Prime Creation - Souls Of The Fallen - cover Artwork

Band: Prime Creation 🇸🇪
Titel: Souls Of The Fallen
Label: ROAR – A Division of Reigning Phoenix Music
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Melodic Heavy Metal / Power Metal

Tracklist

01. Galactic Rebirth
02. Ghosts
03. Blood Harvest
04. Souls Of The Fallen
05. Alliance
06. Lost Legacy
07. Legends Never Die
08. Ashes Of Trust

Besetzung

Esa Englund – Gesang
Robin Arnell – Leadgitarre
Rami Tainamo – Rhythmusgitarre
Henrik Weimedal – Bass
Kim Arnell – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Schwedischer Power Metal muss nicht zwangsläufig von strahlenden Helden, Drachen und hochglänzenden Keyboardfanfaren handeln. Prime Creation bevorzugen auf ihrem vierten Studioalbum »Souls Of The Fallen« ein deutlich dunkleres Klangbild. Kriege auf der Erde, kosmische Konflikte, zerbrochenes Vertrauen, Verlust und der Wille zum Widerstand bestimmen die Atmosphäre der acht Stücke. Dabei verbindet die 2015 aus dem Umfeld der Power-Metal-Band Morifade hervorgegangene Formation melodischen Heavy Metal mit modernen Gitarren, kräftigen Rhythmen und einzelnen progressiven Erweiterungen.

Produziert wurde »Souls Of The Fallen« von Niels Nielsen, der bereits mit Bands wie Ghost und In Flames gearbeitet hat. Entsprechend druckvoll fällt das Ergebnis aus. Die Gitarren besitzen Gewicht, der Bass bleibt spürbar und das Schlagzeug wurde mit reichlich Durchsetzungskraft aufgenommen. Gleichzeitig verzichten Prime Creation auf übermäßigen Bombast. Keyboards und Synthesizer sind vorhanden, dienen aber überwiegend der Atmosphäre. Im Mittelpunkt stehen schwere Gitarrenriffs, tragfähige Refrains und die auffallend raue Stimme von Esa Englund. Technisch leistet sich die Band kaum Schwächen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die Musiker ihr Handwerk beherrschen, sondern ob die Songs neben der professionellen Umsetzung auch genügend eigene Identität entwickeln.

Albumstream

WIEDERGEBURT AM RAND DER AUSLÖSCHUNG

»Galactic Rebirth« eröffnet das Album mit einem elektronisch gefärbten Intro, das zunächst eine progressive oder futuristische Ausrichtung erwarten lässt. Lange hält sich diese Erwartung allerdings nicht. Sobald Kim Arnell das Schlagzeug antreibt, übernimmt ein geradliniger Mix aus melodischem Heavy Metal und Power Metal. Die Gitarren von Robin Arnell und Rami Tainamo arbeiten mit kräftigen, klar voneinander abgegrenzten Riffs, während die Keyboards den kosmischen Rahmen liefern.

Der Song handelt von einem letzten Kampf an der Grenze zur vollständigen Auslöschung. Eine sterbende Sonne, endlose Dunkelheit und miteinander verbundene Krieger bilden den erzählerischen Hintergrund. Musikalisch übersetzt die Band dieses Szenario in einen schnellen, hymnischen Auftakt. Das zentrale Riff besitzt einen leichten Galopp, ohne vollständig in klassischen europäischen Power Metal abzurutschen. Die Gitarren wurden tiefer und schwerer abgestimmt, wodurch der Song trotz seiner eingängigen Melodien genügend Gewicht erhält.

Englunds Stimme wird bereits hier zum wichtigsten Erkennungsmerkmal. Sein rauer, leicht gepresster Vortrag liegt irgendwo zwischen traditionellem Heavy-Metal-Sänger, dunklem Hard Rock und einem erzählerischen Charaktergesang. Glatte Höhen und opernhafte Ausflüge sind seine Sache nicht. Stattdessen setzt er auf Ausdruck, markante Betonungen und eine gewisse Widerborstigkeit. Das verleiht dem Material Charakter, dürfte aber auch Hörer spalten. Wer ausschließlich makellosen Hochgesang erwartet, muss sich zunächst an diese Stimme gewöhnen.

