Tracklist
01. Vessels Torn – 04:43
02. In Tidal Chaos
03. Capsized
04. Bodies Overboard
05. Treading Water
06. Dragged Under
07. Becoming Chum
08. Crimson Tide
09. Surfaced Remains
Besetzung
Matt Sherriff – Gesang
Chris Chaperon – Leadgitarre
Dan Okowinsky – Gitarre
Tyler Abrams – Bass
Justin Whitehead – Schlagzeug
Produktion, Engineering, Mix und Mastering: Christian Donaldson
Artwork: Paolo Girardi
Der Titel »The Undertow Of Hate« bedeutet sinngemäß „Der Sog des Hasses“, und Eaten By Sharks ordnen ihre neun Stücke als lückenlose Abfolge von Ursache und Ergebnis. Ein Schiff wird beschädigt, gerät in chaotische See, kentert, verliert seine Besatzung und hinterlässt schließlich nur noch Überreste. Das Quintett aus St. Catharines in Ontario verbindet diese nautische Horrorerzählung mit Technical und Progressive Death Metal, Deathcore, Melodic Death Metal, Djent und einzelnen Slam-Elementen. Vier Jahre nach »Eradication« klingt die Band kompositorisch konzentrierter, technisch noch präziser und atmosphärisch wesentlich geschlossener. Produzent Christian Donaldson gibt den knapp 34 Minuten ein modernes, extrem druckvolles Klangbild, das die Details des fantastischen Zusammenspiels offenlegt, allerdings kaum dynamische Erholung zulässt.
EINE HANDLUNG IN NEUN TITELN
Eaten By Sharks haben ihr zweites Album um einen einzigen filmischen Moment herum entwickelt. Die Band spricht von nautischem Horror und psychischem Zusammenbruch, behandelt die Katastrophe aber nicht als lose Sammlung maritimer Motive. Bereits die Trackliste ergibt einen vollständigen Ablauf: »Vessels Torn«, »In Tidal Chaos«, »Capsized«, »Bodies Overboard«, »Treading Water«, »Dragged Under«, »Becoming Chum«, »Crimson Tide« und »Surfaced Remains«.
Dieser Ablauf wird in »Treading Water« sogar ausdrücklich zusammengefasst. Der Text reiht die vorangegangenen und folgenden Titel aneinander und bezeichnet das Geschehen als wiederkehrenden Kreislauf der Gewalt. Damit verändert sich die Perspektive. Die Haiattacke ist die konkrete Horrorhandlung, der Hass und die vergebliche Gegenwehr geben ihr eine psychologische Bedeutung.
Kurze Geräuschsequenzen zu Beginn der Stücke halten die Handlung zusammen. Möwen, Wasser, ein beanspruchtes Schiff, Schreie, Luftblasen und ein bekanntes Filmsample liefern jeweils den räumlichen Ausgangspunkt. Diese Einspielungen bleiben kurz genug, um den musikalischen Fluss nicht aufzuhalten. Das abschließende Instrumental »Surfaced Remains« führt das Prinzip konsequent zu Ende.
Die Erzählung funktioniert ohne gedruckte Zusammenfassung, weil Musik, Titel und Geräusche dieselbe Richtung verfolgen. Gleichzeitig stehen die Songs auch einzeln. Eaten By Sharks haben kein Konzept geschrieben, das nur mit Begleittext verständlich wird. Die Dramaturgie erweitert die Stücke, ersetzt aber nicht deren Riffs, Grooves und Refrainfiguren.
SEIT 2012 GEMEINSAM, SEIT 2018 IN DIESER FORM
Tyler Abrams, Justin Whitehead, Chris Chaperon und Dan Okowinsky spielen bereits seit 2012 zusammen. Matt Sherriff stieß 2018 hinzu. Diese lange gemeinsame Zeit ist auf »The Undertow Of Hate« sofort hörbar. Polyrhythmische Figuren, abrupte Stopps und Wechsel zwischen Blastbeats, Groove und langsameren Deathcore-Passagen werden nicht als technische Einzelübungen präsentiert.
