Tracklist
01. Harbinger Of Afflictions (Prelude To Torments)
02. Ghastly Obsession
03. The Executioner
04. Soldier Of Fortune
05. Condamné Pour L’Éternité
06. Charme Funeste
07. Primal Conquest
08. Fatal Retaliations
Besetzung
Iron Jérémy – Gitarre und Gesang
Nikrass – Bass
Stéphane Hellkine – Drum-Programmierung
Elf Jahre zwischen zwei regulären Studioalben sind im schnelllebigen Metal-Untergrund eine kleine Ewigkeit. Iron Slaught haben diese Zeit jedoch nicht damit verbracht, den Anschluss an aktuelle Strömungen zu suchen. Das 2011 in Bigorra im Südwesten Frankreichs gegründete Duo kehrt mit »Metallic Torments« vielmehr zu den Grundwerten des eigenen Schaffens zurück und schärft sie: traditioneller Heavy Metal, ungebremster Speed und Thrash, dazu gezielte Ausbrüche in Richtung Black und Death Metal. Nach »Crusading Metal Mercenaries« von 2015 sowie dem 2018 veröffentlichten Split mit Tentation wirkt das über Gates of Hell Records erschienene Zweitwerk wie ein entschlossenes Lebenszeichen – roh genug für den Underground, kompositorisch aber deutlich ambitionierter, als es die martialische Oberfläche zunächst vermuten lässt.
Das Album versteht sich als Sammlung einzelner metallischer Qualen. Ob mörderische Besessenheit, Rache, Hexerei, Glaubenswahn oder mittelalterliche Schlachten: Jeder Titel erzählt eine eigene tragische Geschichte. Diese thematische Geschlossenheit trifft auf eine auffallend breite musikalische Sprache. Iron Jérémy und Nikrass wechseln zwischen rasantem Thrash, klassischem Galopp, schwarzen Rasereien und epischen Heavy-Metal-Passagen, ohne ihre grundsätzlich altmodische Haltung zu verleugnen. Die Produktion ist dicht und druckvoll, lässt den Gitarren jedoch genügend Raum für Melodien, Harmonien und zahlreiche Soli.
RASEREI TRIFFT AUF MELODIEFÜHRUNG
Das instrumentale »Harbinger Of Afflictions (Prelude To Torments)« übernimmt die Funktion einer Ouvertüre. Harmonische Gitarrenlinien, anschwellende Spannung und der stetige Vorwärtsdrang deuten bereits an, dass sich Iron Slaught nicht mit drei Minuten Strophe-Refrain-Thrash begnügen. Der Einstieg fällt mit gut drei Minuten etwas großzügig aus, baut aber wirkungsvoll jene dunkle Erwartungshaltung auf, die »Ghastly Obsession« anschließend ohne Vorwarnung zerlegt.
Hier zeigt das Duo seine wildeste Seite. Die Gitarren attackieren in hohem Tempo, verlieren dabei aber nie die melodische Führung. Über dem Getöse pendelt Iron Jérémy zwischen rauem Thrash-Gesang und deutlich extremeren Ausbrüchen. Die Stimme wirkt nicht auf Hochglanz gebürstet, sondern bewusst ungehobelt; gerade dadurch passt sie zur fiebrigen Geschichte einer mörderischen Obsession. »The Executioner« verschärft diesen Ansatz. Der Song bringt schwarze Aggression, klassische Metal-Harmonien und ein erstaunlich variables Riffing zusammen. Trotz einer Laufzeit von über sechs Minuten bleibt er in Bewegung, weil die Gitarre permanent neue Akzente setzt.
Mit »Soldier Of Fortune« vollzieht die Platte anschließend einen deutlichen Kurswechsel. Statt finsterer Raserei regieren NWOBHM-Galopp, ein griffiger Refrain und weitgehend klarer Gesang. Der Titel gehört zu den eingängigsten Momenten des Albums und zeigt, dass Iron Slaught nicht ausschließlich über Geschwindigkeit funktionieren. Die leidenschaftliche, stellenweise leicht schräge Gesangsleistung besitzt zwar nicht die technische Eleganz eines klassischen Metalsängers, trägt den Song aber mit Persönlichkeit und Überzeugung.