Der Refrain funktioniert durch seine klar geführte Melodie und die unterstützenden Chöre. Allerdings bewegt sich »Galactic Rebirth« dabei auf vertrautem Gelände. Die Mischung aus galoppierender Rhythmik, schwerem Gitarrenton und großer Hookline wurde von Bands wie Orden Ogan, Brainstorm und Nocturnal Rites bereits häufig verwendet. Die Schweden setzen diese Stilmittel überzeugend um, finden im Opener aber noch keine vollkommen eigenständige Sprache.

GEISTER MIT SCHWEREN GITARREN

»Ghosts« drosselt die Geschwindigkeit und rückt den schweren Heavy-Metal-Anteil stärker in den Vordergrund. Das eröffnende Riff besitzt eine breite, beinahe walzende Bewegung. Bass und Schlagzeug verstärken diese Wirkung, während einzelne Gitarrenharmonien über dem Fundament liegen. Die Strophen werden vergleichsweise zurückhaltend aufgebaut, bevor der Refrain mit mehreren Gesangsschichten deutlich größer ausfällt.

Besonders das Zusammenspiel aus Englunds Hauptstimme und den Backing Vocals sorgt für Dynamik. Die rauen Chöre verleihen dem Refrain einen leicht erdigen Hard-Rock-Charakter. Dadurch wirkt die Nummer weniger glatt als viele moderne Power-Metal-Produktionen. Die Gitarren bleiben hart angeschlagen und die Rhythmusgruppe hält den Song konsequent unter Spannung.

Robin Arnell setzt ein melodisches Solo, das technisch sauber gespielt ist, den Song aber nicht unnötig ausbremst. Seine Leadgitarre folgt zunächst der zentralen Harmonie und löst sich anschließend mit schnelleren Tonfolgen davon. Die Fingerfertigkeit bleibt jederzeit hörbar, ohne zum eigentlichen Inhalt des Songs zu werden. Genau diese Disziplin zeichnet einen großen Teil des Albums aus. Die Soli besitzen Substanz, werden aber nicht künstlich verlängert.

»Ghosts« ist ein starker, kompakter Heavy-Metal-Song mit wirkungsvollem Refrain. Vollständig überraschend fällt auch diese Nummer nicht aus. Das Riffing, die dunkle Grundstimmung und die mehrstimmigen Gesänge orientieren sich deutlich an etablierten skandinavischen und amerikanischen Vorbildern. Innerhalb des Albums erfüllt der Titel dennoch seine Aufgabe und zeigt, dass Prime Creation nicht permanent mit maximalem Tempo arbeiten müssen.

DIE ERNTE WIRD SCHWER

Mit »Blood Harvest« zieht die Band die Geschwindigkeit spürbar an. Kim Arnell setzt auf durchgehende Doublebass, schnelle Übergänge und kräftige Beckenakzente. Die Rhythmusgitarren folgen mit kurzen, scharf gespielten Figuren, deren Wirkung aus der exakten Verzahnung mit dem Schlagzeug entsteht. Der Song ist mit etwas mehr als drei Minuten der kompakteste Angriff des Albums.

Die Gitarrenarbeit fällt hier besonders präzise aus. Palm-Mute-Passagen, offene Akkorde und melodische Gegenstimmen wechseln in schneller Folge, ohne dass das Arrangement unübersichtlich wird. Henrik Weimedals Bass verdichtet das Fundament und sorgt dafür, dass die tiefen Frequenzen selbst während der schnellsten Abschnitte nicht allein vom Schlagzeug getragen werden.

Englund singt aggressiver und druckvoller als in den beiden vorherigen Stücken. Seine raue Stimme passt ausgezeichnet zum erhöhten Tempo. Der Refrain bleibt melodisch, wird aber weniger breit ausgewalzt. Statt eines großen hymnischen Bogens erhält die Nummer eine kurze, direkte Hookline, die schnell wieder in das Hauptriff übergeht.

