Band: SPACE CHASER 🇩🇪
Titel: Razorblade Bay
Label: Testimony Records
VÖ: 11/09/26
Genre: Thrash/Speed Metal

Tracklist

01. Razorblade Bay
02. Mind Melting Machine
03. We Are the Night
04. No Gods, No Dawn
05. 8 Minutes
06. We Bow To None
07. Blade Serpents
08. Even The Score
09. The Coffin
10. Razorblade Bay (Reprise)

 

Besetzung

Leo Schacht – Lead Vocals, Rhythm Guitar
Matthias Scheuerer – Drums
Sebastian Kerlikowski – Bass
Martin Hochsattel – Lead Guitar

 

Bewertung:

4/5

SPACE CHASER aus Berlin gehören zu den Bands, bei denen man nicht lange überlegen muss, in welche Richtung der musikalische Wind weht. Hier wird gethrasht. Schnell, bissig und mit ordentlich Druck. Seit 2011 sind die Berliner unterwegs und haben sich über die Jahre einen festen Platz in der deutschen Thrash-Szene erspielt. Mit „Razorblade Bay“ steht nun das vierte Studioalbum in den Startlöchern. Und schon nach den ersten Takten ist klar, die Jungs haben nicht vor, auf die Bremse zu steigen.

Dabei ist „Razorblade Bay“ keineswegs der Versuch, den Thrash Metal neu zu erfinden. Das wäre bei dieser Musikrichtung vermutlich ohnehin ein ziemlich schwieriges Unterfangen. SPACE CHASER setzen stattdessen auf das, was funktioniert, und verpassen dem Ganzen ihren eigenen Anstrich. Klassischer deutscher Thrash trifft auf Speed Metal, dazu kommen punkige Energie und eine ordentliche Portion Dreck unter den Fingernägeln. Genau diese Mischung macht die Platte interessant.

Ein Neuanfang, der funktioniert

Ganz ohne Veränderungen ist die Bandgeschichte in den vergangenen Jahren allerdings nicht geblieben. Nach „Watch the Skies!“ von 2014 und „Dead Sun Rising“ aus dem Jahr 2016 ging es mit „Give Us Life“ 2021 noch einmal deutlich nach oben. Das Album erreichte Platz 24 der deutschen Charts und brachte SPACE CHASER weitere große Festivalauftritte ein.

2023 folgte dann ein Einschnitt. Sänger Siegfried Rudzynski verließ die Band aus persönlichen Gründen. Gitarrist Leo Schacht übernahm daraufhin zusätzlich den Gesang. Eine solche Veränderung kann eine Band durchaus aus dem Takt bringen. SPACE CHASER haben sich davon allerdings nicht lange aufhalten lassen. Mit „Ignite the Skies“ gab es 2025 bereits ein erstes Lebenszeichen der neuen Besetzung.

Auf „Razorblade Bay“ steht Schacht nun gemeinsam mit Martin Hochsattel an den Gitarren. Sebastian Kerlikowski übernimmt den Bass und Matthias Scheuerer sitzt hinter dem Schlagzeug. Das Zusammenspiel wirkt kompakt und eingespielt. Nichts klingt unnötig aufgeblasen. Die Songs gehen nach vorne und wissen ziemlich genau, wann Schluss mit irgendwelchen Spielereien ist.

Thrash, wie er sein sollte

Der Einstieg mit dem Titeltrack „Razorblade Bay“ ist entsprechend direkt. Riff rein, Tempo hoch und ab dafür. Wer mit dem deutschen Thrash der alten Schule etwas anfangen kann, wird sich schnell heimisch fühlen. KREATOR, SODOM und DESTRUCTION sind als entfernte Verwandte durchaus erkennbar, wobei SPACE CHASER nicht einfach deren alte Platten nachspielen.

