Tracklist
01. Social Sickness
02. Overwhelmed
03. Make War Great Again
04. Bitter Leather & Sweet Pain
05. Modern Lament
06. Insidious Plague Of Mind
07. Power Of Desire
08. Useless
Besetzung
Daimon – Gesang
Lord of Misery – Gitarre
Infestus – Bass
Kévin Paradis – Schlagzeug (Session)
August der 7. und Black Metal ist immer noch krieg! Passend dazu liefern Dark Plague aus Lille mit ihrem brandneuen, heute erschienenen Album »Masquerade« eine wütende Abrechnung mit sozialer Heuchelei, falschen Rollenbildern und den Masken, die Menschen tragen, um in einer kaputten Welt nicht vollständig unterzugehen. Acht Songs lang verbinden die Franzosen rohen Black Metal, melodische Gitarrenlinien und präzise Blastbeats zu einem Album, das nicht revolutionär sein will, aber verdammt geschlossen, bissig und wirkungsvoll aus den Boxen schneidet.
SOZIALE KRANKHEIT ALS ERÖFFNUNGSSCHLAG
»Social Sickness« eröffnet das Album mit jener Mischung aus Wut, Melodie und direktem Vorwärtsdrang, die »Masquerade« über weite Strecken bestimmt. Das Stück beginnt ohne ausuferndes Intro und geht zügig in einen schneidenden Black-Metal-Angriff über. Die Gitarren setzen auf kalte, präzise gespielte Riffs, die nicht nur rasen, sondern auch eine klare melodische Kontur besitzen. Dadurch bleibt der Song sofort nachvollziehbar, ohne seine Schärfe einzubüßen.
Thematisch wird hier der Grundstein des Albums gelegt. Gesellschaftliche Verstellung, Anpassungszwang und der Ekel vor hohlen Konventionen werden nicht als abstraktes Konzept behandelt, sondern als unmittelbare innere Explosion. Daimon klingt entsprechend angegriffen, wütend und vollkommen unversöhnlich. Sein Gesang schneidet durch den Mix, bleibt aber gut in das Instrumental eingebettet.
Besonders stark ist das Zusammenspiel zwischen Gitarre und Schlagzeug. Kévin Paradis liefert keine bloße Blastbeat-Wand, sondern setzt Akzente, kurze Übergänge und präzise Tempowechsel. Das Schlagzeug verleiht dem Song enorme Durchschlagskraft, ohne die Gitarren zu überrollen. Lord of Misery wiederum beweist ein gutes Gespür für melodischen Black Metal, der nicht in süßliche Eingängigkeit abrutscht. Das Hauptriff besitzt Wiedererkennungswert, bleibt aber bissig genug, um nicht zu glatt zu wirken.
Als Opener funktioniert »Social Sickness« hervorragend. Der Song bündelt Thema, Sound und Haltung des Albums in kompakter Form. Er ist wütend, melodisch, direkt und technisch sauber genug gespielt, um nicht im bloßen Lärm zu verschwinden.
ÜBERWÄLTIGT VON DER MASKE
»Overwhelmed« nimmt sich mit fast sieben Minuten mehr Zeit und wirkt dadurch umfangreicher und atmosphärischer. Die Gitarren bauen eine stärkere Spannung auf, während das Schlagzeug zwischen rasenden Passagen und kontrollierten Midtempo-Bewegungen wechselt. Hier zeigen Dark Plague, dass sie nicht ausschließlich auf kurze Angriffe setzen, sondern längere Strukturen tragen können.
Der Song lebt von seinem wechselnden Druck. Schnelle Abschnitte erzeugen unmittelbare Black-Metal-Härte, während langsamere Momente den melodischen Linien mehr Raum geben. Infestus bleibt am Bass zwar nicht permanent im Vordergrund, verleiht den dichteren Passagen aber genügend Gewicht. Gerade bei längeren Songs ist dieses Fundament wichtig, damit die Gitarren nicht zu dünn durch den Raum schneiden.