Das Gitarrensolo zählt zu den stärkeren Momenten des Albums. Robin Arnell verbindet schnelle Läufe mit kontrollierten Bendings und melodischen Wiederholungen. Die Technik steht nicht isoliert neben dem Song, sondern greift dessen hohe Energie auf. »Blood Harvest« zeigt, wie wirkungsvoll Prime Creation sein können, wenn sie ihre Ideen konzentrieren und ohne längere Umwege auf den Punkt bringen.

DIE SEELEN DER GEFALLENEN

Der Titelsong beginnt mit schweren Drums und einem tief gestimmten Gitarrenriff. Das Tempo wurde gegenüber »Blood Harvest« deutlich reduziert, an Druck verliert die Musik dadurch nicht. Im Gegenteil: Die größeren Abstände zwischen den Anschlägen geben den Gitarren mehr Gewicht. Henrik Weimedals metallisch klingender Bass tritt stärker hervor und verleiht den Strophen eine massive Grundlage.

Inhaltlich beschäftigt sich »Souls Of The Fallen« mit einem Krieg, in den Menschen ohne echte Alternative hineingedrängt werden. Innere Stärke, moralische Konflikte, überlebende Kämpfer und das Gedenken an gefallene Verbündete bilden das Zentrum. Die Band vermeidet dabei eine triumphale Kriegsverherrlichung. Der Song behandelt den Kampf vielmehr als erzwungene Situation, deren Folgen auch nach einem möglichen Sieg bestehen bleiben.

Musikalisch gehört das Titelstück zu den interessantesten Nummern. Verschiedene Rhythmuswechsel, kurze instrumentale Übergänge und wechselnde Gitarrenbetonungen bringen einen leichten progressiven Einschlag ein. Dieser bleibt allerdings kontrolliert. Prime Creation verlassen nie die verständliche Songstruktur und führen sämtliche Umwege zurück zum melodischen Refrain.

Englunds Stimme funktioniert hier besonders gut. Sein raues Timbre vermittelt Erschöpfung, Widerstand und Entschlossenheit glaubwürdiger, als es ein technisch makelloser, aber austauschbarer Hochgesang vermutlich könnte. Der Refrain besitzt Pathos, vermeidet jedoch übermäßig süße Melodien. Auch die Gitarren tragen zur düsteren Wirkung bei. Statt heller Harmonien dominieren tiefe Akkorde und kurze, spannungsgeladene Leadfiguren.

Der Titelsong ist einer der stärksten Beiträge, weil die Band Härte, Melodie und atmosphärische Erweiterungen ausgewogen miteinander verbindet. Hier wirkt das beworbene dunklere Klangbild tatsächlich nachvollziehbar.

EIN BÜNDNIS MIT PROGRESSIVER SCHLAGSEITE

»Alliance« ist mit mehr als sechs Minuten das längste Stück des Albums. Ein atmosphärischer Beginn aus Synthesizern, zurückgenommenen Gitarren und ruhigerem Gesang bereitet auf eine umfangreichere Entwicklung vor. Die Band lässt sich bewusst Zeit, bevor Schlagzeug und verzerrte Gitarren das volle Gewicht übernehmen.

Der Song bewegt sich zwischen Power-Ballade, melodischem Heavy Metal und einzelnen progressiven Elementen. Ruhige Passagen werden von schweren Riffs abgelöst, während sich die Gitarren mehrfach aus dem Grundrhythmus lösen. Besonders Robin Arnells Leadspiel erhält hier viel Raum. Melodische Linien, langsam aufgebaute Solopassagen und schnellere Läufe werden sinnvoll miteinander verbunden.

