Tracklist
01. Oracle Of Lies
02. Deeds Define
03. Damnation
04. Iron Veil
05. Truth To Enemy
06. Convective Outlook
07. Borrowed Breath
08. State Of Mind
09. Violent Virtue
10. Refuse Persist
11. Cold Hearts Burn
12. Radiant In Ruin
Besetzung
WD Glashouwer – Gesang
Jeljer Glashouwer – Gitarre
Eric van Miltenburg – Gitarre
Douwe Booij – Bass
Kees-Jan Glashouwer – Schlagzeug
Gastmusiker:
René von LIES! – Gastgesang bei »Damnation«
Produktion:
Musik – Jeljer Glashouwer
Texte – WD Glashouwer
Produktion, Aufnahme, Mixing und Mastering – WD Glashouwer
Artwork – Toha Mashudi alias Ahot74
Aus den Resten der niederländischen Hardcore-Band Manu Armata hervorgegangen, veröffentlichen Boneripper mit »Radiant In Ruin« ihr zweites vollständiges Album. Gegenüber dem 2024 erschienenen »World Ablaze« nimmt das Quintett einige der ausgeprägtesten Metal-Elemente zurück und konzentriert sich stärker auf direkten, muskulösen Hardcore. Schwere Breakdowns, kurze Thrash-Akzente, melodische Gitarren und kompakte Gruppenrufe bleiben dennoch wichtige Bestandteile. Inhaltlich richten sich die zwölf Stücke gegen Krieg, Umweltzerstörung, Desinformation, gesellschaftliche Spaltung und die Untätigkeit angesichts offensichtlicher Krisen. Das Ergebnis ist eine aggressive, aber nicht resignierte Platte, die Widerstand und persönliches Handeln höher bewertet als leere Parolen.
WENIGER METALLISCHE EXTREME, MEHR HARDCORE
»Radiant In Ruin« ist keineswegs weichere Kost, setzt seine Härte aber anders ein als der Vorgänger. Statt möglichst viele metallische Riffs und Breakdowns in jeden Song zu pressen, arbeiten Boneripper stärker mit kurzen Hardcore-Strukturen, klaren Wiederholungen und Refrains, die auch ohne komplizierte Vorbereitung funktionieren.
Das zeigt sich besonders bei »Deeds Define«. Der Song konzentriert sich auf eine einfache Aussage: Nicht Diskussionen oder öffentliche Selbstdarstellung bestimmen den Wert einer Überzeugung, sondern das eigene Handeln. Musikalisch wird diese Direktheit mit einem druckvollen Rhythmus, kurzen Gitarrenfiguren und einem Refrain umgesetzt, der für den gemeinsamen Ruf vor der Bühne geschrieben wurde.
Die beiden Gitarren von Jeljer Glashouwer und Eric van Miltenburg bleiben trotzdem ein wichtiges Merkmal. Eine Gitarre hält meist die schwere Rhythmusarbeit zusammen, während die zweite mit kurzen Leads, Gegenbewegungen und metallischen Akzenten zusätzliche Kontur schafft.
VERDAMMNIS OHNE WELTUNTERGANGSKITSCH
»Damnation« beschäftigt sich mit Krieg, Gier, Umweltzerstörung und dem gesellschaftlichen Desinteresse an diesen Entwicklungen. Der Text verzichtet auf komplizierte Symbolik und benennt seine Themen unmittelbar. Die Mächtigen schützen ihren Besitz, während andere die Konsequenzen tragen und der Rest weitgehend unbeteiligt zusieht.
Der Gastgesang von René von LIES! erweitert den ohnehin rauen Vortrag von WD. Beide Stimmen werden nicht für einen melodischen Gegensatz eingesetzt, sondern verstärken die Aggressivität des Stücks. Der wiederholte Titelruf bleibt einfach, erfüllt aber genau deshalb seine Funktion.
Musikalisch verbindet der Song melodischen Hardcore im Stil von Comeback Kid oder Modern Life Is War mit schweren Breakdowns. Die melodischen Elemente nehmen der Nummer nichts von ihrer Härte, sondern geben dem kompakten Aufbau zusätzliche Wiedererkennbarkeit.
ZWÖLF SONGS GEGEN DIE GEGENWART
Bereits Titel wie »Oracle Of Lies«, »Truth To Enemy« und »Iron Veil« machen deutlich, dass Boneripper ihre Kritik nicht auf ein einzelnes Thema beschränken. Desinformation, politische Heuchelei und die bewusste Verdrehung von Tatsachen bilden einen wesentlichen Teil des Albums.
Die erste Hälfte bleibt dabei überwiegend kompakt. Gitarrenriffs werden schnell eingeführt, der Gesang folgt mit kurzen, rhythmisch präzisen Zeilen und die Breakdowns stehen am Ende einer nachvollziehbaren Entwicklung. Die Band vermeidet lange Intros und ausgedehnte Solopassagen.
