Band: Novareign 🇺🇸
Titel: Shifting the Axis of the World
Label: M-Theory Audio
VÖ: 17.07.2026
Format: CD / Digital
Genre: Progressive Power Metal / Heavy Metal
Spielzeit: 53:30 Minuten

Tracklist

01. Ode to the Masses – 08:15
02. Sun & Moon
03. Ironsides
04. Blood of the Game
05. Mors Indecepta
06. Thunder & Majesty
07. Shifting the Axis of the World

Besetzung

David „Icarus“ Marquez – Gesang
Balmore Lemus – Gitarre
David Walston – Gitarre
Moises Galvez – Bass
Ulises Hernandez – Schlagzeug

Mix und Mastering: Alex Nasla

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Was könnte mit »Shifting the Axis of the World« eigentlich gemeint sein? Wörtlich übersetzt wollen Novareign „die Achse der Welt verschieben“, was sich als bewusste Veränderung der eigenen Perspektive, als Bruch mit der Last vergangener Entscheidungen oder als Beginn einer neuen Ordnung verstehen lässt. Musikalisch passt diese Lesart ausgezeichnet, denn das Quintett aus Los Angeles verlagert auf seinem zweiten Album fortwährend den Schwerpunkt zwischen melodischem Power Metal, technisch anspruchsvollem Progressive Metal und klassischem Heavy Metal. Acht Jahre nach dem Debüt »Legends« kehren Novareign mit sieben ausgedehnten Kompositionen zurück, die schnelle Riffs, anthemische Refrains, virtuose Soli, komplexe Taktwechsel, präsenten Bass und gelegentliche harsche Vocals zu 53:30 dichten Minuten verbinden. Der Titel behauptet eine große Bewegung; die Musik liefert zwar keine völlige Neuordnung des Genres, zeigt aber eine Band, die ihre technischen Fähigkeiten heute wesentlich kontrollierter in nachvollziehbare Songs übersetzt.

Novareign – Sun & Moon (Official Music Video)

ACHT JAHRE SPÄTER UND DEUTLICH GESCHLOSSENER

Novareign veröffentlichten »Legends« im Jahr 2018 und hinterließen damit einen starken ersten Eindruck in der amerikanischen Progressive-Power-Metal-Szene. Das Debüt verband hohe Geschwindigkeit, ausgedehnte Kompositionen und reichlich Gitarrenarbeit, wirkte in seinen überbordenden Momenten jedoch gelegentlich so, als wolle die Band sämtliche Ideen gleichzeitig beweisen. Der Nachfolger behält diese Begeisterung für technische Leistung bei, verteilt sie aber bewusster über die Songs.

Die wichtigste Entwicklung liegt im Verhältnis zwischen Virtuosität und Komposition. Balmore Lemus und der neue zweite Gitarrist David Walston spielen weiterhin mit hoher Geschwindigkeit, wechseln zwischen Arpeggien, harmonisierten Leads, harten Rhythmusfiguren und langen Soli. Ihre Fähigkeiten bestimmen den Charakter des Albums, stehen aber seltener isoliert vor dem eigentlichen Song. Wiederkehrende Themen, klare Refrains und rhythmische Übergänge halten die langen Formen zusammen.

Auch Moises Galvez erhält am Bass wesentlich mehr Aufmerksamkeit. Er verstärkt nicht lediglich die Gitarren, sondern setzt eigene melodische Bewegungen, erzeugt Groove und übernimmt in mehreren Übergängen eine führende Funktion. Ulises Hernandez reagiert darauf mit präzisen Tempowechseln, kontrolliertem Doublebass-Spiel und vielen kleinen Akzenten. David Marquez klingt in den hohen Lagen sicherer als auf dem Debüt und verbindet kraftvollen Heavy-Metal-Gesang mit einer theatralischen Artikulation.

Diese Besetzung besitzt ein fantastisches Zusammenspiel. Komplexität entsteht nicht durch fünf Musiker, die gleichzeitig möglichst viel spielen, sondern durch abgestimmte Übergaben. Ein Gitarrensolo endet dort, wo der Bass eine neue Figur eröffnet; das Schlagzeug kündigt Richtungswechsel an, bevor der Gesang die nächste Melodie etabliert. Genau diese Ordnung lässt die 53 Minuten erheblich kürzer erscheinen.

ODE TO THE MASSES: POWER METAL ALS AUSGANGSPUNKT

»Ode to the Masses« beginnt mit hoher Energie und einer deutlich erkennbaren Power-Metal-Grundlage. Schnelle Gitarren, galoppierendes Schlagzeug und Marquez’ mittlere bis hohe Stimmlage bestimmen die ersten Minuten. Der Refrain besitzt jene unmittelbare Größe, die Novareign auch zwischen technischen Passagen nie aus den Augen verlieren.