Auch Rami Tainamos Rhythmusarbeit verdient Aufmerksamkeit. Die Akkorde liegen nicht einfach als gleichförmige Fläche unter dem Solo, sondern verändern ihre Betonungen und harmonischen Positionen. Dadurch bleibt der lange Mittelteil in Bewegung. Weimedal und Kim Arnell bilden dazu ein stabiles Fundament, das auch während der ruhigeren Abschnitte präsent bleibt.

Die sechs Minuten sind allerdings nicht vollständig frei von Längen. Einzelne Übergänge werden ausführlicher wiederholt, als es für die Wirkung notwendig wäre. Der Song besitzt gute Ideen und einen nachvollziehbaren Aufbau, hätte in einer etwas kompakteren Fassung aber vermutlich noch eindringlicher gewirkt. Gerade weil das restliche Album sehr konzentriert ausfällt, fällt die ausgedehnte Struktur stärker auf.

Trotzdem ist »Alliance« wichtig für die Dramaturgie. Die Nummer verhindert, dass »Souls Of The Fallen« zu einer bloßen Abfolge ähnlich gebauter Power-Metal-Stücke wird. Sie zeigt außerdem, dass die Band durchaus progressive Möglichkeiten besitzt, auch wenn diese auf dem Album insgesamt weniger stark ausgeprägt sind, als es manche Vorankündigung vermuten ließ.

VERLORENES ERBE UND BLEIBENDE LEGENDEN

»Lost Legacy« kehrt anschließend zum schnellen, kompakten Power Metal zurück. Ein galoppierender Rhythmus treibt die Nummer an, während die Gitarren kurze harmonische Figuren über das Fundament legen. Das Stück erinnert in seiner Bewegung stellenweise an klassischen britischen Heavy Metal, wurde jedoch mit einem deutlich moderneren und schwereren Klang versehen.

Der Refrain gehört zu den eingängigsten Momenten des Albums. Englund wird von kräftigen Chören unterstützt, ohne dass seine eigene Stimme darin untergeht. Die Melodie ist klar, aber nicht übertrieben süß. Nach dem längeren »Alliance« wirkt die direkte Struktur erfrischend. Strophe, Übergang, Refrain und Solo greifen ohne unnötige Wiederholungen ineinander.

Auch hier überzeugt die technische Umsetzung. Die Gitarrenriffs werden präzise angeschlagen, das Schlagzeug bleibt trotz hoher Geschwindigkeit kontrolliert und der Bass gibt dem Galopp zusätzlichen Druck. »Lost Legacy« gehört gemeinsam mit »Blood Harvest« zu den härteren und unmittelbarsten Songs.

»Legends Never Die« setzt dagegen stärker auf Größe und melodische Breite. Gitarrenharmonien und mehrstimmige Gesänge bilden das Zentrum. Der Refrain besitzt die erwartete hymnische Wirkung, wird aber von Englunds rauer Stimme ausreichend geerdet. Die Nummer zeigt besonders deutlich, wie gut das Zusammenspiel der beiden Gitarristen funktioniert. Rhythmus- und Leadgitarre sind klar voneinander getrennt, bleiben aber harmonisch eng verbunden.

Das Solo entwickelt die Melodie des Refrains weiter, statt einen vollständig unabhängigen technischen Einschub zu bilden. Schnelle Tonfolgen, präzise Bendings und kurze zweistimmige Figuren sorgen für einen klassischen Heavy-Metal-Charakter. »Legends Never Die« ist nicht der originellste Songtitel der Musikgeschichte, gehört kompositorisch aber zu den stärkeren Beiträgen der Platte.

AUS DER ASCHE DES VERTRAUENS

»Ashes Of Trust« beendet das Album mit einem Wechsel aus schweren Power-Metal-Passagen und zurückgenommenen Abschnitten. Inhaltlich geht es um Verrat durch eine ehemals vertraute Person, emotionale Zerstörung und die spätere Rückgewinnung der eigenen Stärke. Die Entwicklung vom verletzten Rückzug zur offenen Konfrontation spiegelt sich im Arrangement wider.