Gerade die Mischung mit Speed Metal sorgt dafür, dass die Songs nicht ständig nach demselben Muster funktionieren. „Mind Melting Machine“ legt ordentlich vor, während „We Are the Night“ etwas melodischer daherkommt, ohne die nötige Härte einzubüßen. „No Gods, No Dawn“ gehört wiederum zu den Stücken, bei denen man den Kopf eigentlich gar nicht ruhig halten kann.

Und genau da liegt eine der großen Stärken des Albums. SPACE CHASER schreiben Musik, die nach Bühne klingt. Man kann sich gut vorstellen, wie die ersten Reihen bei diesen Songs ordentlich in Bewegung geraten.

Willkommen im Weltraum-Horror

Auch thematisch gehen die Berliner ihren eigenen Weg. Science Fiction ist bei SPACE CHASER nichts Neues, allerdings geht es nicht um irgendwelche trockenen Zukunftsvisionen oder technische Spielereien. Viel interessanter sind die düsteren Seiten des Genres. Fremde Welten, Monster, Horror und das unangenehme Gefühl, irgendwo im All ziemlich verloren zu sein.

Das passt erstaunlich gut zum Thrash Metal. „Blade Serpents“ bringt dieses Thema ebenso auf den Punkt wie „The Coffin“. Bei „8 Minutes“ gibt es zudem Unterstützung von Andy Brings, der nicht nur als Co-Produzent beteiligt ist, sondern auch Gastvocals beisteuert. Seine Vergangenheit bei SODOM passt natürlich bestens zum musikalischen Grundgerüst der Berliner.

Mit „We Bow To None“ und „Even The Score“ bleibt die Band anschließend auf Kurs. Schnelle Gitarren, treibendes Schlagzeug und ein Bass, der ordentlich Druck macht. Besonders die Gitarrenarbeit fällt positiv auf. Schacht und Hochsattel lassen immer wieder kleine melodische Spitzen und klassische Metal-Einflüsse einfließen, ohne den roten Faden zu verlieren.

Produziert mit Erfahrung

Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde „Razorblade Bay“ von Jan Oberg im Hidden Planet Studio in Berlin. Als Co-Produzent war Andy Brings beteiligt. Das Ergebnis ist eine Produktion, die der Musik gerecht wird. Die Instrumente wirken druckvoll, aber nicht steril. Gerade bei einer Thrash-Platte ist das ein wichtiger Punkt. Zu viel Hochglanz kann einer solchen Band schnell die Zähne ziehen.

Hier bleiben sie erhalten.

Den Abschluss bildet eine Reprise des Titeltracks. „Razorblade Bay (Reprise)“ ist kein großes Experiment, sondern eher ein kurzer Rückblick auf das, was man gerade gehört hat. Passt.

SPACE CHASER liefern mit „Razorblade Bay“ ein Album ab, das genau das macht, was ein gutes Thrash-Metal-Album machen sollte: Es tritt einem kräftig in den Hintern und macht dabei verdammt viel Spaß.

Die Berliner bleiben ihren Wurzeln treu, wirken aber keineswegs wie eine Band, die ausschließlich in der Vergangenheit lebt. Der Wechsel am Mikrofon ist gelungen, das Zusammenspiel stimmt und die Mischung aus deutschem Thrash, Speed Metal und punkiger Energie funktioniert über weite Strecken richtig gut.

Ganz ohne kleinere Längen kommt die Platte zwar nicht aus. Dafür fehlt stellenweise noch der eine oder andere absolute Überhit, der sich dauerhaft im Gedächtnis festbeißt. Dafür stimmt das Gesamtpaket. „Razorblade Bay“ klingt ehrlich, direkt und vor allem nach einer Band, die ihre Musik auch selbst feiern kann. Wer auf schnellen, klassischen Thrash Metal steht und mit etwas Science-Fiction-Horror in den Texten kein Problem hat, sollte SPACE CHASER definitiv auf dem Radar behalten.

Fazit: Mit „Razorblade Bay“ beweisen SPACE CHASER, dass sie auch nach über einem Jahrzehnt noch mit frischen Ideen und einer starken Performance überzeugen können.

Internet

SPACE CHASER - Razorblade Bay - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.