Whitehead und Abrams schaffen die rhythmische Grundlage. Der Bass sitzt tief im Mix, bleibt in den weniger dicht belegten Passagen aber als eigene Bewegung erkennbar. Whitehead spielt sehr präsent, wechselt zwischen schnellen Bassdrumfolgen, Blastbeats, kurzen Unterbrechungen und schweren Akzenten. Seine Lautstärke wird später noch Thema sein; spielerisch ist seine Leistung makellos.
Chaperon und Okowinsky teilen die Gitarrenarbeit sinnvoll. Tiefe Staccatofiguren und technische Rhythmusmuster bilden den harten Kern, darüber stehen dissonante Linien, melodische Leads, Tapping und präzise Soli. Die Leadgitarre setzt häufig eine Gegenfarbe, sobald das tiefe Riffing zu vorhersehbar werden könnte. Dadurch bleibt der technische Anteil in den Songs verankert.
Sherriff besitzt eine erstaunliche Bandbreite. Tiefe Growls, gutturale Ausbrüche, trockene Fry Screams und hohe, scharfe Schreie klingen stellenweise wie zwei verschiedene Sänger. Er wechselt seine Lage häufig innerhalb einer Zeile und kann die erzählerischen Passagen ebenso tragen wie die kurzen, für Konzerte geeigneten Rufe.
Das fantastische Zusammenspiel der fünf Musiker ist der zentrale Qualitätsbeweis dieses Albums. Die Band beherrscht komplizierte Abläufe, wirkt dabei aber nicht steif. Gitarrensoli beginnen über laufenden Rhythmusfiguren, Whitehead verschiebt die Betonung, und Abrams hält die Bewegung im unteren Bereich zusammen. Jede technische Entscheidung unterstützt den Verlauf des jeweiligen Songs.
VESSELS TORN: RUHE VOR DER KATASTROPHE
»Vessels Torn« beginnt mit zurückgenommenen Gitarren, Möwen und den Geräuschen eines Schiffes. Der Kontrast zum folgenden Einsatz ist groß, wird aber nicht unnötig verlängert. Sobald die Band vollständig einsetzt, wechseln tiefe Akkorde, dissonante Figuren und Sherriffs erste Growls in schneller Folge.
Der Opener nimmt sich mit 4:43 Minuten genügend Zeit, um die Ausgangslage zu entwickeln. Das lyrische Ich befindet sich auf einem Schiff und erkennt, dass der Kampf zwischen Mensch und Tier bereits verloren sein könnte. Angst, Widerstand und die Entscheidung, bis zum Ende zu kämpfen, geben Sherriff mehrere emotionale Zustände, die er mit unterschiedlichen Stimmlagen markiert.
Musikalisch wird besonders das letzte Drittel stärker. Whitehead erhöht den Druck, die Gitarren verdichten ihre Rhythmen und Sherriff steigert die Aggression. Der Song endet nicht einfach nach der Wiederholung eines Hauptmotivs, sondern führt seine Spannung zu einem klaren Höhepunkt.
Der Einstieg erklärt zugleich das überarbeitete Songwriting der Band. Technische Riffs sind zahlreich vorhanden, werden aber in eine erkennbare Dramaturgie eingebunden. Im Vergleich zu einer bloßen Folge komplizierter Figuren bleibt »Vessels Torn« auch wegen seiner Entwicklung im Gedächtnis.
IN TIDAL CHAOS: DISSONANZ, TAPPING UND EIN STARKES SOLO
»In Tidal Chaos« eröffnet mit panischen Stimmen und einer deutlichen Verbeugung vor klassischem Haihorror. Danach setzt die Band zunächst kurz zurückhaltend an, bevor ein tiefes, abgehacktes Riff die eigentliche Bewegung übernimmt. Die Nähe zum Deathcore ist hier besonders ausgeprägt.