Nach ungefähr vier Minuten löst sich die Band von diesem direkten Aufbau. Bass und Schlagzeug treten stärker hervor, das Tempo und die harmonische Ausrichtung verändern sich, und der Song entwickelt sich in Richtung Progressive Metal. Der Übergang wirkt nicht wie ein angehängter Instrumentalteil. Galvez und Hernandez öffnen die Struktur, während die Gitarren ihre melodischen Motive unter neuen rhythmischen Bedingungen weiterführen.

Der Opener erklärt damit die Arbeitsweise der gesamten Platte. Novareign beginnen häufig bei einer vertrauten Power-Metal-Idee und erweitern sie schrittweise. Die technische Seite folgt einer erkennbaren Dramaturgie. Dass »Ode to the Masses« trotz 8:15 Minuten zugänglich bleibt, liegt vor allem am Refrain und an Marquez’ kontrollierter Gesangsleistung.

Vollständig frei von bekannten Genreformeln ist das Stück nicht. Einige melodische Wendungen und die heroische Grundhaltung gehören eindeutig zum Standardvokabular des Power Metal. Die präzise Ausführung und der progressive zweite Teil sorgen jedoch dafür, dass der Song seine Funktion als energischer Auftakt überzeugend erfüllt.

SUN & MOON: ZEHN MINUTEN OHNE LEERLAUF

Mit 10:06 Minuten ist »Sun & Moon« die längste Komposition des Albums und zugleich dessen vollständigste. Ein offener Hard-Rock-Einstieg erinnert kurz an Van Halen, bevor die Band das Tempo erhöht und ihre Progressive-Power-Metal-Sprache entfaltet. Die Gitarren spielen schnelle harmonische Figuren, Marquez setzt einen großen Refrain, und Galvez nutzt die Länge für deutlich hörbare Basslinien.

Der Song lebt von der Verteilung der instrumentalen Schwerpunkte. Lemus und Walston übernehmen nicht pausenlos die Führung. Bass und Schlagzeug erhalten eigene Räume, ohne dass daraus eine lose Folge von Solovorstellungen wird. Die melodischen Themen kehren in veränderter Form zurück und geben dem Hörer Orientierung. Dadurch fühlt sich die Laufzeit weder aufgeblasen noch willkürlich an.

Marquez zeigt hier eine seiner stärksten Leistungen. Er erreicht hohe Töne mit größerer Kontrolle, bleibt auch in den dichten Instrumentalpassagen präsent und gestaltet den Refrain als zentrales Thema. Vergleiche mit Ronnie Romero, Bruce Dickinson oder stellenweise James LaBrie sind nachvollziehbar. Entscheidend ist jedoch, dass seine Stimme nicht mehr gegen die technischen Elemente ankämpfen muss, sondern von ihnen unterstützt wird.

»Sun & Moon« bündelt Melodie, Virtuosität und progressive Entwicklung am ausgewogensten. Wer nur einen Song hören möchte, um die heutige Form von Novareign kennenzulernen, erhält hier die vollständigste Antwort. Trotz der vielen Details bleibt ein klarer emotionaler Verlauf erhalten.

IRONSIDES: DER DIREKTE SCHLAG

»Ironsides« wurde bereits 2024 als Single veröffentlicht und ist mit 5:59 Minuten das kompakteste Stück des Albums. Die Band setzt auf ein kräftiges Eröffnungsriff, hohes Tempo und eine direktere Heavy-Metal-Wirkung. Progressive Umwege werden reduziert, ohne vollständig zu verschwinden.

Lemus und Walston spielen enger zusammen als in den langen Stücken. Harmonien, schnelle Leads und Rhythmusgitarren greifen präzise ineinander. Hernandez treibt mit Doublebass und harten Akzenten, während Galvez den unteren Frequenzbereich nicht lediglich ausfüllt, sondern die Bewegung aktiv unterstützt. Das Ergebnis besitzt mehr körperlichen Druck als die beiden vorherigen Tracks.

Die kompakte Struktur tut dem Album an dieser Stelle gut. Nach mehr als 18 Minuten mit den ersten beiden Songs liefert »Ironsides« einen konzentrierten Energieschub. Der Refrain ist schnell erfassbar, das Solo bleibt zielgerichtet, und kein Abschnitt beansprucht mehr Zeit als notwendig.

