Tracklist
01. Keep It Nasty
02. Ruff Rider
03. Band of Outlaws
04. Lone Star State Line
05. Burning It Down
06. The Winds
07. Outlo
08. Burnt & Tattered
09. Stomping Mudholes
10. Just Like Johnny Cash
Besetzung
Big Dad Ritch – Lead Vocals
Nevada Romo – Lead Guitars
Corban Vincent – Guitars
LaRado Romo – Bass
Joey Mandigo – Drums, percussion
Fünfundzwanzig Jahre TEXAS HIPPIE COALITION. Das sind unzählige Clubshows, Festivals, verschwitzte Bühnen, lange Fahrten und vermutlich mehr Bierflecken, als man auf einer Jacke zählen möchte. Vor allem aber sind es 25 Jahre, in denen Big Dad Ritch und seine Mannschaft ihren eigenen musikalischen Weg gegangen sind. Mit „Band of Outlaws“ liegt nun das zehnte Album der Texaner vor. Und wer nach einem Altersnachweis sucht, wird enttäuscht. Diese Band klingt nicht nach Jubiläum, sondern nach Angriff.
Der Titel „Band of Outlaws“ passt dabei wie die Faust aufs Auge. Schon der Opener und Titelsong kommt mit einer derartigen Wucht aus den Lautsprechern, dass man besser vorher die Lautstärke kontrolliert. Big Dad Ritch brüllt sich durch den Song, als würde er gerade eine komplette Kneipe gegen sich aufbringen wollen. Seine Stimme ist rau, tief und völlig frei von irgendwelchen Schönheitsfiltern. Genau das macht ihren Reiz aus.
Keine Gefangenen
„Keep It Nasty“ legt anschließend noch eine Schippe drauf. Das Stück lebt von seinem dreckigen Groove und den schweren Gitarren, ohne dabei in eintöniges Dauergeballer abzurutschen. TEXAS HIPPIE COALITION verstehen es, Härte mit Bewegung zu verbinden. Man hört den Southern-Rock-Hintergrund jederzeit heraus, trotzdem steht hier eine Metalband vor dem Mikrofon.
Bei „Ruff Rider“ wird es endgültig körperlich. Das Riff drückt nach vorne, das Schlagzeug treibt und der Bass sorgt dafür, dass die Nummer ordentlich Gewicht bekommt. Joey Mandigo bearbeitet sein Schlagzeug mit einer Vehemenz, die man sich vermutlich auch auf der Bühne sehr gut vorstellen kann. Das ist kein Song zum stillen Zuhören. Dafür wurde er schlicht nicht geschrieben.
Mit „Lone Star State Line“ zeigt die Band anschließend, dass sie auch anders kann. Hier kommt deutlich mehr Southern Rock ins Spiel. Die großen Vorbilder aus den Südstaaten sind nicht zu überhören, wobei TEXAS HIPPIE COALITION die Vorlage nicht einfach nachspielt. Das Ganze wird härter, dreckiger und wesentlich weniger geschniegelt präsentiert.
Zwei Gitarren, ein klarer Kurs
Gitarrentechnisch ist „Band of Outlaws“ ohnehin eine ziemlich überzeugende Angelegenheit. Nevada Romo und Corban Vincent sorgen gemeinsam für das richtige Verhältnis aus wuchtigen Riffs, bluesigen Momenten und ordentlich Dreck auf den Saiten. Besonders Nevada Romo hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe innerhalb der Band entwickelt. Seine Gitarrenarbeit trägt wesentlich dazu bei, dass die Songs trotz ihrer teilweise massiven Härte nicht eindimensional wirken.
LaRado Romo hält derweil den Laden von unten zusammen. Sein Bass ist nicht bloß Staffage, sondern schiebt gemeinsam mit Mandigos Schlagzeug kräftig an. Genau dieses Zusammenspiel gibt vielen Songs ihren typischen Groove.
„Burning It Down“ funktioniert deshalb so gut, weil die Band hier nicht ständig versucht, noch härter zu werden. Der Song lässt seinen Groove arbeiten. „Burnt & Tattered“ schlägt anschließend wieder deutlich rauere Töne an und „Stomping Mudholes“ macht seinem Namen alle Ehre. Das Stück hat etwas Ungehobeltes, Dreckiges und verdammt Direktes.
Zwischen Red Dirt und Metal
Eine angenehme Überraschung ist „Just Like Johnny Cash“. Statt die nächste Metal-Keule auszupacken, bewegt sich die Band hier stärker in Richtung Red Dirt und Country Rock. Der Song bleibt trotzdem unverkennbar TEXAS HIPPIE COALITION. Gerade Big Dad Ritch verhindert mit seinem markanten Gesang, dass daraus irgendein glattgebügelter Country-Ausflug wird.
Und genau darin liegt eine der Stärken des Albums. Die Band muss ihre verschiedenen Einflüsse nicht verstecken. Southern Rock, Country, Blues und Groove Metal stehen nebeneinander, ohne dass es nach einem musikalischen Baukasten klingt.
„Outlo“ fügt sich problemlos in dieses Bild ein, bevor „The Winds“ das Album abschließt. Der Song hat etwas von einer zukünftigen Southern-Metal-Hymne. Weniger brachial als einige der vorherigen Stücke, dafür atmosphärischer und mit einem Refrain, der sich ziemlich schnell festsetzt.
Was am Ende hängen bleibt, ist vor allem Big Dad Ritchs Stimme. Der Mann kann brüllen, drücken, knurren und seiner Stimme gleichzeitig eine erstaunliche Portion Gefühl mitgeben. Dazu kommen Gitarren, die nicht nach Hochglanzstudio klingen müssen, um Wirkung zu erzielen. Genau diese kleinen Ecken und Kanten machen „Band of Outlaws“ glaubwürdig.
Nach 25 Jahren könnten sich TEXAS HIPPIE COALITION durchaus auf ihrer Geschichte ausruhen. Tun sie aber nicht. Stattdessen veröffentlichen sie das Album über ihr eigenes Big Dad Records und machen damit auch geschäftlich deutlich, dass sie ihren Weg inzwischen selbst bestimmen wollen.
„Band of Outlaws“ ist deshalb mehr als nur ein weiteres Album einer langjährigen Southern-Metal-Band. Es klingt nach Freiheit, Straße, Staub und einer ziemlich lauten Nacht irgendwo zwischen Texas und dem nächsten Festivalgelände. Wer Southern Metal gerne mit ordentlich Groove, rauem Gesang und einer Prise Country im Tank hört, sollte diese Platte definitiv auf dem Radar haben.
Fazit: TEXAS HIPPIE COALITION sind nach 25 Jahren nicht leiser geworden. Zum Glück.