Chaperon und Okowinsky verhindern monotones Chugging durch Tappingpassagen, hohe dissonante Akzente und ein ausladendes Solo. Diese Leadarbeit besitzt melodische Kontur, ohne die bedrohliche Stimmung zu verlassen. Einzelne Wendungen erinnern an modernen Metalcore im Umfeld von August Burns Red, werden aber von Sherriffs tiefem Gesang in einem härteren Zusammenhang gehalten.
Der Song folgt grundsätzlich einem ähnlichen Weg wie der Opener: atmosphärische Einleitung, massiver Haupteinsatz, technische Erweiterung und Solohöhepunkt. Direkt hintereinander führt das zu einer kleinen Vorhersehbarkeit. Die Qualität der Gitarrenarbeit und der sehr präzise Übergang ins folgende »Capsized« gleichen dies weitgehend aus.
Textlich wächst die Katastrophe von einer unruhigen See zu einem Angriff durch Wesen aus der Tiefe. Wiederholte Zeilen über das Versinken und die Namenlosigkeit auf offener See unterstützen den rhythmischen Aufbau. Die Erzählung bleibt drastisch, verliert sich aber nicht in zu vielen Einzelheiten.
CAPSIZED: TECHNICAL DEATH METAL MIT DIREKTER WIRKUNG
Die erste Albumhälfte erreicht mit »Capsized« ihren konzentriertesten Punkt. Staccatoriffs, schnelle Schlagzeugarbeit und melodische Death-Metal-Leads werden in 3:35 Minuten kompakt verbunden. Der Song besitzt genug technische Details, um bei wiederholtem Hören neue Akzente zu zeigen, und bleibt gleichzeitig unmittelbar verständlich.
Sherriffs tiefe Growls stehen stärker im Vordergrund als zuvor. Er wechselt später in hohe Schreie, wodurch der Eindruck eines vokalen Dialogs entsteht. Die Gitarren reagieren mit dissonanten Harmonien und einem präzisen Solo, das nicht als Unterbrechung des Songs wirkt. Es erhöht die Spannung vor dem letzten Abschnitt.
Die Rhythmusgruppe arbeitet besonders geschlossen. Whiteheads Bassdrum folgt den kurzen Gitarrenfiguren, löst sich an den Übergängen aber bewusst davon. Abrams füllt die Pausen und hält den Groove auch dann stabil, wenn beide Gitarren ihre Linien übereinanderschichten.
Als Videosingle wurde »Capsized« sinnvoll gewählt. Der Track zeigt technische Präzision, Deathcore-Härte, melodische Leadarbeit und Sherriffs Stimmspektrum in einer überschaubaren Form. Gemeinsam mit »Bodies Overboard« und »Crimson Tide« gehört er zu den stärksten Stücken.
BODIES OVERBOARD: MELODIE UND POLYRHYTHMIK
Ein melancholischer Gitarrenanfang verschafft dem Album vor »Bodies Overboard« einen kurzen Kontrast. Danach wechseln Eaten By Sharks in polyrhythmische Riffs, ungerade Betonungen und schnelle Schlagzeugarbeit. Die Einleitung erfüllt damit eine musikalische Funktion und dient nicht ausschließlich dem Konzept.
Die Gesangsschichten sind hervorragend gemischt. Tiefe Growls und hohe, trockene Schreie überlagern sich, bleiben aber voneinander unterscheidbar. Der wiederholte Hinweis auf die Körper im Wasser funktioniert als knapper Refrain, ohne in eine konventionelle Gesangsmelodie überzugehen.
Chaperon und Okowinsky bringen stärker ausgeprägte Melodic-Death-Metal-Leads ein. Die Black Dahlia Murder ist als Vergleich naheliegend, besonders bei den schnellen Harmonien und der Verbindung aus Melodie und aggressiver Rhythmik. Eaten By Sharks übernehmen diesen Einfluss nicht für das gesamte Stück, sondern setzen ihn als Kontrast zur Deathcore-Basis ein.