Inhaltlich passt »Overwhelmed« ausgezeichnet zum Albumkonzept. Die Musik vermittelt das Gefühl, von gesellschaftlichen Erwartungen, innerer Anspannung und der eigenen Maske erdrückt zu werden. Daimons Stimme wirkt hier weniger wie ein einzelner Ausbruch und mehr wie ein dauerhaftes Kratzen an den Innenwänden des Schädels.
Nicht jede Wiederholung ist zwingend notwendig. Im Mittelteil hätte der Song etwas kompakter ausfallen können. Dennoch entwickelt »Overwhelmed« eine starke Sogwirkung. Besonders die melodischen Gitarrenlinien bleiben hängen und zeigen, dass Dark Plague ihre old-schoolige Grundlage mit spürbarer kompositorischer Reife verbinden.
MAKE WAR GREAT AGAIN
Der Titel »Make War Great Again« ist natürlich bewusst provokant gewählt. Musikalisch gehört das Stück zu den technisch interessantesten Momenten des Albums. Die Gitarren arbeiten mit schnellen, sauber gespielten Figuren, während das Schlagzeug eine beeindruckende Präzision an den Tag legt. Paradis beweist hier, warum sein Name in der extremen Metal-Szene Gewicht besitzt. Die Drums treiben, schneiden und setzen selbst in dichtem Tempo klare Konturen.
Das Riffing wirkt aggressiv, aber nicht stumpf. Lord of Misery verbindet scharfe Black-Metal-Läufe mit eingängigen melodischen Bewegungen. Gerade diese Verbindung macht den Song stark. Die Musik bleibt brutal, gibt der Hörerschaft aber genügend Orientierungspunkte. Das ist eine Qualität, die vielen modernen Black-Metal-Produktionen fehlt: Härte und Wiedererkennungswert schließen sich hier nicht aus.
Daimon klingt auf »Make War Great Again« besonders giftig. Sein Vortrag besitzt eine beinahe spuckende Verachtung. Der Song funktioniert dadurch als bitterer Kommentar auf Gewaltverherrlichung, Machtspiele und gesellschaftliche Abstumpfung. Die Band wirkt nicht wie ein Projekt, das mit Provokation allein Aufmerksamkeit erzwingen will. Die musikalische Substanz trägt die Aussage.
Ein starker Anspieltipp, weil er die spielerische Qualität des Albums besonders deutlich macht. Die Gitarren sitzen, das Schlagzeug marschiert mit chirurgischer Schärfe und der Song bleibt trotz seiner Intensität kompakt.
LEDER, SCHMERZ UND DUNKLE TRIEBE
»Bitter Leather & Sweet Pain« schlägt einen etwas anderen Ton an. Die Nummer bewegt sich stärker im Midtempo und arbeitet mit einem unheilvollen, beinahe körperlichen Groove. Nach den schnellen Angriffen der ersten drei Songs bringt dieser Titel eine andere Form von Dunkelheit ins Spiel. Weniger Sturm, mehr kontrollierter Druck.
Die Gitarren sind hier besonders effektiv. Das Hauptriff besitzt eine einfache, aber starke Bewegung. Es geht weniger um Geschwindigkeit als um Stimmung. Die Akkorde wirken schwerer, die Pausen größer, der Gesang dadurch noch bedrohlicher. Dark Plague zeigen hier ihre Fähigkeit, auch ohne permanente Raserei Spannung zu erzeugen.
Thematisch passt der Song in die dunklere, triebhaftere Seite des Maskenmotivs. Hinter der gesellschaftlichen Fassade lauern Begierden, Machtspiele und Selbstzerstörung. Die Musik überzeichnet das nicht plump, sondern verpackt es in einen schleppenderen, fast schmutzigen Black-Metal-Groove.
Der Song gehört nicht zu den spektakulärsten Momenten der Platte, erfüllt aber eine wichtige Funktion. Er lockert das Tempo, vertieft die Atmosphäre und verhindert, dass »Masquerade« zu einer reinen Abfolge schneller Black-Metal-Attacken wird.
DAS MODERNE KLAGELIED
»Modern Lament« ist einer der stärksten Songs des Albums. Inhaltlich richtet sich die Nummer gegen Arbeit, soziale Zwänge, erzwungene Kommunikation, leere Gemeinschaftsrituale und den Druck, sich produktiv in ein System einzufügen, das innerlich längst als feindlich empfunden wird. Das ist kein romantischer Weltschmerz, sondern eine sehr konkrete Form von Misanthropie.