Die Kehrseite ist eine geringere Eigenständigkeit. Der Song bewegt sich näher an bekannten Heavy- und Power-Metal-Mustern und überrascht weniger als »Sun & Moon«. Seine Funktion besteht allerdings nicht in einer neuen stilistischen Aussage. Er zeigt, dass Novareign ihre Fähigkeiten auch in einer kürzeren und direkteren Form wirkungsvoll einsetzen können.

BLOOD OF THE GAME: DYNAMIK MIT KLEINEN LÄNGEN

»Blood of the Game« arbeitet stärker mit Höhen und Rücknahmen. Die Band stellt druckvolle Abschnitte neben ruhigere Übergänge und gibt dem Bass erneut eine zentrale Position. Galvez füllt melodische Zwischenräume, setzt eigene Akzente und verhindert, dass die Gitarren das gesamte Frequenzbild kontrollieren.

Der Song beweist die gewachsene Geduld der Gruppe. Novareign wechseln nicht bei jeder Gelegenheit das Tempo, sondern lassen einzelne Motive länger arbeiten. Hernandez hält die komplexeren Stellen zusammen und gestaltet die Übergänge so, dass die vielen Abschnitte miteinander verbunden bleiben. Das Zusammenspiel der Rhythmusgruppe gehört hier zu den besten Leistungen des Albums.

Mit 7:19 Minuten dehnt »Blood of the Game« seine Idee allerdings etwas zu weit. Keine Passage fällt qualitativ deutlich ab, doch der Song endet genau dann, wenn sein Material vollständig ausgeschöpft ist. Eine straffere Fassung hätte wahrscheinlich eine stärkere unmittelbare Wirkung erzielt. Dieses Problem betrifft mehrere Stücke: Sie funktionieren während des Hörens, erzeugen aber nicht immer den Wunsch, sofort einen einzelnen Track erneut zu starten.

Trotzdem ist »Blood of the Game« wichtig für die Balance der Platte. Das Stück reduziert die permanente Hochgeschwindigkeit, rückt Bass und Dynamik nach vorne und bereitet die härteren Veränderungen von »Mors Indecepta« vor.

MORS INDECEPTA: HÄRTE UND HARSCHER GESANG

»Mors Indecepta« verändert die Färbung des Albums. Die Gitarren werden aggressiver, ungewöhnlich gesetzte Chugs verschärfen die Rhythmik, und harsche Vocals ergänzen Marquez’ klaren Hauptgesang. Novareign verlassen damit kurzzeitig die sichere Mitte des melodischen Progressive Power Metal.

Lemus und Walston spielen einige der technisch anspruchsvollsten Passagen der Platte. Schnelle Arpeggien und präzises Alternate Picking werden nicht voneinander isoliert, sondern in einen kompakten Song eingebaut. Hernandez reagiert mit schnellen Wechseln und kontrollierter Härte. Der Bass bleibt auch bei dieser höheren Dichte hörbar, was für den Mix und die Arrangements spricht.

Die harschen Vocals sind sparsam eingesetzt. Sie sollen den klaren Gesang nicht ersetzen, sondern einzelne aggressive Momente zuspitzen. Das funktioniert, weil Marquez danach nicht einfach in dieselbe Tonlage zurückkehrt, sondern den Kontrast mit kräftigen melodischen Linien beantwortet. Der Song erhält dadurch eine zusätzliche Spannung, ohne seine Verbindung zum restlichen Album zu verlieren.

Mit 5:55 Minuten ist »Mors Indecepta« ebenfalls relativ konzentriert. Die härteren Elemente hätten noch konsequenter entwickelt werden können, bleiben aber ein wirkungsvoller Kontrast. Novareign zeigen hier, dass ihr künftiger Stil durchaus weitere extreme Farben vertragen würde.

THUNDER & MAJESTY: DEN BLICK NACH VORNE RICHTEN

»Thunder & Majesty« trägt eine der zentralen Aussagen des Albums. Nach Angaben von David „Icarus“ Marquez geht es darum, sich vom Gewicht des Gestern zu lösen, die Möglichkeiten des kommenden Tages anzunehmen und den Blick auf den Horizont zu richten. Damit liefert der Song den deutlichsten Hinweis auf die mögliche Bedeutung des Albumtitels.

Musikalisch verbindet das Stück anthemische Melodien, technische Gitarrenarbeit und weitere harsche Gesangspassagen. Der Refrain besitzt Größe, ohne die rhythmischen Einzelheiten zu verdecken. Lemus, der den Song geschrieben hat, setzt seine Gitarre sowohl als treibende Kraft als auch als melodische Gegenstimme zum Gesang ein.

