Seite stärker in den Mittelpunkt gerückt. Der Song entwickelt schnell eine Eigendynamik, weil sich schwere Riffs und eingängige Refrains perfekt ergänzen. Dabei wirkt nichts konstruiert. Die Übergänge sind fließend und lassen den Titel erstaunlich leicht wirken, obwohl ordentlich Druck dahintersteckt.

Mehr als nur moderne Metalcore-Kost

Wer RAUNCHY nur auf Metalcore reduziert, greift deutlich zu kurz. Das zeigt besonders „Frameworker“, einer der abwechslungsreichsten Songs des Albums. Hier wechseln sich ruhige Momente mit intensiven Ausbrüchen ab, während die Gitarren immer wieder kleine Melodien einstreuen, die sich unauffällig im Kopf festsetzen. Die elektronischen Elemente bleiben angenehm dezent und schaffen Atmosphäre, ohne den eigentlichen Songs die Show zu stehlen.

Auch „Darkest Self“ lebt von seiner Stimmung. Statt permanent auf maximale Härte zu setzen, baut sich der Song langsam auf und entwickelt seine Wirkung Schritt für Schritt. Gerade diese Geduld macht ihn spannend. Wenn schließlich die Gitarren voll einsetzen, entfaltet sich die ganze Wucht des Stücks.

Mit „Designed Despair“ schaltet die Band wieder einen Gang höher. Das Schlagzeug treibt kompromisslos nach vorne, während die Gitarren massive Grooves liefern. Trotzdem bleibt genügend Platz für eingängige Melodien. Genau dieses Gleichgewicht zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album.

Abwechslungsreich bis zum Schluss

Die zweite Hälfte von „Prisoner“ zeigt noch deutlicher, wie vielseitig RAUNCHY mittlerweile geworden sind. „Higher Truths“ setzt stärker auf Atmosphäre und lässt den Songs mehr Raum zum Atmen. Die Mischung aus modernen Sounds und klassischen Metal-Riffs wirkt dabei erstaunlich organisch.

Mit „Masquerade“ folgt einer der eingängigsten Titel des Albums. Der Refrain bleibt bereits nach dem ersten Durchlauf hängen, ohne dabei zu glatt oder berechenbar zu wirken. Hier zeigt sich, dass Härte und Ohrwurmqualitäten sich keineswegs ausschließen müssen.

„Revealing I“ gehört zu den emotionalsten Momenten der Platte. Mike Semesky verleiht dem Song mit seiner vielseitigen Stimme zusätzliche Tiefe. Die ruhigen Passagen wirken ehrlich und entfalten gerade deshalb eine besondere Intensität, wenn später wieder die schweren Gitarren einsetzen.

Anschließend sorgt „Vanishing Act“ noch einmal für ordentlich Bewegung. Das Stück lebt von seinem Groove und erinnert stellenweise an frühere RAUNCHY-Alben, ohne dabei altmodisch zu klingen. Vielmehr wirkt es wie eine gelungene Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart.

Ein Finale mit Nachdruck

Der Titeltrack „Prisoner“ bildet einen stimmigen Abschluss. Der Song beginnt zurückhaltend, entwickelt sich kontinuierlich weiter und endet in einem kraftvollen Finale. Gerade diese Entwicklung macht ihn zu einem würdigen Schlusspunkt. Hier steckt alles drin, was RAUNCHY seit jeher auszeichnet. Melodie, Härte, elektronische Akzente und ein feines Gespür für große Refrains.

Produktion mit Fingerspitzengefühl

Jacob Hansen versteht es einmal mehr, der Band einen transparenten und gleichzeitig druckvollen Sound zu verleihen. Jedes Instrument hat seinen Platz, ohne steril oder überproduziert zu wirken. Die Gitarren besitzen genug Biss, das Schlagzeug klingt lebendig und der Bass sorgt für das notwendige Fundament. Die Keyboards ergänzen den Sound sinnvoll und verleihen vielen Songs zusätzliche Tiefe, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

„Prisoner“ ist kein Album, das auf schnelle Effekte setzt. Stattdessen entfaltet es seine Qualitäten mit jedem weiteren Durchlauf. RAUNCHY haben sich nicht neu erfunden, sondern das weiterentwickelt, was sie schon immer ausgezeichnet hat. Die Mischung aus Groove Metal, Metalcore, Alternative Rock und dezenten Industrial-Einflüssen klingt frisch, ohne den eigenen Charakter aufzugeben.

Nach zwölf Jahren Pause wirkt dieses Comeback weder erzwungen noch nostalgisch. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Band genau den richtigen Zeitpunkt für ihre Rückkehr gewählt hat. „Prisoner“ verbindet starke Songs, eine erstklassige Produktion und viel Gefühl für Atmosphäre zu einem Album, das auch nach mehreren Durchläufen noch neue Details preisgibt. Für Fans moderner, melodischer Metalmusik gehört diese Veröffentlichung ohne Zweifel zu den stärkeren Alben des Jahres.

Fazit: RAUNCHY beweisen mit „Prisoner“, dass sie immer noch zu den innovativen Köpfen in der Szene gehören.

Internet

RAUNCHY - Prisoner - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.