Inhaltlich erreicht die Besatzung den Moment vollständiger Hoffnungslosigkeit. Das lyrische Ich bietet den eigenen Körper an, um andere zu retten, erkennt jedoch, dass niemand vorbereitet war. Diese persönliche Perspektive gibt der extremen Musik ein emotionales Zentrum und verhindert, dass das Konzept auf blutige Schauwerte reduziert wird.
TREADING WATER: DER KREISLAUF WIRD SICHTBAR
»Treading Water« startet ohne längeren Aufbau. Schnelle Riffs und Sherriffs direkter Einsatz bringen die zweite Albumhälfte sofort in Bewegung. Der Song verknüpft die gesamte Trackliste in seinem Text und macht aus dem bisherigen Ablauf einen Kreislauf, in dem Gewalt, Angst und aussichtsloser Widerstand wiederkehren.
Die Gitarren beginnen technisch und wechseln gegen Ende in stärker synkopierte Djent-Figuren. Darüber liegen hohe, fast klagende Leads. Dieser Gegensatz zwischen mechanischer Rhythmik und melodischer Unruhe gehört zu den gelungensten Arrangements des Albums.
Sherriff zeigt hier seine erzählerische Seite. Nicht jede Zeile wird mit maximalem Druck vorgetragen. Er variiert Tempo, Betonung und Stimmlage, bevor ein langer Schrei den letzten Abschnitt abschließt. Dadurch erhält der Song eine erkennbare Entwicklung statt einer dauerhaften Aneinanderreihung extremer Vocals.
Trotz seiner hohen Informationsdichte bleibt »Treading Water« eingängig. Die Band reduziert an den richtigen Stellen, führt einzelne Motive zurück und lässt den Refrain ausreichend deutlich hervortreten. Zusammen mit der konzeptionellen Schlüsselfunktion zählt der Track zu den wichtigsten Kompositionen.
DRAGGED UNDER UND BECOMING CHUM: ZWEI FORMEN VON BRUTALITÄT
»Dragged Under« setzt auf explosive rhythmische Muster und einen deutlichen Moshabschnitt im letzten Teil. Die Gitarren spielen weniger melodisch, dafür stärker über kurze, körperlich wirksame Figuren. Whitehead und Abrams geben dem Stück einen Groove, der die technischen Unterbrechungen zusammenhält.
Die Erzählung erreicht den direkten Angriff. Sherriff wechselt zwischen Angst, Unglauben und der Erkenntnis, dass eine Rettung nicht mehr möglich ist. Seine hohen Schreie wirken besonders effektiv, weil die Instrumente darunter häufiger in tiefen und klar begrenzten Figuren bleiben.
»Becoming Chum« verlangsamt anschließend einige Abläufe und greift stärker auf einfache Deathcore- und Slammechanismen zurück. Die Stimme wird noch tiefer, während ein überraschend melodisches Solo den massiven Mittelteil aufbricht. Thematisch geht es um Selbstzerstörung, körperlichen Verfall und die Bereitschaft, den eigenen Tod als Erlösung anzunehmen.
Dieser Song fällt gegenüber den Höhepunkten leicht ab. Einige Chug-Passagen wiederholen eine bereits bekannte Wirkung, und die längere Spielzeit wird nicht vollständig durch neue Ideen ausgefüllt. Das Solo, der extreme Gesang und die enge Rhythmusarbeit retten »Becoming Chum« deutlich über Mittelmaß, doch seine Position zwischen »Dragged Under« und »Crimson Tide« macht den Unterschied in der kompositorischen Schärfe hörbar.
CRIMSON TIDE: DER MUSIKALISCHE UND ERZÄHLERISCHE HÖHEPUNKT
Luftblasen und ein beunruhigender Beginn führen in »Crimson Tide«. Dissonante Gitarren, schnelles Drumming und technische Grooves setzen danach den dramatischen Endpunkt der eigentlichen Handlung. Mehrere Wechsel werden auf gut vier Minuten verteilt, ohne dass die Komposition überfrachtet wirkt.