Hernandez spielt besonders präzise. Seine Tempowechsel markieren die verschiedenen Abschnitte, wirken aber nicht wie demonstrative Unterbrechungen. Galvez hält die Verbindung zwischen Rhythmus und Harmonie, während Walston die Gitarrenebenen verdichtet. Das fantastische Bandgefüge erreicht in diesem Stück einen weiteren Höhepunkt.

Die positive Botschaft gerät stellenweise nah an typische Power-Metal-Rhetorik. Novareign verhindern völlige Vorhersehbarkeit durch die aggressiveren Einsprengsel und eine Rhythmik, die den Refrain nicht einfach mehrfach identisch wiederholt. »Thunder & Majesty« gehört deshalb zu den zugänglichsten und zugleich charakteristischsten Stücken der Platte.

SHIFTING THE AXIS OF THE WORLD: DIE ZUSAMMENFASSUNG

Der abschließende Titeltrack führt die wesentlichen Elemente des Albums zusammen. Auf 8:41 Minuten treffen melodischer Power Metal, klassische Heavy-Metal-Harmonien, progressive Übergänge und ausgedehnte Instrumentalpassagen aufeinander. Die Band versucht nicht, nach sechs bereits detailreichen Songs völlig neue Bestandteile einzuführen. Stattdessen ordnet sie die vorhandene Sprache zu einem abschließenden Statement.

Die beiden Gitarren übernehmen abwechselnd Rhythmus, Harmonie und Lead. Bass und Schlagzeug verschieben die Betonungen unter wiederkehrenden Motiven, während Marquez die melodische Verbindung zwischen den Abschnitten herstellt. Das Stück zeigt erneut, wie sorgfältig Novareign heute mit langen Formen umgehen. Die Übergänge bleiben nachvollziehbar, und die Soli besitzen einen Bezug zu den zuvor eingeführten Themen.

Als Titeltrack hätte der Song jedoch mutiger ausfallen dürfen. Der Name verspricht eine fundamentale Veränderung, während die Komposition vor allem bekannte Stärken bündelt. Sie verschiebt die stilistische Achse nicht so weit, wie der Titel vermuten lässt. Das ist kein Mangel an Qualität, sondern eine Frage der künstlerischen Konsequenz. Novareign beherrschen ihre gewählte Sprache, bleiben aber häufig innerhalb ihres etablierten Rahmens.

Der Abschluss funktioniert dennoch. Die Band führt ihre melodische und technische Seite noch einmal kontrolliert zusammen und beendet das Album mit einem vollständigen Spannungsbogen. Besonders die klar aufgeteilte Instrumentalarbeit verhindert, dass der Titeltrack nach den vorausgegangenen 45 Minuten überladen wirkt.

PRODUKTION UND SOUNDDESIGN: KLARHEIT FÜR FÜNF MUSIKER

Alex Nasla, bekannt durch Arbeiten mit Immortal Guardian, Witherfall und Helion Prime, übernahm Mix und Mastering. Seine Produktion ist für diese dichte Musik ausgezeichnet geeignet. Die beiden Gitarren bleiben voneinander unterscheidbar, Galvez’ Bass besitzt eine eigene Kontur, Hernandez’ Schlagzeug klingt druckvoll und kontrolliert, und Marquez steht klar im Zentrum, ohne die Instrumente zu verdrängen.

Das Sounddesign folgt den wechselnden Anforderungen der Songs. Schnelle Power-Metal-Passagen wirken kompakt und energisch, progressive Instrumentalteile öffnen den Raum, und die harschen Vocals erhalten eine aggressivere Einbettung. Soli treten deutlich hervor, ohne die Rhythmusgitarren vollständig aus dem Klangbild zu entfernen. Gerade bei »Sun & Moon« und »Mors Indecepta« ist diese Trennung entscheidend.

Besonders lobenswert ist die Behandlung des Basses. Viele moderne Power-Metal-Produktionen verstecken das Instrument unter Gitarren und Kickdrum. Hier bleibt Galvez auch in den schnellen und technisch dichten Abschnitten hörbar. Dadurch gewinnt das Album an Groove, Tiefe und dynamischer Beweglichkeit. Das fantastische Zusammenspiel der Band wäre ohne diese Transparenz nur teilweise nachvollziehbar.

Die Produktion besitzt allerdings einen bewusst modernen, lauten Grundcharakter. Große dynamische Sprünge werden zugunsten einer konstanten Durchsetzungskraft begrenzt. Zudem ist der Klang zwar fehlerfrei und klar, aber nicht sofort unverwechselbar. Nasla unterstützt die Musik hervorragend, entwickelt jedoch keinen ungewöhnlichen klanglichen Charakter, der Novareign allein anhand weniger Sekunden identifizierbar machen würde.