»Convective Outlook« und »Borrowed Breath« erweitern den thematischen Blick auf die ökologischen und persönlichen Folgen einer Gesellschaft, die ihre Krisen zwar erkennt, aber kaum bereit ist, daraus Konsequenzen zu ziehen. Dabei bleibt die Grundhaltung düster, ohne vollständig in Hoffnungslosigkeit zu enden.
Gerade diese Verbindung aus Warnung und Widerstand gibt dem Album mehr Charakter als eine bloße Sammlung aggressiver Hardcore-Songs. Die Texte beschreiben den Verfall, fordern aber gleichzeitig dazu auf, sich nicht passiv mit ihm abzufinden.
DER EIGENE KOPF ALS KONFLIKTZONE
»State Of Mind« richtet den Blick nach innen. Der Song beschäftigt sich mit Gedanken, Ängsten und den zahlreichen Stimmen, die über soziale Medien und digitale Informationsströme auf den Einzelnen einwirken. Was dauerhaft aufgenommen wird, verändert schließlich auch die eigene Wahrnehmung.
Die Nummer gehört zu den melodischeren Momenten des Albums. Der Rhythmus bleibt energisch, doch die Gitarren lassen mehr Raum für klar erkennbare Linien. Der Refrain ist unmittelbar, ohne den Hardcore-Kern gegen glatten Alternative Rock einzutauschen.
WD singt nicht im klassischen Sinn, sondern arbeitet mit rauen Shouts, die eng am Rhythmus bleiben. Sein Vortrag besitzt wenig Variation, passt aber zur direkten Sprache der Texte. Auf Albumlänge kann diese Beständigkeit stellenweise gleichförmig wirken.
Mit »Violent Virtue«, »Refuse Persist« und »Cold Hearts Burn« kehrt die Platte anschließend stärker zu Widerstand, moralischen Widersprüchen und persönlicher Standfestigkeit zurück. Die Band bleibt dabei konsequent kurz und vermeidet unnötige Verlängerungen.
FÜNF MUSIKER, EIN KOMPAKTER KLANG
Die Rhythmussektion aus Douwe Booij und Kees-Jan Glashouwer hält das Album mit einem kräftigen, weitgehend schnörkellosen Spiel zusammen. Der Bass unterstützt nicht nur die tiefen Gitarren, sondern wird besonders in den rhythmisch reduzierten Passagen deutlich hörbar.
Kees-Jan setzt auf direkte Hardcore-Beats, schnelle Übergänge und kontrollierte Doublebass-Passagen. Technische Demonstrationen sind nicht das Ziel. Das Schlagzeug soll die Songs antreiben und den Breakdowns das notwendige Gewicht geben.
Die Produktion von WD Glashouwer klingt dicht und modern. Gitarren, Schlagzeug und Stimme stehen klar voneinander getrennt, ohne dass die Platte steril wirkt. Der Bass bleibt ausreichend präsent und die Gruppenstimmen besitzen genügend Breite.
Allerdings liegen die lauten und ruhigeren Abschnitte dynamisch nahe beieinander. Dadurch verlieren einige Übergänge an Wirkung. Ein offenerer Mix hätte die melodischen Momente deutlicher von den schweren Breakdowns abgesetzt.
DIREKTHEIT MIT BEGRENZUNGEN
Die zwölf Songs besitzen eine hohe Energiedichte und vermeiden weitgehend Leerlauf. Boneripper konzentrieren sich auf Riffs, Refrains und rhythmische Wechsel, statt die Stücke mit zusätzlichen Zwischenteilen künstlich zu verlängern.
Auf Albumlänge wiederholen sich bestimmte Abläufe dennoch. Schneller Einstieg, kompakte Strophe, gerufener Refrain und schwerer Rhythmuswechsel bilden mehrfach eine ähnliche Grundlage. Die gute Gitarrenarbeit und die unterschiedlichen Textthemen verhindern größere Ermüdung, vollständig überraschend bleibt die Platte aber nicht.
Der abschließende Titelsong »Radiant In Ruin« fasst die zentrale Haltung zusammen. Die Welt befindet sich im Verfall, doch selbst unter diesen Bedingungen bleibt die Entscheidung bestehen, Widerstand zu leisten und nicht jede Entwicklung widerspruchslos hinzunehmen.
FAZIT:
»Radiant In Ruin« verbindet direkten Hardcore, metallische Gitarren und sozialkritische Texte zu einem kompakten zweiten Album mit deutlich gewachsener eigener Identität. Wiederkehrende Songstrukturen und die sehr dichte Produktion begrenzen die Abwechslung, doch Energie, Haltung und hymnische Refrains bleiben überzeugend.