Der Song verbindet die verschiedenen Seiten der Band am vollständigsten. Deathcore liefert die tiefen rhythmischen Figuren, Technical Death Metal bestimmt die Präzision, melodische Leads schaffen Kontrast, und progressive Übergänge halten die Abschnitte zusammen. Sherriff nutzt fast sein gesamtes Spektrum und setzt die zentrale Zeile über die Körper im Wasser so, dass sie unmittelbar haften bleibt.
Der Text enthält keine Hoffnung auf Rettung. Die Überlebenden geben ihren Widerstand auf, das Wasser ist voller Blut, und das Ende wird als Konsequenz gemeinsamer Fehler beschrieben. Damit schließt »Crimson Tide« die psychologische Ebene des Albums ab. Die äußere Katastrophe und der innere Zusammenbruch sind nicht mehr voneinander zu trennen.
Chaperon und Okowinsky liefern einige ihrer besten dissonanten Harmonien. Whitehead spielt schnell, lässt den Gitarren aber genügend Platz. Abrams ist im sehr dichten Mix weniger deutlich als in anderen Stücken, stabilisiert jedoch die tiefen Rhythmusverschiebungen. »Crimson Tide« ist der passende Hauptabschluss, bevor das kurze Nachspiel eine andere Perspektive einnimmt.
SURFACED REMAINS: 85 SEKUNDEN NACH DER GEWALT
»Surfaced Remains« verzichtet auf Gesang und extreme Rhythmik. Sanfte, melancholische Arpeggien, Unterwassergeräusche und das spätere Auftauchen an der Küste beschreiben den Zustand nach der Katastrophe. Die Musik betrachtet nicht mehr den Angriff, sondern dessen Ergebnis.
Der Abschluss ist kurz und genau bemessen. Ein längeres Ambientstück hätte die Spannung wahrscheinlich unnötig gedehnt. In 1:25 Minuten erhält das Album einen emotionalen Nachsatz, der die vorherige Gewalt nicht relativiert, aber einen deutlichen klanglichen Abstand schafft.
Gerade wegen der hohen Lautheit der acht Hauptstücke wirkt diese Zurücknahme stark. Gitarrentöne dürfen ausklingen, das Frequenzbild öffnet sich, und die Geräusche übernehmen die Erzählung. Das Sounddesign erreicht hier seinen subtilsten Moment.
»Surfaced Remains« ist kein eigenständiger Song im üblichen Sinn. Innerhalb der Albumdramaturgie ist das Stück jedoch unverzichtbar. Es schließt die in den Titeln erzählte Handlung ab und erklärt, weshalb Eaten By Sharks von einer filmischen Komposition sprechen.
PRODUKTION UND SOUNDDESIGN: CHRISTIAN DONALDSON DENKT IN DETAILS
Christian Donaldson übernahm Produktion, Engineering, Mix und Mastering. Seine Erfahrung mit unter anderem Cryptopsy, Suffocation, Shadow Of Intent und Ingested passt ausgezeichnet zu einer Band, die technische Genauigkeit, Deathcore-Druck und erzählerische Atmosphäre gleichzeitig benötigt.
Das Sounddesign ist fantastisch. Die Geräuschsequenzen besitzen dieselbe klangliche Perspektive wie die Musik und wirken deshalb nicht wie nachträglich eingesetzte Filmschnipsel. Möwen, Wasser, Schreie und Luftblasen führen in die Songs, während Gitarren und Schlagzeug die jeweilige Bewegung aufnehmen. Besonders »Vessels Torn« und »Surfaced Remains« profitieren von dieser sorgfältigen Verbindung.
Donaldson trennt die beiden Gitarren auch in sehr dichten Abschnitten. Rhythmisches Chugging, dissonante Akzente, melodische Leads und Soli behalten ihre Position. Sherriffs verschiedene Stimmlagen werden klar gestaffelt; bei den übereinandergelegten Growls und Screams in »Bodies Overboard« ist diese Arbeit entscheidend.