Musikalisch verbinden Dark Plague hier melodischen Black Metal mit druckvoller Rhythmik und einem Refrain-artigen Wiedererkennungswert. Die Gitarrenlinien wirken scharf, aber zugleich erstaunlich einprägsam. Gerade die Art, wie die Melodien über dem rasenden Fundament liegen, erinnert daran, dass französischer Black Metal nicht immer avantgardistisch sein muss, um Spannung zu erzeugen.
Paradis spielt erneut extrem präzise. Seine Blastbeats wirken nicht mechanisch, sondern lebendig und kontrolliert. Kleine Übergänge, Beckenakzente und Tempowechsel geben dem Song zusätzliche Dynamik. Daimons Stimme klingt hier besonders angeekelt, was hervorragend zum Text passt. Er klingt nicht nur wütend, sondern erschöpft von der Welt, die er beschreibt.
»Modern Lament« zeigt die Band in Bestform: hart, melodisch, thematisch klar und musikalisch überzeugend auf den Punkt gebracht. Neben »Social Sickness« und »Make War Great Again« ist das einer der naheliegendsten Anspieltipps.
DIE SEUCHE IM KOPF
»Insidious Plague Of Mind« ist mit knapp vier Minuten eines der kompakteren Stücke. Die Nummer setzt auf unmittelbaren Druck und eine stärker verdichtete Struktur. Das Riffing ist weniger weitläufig als bei »Overwhelmed«, dafür direkter und giftiger.
Die Gitarren klingen scharf und kalt. Lord of Misery arbeitet mit kurzen, effektiven Figuren, die sich schnell ins Gedächtnis bohren. Der Bass hält das Fundament stabil, während die Drums erneut für den nötigen Vortrieb sorgen. Das Stück wirkt wie ein kurzer, konzentrierter Anfall innerer Zersetzung.
Inhaltlich passt der Titel perfekt zur Gesamtidee. Die Maske wird hier nicht nur als gesellschaftliches Kostüm verstanden, sondern als geistige Infektion. Wer sich lange genug verstellt, beginnt irgendwann, die eigene Wahrheit nicht mehr von der Rolle unterscheiden zu können. Die Musik übersetzt dieses Motiv in eine nervöse, angespannte Form von Black Metal.
Gerade die Kürze steht dem Song gut. »Insidious Plague Of Mind« sagt, was es sagen muss, und verschwindet wieder, bevor sich die Idee abnutzt. Nicht der größte Song des Albums, aber ein starker, präziser Stich.
DIE MACHT DES VERLANGENS
»Power Of Desire« gehört wieder zu den längeren Stücken und verbindet melodische Spannung mit einer deutlich dunkleren, fast schwül wirkenden Atmosphäre. Der Song beginnt weniger aggressiv als einige Vorgänger, baut seine Wirkung aber geduldig auf. Die Gitarren entwickeln ein Motiv, das zwischen Verlangen, Zwang und Kontrollverlust pendelt.
Besonders gelungen ist die Dynamik. Schnelle Passagen werden nicht nur als Selbstzweck eingesetzt, sondern brechen aus den langsameren Abschnitten hervor. Dadurch entsteht eine nachvollziehbare Entwicklung. Die Band nimmt das zentrale Thema ernst: Begehren ist hier keine romantische Kraft, sondern ein dunkler Motor, der den Menschen aus seiner selbstgewählten Ordnung reißt.
Daimon liefert eine starke Gesangsleistung, wobei seine konstante Aggression über die Albumlänge hinweg auch etwas anstrengend werden kann. Mehr stimmliche Variation hätte einzelnen Passagen gutgetan. Gleichzeitig ist genau diese kompromisslose Härte Teil des Bandcharakters. Dark Plague wollen nicht verführen, sondern angreifen.
Instrumental überzeugt »Power Of Desire« durch seine Gitarrenarbeit. Die melodischen Linien sind stark, die Riffs sauber ausgearbeitet und die Übergänge stimmig. Der Song hätte im Mittelteil minimal gestrafft werden können, bleibt aber einer der atmosphärischeren Beiträge des Albums.