Der Beginn wirkt kontrolliert und düster. Englund singt vergleichsweise zurückhaltend, während die Gitarren einzelne Akkorde und melodische Linien setzen. Sobald der Refrain einsetzt, wird das Klangbild deutlich größer. Schlagzeug und Bass erhöhen den Druck, die Rhythmusgitarren werden breiter und die Leadgitarre legt eine klare Melodie darüber.

Besonders gelungen ist die Dynamik. Die Band spielt nicht permanent mit maximaler Lautstärke, sondern nutzt die ruhigeren Stellen, um den schweren Passagen zusätzliche Wirkung zu geben. Englunds Stimme profitiert ebenfalls von diesem Wechsel. Seine rauen Töne wirken im Refrain kraftvoller, weil die Strophen mehr Raum lassen.

Das abschließende Solo führt mehrere Elemente des Albums zusammen. Melodische Linien treffen auf schnellere Läufe, während die Rhythmusgruppe den Song konsequent vorantreibt. Die Fingerfertigkeit ist deutlich hörbar, bleibt aber erneut dem Gesamtbild untergeordnet. Mit seinem Wechsel aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit ist »Ashes Of Trust« ein geeigneter Abschluss und einer der emotional nachvollziehbarsten Songs.

PRÄZISION, DRUCK UND STARKE SOLOS

Handwerklich bewegen sich Prime Creation auf hohem Niveau. Robin Arnell und Rami Tainamo ergänzen sich überzeugend. Die Rhythmusgitarre liefert schwere, exakt gesetzte Riffs, während die Leadgitarre melodische Erweiterungen und Soli übernimmt. Beide Instrumente wurden klar voneinander getrennt und behalten selbst in den dichteren Passagen ihre Konturen.

Die Soli gehören zu den größten Stärken des Albums. Arnell besitzt die notwendige Fingerfertigkeit für schnelle Läufe, kontrollierte Bendings und harmonische Verzierungen. Entscheidender ist jedoch sein Gespür für den jeweiligen Song. Die Solopassagen greifen häufig vorhandene Gesangsmelodien oder Gitarrenmotive auf und entwickeln sie weiter. Dadurch wirken sie nicht wie nachträglich eingesetzte Pflichtübungen.

Tainamos Rhythmusspiel ist ebenso wichtig. Viele Riffs basieren auf kurzen, präzise gedämpften Figuren, die eng mit Kim Arnells Schlagzeug verbunden sind. Gerade bei »Blood Harvest« und »Lost Legacy« müssen Gitarren und Doublebass exakt ineinandergreifen. Die Band bewältigt diese Passagen mit großer Sicherheit.

Henrik Weimedals Bass bleibt im Mix hörbar und verleiht den tiefer gestimmten Gitarren zusätzliche Substanz. Er löst sich zwar nur selten vollständig von der Rhythmusgitarre, besitzt aber genügend Präsenz, um nicht zu einer unsichtbaren Verdopplung zu werden. Kim Arnell spielt druckvoll und technisch sauber. Seine Doublebass ist präzise, während gezielt gesetzte Fills die Übergänge unterstützen.

MODERNER KLANG OHNE VOLLSTÄNDIGE KLARHEIT

Niels Nielsens Produktion gibt dem Album einen warmen, kraftvollen und modernen Klang. Das Schlagzeug besitzt reichlich Druck, ohne vollständig künstlich zu wirken. Die Gitarren sind breit aufgenommen und haben genügend Schärfe, um sich gegen den Gesang durchzusetzen. Auch die zurückhaltend eingesetzten Keyboards fügen sich überwiegend sinnvoll ein.

Der Mix ist allerdings nicht in jeder Passage optimal ausdifferenziert. Wenn mehrere Gitarren, Chöre, Keyboards und Englunds markante Stimme gleichzeitig einsetzen, verdichtet sich das Klangbild stark. Einzelne Bassbewegungen und kleinere rhythmische Details gehen dabei gelegentlich unter. Gerade die technisch sorgfältig ausgearbeiteten Gitarren hätten stellenweise etwas mehr Luft verdient.