Der Bass ist vorhanden, wird aber in den lautesten Passagen von Gitarren und Bassdrum teilweise verdeckt. Whiteheads Schlagzeug steht sehr weit vorne. Seine technische Leistung ist dadurch vollständig hörbar, doch die permanente Präsenz von Kick und Snare nimmt manchen Riffs Raum. Der Mix erreicht große Wucht, bezahlt dafür jedoch mit begrenzter Dynamik.
Auch das Mastering ist ausgesprochen laut und komprimiert. Ruhigere Anfänge erzeugen deutliche Kontraste, innerhalb der schweren Abschnitte bleibt der Pegel dagegen fast ständig am oberen Rand. Über Kopfhörer kann die Kombination aus Chugs, Schlagzeug und Growls bei hoher Lautstärke ermüden. Etwas mehr Luft hätte die ohnehin vorhandene Aggression nicht geschwächt.
Diese Kritik ändert nichts an Donaldsons großer Leistung. Trotz der Vielzahl technischer Informationen zerfällt das Klangbild nicht. Die Produktion gibt der Band einen zeitgemäßen und professionellen Charakter, während das Sounddesign das nautische Konzept bis in kleine Übergänge trägt.
FORTSCHRITT GEGENÜBER ERADICATION
»Eradication« zeigte 2022 bereits die technische Grundlage von Eaten By Sharks. Der Nachfolger setzt stärker auf Komposition und fortlaufende Atmosphäre. Einzelne Stile werden nicht einfach nebeneinandergestellt, sondern nach ihrer Funktion im Song ausgewählt.
Melodische Leads erscheinen als Kontrast zu tiefen Rhythmen, verlangsamte Passagen markieren psychische Erschöpfung, und die Samples verbinden die Stücke. Die progressiven Eigenschaften liegen daher weniger in ausgedehnten Laufzeiten als in der Organisation der Abläufe. Kein Song überschreitet fünf Minuten, trotzdem besitzen mehrere eine klare innere Entwicklung.
Die Band hat außerdem gelernt, ihre technische Leistung dosierter einzusetzen. Tapping, ungerade Takte und schnelle Soli sind zahlreich vorhanden, stehen aber selten allein. »Capsized«, »Bodies Overboard« und »Treading Water« zeigen, wie gut Virtuosität und direkter Deathcore inzwischen zusammenarbeiten.
Einige Schwächen bleiben. Die ersten beiden Songs benutzen einen ähnlichen Spannungsaufbau, »Becoming Chum« verlässt sich stellenweise zu stark auf einfache Schwere, und der stark verdichtete Mix kann auf Dauer anstrengend werden. Zudem dürfte ein künftiges Album dem Bass noch mehr eigenständige Präsenz geben.
Die wichtigsten Voraussetzungen sind jedoch erfüllt. Eaten By Sharks besitzen ein eigenes Thema, eine erkennbare Verbindung aus technischer und direkter Härte sowie fünf Musiker, die komplexe Übergänge geschlossen umsetzen. Der zweite Langspieler ist deshalb ein klarer Entwicklungsschritt.
FAZIT:
»The Undertow Of Hate« ist ein präzise komponiertes und atmosphärisch geschlossenes Technical-Death-Metal- und Deathcore-Album. Die neun Titel erzählen eine nachvollziehbare nautische Horrorgeschichte, während »Capsized«, »Bodies Overboard«, »Treading Water« und »Crimson Tide« technische Leistung, starke Leads und ein fantastisches Bandzusammenspiel verbinden. Christian Donaldsons Produktion und das detaillierte Sounddesign verdienen großes Lob. Der sehr laute Schlagzeugmix, die geringe Dynamik und einzelne einfachere Chug-Passagen verhindern die Höchstwertung. Eaten By Sharks liefern dennoch ihren bislang geschlossensten und reifsten Langspieler ab. Dafür gibt es starke 4 von 5 Punkten.