ACHT SONGS, VIELE GESICHTER
Das französisch gesungene »Condamné Pour L’Éternité« verbindet die Härte der ersten Albumhälfte mit traditionellen Heavy-Metal-Leads. Die Nummer ist kompakt, direkt und rhythmisch besonders zwingend. Sie zeigt exemplarisch, wie gut Iron Slaught funktionieren, wenn das Duo seine vielen Einflüsse auf einen klaren Kern verdichtet. Deutlich ausladender fällt »Charme Funeste« aus. Der siebenminütige Titel entwickelt seine Geschichte um Verführung und unheilvolle Hexerei mit ruhigeren Passagen, melodischen Spannungsbögen und beinahe progressiven Übergängen. Nicht jeder Wechsel sitzt vollkommen nahtlos, doch gerade die Unberechenbarkeit gibt dem Stück Charakter.
»Primal Conquest« schlägt anschließend eine Brücke zwischen kriegerischem Epic Metal und harscherem Gesang. Mächtige Galoppriffs treffen auf dunkle Vokalattacken, während die Gitarren immer wieder hymnische Linien freilegen. Der abschließende Achtminüter »Fatal Retaliations« bündelt schließlich fast das gesamte Vokabular des Albums: Rachemotiv, wechselnde Tempi, ausgedehnte Leadarbeit, Thrash-Aggression und epische Dramaturgie. Das Stück verlangt Aufmerksamkeit und hätte an einzelnen Stellen etwas Straffung vertragen, belohnt diese Geduld jedoch mit einem starken Schlussdrittel.
Bemerkenswert ist, dass »Metallic Torments« trotz seiner stilistischen Sprünge nicht wie eine lose Sammlung von Genreübungen klingt. Der gemeinsame Nenner ist Iron Jérémy. Seine Gitarrenarbeit bestimmt die Platte mit präzisen Riffs, langen Melodiebögen und Soli, die technische Fertigkeit zeigen, ohne zum Selbstzweck zu werden. Ebenso wichtig ist seine stimmliche Wandlungsfähigkeit: Klargesang, raues Bellen und blackened Rasps vermitteln unterschiedliche Stimmungen, auch wenn die Übergänge nicht immer elegant geraten.
DAS METALLISCHE FUNDAMENT HAT KLEINE RISSE
Nikrass hält die Kompositionen mit einem stabilen Bassfundament zusammen, wird im dichten Mix allerdings zu oft hinter Gitarren und Schlagzeug gedrängt. Das größte Diskussionsthema bleibt die von Stéphane Hellkine programmierte Schlagzeugspur. Sie liefert Geschwindigkeit und Wucht und fällt in den hektischen Passagen erstaunlich wenig als künstliches Element auf. Bei hoher Lautstärke und in den geradlinigeren Abschnitten fehlt ihr dennoch etwas von jener menschlichen Dynamik, die diese bewusst traditionsverbundene Musik noch lebendiger gemacht hätte.
Auch der Albumfluss ist nicht vollkommen frei von Brüchen. Der Wechsel von blackened Speed Metal zu hymnischem Heavy Metal und weiter zu epischen Langstrecken kann Hörer überfordern, die eine durchgehend homogene Marschrichtung erwarten. Zudem geraten »Charme Funeste« und »Fatal Retaliations« punktuell ins Schwimmen. Diese Schwächen wiegen jedoch weniger schwer als die enorme Spielfreude, die hohe Riffdichte und der Mut, innerhalb eines klar abgesteckten Old-School-Rahmens verschiedene Schulen des Heavy Metal miteinander zu verschränken.
FAZIT:
»Metallic Torments« ist ein starkes zweites Album, das traditionellen Heavy, Speed und Thrash Metal mit harschen Black- und Death-Metal-Akzenten zu einer eigenwilligen, leidenschaftlichen Einheit verbindet. Kleine Abzüge gibt es für die gelegentlich mechanische Rhythmik, den zurückgenommenen Bass und einige ausufernde Übergänge; starke Titel wie »Ghastly Obsession«, »Soldier Of Fortune«, »Condamné Pour L’Éternité« und »Fatal Retaliations« machen diese Schwächen jedoch weitgehend wett. Iron Slaught melden sich nach langer Pause nicht bloß zurück, sondern liefern ein Werk, das dem europäischen Metal-Untergrund hörbar etwas zu sagen hat.