Englunds Stimme wurde sehr präsent gemischt. Das unterstreicht seinen besonderen Charakter, kann über die gesamte Spielzeit aber auch anstrengend wirken. Sein Gesang besitzt Ausdruck und Wiedererkennungswert, bewegt sich jedoch häufig in einer ähnlichen rauen Tonlage. Die ruhigeren Momente von »Alliance« und »Ashes Of Trust« sind daher besonders wichtig, weil sie zusätzliche Abstufungen ermöglichen.

Insgesamt passt die Produktion zur musikalischen Ausrichtung. »Souls Of The Fallen« klingt weder nach nostalgischem Achtziger-Metal noch nach vollständig digitalem Hochglanzprodukt. Der Sound ist modern und schwer, bewahrt aber genügend organische Dynamik.

BEKANNTES HANDWERK MIT DUNKLER FÄRBUNG

Die größte Stärke des Albums liegt in seiner konstant hohen Qualität. Es gibt keinen wirklichen Ausfall. Sämtliche acht Stücke sind professionell arrangiert, überzeugend gespielt und mit nachvollziehbaren Refrains versehen. Die kompakte Spielzeit von gut 36 Minuten verhindert zudem, dass sich das Material unnötig ausdehnt.

Gleichzeitig fehlt einigen Songs ein unverwechselbares Merkmal. Viele Riffs, Galopprhythmen und hymnische Refrains bewegen sich innerhalb bekannter Genrestandards. Einflüsse von Brainstorm, Orden Ogan, Nocturnal Rites, Iron Fire und modernem skandinavischem Melodic Metal sind deutlich zu erkennen. Prime Creation kopieren keine dieser Bands direkt, lösen sich aber auch nicht vollständig von ihren Vorbildern.

Der angekündigte progressive Anteil bleibt hauptsächlich auf einzelne Rhythmuswechsel, atmosphärische Intros und den längeren Aufbau von »Alliance« beschränkt. Wer ein komplexes Progressive-Metal-Album erwartet, dürfte daher enttäuscht werden. Die eigentliche Stärke der Schweden liegt weiterhin im melodischen Heavy- und Power-Metal-Songwriting.

Die dunklere Ausrichtung funktioniert dennoch. Tiefer gestimmte Gitarren, Englunds raue Stimme und Themen wie Krieg, Verrat und Verlust verhindern eine allzu fröhliche Grundstimmung. Besonders der Titelsong und »Ashes Of Trust« zeigen, dass die Band innerhalb ihres vertrauten Rahmens eine eigene emotionale Wirkung entwickeln kann.

FAZIT:

»Souls Of The Fallen« ist ein technisch starkes und kompakt geschriebenes viertes Album, auf dem Prime Creation melodischen Heavy Metal und Power Metal mit einem dunkleren, modernen Klang verbinden. Die präzisen Gitarrenriffs, mehrere ausgezeichnete Soli, Kim Arnells kraftvolles Schlagzeug und die markante Stimme von Esa Englund bilden ein stabiles Fundament. Besonders »Blood Harvest«, der Titeltrack, »Lost Legacy« und »Ashes Of Trust« überzeugen durch Druck, Dynamik und eingängige Melodien. »Alliance« erweitert das Material um atmosphärische und leicht progressive Elemente, hätte aber etwas kompakter ausfallen dürfen. Die Produktion ist warm und kraftvoll, könnte die einzelnen Instrumente in den dichtesten Momenten jedoch klarer voneinander trennen. Auch kompositorisch bewegen sich einige Stücke sehr nah an vertrauten Genrestandards. Der ganz große Überraschungseffekt bleibt daher aus. Wer modernen Power Metal mit schweren Gitarren, rauem Gesang und starken Leadpassagen schätzt, erhält dennoch ein durchgehend hörenswertes Album ohne wirklichen Ausfall.

Prime Creation – Ashes Of Trust – Official Music Video

Internet

Prime Creation - Souls Of The Fallen - CD Review

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