TECHNIK IM DIENST DER SONGS

Die größte Qualität von »Shifting the Axis of the World« ist die Kontrolle über die technische Leistung. Lemus und Walston können jederzeit schneller und komplexer spielen, als ein Song zwingend verlangt. Auf diesem Album treffen sie häufiger die richtige Entscheidung und binden ihre Soli in wiederkehrende melodische Themen ein. Dadurch entsteht keine zusammenhanglose Vorführung.

Hernandez ist für diese Ordnung unverzichtbar. Er beherrscht schnelle Doublebass-Figuren, abrupte Taktwechsel und detaillierte Fills, bleibt aber stets mit den Kompositionen verbunden. Seine Arbeit gibt den Gitarren Freiheit, ohne dass die Stücke rhythmisch auseinanderfallen. Galvez ergänzt ihn mit Basslinien, die melodische und rhythmische Aufgaben gleichzeitig übernehmen.

Marquez hat ebenfalls hörbar gewonnen. Seine Höhen klingen kontrollierter, die mittleren Lagen besitzen mehr Kraft, und die Refrains erhalten eine klare melodische Identität. Gelegentliche harsche Vocals erweitern seinen Ausdruck. Manche Gesangsmelodien bleiben konventionell, doch seine technische Sicherheit und sein theatralischer Vortrag passen ausgezeichnet zur epischen Ausrichtung der Platte.

Als Band wirken Novareign heute reifer als auf »Legends«. Die Musiker müssen nicht jede Fähigkeit in jedem Takt beweisen. Sie hören aufeinander, teilen den Klangraum sinnvoll auf und können komplexe Übergänge geschlossen ausführen. Diese Entwicklung rechtfertigt den langen Abstand zwischen beiden Alben.

WARUM DIE ACHSE NOCH NICHT VOLLSTÄNDIG VERRUTSCHT

Bei aller Qualität bleibt ein zentraler Einwand. Novareign verbinden Progressive und Power Metal äußerst kompetent, bewegen sich dabei aber häufig auf sicherem Boden. Angra, Symphony X, frühe Dream Theater, DragonForce, Iron Maiden und Van Halen sind als Bezugspunkte deutlich erkennbar. Die Band kopiert keinen einzelnen Namen, entwickelt aus diesen Einflüssen jedoch noch keine vollständig unverwechselbare Sprache.

Auch die langen Spielzeiten haben zwei Seiten. Das Album vergeht erstaunlich schnell und wird nie wirklich ermüdend. Gleichzeitig fehlen einzelne kurze Stücke, die unmittelbar zur Wiederholung auffordern. »Ironsides« kommt dieser Funktion am nächsten. »Blood of the Game« und der Titeltrack hätten von etwas stärkerer Verdichtung profitieren können.

Melodisch erreicht nicht jede Passage das Niveau der technischen Ausführung. Einige Refrains und heroische Wendungen erfüllen die Erwartungen des Genres, überraschen aber kaum. Die harschen Vocals und ungewöhnlichen Chugs zeigen mögliche Wege zu einem eigenständigeren Profil. Auf diesem Album bleiben sie gezielte Kontraste und werden noch nicht zu einem bestimmenden Element.

Diese Kritikpunkte relativieren die Leistung nicht. Sie erklären, weshalb ein hervorragend gespieltes und sehr gut produziertes Album knapp unter der Spitzenwertung bleibt. Novareign haben ihre Grundlage verfeinert, die Balance verbessert und einen durchgehend starken Nachfolger geschaffen. Der nächste Schritt wäre eine mutigere stilistische Zuspitzung.

FAZIT:

»Shifting the Axis of the World« ist ein technisch beeindruckendes, hervorragend produziertes Progressive-Power-Metal-Album, auf dem Novareign Virtuosität, große Refrains und komplexe Langformen deutlich besser ausbalancieren als zuvor. »Sun & Moon«, »Ironsides«, »Mors Indecepta« und »Thunder & Majesty« führen eine starke Platte an, deren fantastisches Bandzusammenspiel und klarer Mix besonders überzeugen. Bekannte Genreformeln, einzelne Längen und der noch etwas sichere eigene Stil verhindern die Höchstwertung. Die Weltachse wird nicht vollständig verschoben, aber Novareign verändern ihre Position innerhalb des Progressive Power Metal deutlich genug für verdiente 4 von 5 Punkte.

Novareign – Thunder & Majesty

Internet

NOVAREIGN - SHIFTING THE AXIS OF THE WORLD - Album Review

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