Band: Soulburn 🇳🇱
Titel: Quantifying Cosmic Doom
Label: Testimony Records
VÖ: 12.06.2026
Format: Vinyl / CD / Kassette / Digital
Genre: Blackened Death Metal / Death Doom / Black Metal

Tracklist

01. The Braveheart Of Nightmares
02. Powehi, The Embellished Dark Source Of Unending Creation
03. A Pyramid Absurd
04. An Impious Journey Through The Cathedral’s Mouth
05. Stalactites Of Molten Flesh
06. M87 – What Hopes To Be Born?
07. Iconox Spew Black At The Razor’s Edge
08. Down Among The Stars
09. The Desolationist
10. In The Very Time That Will Rot Us
11. An Innocuous Swathe Of Sky

Besetzung

Twan van Geel – Gesang, Bass
Eric Daniels – Gitarre
Remco Kreft – Rhythmusgitarre
Marc Verhaar – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Sechs Jahre nach »Noa’s D’ark« melden sich die niederländischen Soulburn mit einem Album zurück, dessen Titel die musikalische Ausrichtung erstaunlich präzise zusammenfasst. »Quantifying Cosmic Doom« verbindet Death Metal, schwarzen Metal und schleppende Doom-Schwere mit kosmischen Themen, melancholischen Melodien und einigen unerwartet experimentellen Gesangspassagen. Das über Testimony Records veröffentlichte fünfte Studioalbum umfasst elf Stücke und mehr als eine Stunde Musik. Die frühere Nähe zu Asphyx bleibt in den schweren Riffs erkennbar, doch Soulburn richten ihren Blick weiter in Richtung Bathory, Celtic Frost, atmosphärischen Black Metal und düsteren Gothic Rock. Nicht jede dieser Verbindungen gelingt vollständig, doch das Quartett klingt mutiger und vielseitiger als auf einem bloßen Old-School-Death-Metal-Rückblick.

Albumstream: Quantifying Cosmic Doom

ALBTRÄUME ZWISCHEN DOOM UND SCHWARZMETALL

Der Opener »The Braveheart Of Nightmares« gehört zu den abwechslungsreichsten Stücken des Albums. Langsame Gitarren, melancholische Melodien und Twan van Geels tiefe Growls wechseln mit klar gesungenen Passagen und schnelleren Black-Metal-Ausbrüchen. Die fast siebeneinhalb Minuten wirken trotz mehrerer Richtungswechsel weitgehend geschlossen.

Besonders die Gitarren von Eric Daniels und Remco Kreft bestimmen den Song. Massive Rhythmusarbeit trifft auf melodische Leads, die nicht nur als dekorative Soli eingesetzt werden. Unter der schweren Oberfläche bleibt eine deutlich erkennbare Melancholie erhalten.

Die Klargesänge sind mutig und geben dem Material zusätzliche Farbe. Allerdings bleibt ihre Qualität im weiteren Albumverlauf wechselhaft. Wo sie beim Opener Atmosphäre erzeugen, wirken sie später gelegentlich weniger sicher und nehmen einzelnen Passagen etwas von ihrer bedrohlichen Wirkung.

»Powehi, The Embellished Dark Source Of Unending Creation« beginnt mit akustischen Gitarren und entwickelt sich zu einem dunklen Stück zwischen Death Doom, Black Metal und Gothic Rock. Das lange Arrangement benötigt Geduld, belohnt diese aber mit starken Gitarrenmelodien und einem überzeugenden Wechsel zwischen kontrollierter Schwere und schnellerer Aggression.

PYRAMIDEN, KATHEDRALEN UND FLEISCH

»A Pyramid Absurd« konzentriert sich stärker auf das Death-Doom-Fundament. Die Riffs sind tief, klar aufgebaut und besitzen jene körperliche Wirkung, die man von Musikern mit enger Verbindung zur niederländischen Death-Metal-Schule erwartet. Gleichzeitig verhindern melodische Gitarren und Tempowechsel, dass die Nummer vollständig in vertrauten Strukturen stehen bleibt.

Das kompaktere »An Impious Journey Through The Cathedral’s Mouth« verbindet einen beinahe hypnotischen Rhythmus mit schnellen Black-Metal-Passagen. Der Song gehört zu den unmittelbareren Stücken der Platte und profitiert davon, seine Ideen nicht über sieben Minuten ausdehnen zu müssen.

Schwieriger fällt »Stalactites Of Molten Flesh« aus. Die einzelnen Riffs besitzen Gewicht, und Marc Verhaar sorgt mit seinem variablen Schlagzeugspiel für Bewegung. Die ungewöhnlichen Gesangslinien und der langgezogene Schluss wirken jedoch weniger zwingend. Hier wird der experimentelle Wille deutlicher als das eigentliche Ziel der Komposition.

SCHWARZE LÖCHER UND KONTROLLIERTE SCHWERE

»M87 – What Hopes To Be Born?« greift den kosmischen Schwerpunkt des Albums besonders deutlich auf. Ein schwerer Groove bildet das Zentrum, während die Gitarren zwischen dunklen Akkorden und melodischen Linien wechseln. Der Song besitzt einen klaren Aufbau und gehört zu den zugänglichsten Nummern der Platte.

Mit »Iconox Spew Black At The Razor’s Edge« folgt eine deutlich langsamere Komposition. Das eröffnende Doom-Riff wirkt massiv, bevor die Band das Tempo erhöht und härtere Death- und Black-Metal-Elemente einbindet. Die Wechsel sind gut vorbereitet und zeigen, wie überzeugend Soulburn klingen können, wenn ihre unterschiedlichen Einflüsse innerhalb eines klaren Spannungsbogens stehen.