NUTZLOSIGKEIT ALS LETZTES WORT
»Useless« beendet das Album mit einer bitteren, direkten und sehr passenden Schlussnote. Der Titel klingt nach Kapitulation, die Musik dagegen nach einem letzten Ausbruch. Die Gitarren schneiden noch einmal scharf durch den Mix, während das Schlagzeug die Nummer energisch nach vorn treibt.
Der Song verbindet die zentralen Qualitäten der Platte: melodische Kälte, rohen Gesang, präzises Schlagzeug und eine starke thematische Verbitterung. Die Maske fällt am Ende nicht heroisch, sondern hinterlässt Leere. Genau dadurch funktioniert »Useless« als Abschluss. Nach sozialer Krankheit, Überforderung, Krieg, Verlangen und geistiger Seuche bleibt kein versöhnlicher Ausblick.
Die Gitarrenarbeit ist erneut griffig. Lord of Misery setzt auf einprägsame Riffs, die genug Schärfe besitzen, um nicht in bloße Melodie zu kippen. Paradis liefert die nötige Energie, ohne den Song mit überflüssigen technischen Spielereien zu überladen. Das Stück wirkt kompakt, geschlossen und konsequent.
Als Finale ist »Useless« stark gewählt. Es bündelt die Stimmung des Albums, bringt noch einmal Druck und lässt die Hörerschaft nicht mit Erleichterung, sondern mit einem trockenen Nachgeschmack zurück.
MESSERSCHARFE RIFFS UND PRÄZISION AM SCHLAGZEUG
Die instrumentale Stärke von »Masquerade« liegt in der Verbindung aus old-schooliger Rohheit und moderner Präzision. Lord of Misery schreibt Gitarrenriffs, die nicht auf technische Überladung setzen, aber dennoch viel Substanz besitzen. Viele Motive sind melodisch klar genug, um im Gedächtnis zu bleiben, behalten aber ihre aggressive Oberfläche. Das ist gerade im melodischen Black Metal entscheidend. Zu viel Eingängigkeit verwässert die Wirkung, zu viel Raserei macht die Songs austauschbar.
Die Gitarren sind trocken, scharf und angenehm unromantisch. Sie besitzen keine übermäßige Hochglanzpolitur, sind aber transparent genug, damit die melodischen Linien erkennbar bleiben. Besonders »Make War Great Again«, »Modern Lament« und »Power Of Desire« zeigen, wie stark die Band inzwischen im Umgang mit Spannung und Wiedererkennung geworden ist.
Der heimliche Motor des Albums ist Kévin Paradis. Seine Session-Drums geben den Songs enorme Präzision. Blastbeats, schnelle Fills, Doublebass und kontrollierte Midtempo-Passagen wirken jederzeit sauber ausgeführt. Er spielt technisch stark, ohne die Songs in eine reine Schlagzeugdemonstration zu verwandeln. Gerade diese Balance hebt das Album deutlich an.
Infestus am Bass bleibt eher im Dienst der Songs, sorgt aber für das notwendige Gewicht. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, verhindert aber, dass die Gitarren zu dünn wirken. In den Midtempo-Stücken wird seine Rolle besonders wichtig, weil dort der körperliche Druck stärker aus dem Fundament entsteht.
RAW, ABER NICHT PRIMITIV
Die Produktion von »Masquerade« wurde im Black Lodge Studio aufgenommen, Mix und Mastering übernahm Lord of Misery. Das Ergebnis klingt roh genug, um den Black-Metal-Charakter zu bewahren, aber nicht so verwaschen, dass die Details verloren gehen. Gerade die Gitarren profitieren von dieser Balance. Sie schneiden durch den Mix, ohne vollständig zu einer undurchsichtigen Wand zu werden.
Der Gesang steht deutlich vorn, was zur aggressiven Aussage des Albums passt. Daimons Stimme ist ein entscheidendes Stilmittel. Sie klingt hasserfüllt, rau und bewusst unangenehm. Über die gesamte Spielzeit kann diese konstante Intensität jedoch auch ermüden. Einige stärker zurückgenommene Passagen oder zusätzliche stimmliche Abstufungen hätten dem Album noch mehr Dynamik verliehen.
Das Schlagzeug ist druckvoll und klar. Gerade bei schnellen Passagen bleibt jeder Wechsel nachvollziehbar. Hier wird deutlich, dass Dark Plague inzwischen deutlich kontrollierter agieren als viele reine Underground-Bands. Die Produktion modernisiert den Sound, ohne die schwarze Flamme zu ersticken.
Das Artwork von Ludot Godot passt zur thematischen Ausrichtung. Es spielt mit Verhüllung, Entstellung und der Frage, was unter der Oberfläche sichtbar wird. Auch optisch ist »Masquerade« damit kein zufällig benanntes Album, sondern ein geschlossenes Konzept.
ZWISCHEN TRADITION UND SOZIALEM EKEL
Dark Plague bewegen sich klar innerhalb des Black Metal, aber sie beschränken sich nicht auf reine Nostalgie. Die Wurzeln der zweiten Welle sind hörbar, ebenso Einflüsse aus melodischem skandinavischem Black Metal und französischem Underground. Gleichzeitig wirkt »Masquerade« moderner, präziser und konzeptionell geschlossener als eine bloße Rückwärtsverbeugung.
Die Texte machen das Album stärker als viele vergleichbare Veröffentlichungen. Statt austauschbarer Blasphemie oder beliebiger Dunkelheitsphrasen geht es um soziale Maskierung, Heuchelei, Arbeitszwang, Selbstverrat, Begehren und die Gewalt falscher Tugend. Das gibt der Aggression einen konkreten Anlass. Die Band schreit nicht einfach gegen die Welt, sondern gegen bestimmte Mechanismen dieser Welt.
Die stärksten Momente entstehen dort, wo Musik und Inhalt vollkommen zusammenfallen. »Social Sickness« ist ein wütender Auftakt, »Modern Lament« ein bitteres Klagelied auf moderne Zwänge, »Make War Great Again« eine giftige Attacke mit technischer Schärfe und »Useless« ein passender Schlusspunkt.
Nicht alles erreicht dieses Niveau. »Overwhelmed« und »Power Of Desire« besitzen starke Riffs, hätten aber etwas kompakter ausfallen können. Auch der Gesang bleibt über die gesamte Albumlänge sehr konstant in seiner Ausdrucksform. Trotzdem wirkt »Masquerade« als Gesamtwerk überzeugend und geschlossen.
FAZIT:
»Masquerade« ist ein starkes sechstes Album, auf dem Dark Plague rohen Black Metal, melodische Schärfe und moderne Präzision überzeugend miteinander verbinden. Die Franzosen liefern keine weichgespülte Dunkelromantik, sondern wütenden, direkten und zugleich sauber ausgearbeiteten Black Metal mit klarer thematischer Klammer. Soziale Heuchelei, Anpassungsdruck, falsche Masken und innere Verachtung werden musikalisch in scharfe Riffs, hasserfüllte Vocals und präzise Blastbeats übersetzt.
Besonders »Social Sickness«, »Make War Great Again«, »Modern Lament« und »Useless« überzeugen durch starke Gitarrenarbeit, Druck und Wiedererkennungswert. Kévin Paradis wertet das Album mit seinem präzisen Schlagzeugspiel deutlich auf, während Lord of Misery ein gutes Händchen für melodische, aber weiterhin aggressive Riffs beweist. Daimon liefert die passende Stimme zur gesellschaftlichen Abrechnung, auch wenn etwas mehr Variation dem Album zusätzliche Tiefe verliehen hätte.
Einzelne Songs könnten gestraffter sein, und nicht jede Idee überrascht. Dennoch ist »Masquerade« ein sehr gelungenes Black-Metal-Album, das seine Wut nicht ziellos verschwendet, sondern in ein geschlossenes Konzept kanalisiert. Wer melodischen, rohen und technisch sauber gespielten Black Metal mit sozialem Ekel statt leerer Pose sucht, bekommt hier ein starkes Brett aus Frankreich.