»Down Among The Stars« bleibt kürzer und direkter. Die Band konzentriert sich auf rhythmische Härte, kurze melodische Akzente und eine kompakte Struktur. Nach mehreren langen Stücken sorgt diese Konzentration für notwendige Abwechslung.

VERFALL, VERZWEIFLUNG UND EIN OFFENES ENDE

»The Desolationist« führt zurück zu einer stärker schwarzmetallischen Grundhaltung. Schnelle Passagen und scharf gespielte Gitarren stehen neben langsameren Abschnitten, in denen der Doom-Anteil erneut mehr Gewicht erhält. Van Geels harscher Gesang funktioniert hier deutlich besser als einige der experimentelleren Varianten.

Das vorab veröffentlichte »In The Very Time That Will Rot Us« zählt zu den stärkeren Songs der zweiten Albumhälfte. Ein schwerer Groove, prägnante Gitarren und ein nachvollziehbarer Aufbau sorgen dafür, dass die Nummer trotz ihrer stilistischen Bandbreite fokussiert bleibt.

Mit »An Innocuous Swathe Of Sky« endet das Album ruhiger und atmosphärischer. Die Band vermeidet ein rein aggressives Finale und setzt stattdessen auf Melancholie, melodische Gitarren und eine langsam auslaufende Spannung. Nach mehr als einer Stunde wirkt dieser Abschluss passend, auch wenn der Weg dorthin nicht durchgehend frei von Längen bleibt.

DIE GITARREN HALTEN DAS ALBUM ZUSAMMEN

Die größte Stärke von »Quantifying Cosmic Doom« liegt in der Gitarrenarbeit. Eric Daniels und Remco Kreft verbinden schwere Death-Doom-Akkorde mit harmonischen Leads, frostigen Black-Metal-Figuren und gelegentlich beinahe klassischem Heavy-Metal-Gefühl.

Twan van Geel bewegt sich zwischen tiefen Growls, heiserem Keifen und Klargesang. Die harschen Stimmen besitzen Kraft und passen hervorragend zur schweren Grundierung. Die klaren Passagen erweitern das Ausdrucksspektrum, schwanken aber zwischen stimmungsvoller Ergänzung und hörbarer Unsicherheit.

Marc Verhaar hält die langen Kompositionen mit einem variablen Schlagzeugspiel zusammen. Er wechselt zwischen langsamem Doom, präzisem Death Metal und schnellen Black-Metal-Passagen, ohne die Songs unnötig mit technischen Details zu überladen.

Van Geels Bass bleibt dagegen häufig unter den Gitarren verborgen. Gerade bei den langsameren Stücken hätte eine deutlichere Präsenz im unteren Frequenzbereich die Wirkung des Albums weiter verstärkt.

VIELFALT MIT NEBENWIRKUNGEN

Das Album enthält zahlreiche starke Ideen. Soulburn wiederholen nicht einfach die Atmosphäre von »Noa’s D’ark«, sondern erweitern ihren Stil um Akustikgitarren, Klargesang, Gothic-Einflüsse und ausgedehnte kosmische Themen.

Diese Vielfalt sorgt allerdings nicht automatisch für Geschlossenheit. Manche Songs wechseln überzeugend zwischen Death, Doom und Black Metal, andere wirken wie mehrere gute Einzelteile, die noch keine endgültige Form gefunden haben. Besonders in der Mitte verliert das Album zeitweise an Richtung.

Auch die Laufzeit von mehr als 61 Minuten verlangt Ausdauer. Einige Stücke rechtfertigen ihre Länge durch sorgfältige Entwicklungen, während andere mit einer kompakteren Struktur stärker ausgefallen wären. Zwei oder drei Kürzungen hätten den Gesamteindruck deutlich geschärft.

DRUCKVOLL, ABER ZU STARK VERDICHTET

Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde das Album im Toneshed Recording Studio. Die Gitarren besitzen enorme Dichte und bleiben selbst während der schnelleren Passagen klar erkennbar. Der Gesang steht ausreichend weit vorne, und das Schlagzeug setzt sich ohne Schwierigkeiten durch.

Problematisch ist die starke Kompression. Ruhige und laute Abschnitte liegen häufig zu nah beieinander, wodurch einige der vorgesehenen Spannungswechsel an Wirkung verlieren. Die Bassdrum klingt stellenweise sehr modern und kontrolliert, während der Bass selbst im unteren Mittenbereich verschwindet.

Für ein Album, das mit kosmischer Weite und monumentalem Doom arbeitet, fehlt dem Klang dadurch etwas Raum. Die Produktion ist laut und druckvoll, könnte aber wesentlich größer wirken, wenn sie den Instrumenten mehr Dynamik lassen würde.

FAZIT:

»Quantifying Cosmic Doom« ist ein ambitioniertes Album zwischen Death Doom, Black Metal und kosmischer Melancholie, dessen stärkste Momente von mächtigen Riffs und ausgezeichneter Gitarrenarbeit getragen werden. Die lange Spielzeit, einzelne unstimmige Gesangspassagen und das stark verdichtete Mastering verhindern jedoch, dass sämtliche elf Stücke dieselbe Wirkung erreichen.

Official Music Video: The Braveheart Of Nightmares

Internet

Soulburn - Quantifying Cosmic Doom - CD Review

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